Nach 1 Mio. km im Verbrenner - Benzinfreier Haushalt - Freude, Einsichten und Frust

Nach 1 Mio. km im Verbrenner – Benzinfreier Haushalt – Freude, Einsichten und Frust

Copyright Abbildung(en): North Monaco / Shutterstock.com

Seit etwa einem halben Jahr fahre ich nun rein elektrisch, nach 4 Jahren Golf Hybrid war klar, dass das auch funktionieren sollte. Natürlich gab es einige Bedenken. Über meine Erfahrungen möchte ich berichten, nicht ohne eine Kritik zur aktuellen Entwicklung der E-Mobilität.

Ich lasse mich bespitzeln

Es sei erwähnt, dass ich einen Telematik Sensor bestellt habe, der meinen Fahrstil beobachtet und meine Versicherungsprämie entsprechend anpasst, sei es zu meinem Vor- oder Nachteil. Das elektrische Fahren an sich ist äußerst entspannend und angenehm, so wie dies von allen anderen Fahrern auch dargestellt wird. Langsam fahren macht mir nichts mehr aus; und wenn doch ich einmal überholen möchte, dann ist das schnell und geräuschlos zu erledigen.

Verzicht muss nicht wehtun

Der Verzicht auf schnelles Fahren ist nicht so schmerzlich wie es anfangs schien, man wird ja belohnt mit sehr stressarmer Fortbewegung. Störend sind immer wieder die Schnellfahrer, die einen doch häufig zu etwas hektischen Manövern zwingen. Bei jedem Überholvorgang und auch beim schnelleren Fahren wird immer deutlich, wieviel Energie nötig ist, um 75 kg Lebendgewicht in einem 1,5 Tonnen schweren Gerät zu transportieren. Das schmerzt, auch wenn ein ordentlicher Teil des Fahrstromes aus der hauseigenen PV kommt. Viel dazu trägt eben bei, dass man beim elektrischen Fahren aufgrund der genauen Anzeige des aktuellen Stromflusses ein anderes Bewusstsein für den tatsächlichen Energieverbrauch entwickelt. Und dass man natürlich auch mit einer Akkuladung möglichst weit kommen möchte oder möglichst wenige Zwischenstopps haben will. Und so spart man unbewusst Energie…

Die Wahrnehmung ändert sich

Häufig beobachte ich im Angesicht einer roten Ampel, dass ich von einem Verbrennerpiloten noch schnell überholt werde, der dann – ohne jede Rekuperation – heftig bis zum Stillstand abbremst. Leider nervt es mich seit meinem Umstieg mehr, wenn mich schwere Fahrzeuge mit hoher Geschwindigkeit überholen – ohne Rücksicht auf die schlechte Luft und die Verschwendung, die damit einher geht. Ich gestehe zu, dass man dabei immer grimmiger wird.

Eine gute Reiseplanung hilft

Das Problem der Ladepausen habe ich vorher wohl überbewertet: man kann diese Zeit sehr gut nutzen, um kurz auszuspannen, wieder Konzentration zu sammeln und einen Kaffee zu trinken oder zurückzubringen. Zugegebenermaßen hetze ich allerdings nicht von Termin zu Termin, sondern kann mir meine Reisezeiten selbst planen.

Aus dem Auspuff kommt gereinigte Luft….

Wenn ich als Radfahrer neben Autos herfahre, fällt mir immer wieder auf, wie schlecht die Luft dort ist und welche Mengen an übelriechenden Düften man einatmen muss. Kleider ist eben nur ein kleiner Teil der Fahrzeuge mit dem modernsten Abgasreinigungssystem ausgestattet. Und auch da kann gerade das Betriebsfenster gerade einmal verlassen worden sein.

Quo vadis, E- Mobilität?

Die Entwicklung im E-Automobilbau, die sich derzeit abzeichnet, bedaure ich sehr: im letzten AMS wurden viele neue E-Modelle präsentiert, die sich alle vor allem durch eines auszeichnen: Übermotorisierung im höchsten Maße! Ich frage mich, wozu diese Leistungen erforderlich sind, wo doch jeder von uns weiß, dass man mit 150 kW durchaus sehr komfortabel, schnell und sicher durch den Verkehr kommen kann. Wozu also Fahrzeuge mit 500 PS und mehr? Und ich komme wieder zu dem Ergebnis, dass derartige Fahrzeuge auf Rennstrecken gehören und nur dort hin.

Unsere staatlich finanzierten Straßen sollen der Fortbewegung dienen und nicht einem fragwürdigen Rennsport, der sich In der Hauptsache durch das unterschiedlich starke Treten des Gas- oder Strompedales und die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer auszeichnet.

Muss Vernunft immer erst verordnet werden?

