Östliche HafenCity Hamburg soll dank Carsharing ein autoarmer Stadtteil werden

HafenCity-Cambio-Carsharing

Copyright Abbildung(en): Cambio

In den autoarmen HafenCity Stadtteilen Baakenhafen und Elbbrücken startet im Herbst dieses Jahres ein deutschlandweit einzigartiges Carsharing-Angebot. In insgesamt 30 Tiefgaragen der dortigen Wohn- und Geschäftshäuser steht den Bewohnern und Beschäftigten eine größtenteils elektrisch betriebene Flotte unmittelbar und quartiersübergreifend zur Verfügung. Cambio Carsharing hat sich in dem Wettbewerb um den Betrieb des Carsharings in der östlichen HafenCity durchgesetzt, den die Gesellschaft zur Koordination für nachhaltige Mobilität (GKNM), eine Tochter der HafenCity Hamburg GmbH, ausgelobt hatte.

Vor wenigen Tagen gaben Prof. Jürgen Bruns-Berentelg, Vorsitzender der Geschäftsführung der HafenCity Hamburg GmbH und Joachim Schwarz, Geschäftsführer der Cambio-Gruppe, den Startschuss im Beisein von Dr. Dorothee Stapelfeldt, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen und Dr. Anjes Tjarks, Senator für Verkehr und Mobilitätswende. Das Carsharing-System ist ein zentrales ergänzendes Element des durch aktive Mobilität und sehr gute öffentliche Verkehrsmittelanbindungen geprägten autoarmen 10-Minuten-Stadtteils HafenCity. Es soll den Bedarf nach privatem Fahrzeugbesitz weiter reduzieren.

Das Smart Mobility Konzept der östlichen HafenCity erleichtert es Bewohnenden und Beschäftigten, von einem privaten Fahrzeug auf eine alternative Fortbewegung umzusteigen. Je nach Bedarf können die Wege zu Fuß, per Fahrrad, öffentlichem Verkehr und Carsharing zurückgelegt werden. Als ein zentraler ergänzender Baustein startet im Herbst ein von Cambio betriebenes quartiersübergreifendes und stationsbasiertes Carsharing-System als Angebot, das aus den Tiefgaragen heraus für alle dortigen Nutzer betrieben wird.

Die Buchung und Zurverfügungstellung der Fahrzeuge wird vollständig digitalisiert über mobile Applikationen erfolgen, was auch den flächendeckenden Zugang zu den 30 digital integrierten privaten Tiefgaragen sowie die Aus- und Einfahrtsdokumentation der Fahrzeuge regelt. Zu diesem Zweck wird ein einheitliches Zugangssystem installiert, das sowohl die Zu- und Ausfahrt der Carsharing-Fahrzeuge als auch den fußläufigen Zu- und Ausgang der Angebotsnutzenden aus anderen Gebäuden in die Tiefgarage dauerhaft ermöglicht.

HafenCity-Cambio-Carsharing-Tresor
Cambio

Cambio startet im Herbst zunächst mit einer Flotte von 13 Fahrzeugen an sechs Stationen in den Tiefgaragen. Im Verlauf der Quartiersentwicklung ist ein Fahrzeugbestand von rund 100 Carsharing-Fahrzeugen verschiedener Fahrzeugtypen vorgesehen. Zu Beginn besteht die Flotte zu 60 Prozent aus Elektroautos – dieser Anteil soll sich bis 2025 auf mindestens 90 Prozent erhöhen. Geladen wird zu 100 Prozent zertifizierter Strom aus erneuerbaren Energiequellen.

Das Konzept ist primär auf die zukünftig rund 8.000 Bewohner und rund 13.000 Beschäftigten der östlichen HafenCity ausgerichtet – aber auch externe Personen können das Angebot nutzen. Vom Kleinwagen über die Kompaktklasse bis zu Nutzfahrzeugen sollen unterschiedliche Modelle für verschiedene Bedarfe zur Verfügung stehen. Es lasse sich bei dem Angebot je nach Nutzungshäufigkeit zwischen verschiedenen Tarifmodellen wählen. Das neue Carsharing-System soll damit auch ein Ankerprojekt des Themenfelds Quartiersmobilität für den ITS Weltkongress sein, den Hamburg zwischen dem 11. und 15. Oktober 2021 ausrichtet.

„Das Smart-Mobility-Konzept für die östliche HafenCity vereint eine zukunftsweisende und herausragende ÖPNV-Anbindung der Quartiere, Stadtstruktur mit aktiver Mobilität und ein komplementäres Angebot des motorisierten Individualverkehrs mit maximal 0,4 Stellplätzen pro Wohneinheit. Das stationsbasierte, quartiersübergreifende Carsharing trägt zum CO2-armen, effizienten innerstädtischen Verkehr der Stadt von morgen bei: Die Haushalte und Unternehmen können Pkw nutzen, gleichzeitig müssen sie aber auch keine Autos besitzen. So entsteht ein Reallabor zur Erprobung neuer komplexer Mobilitätsansätze auf Stadtteilebene, das zugleich als das größte Innovationsprojekt für Carsharing und Elektromobilität im Rahmen eines Stadtentwicklungsvorhabens in Europa gelten kann.“ – Prof. Jürgen Bruns-Berentelg, Vorsitzender der Geschäftsführung der HafenCity Hamburg GmbH

Joachim Schwarz, Geschäftsführer der Cambio-Gruppe, sagt, dass autoreduziertes Wohnen eines der Steckenpferde des Unternehmens sei. Schon lange arbeite Cambio mit zukunftsorientierten Wohnungsbauunternehmen zusammen. „Dass wir das jetzt für ein ganzes Quartier, und zudem mit einem hohen Anteil reiner, kleiner Elektroautos, längerfristig realisieren können, macht uns glücklich. Gerne mehr davon.“

