Netze BW testet das Zusammenspiel von Elektromobilität und örtlichem Stromnetz

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Copyright Abbildung(en): Netze BW

Für die kommenden sechs Monate stellt der Netzbetreiber Netze BW acht Wangener Haushalten aus der Maria-Knöpfler-Straße je ein Elektroauto kostenfrei zur Verfügung. Die Familien nehmen bis zum kommenden Frühjahr an einem Feldversuch des Unternehmens teil. In dem sogenannten NETZlabor „Intelligentes Heimladen“ fühlen sie der Alltagstauglichkeit von Elektromobilität auf den Zahn. Mit der Fahrzeugübergabe fand vor wenigen Tagen der Startschuss dazu statt.

Bei dem Projekt steht die Frage im Mittelpunkt, wie sich die Elektromobilität auf das örtliche Stromnetz auswirkt. „Unsere Aufgabe ist es, möglichen Engpässen in der Stromversorgung entgegenzuwirken. Dazu erproben wir verschiedene Strategien im Bereich des privaten Ladens. Netzdienliches Lademanagement ist hierbei das Schlüsselwort“, erklärt Sven Zahorka von Netze BW. Dafür werden intelligente Messsysteme – digitale Stromzähler – genutzt und durch zusätzliche Steuerboxen ergänzt. „Mit diesen beiden Komponenten können wir Ladevorgänge beeinflussen. Das ermöglicht es uns, eine größere Anzahl E-Fahrzeuge in unser bestehendes Stromnetz zu integrieren – bei gleichbleibender Versorgungssicherheit“, so Zahorka. Die in Wangen gemachten Erfahrungen sollen helfen, eine einheitliche Steuerung für das Laden von Elektroautos zu entwickeln.

Die Elektromobilität stelle neue Herausforderungen an die Stromnetze, führt der Projektleiter weiter aus. Dazu gebe es zwar Berechnungen und Prognosen. Darauf allein will sich der Netzbetreiber aber nicht verlassen: „Wir möchten live im realen Netzbetrieb beobachten und testen.“ Besonders interessant seien dabei vor allem auch die Erfahrungen der Projektteilnehmer*innen und deren subjektives Empfinden. Etwa wie bzw. ob überhaupt ein Absenken der Ladeleistung mit der damit verbundenen längeren Ladedauer wahrgenommen wird.

Mit der Maria-Knöpfler-Straße in Wangen wurde Netze BW zufolge gezielt ein typisches Wohngebiet mit Eigenheimen ausgesucht, die alle an einem Stromkreis angeschlossen sind. Dahinter steht die Annahme, dass die Elektromobilität in solchen Gebieten am schnellsten Fuß fassen wird – und dort infolgedessen auch zuerst ‚Belastungs-Hotspots‘ im Stromnetz entstehen könnten. Außerdem verfügen viele Häuser dort über eine Photovoltaikanlage, einige nutzen Strom zum Heizen. „Damit können wir vor Ort das Zusammenspiel von Stromeinspeisung aus erneuerbarer Energie, Stromnetz und Verbrauchern sehr gut untersuchen“, so Sven Zahorka.

Im Einsatz sind verschiedene Typen von E-Autos mit unterschiedlicher Reichweite und Ladeleistung: Per Losverfahren erhalten die Projektteilnehmer*innen insgesamt drei BMW i3, drei VW eGolf und zwei Tesla Model 3. Neben den Fahrzeugen stellt der Netzbetreiber jedem Haushalt kostenlos eine Ladebox mit einer möglichen Leistung von bis zu 11 Kilowatt zur Verfügung.

Wangen ist nach Ringsheim, Ettenheim und Dossenheim der vierte von insgesamt fünf Projektstandorten in Baden-Württemberg im Rahmen des NETZlabors „Intelligentes Heimladen“. In den vorherigen Standorten konnten erste Erfahrungen zum Ladeverhalten der Projektteilnehmer*innen gewonnen werden. Zudem wurde die Wirksamkeit eines intelligenten Messsystems mit Steuerbox getestet und analysiert. Das Projekt in Wangen stellt nun den nächsten Schritt in der Entwicklung in Richtung zukünftiger Steuerung von Ladeeinrichtungen dar. Während in den vorherigen Standorten noch ein separates Messsystem zur Erfassung der zu analysierenden Messwerte verbaut wurde, funktionieren die beiden Segmente „Ladesteuerung“ und „Messwerterfassung“ über das gleiche verbaute intelligente Messsystem mit Steuerbox.