Der neue Begriff der Suffizienz muss endlich auch hier angewendet werden: wir sollten uns darauf beschränken, was wir sinnvollerweise zum Leben brauchen, ohne Ressourcen nur zu verschwenden. Leider ist diese Einsicht nicht jedem unserer Mitmensch*Innen gegeben, und so liegt es beim Gesetzgeber, hier erzieherisch etwas nachzuhelfen. Es sollte durchaus richtig teuer werden, wenn man unbedingt vergeuden möchte.

Der Weg stimmt

Bei aller Technologieoffenheit und Freude an Innnovationen: die Weiterentwicklung der Stromspeichertechnik wird zeigen, dass für den Großteil der Mobilität das Batterieauto die richtige Lösung ist.


Über den Autor: Rudi Flohrschütz – BJ 1949, ca. 1 Mio km, Dipl. Ing. (TU) Energie- und Kraftwerkstechnik, Leiter des Arbeitskreises Energie im VdI Süd, E-Smart und iD.3.

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Guter Bericht ich finde auch dass die förderung sich mehr auf dem Stromverbrauch ausgerichtet sein sollte und ausserdem sollte wie in China auch die Förderung nach unten gesenkt werden und regelmässig auch die Obergrenze der preise der E-fahrzeuge nach unten gehen damit die Hersteller auch zu Preissenkungen aminiert (schreibt man das so?) werden

Schlechter Bericht. Was genau stört Sie an 500 PS? Damit können Sie viel mehr Energie rekuperieren als mit 150 kW .
Warum werden Sie grimmig, wenn Sie überholt werden? Am besten alles verbieten, oder?
Fahren Sie noch ne Weile elektrisch und werden Sie entspannter.

Nein, der Bericht ist sehr gut! So beeindruckend 500 oder mehr PS sein mögen, die Autos werden schwerer und verbrauchen damit mehr …. und dieser Verbrauch ist eben nach wie vor Ressource. Wie haben es wohl die Generationen vor uns angestellt? Sind die nicht vielleicht mit 60, 75 oder 90 PS auch glücklich gewesen? Wahrscheinlich doch …..

Persönlich hatte ich nie das Bedürfnis eine abgasenden, stinkenden, lärmerzeugengende Kiste zu bewegen. Lange Zeit gab es keinen Ersatz, bis ein Startup das Gegenteil bewies und die alten verkrusteten Verbrenner zum Umdenken bewegte.
Die Technologie steht am Anfang, aber ich kauf mir nie wieder einen Verbrenner.
Ein Recht auf Verbrenner und Umweltverschmutzung gibt es nicht, auch nicht für Fahrzeuge,welche als Prestige und Lifestyle betrachtet werden, und vielleicht seit 100 Jahren gebaut werden.

Ich habe mir einen Tesla Modell Y gekauft. Ob ich die 500 Ps brauche weiß ich nicht ,aber Tesla hat die Elektroautos Revolutioniert. Und so bin ich ein Tesla Fan geworden und möchte nicht das Tesla stirbt . Der Tesla ist ein besonders gutes Elektroauto

prima Bericht, nur geht der Umweltgedanke die nächsten 10-20 Jahre nicht auf. Der Verbrenner den ich heute fahre, der fährt auch die nächsten 10-20 Jahre weiter, nur von jemand anderem genutzt und ich habe für den neuen elektrischen zusätzlich ein Riesen CO2 Abdruck hinterlassen.

Aus dem Artikel:

„Der neue Begriff der Suffizienz muss endlich auch hier angewendet werden …“

https://www.dwds.de/wb/Suffizienz

»Zulänglichkeit, ausreichende Funktionstüchtigkeit, Leistungsfähigkeit«

Als technischer dipl. Ing. dürften Sie ja wohl wissen, woher die Übermotorisierung kommt. Ein Elektromotor mit blödsinnig viel Leistung ist einfach nicht viel teurer als ein vernünftiger; auch nicht viel schwerer und er konsumiert auch nicht einmal viel mehr Energie, wenn man ihn vernünftig fährt. Es ist also insgesamt die mit Abstand billigste Art, irgendwo ganz vorne mit dabei zu sein (‚low hanging fruit‘) – viel billiger als eine grössere Batterie oder eine gute, haltbare Konstruktion. Daher neigen insbesondere nicht so seriöse Unternehmen dazu, hier zu punkten.
Und in einem Land, in dem eine Tempolimite auf Autobahnen immer noch ein hochpolitisches Thema ist, funktionieren eben Höchstgeschwindigkeiten mit einer 2 vorne und Beschleunigungen mit einer 3 offenbar bestens, obwohl das kein vernünftiger Mensch braucht.

Ich bin zu 100% bei Ihnen! Ich fahre zwar (noch) kein Elektroauto, aber bewege schon seit Jahren meinen Benziner so energieeffizient, wie es denn eben geht und mache dabei genau die gleichen Erfahrungen. Würden alle so fahren, wäre allein das schon eine enorme CO2 Einsparung, egal mit welchem Antrieb man unterwegs ist.