Dr. Anjes Tjarks, Senator für Verkehr und Mobilitätswende, fügt hinzu, dass das stationäre Carsharing-Angebot ein Eckpfeiler des ITS-Ankerprojekts Smart Mobility Hafen-City sei. „Die Gestaltung des Straßenraums in den Quartieren wirkt sich direkt auf die Lebensqualität in unserer Stadt aus – Mobilitätswende und Stadtentwicklung müssen dabei Hand in Hand gehen“, so Tjarks. Bei der Entwicklung der östlichen HafenCity habe die Hansestadt von Anfang an auf die Chance gesetzt, die Mobilität der Zukunft in das Quartier zu integrieren. „Für die Mobilitätswende und den Klimaschutz im Verkehr brauchen die Hamburgerinnen und Hamburger überzeugende und komfortable Alternativen zum eigenen PKW. Ein breites Carsharing-Angebot trägt dazu bei, dass weniger Autos auf den Straßen sind, wir mehr Platz für alle Verkehrsteilnehmenden haben und trotzdem jederzeit nach Bedarf ein passendes Auto ausgeliehen werden kann.

Das Mobilitätskonzept der HafenCity priorisiert aus ökologischen Gründen und zur Steigerung der stadträumlichen Qualitäten den Fuß- und Radverkehr und den öffentlichen Personennahverkehr (U-Bahn, S-Bahn, Busse und Fähren). Dazu gehört auch das Ziel den Pkw-Besitz in der HafenCity und in weiteren Stadtteilen substanziell zu senken. Der autoarme Ansatz der östlichen HafenCity beginnt bereits damit, dass grundsätzlich weniger private Stellplätze pro Wohneinheit realisiert werden. Der Stellplatz-Schlüssel ist auf 0,4 Stellplätze pro Wohneinheit reduziert. Bei gewerblichen Gebäuden, mit Ausnahme von Beherbergungsbetrieben, entspricht der Anteil 25 bis 30 Prozent. So soll der fließende wie ruhende Pkw-Verkehr insgesamt verringert werden. Darüber hinaus werde der Bauaufwand zur Herstellung großer Tiefgaragen und der Bedarf von Stellplätzen im öffentlichen Raum gesenkt, was die Aufenthaltsqualität erheblich steigert und den ökologischen Fußabdruck der Gebäude reduziere.

Für das stationsbasierte CarSharing werden grundsätzlich mindestens 30 Prozent der privaten und 5 Prozent der gewerblich genutzten Stellplätze zur Verfügung gestellt. Einen Teil der erforderlichen Infrastruktur stellen die Grundstückseigentümer zur Verfügung. Diese umfasst neben den Stellplätzen in den Tiefgaragen unter anderem eine funktionsfähige Ladeinfrastruktur sowie die WLAN- und Mobilfunkanbindung zur Übertragung von Buchungs- und Abrechnungsdaten der Autos.

„Immer mehr Menschen wünschen sich nicht nur bezahlbares Wohnen in guter Qualität, sondern dazu eine Mobilität ohne eigenen Parkplatz vor der Haustür. Das heißt: Das Wohnen und die Mobilität müssen immer zusammen gedacht werden, und genau das tun wir. Wenn wir beispielsweise wie jetzt in der HafenCity in Verbindung mit attraktiven Carsharing-Angeboten nur begrenzt private Parkplätze in Tiefgaragen vorsehen, dann macht es das Bauen und damit das Wohnen günstiger. Auf diese Weise finden wir Lösungen, die unterschiedliche Mobilitätsformen anbieten, die öffentlichen Räume für den Menschen und die Natur zurückgewinnen und die Quartiere und ihre Zentren insgesamt stärken. Das Ergebnis ist eine höhere Lebensqualität durch gleichermaßen höhere Nutzerfreundlichkeit und Nachhaltigkeit. Damit steigt die Attraktivität der Quartiere für Menschen aller Einkommensgruppen.“ – Dr. Dorothee Stapelfeldt, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen Hamburg

In der Erstausstattung werden zudem mindestens 40 Prozent aller Stellplätze für Wohn- und Bürogebäude in den Quartieren Elbbrücken und Baakenhafen mit Ladepunkten ausgestattet, alle weiteren Stellplätze werden vorinstalliert. Bis 2027 sollen voraussichtlich rund 1500 Tiefgaragenstellplätze mit einem Ladepunkt des Typs 2 ausgestattet sein.

Der Mobilitätsvertrag zwischen Cambio und der GKNM wird bis zum 31. Juli 2028 geschlossen und verlängert sich danach automatisch um weitere zwei Jahre, wenn keine der beiden Parteien kündigt. Um den Umstieg vom Privatwagen auf die Carsharing-Flotte weiter zu fördern, zahlt die GKNM für Stationen, die bis 2023 in Betrieb genommen werden, zudem eine anteilige temporäre Innovationsprämie, für ein Überangebot an Carsharing-Fahrzeugen während der anfänglichen Entwicklungsphase.

Quelle: Cambio – Pressemitteilung vom 05.08.2021

Über den Autor

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Car-Sharing ist eine tolle Sache, solange ich in der Großstadt bleibe. Aber wenn ich am Wochenende die Eltern in Lüneburg besuche, steht das Auto 2 Tage dort rum. Das wird dann schwierig, die Interessen der Beteiligten durch passende Tarife zusammenzubringen. Wahrscheinlich wird man sagen, nehmt euch für diesen Fall einen Mietwagen. Und für den Wachmann oder Putzfrau ist das Thema Auto dann gestorben.

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