Mit Projekten wie in Wangen und mit dem stetigen Ausbau der Netzinfrastruktur will Netze BW die Alltagstauglichkeit der Elektromobilität vorantreiben. Bis 2025 sind hierfür im Netzgebiet zusätzliche Investitionen in Höhe von 500 Millionen Euro geplant.

Quelle: NetzeBW– Pressemitteilung vom 22.10.2021

Über den Autor

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Das hat doch LEW bei Augsburg gemacht, ENBW bei Stuttgart, Eon irgendwo, RWE sogar auch mal, Franzosen und Briten auch….. müssen stets ganz neue Erfahrungen sein??

Wenn man zu statistisch gesehen relevanten Aussagen kommen möchte, reichen 1.000 Haushalte nicht aus, da braucht es schon den fünfstelligen Bereich. Sonst ist die Verlässlichkeit der Ergebnisse fraglich, also eine Spekulation.

Für eine gute Statistik genügen ca 1000 Haushalte, also ergibt das schon Sinn. Ist mathematisch nachweisbar dass 1000 Stichproben schon sehr nahe an der „Wahrheit“ liegen.

Dieser Versorger denkt auch nur in eine Richtung. Das übernacht Heimladen wird massiv überbewertet, das wird die Sau nicht fett machen. Wenn was sinnvol wäre, dann das bidirektionale laden zu testen (das ist aber Teufelswerk für die Versorger und deshalb auch >noch< verboten). Das auf Arbeit tagsüber laden ist viel interessanter – das nimmt automatisch regenerativen Strom auf. Abends zu Hause wird dann die Bratenspitze aus den Autobatterien abgefangen. Sieht man schön im Agorameter, wann die Lastspitzen und wann das Überangebot da sind.
Bei uns auf Arbeit gibts zwei 11KW Wallboxen – da lädt keiner mehr zu Hause!

Wir laden zum Beispiel alle zuhause

Genau das ist das Problem,Bidi ist noch gar nicht gewollt,da muss die Regierung ordentlich Druck machen.

Ich gebe Dir recht ! Solange nicht das Bidirektionale Laden die Energiebetreiber ernsthaft interessiert ist alles nur „Kosmetik“ Klar kommen die Betreiber in Bedrängnis, wenn die Leitungskapazitäten nicht mehr ausreichen. Aber dafür müsste man eben über den „Tellerrand hinaus sehen“ – da gehört eben das Einbinden von PV Kapazitäten, Spitzenlastabfederung durch verfügbare Batterie-Puffer, und selektives Zuschalten von Ladekapazitäten, …usw dazu. Dumm ist wer die herumstehenden Batterien in den Autos nicht für solch ein Szenario mitberücksichtigt. ….Dafür braucht es eben Automobilfirmen die „mehr Mut“ und Energie in soche vernetzte Systeme stecken – und eben bidirektionales Laden erlaueben – nur zur Fortbewegung ist eine 60.000 € Investition sowieso zu wenig sinnvoll –

…Wäre doch schön wenn mein Auto beim „herumstehen“ noch so nebenbei für die Regelleistung im Netz noch etwas taschengeld dazu verdient …

Wenn diese Versuche die Vorurteile der Netzbetreiber gegenüber Elektromobilität endlich aufheben, dann soll ruhig jeder kleine Netzbetreiber solch einen Versuch durchführen. Am Ende müssen alle mitmachen, auch die Netze und deren Betreiber, das gilt besonders für VTG, da tut sich in Europa gefühlt seit Jahren nichts. Alle Versuche mit dieser Technologie werden mit CHADEMO – Fahrzeugen gefahren, das sagt doch schon alles.

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