Ich heize gerne mit meinem TM 3 SR+ über die Autobahn. Mir macht es Spaß und wenn der Verkehr dick wird der Akku leer, fahr ich auch gerne vernünftig.

„Leider ist diese Einsicht nicht jedem unserer Mitmensch*Innen gegeben, und so liegt es beim Gesetzgeber, hier erzieherisch etwas nachzuhelfen. Es sollte durchaus richtig teuer werden, wenn man unbedingt vergeuden möchte.“

Dem kann ich nur zustimmen.

Sehr gut(er Bericht)! So definiere ich Vernunft. Chapeau!

Sehr gut getroffen: „Unsere staatlich finanzierten Straßen dienen der Fortbewegung und nicht einem fragwürdigen Rennsport.“

Guten Tag, ich möchte mich dann auch erst mal als Fahrer eines (ps-starken) Verbrenners outen, damit man meinen Kommentar einordnen kann. Aber mit Interesse an Elektro für meinen Zweitwagen (Der Verbrenner ist ein reines Sommerfahrzeug). Deswegen lese ich Artikel wie diesen.

Ich finde den Artikel inhaltlich leider auch nicht erbaulich.
Ich freue mich für Sie, dass Sie die Freude am leisen, entspannten und emissionsfreien Fahren entdeckt haben.
Und am langsamen Fahren, wenn ich Sie richtig verstanden habe, so langsam, dass Verbrennerpiloten Sie vor der Ampel noch schnell überholen.
Und hier sollten Sie sich fragen, warum das geschieht. Natürlich kenne ich die individuellen Situationen nicht, ich war nicht dabei, aber mir scheint es, dass sie in Ihrer entspannten Fahrweise als „Verkehrshindernis“ wahrgenommen werden und die Überholer die Gelegenheit nutzen wollen, Sie noch schnell „loszuwerden“. In der Tat provoziert dies energieintensive und vielleicht auch gefährliche Überholaktionen, aber der Verursacher sind leider Sie. Die Leute wollen Sie ja nicht einfach überholen, weil Sie ein „E“ auf dem Kennzeichen haben, sondern (so meine Vermutung/Unterstellung), weil Ihre Fortbewegungsweise als störend wahrgenommen wird. Und sorry, da liegt der Fehler nicht bei den übrigen Verkehrsteilnehmern.

Ihre mehrfachen Kommentare über die übelriechenden Abgase (die sie zuvor selbst jahrelang erzeugt haben) und das Wettern gegen hohe Motorisierung und das Gutheißen gesetzlicher Reglementierung, erweckt in mir den Eindruck, dass der Elektroantrieb Sie zum „Schleicher aus Überzeugung“ verwandelt hat.
Ich entschuldige mich an dieser Stelle noch einmal, ich möchte Ihnen mit diesem Begriff keinesfalls zu nahe treten, und auch nicht mit dem nachfolgenden Bezug auf Ihr Alter (ich selbst bin nur 20 Jahre jünger)
Vielleicht können Sie Sich das als Pensionär auch (zeitlich) leisten und wahrscheinlich (sorry nochmals!) kommen diese Fahrweise und diese Ansichten auch ihren durch das Alter reduzierten fahrerischen Fähigkeiten (ui, das ist heikel, zumal unterstellend, nochmals Entschuldigung, aber jetzt ziehe ich das durch) entgegen.
Aber mir, als 52jährigem, der einerseits Spaß am fahren hat und es andererseits privat und beruflich auch gelegentlich schon mal eilig hat, dem macht das Angst. Ihr Artikel macht mir Angst vor Elektromobilität.
Nicht nur, weil sie meinen heutigen Anforderungen/Vorlieben nicht gerecht zu werden scheint, sondern weil ich Angst habe, dass sie mich ebenfalls zu einem Typ Verkehrsteilnehmer verwandelt, über den ich heute noch gelegentlich ärgere: Der „Schleicher“, am dem man über lange km nicht vorbei kommt, während einem selbst die Zeit davon rennt.
Die Welt, sowohl beruflich als auch privat, wird immer hektischer, schneller. Gefällt mir auch nicht unbedingt, ist aber so und wird bestimmt auf absehbare Zeit nicht besser. Eine Mobilität, die sich genau andersherum entwickelt, passt überhaupt nicht dazu, und Sie nehmen diese Unverträglichkeit ja laut Ihren Schilderungen schon selbst wahr.

Das war’s. Ich hoffe, ich habe Sie mit meiner Unverblümtheit und ja, stellenweise mangels näherer Informationen auch mit Unterstellungen, nicht verärgert.

Viele Grüße
Celsi

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