Olaf Scholz: „Wischiwaschi beim Klima hilft nicht mehr“

Copyright Abbildung(en): Olaf Scholz | Bundesministerium der Finanzen

Olaf Scholz hat klare Entscheidungen in der deutschen Klimapolitik angemahnt. Es gehe dabei nicht um Verzicht, sondern um die Modernisierung der Industrie, erklärte der SPD-Kanzlerkandidat in einem Interview mit dem ADAC. Im Falle eines Wahlsieges wolle er mehr elektrifizierte Autos und mehr öffentlichen Verkehr.

Wenn der Umbau gelinge, werde es einen riesigen Wachstums- und Investitionsschub geben, so Scholz. Deutschland stehe vor einer zweiten industriellen Revolution. Dafür brauche es aber klare Vorgaben. „Wenn BMW, Daimler und Volkswagen jetzt Milliarden in die E-Mobilität investieren, dann hat der Staat die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es überall auch genug Ladestationen gibt. Das geht bislang viel zu langsam voran.“

Für all diese Pläne werde Deutschland noch viel mehr Strom brauchen als heute – bis 2030 zusätzlich fast 100 Terawattstunden. Das habe selbst der Wirtschaftsminister eingestanden, so Scholz. Dieser Wert bedeute jedes Jahr einen Zuwachs in der Größenordnung, wie eine Stadt wie Hamburg jährlich verbraucht. Deshalb müsse der Ausbau von Windkraft- und Solaranlagen beschleunigt und das Stromnetz ertüchtigt werden.

Das aber sei mit aktuellem Planungsrecht kaum zu schaffen, so der SPD-Kanzlerkandidat weiter. Daeshalb müssten im ersten Jahr der neuen Regierung alle entscheidenden Weichen dafür gestellt werden. Scholz: „Die Planungsverfahren, die heute oft fünf bis zehn Jahre dauern, müssen wir auf sechs Monate bis drei Jahre verkürzen, sonst bekommen wir das nicht hin mit der Klimaneutralität und gefährden Millionen Arbeitsplätze in der Industrie – auch in der Automobilindustrie.“

Neben den erneuerbaren Energien will Scholz auch auf Wasserstoff setzen. Für viele industrielle Prozesse werde er eine große Rolle spielen – womöglich auch für die Luftfahrt und schwere Laster. „Wichtig ist: Die Aufgabe, die vor uns liegt, kann gar nicht überschätzt werden. Deshalb braucht man klare Entscheidungen und kein Wischiwaschi und Durchwursteln – sonst gefährdet man die Zukunft Deutschlands.“

Niemand dürfe allerdings finanziell überfordert werden, so Scholz. Klimaneutralität müsse eben auch bezahlbar bleiben. „Ich halte es für richtig, wenn wir auf dem verabredeten moderaten Pfad zur CO₂-Bepreisung bleiben.“ Bürgerinnen und Bürger könnten sich darauf einstellen, dass die Nutzung von Erdöl, Erdgas und Kohle schrittweise teurer wird – und sich bei der nächsten Anschaffung darauf einstellen. „Wer jetzt den CO₂-Preis schnell ganz kräftig erhöhen will, der sorgt nur für Ärger, weil die meisten sich so schnell gar nicht umstellen können und dann auf den höheren Kosten sitzen bleiben werden.“

Die Wenigsten könnten sich von heute auf morgen ein E-Auto leisten, so Scholz. Ganz zu schweigen von den Pendlern, die weite Strecken zurücklegen müssten. Für den Umstieg müsse daher der Strompreis deutlich sinken. „Mit der Abschaffung der EEG-Umlage, wie sie die SPD vorschlägt, spart eine Familie etwa 300 Euro im Jahr.“ Finanziert werden könne dies durch allmählich steigende Einnahmen aus der CO2-Bepreisung – und die Vermeidung klimaschädlicher Subventionen.

E-Fuels, wie etwa vom Automobilverband gefordert, hält Scholz nicht für den geeigneten Weg. Die Technik werde vor 2030 kaum massentauglich sein. Zu diesem Zeitpunkt werde es aber gar nicht mehr so viele Fahrzeuge geben, die solche Kraftstoffe noch bräuchten. „Interessant sind E-Fuels für die Luftfahrt oder für die Seeschifffahrt, vielleicht auch für die Formel 1. Für den Alltagsgebrauch sehe ich sie eher nicht.“

Ein klares Bekenntnis zum EU-Ziel, wonach ab 2035 quasi keine Pkw mit Verbrennungsmotoren mehr zugelassen werden dürfen, vermeidet Scholz. Er sei sicher, dass es darüber noch eine intensive Debatte in Europa geben werde. Er sei kein Freund von Verboten. Volkswagen, BMW und Daimler setzten bereits auf die E-Mobilität. Sobald E-Fahrzeuge das gleiche kosteten und genauso viel Komfort und Reichweite böten wie traditionelle Pkw, würden sich auch immer mehr Kunden dafür entscheiden.

Ein Tempolimit von 130 auf Autobahnen hält Scholz allerdings für sinnvoll. Das sei zwar kein riesiger Beitrag zur Senkung von Emissionen – aber eben doch ein wirksamer. Parallel dazu bleibe aber der Ausbau von Autobahnen wichtig. Auch für E-Autos brauche man schließlich gute Straßen.

Quelle: ADAC – Olaf Scholz: „Wer den CO₂-Preis schnell ganz kräftig erhöhen will, sorgt nur für Ärger“

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Für all diese Pläne werde Deutschland noch viel mehr Strom brauchen als heute – bis 2030 zusätzlich fast 100 Terawattstunden.

100 TWh wären 100.000 GWh bis 2030 oder rund 11.000 GWh Zuwachs pro Jahr bzw. über 1.000 neue Windräder pro Jahr. Bei 294 Landkreisen in Deutschland also 3 – 4 neue Windräder pro Kreis und Jahr.

Oder als PV-Anlagen ein Zuwachs von 82,5 km² PV-Fläche pro Jahr oder 0,28 km² (280.000 m²) pro Landkreis und Jahr. Als Quadrat rund 530 x 530 m pro Landkreis und Jahr verteilt auf Gebäuden oder Freiflächen.

Alles machbar, wenn es politisch gewollt ist.

„Interessant sind E-Fuels für die Luftfahrt oder für die Seeschifffahrt, vielleicht auch für die Formel 1“ unfug die Formel1 muss auf E-Mobilität umgestellt oder abgeschhafft werden. Diese nutzlose und sinnlose co2 Erzeugung für diese Spassveranstaltung (2 Stunden im Kreis herumfahren) gehört nicht mehr in eine saubere Umwelt

Olaf Scholz: „Wischiwaschi beim Klima hilft nicht mehr“

Schon klar, Olaf, aber (D)ein »Waschiwischi« hilft da auch nicht weiter!

Wenn ich kein deutliches und eher kurzfristiges Ende für die Zulassung aller Verbrenner in Deutschland setze, dann ist das wischiwaschi. Dann scheißt man sich in die Hose vor dem Petrolheads und vor denen, die sich nie ändern werden. Keine Neuzulassungen mehr ab 2025 und Fahrverbot ab 2030 wäre dagegen ein klares und in die Zeit passendes echtes Signal gewesen.

leider nicht wählbar dieser Mann…
hab das Interview im Radio gehört.

Auf die Frage ob er an ein bedingungsloses Grundeinkommen glaub antwortete er mit „Nein“

Wer nicht die Vorstellungskraft hat was zu verändern, wird auch nichts verändern!!!!

Wäre damals nicht mal irgendjemand von einem Kirchturm gesprungen , gäbe es heute keine Flugzeuge.

Die Vision muss da sein, und diese hat der Mann beim Umweltschutz oder der E-Mobilität auch nicht.

Also…. wischiwaschi Typ

und in Mathe hat der auch gepennt….

wenn man nur ganz stumpf mal die knapp 65 Millionen zugelassenen Fahrzeuge in D annimmt:

die einen Energieverbrauch von knapp 40 kW/h pro 100 km
(Kraftstofferzeugung, Fahrbetrieb usw)
bei angenommen 15.000 km im Jahr haben
( Hochrechnung liegt zwischen 15.000 km und 20.000 km) überschlagen auf alle Fahrzeuge

dann ergibt sich draus 6000 kW/h für alle aktuell zugelassenen PKWs

wenn diese Stand heute nur 20 kW/h /100 km verbrauchen halbiert sich der Jahresenergiebedarf für alle PKWs.

bei 20.000 km – 8.000 kWh

Und das ist jetzt nur ganz grob überschlagen und wirklich schön gerechnet, der reale Wert des aktuellen Energieverbrauches für den PKW Verkehr ist weitaus höher.
Es darf gerne jemand eine detaillierte Auflistung und Berechnung machen.

Das Ergebnis wäre erschreckend!

ich tippe mal auf Reduzierung von mehr als 80 % bei Umstellung auf E-Autos.

Warum genau sollten wir also mehr Strom brauchen?
Weil unsere Industrie immer mehr Strom braucht, nämlich die Chemieindustrie.

Also sollte doch diese Industrie in die Pflicht genommen werden und nicht der Steuerzahler!!!

Denn der hat nichts von den enormen Gewinnen aus der Industrie!

es bleibt spannend

„Wir brauchen viel mehr Strom als heute, das habe sogar der Wirtschaftsminister eingestanden“ – das ist als würde man sagen: Für mehr Hefekuchen brauchen wir mehr Hefe, das hat sogar der Bäckermeister eingestanden. Wie traurig ist es, das wir inzwischen schon ganz selbstverständlich davon ausgehen, dass als politische Entscheider bei uns grundsätzlich nur noch Deppen (oder Lobbyisten-Knechte) am Werk sind? Wir brauchen sooo dringend wieder Politiker, die etwas von ihrem Ressort verstehen! Nicht auszudenken, welcher Katastrophe wir entgegen gehen, wenn bsw die Klimakrise, aber auch Bildung, Verkehr, Gesundheit, Digitalisierung…weiter von solchem Personal gemanagt wird!!!

Last edited 1 Jahr zuvor by Norbert Seebach

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