Mit Las­ten­rä­dern für ei­ne nach­hal­ti­ge Mo­bi­li­tät

Lastenrad-Elektromobilität-CO2

Copyright Abbildung(en): DLR

Der Einsatz von Lastenrädern ist vor allem im Wirtschaftsverkehr eine umweltfreundliche Alternative zum herkömmlichen Auto oder Lieferwagen und verbessert die Lebensqualität in Städten. Mit Europas größtem Lastenradtest zeigen Forschende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), welches Potential Lastenräder für die gewerbliche Nutzung haben. Mehr als 750 Unternehmen und öffentliche Einrichtungen testeten deutschlandweit den Gebrauch im Alltag. Ein Drittel der Teilnehmenden steigt nun langfristig auf das Lastenrad um.

Für das Projekt „Ich entlaste Städte“ (Abschlussbericht verlinkt als PDF) stellte das DLR-Institut für Verkehrsforschung den teilnehmenden Unternehmen insgesamt 152 Lastenräder in fünf Bauformen und insgesamt 23 verschiedene Modelle zur Verfügung. Die Testpiloten bekamen so die Möglichkeit, ohne große Investitionskosten die Transportalternative für rund drei Monate in der Praxis zu testen. Im Gegenzug nahmen die Lastenradtestenden an mehreren Befragungen teil und zeichneten die Fahrten mit einer App auf, die das Mobilitätsverhalten erfasst und analysiert.

Am Ende des Projektes wurden von den teilnehmenden Unternehmen insgesamt gut 307.000 Kilometer und 30.000 aufgezeichnete Wege registriert. Im Durchschnitt nutzten sie das Lastenrad in der rund dreimonatigen Testperiode für 412 Kilometer ihrer Wege. „Mit unserem Projekt konnten wir zeigen, dass Lastenräder das Potenzial haben, gewerbliche Fahrten mit dem Auto zu ersetzen – sowohl in der Stadt als auch in kleineren Gemeinden“, sagt Projektleiter Johannes Gruber.

Bei etwa zwei Drittel der 30.000 Fahrten sowie der damit verbundenen Fahrleistung ersetzte das Lastenrad tatsächlich die Fahrt mit einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Somit konnte das Projekt auch zur Senkung von Treibhausgasemissionen beitragen – und tut dies über die Projektlaufzeit hinaus: Lastenrad-Käuferinnen und Käufer sparen durch die Nutzung im Mittel rund 400 Kilogramm CO2 jährlich ein, so das DLR.

Die Befragung ergab, dass die Hälfte der Teilnehmenden am Ende der Testphase erwog, ein eigenes Lastenrad zu kaufen, ein Drittel schaffte sich demnach auch tatsächlich eines an. Die Unternehmen begründeten ihren Umstieg auf das Lastenrad vor allem mit dem Umweltschutz, das Einnehmen einer Vorbildrolle und das Interesse an technologischen Innovationen. Allerdings führten die hohen Anschaffungskosten dazu, dass sich letztlich nur ein Drittel und nicht die Hälfte der Unternehmen zum Kauf eines eigenen Lastenrades entschieden. Hier können finanzielle Unterstützungen bei der Anschaffung, wie die bis zu 2500 Euro der Lastenrad-Förderrichtlinie des Bundes zu Beginn des Markthochlaufs hilfreich sein.

Lastenräder lassen sich vielfältig einsetzen

Das Interesse und die Bandbreite der teilnehmenden Branchen waren sehr groß. Die Verkehrsforschenden hatten zunächst eine Teilnehmergröße von 450 angestrebt. Schlussendlich nahmen mehr als 750 Organisationen teil. Neben privaten Unternehmen, Handwerksbetrieben und Freiberuflern nutzen auch öffentliche Einrichtungen und Vereine das Angebot des Lastenradprojektes. „Wir hatten mit 2000 Bewerbungen mehr Anfragen als wir letztendlich bedienen konnten und es zeigte sich, dass es nicht die eine prädestinierte Branche für den Lastenradeinsatz gibt, sondern für Organisationen aller Couleur und Größe infrage kommt“, freut sich Johannes Gruber über das große Interesse der Tester.

Insgesamt bewerteten rund zwei Drittel der Beteiligten die Eignung von Lastenrädern für ihre dienstlichen Zwecke als gut bis sehr gut. Gleichzeitig sahen fast 80 Prozent der Befragten an dem von ihnen getesteten Lastenradmodell noch Optimierungsbedarf – insbesondere was die Transportkiste, die Fahrzeughandhabung und den Fahrkomfort betrifft. Dies kann als Aufforderung an Hersteller, Zulieferer und Dienstleister verstanden werden, noch mehr in die Verbesserung von Fahrzeugen und Services zu investieren. Zudem erwähnten einige der Teilnehmenden die eingeschränkte Nutzbarkeit bei Regen und bei mangelhaften oder schlicht fehlenden Fahrradwegen als negativ. Gleichzeitig bieten diese genannten hemmenden Faktoren eine Chance für die Fahrradbranche, die darauf reagieren und schließlich profitieren kann.

Insgesamt stärker als die Hemmnisse wurden jedoch positive Faktoren bewertet, die eine Nutzung motivieren und begünstigen. Hier zeigt sich, dass einerseits operative Aspekte wie die Unabhängigkeit von Parkplätzen, die Wendigkeit und die Erreichbarkeit gesperrter Gebiete (zum Beispiel Fußgängerzonen) zu den großen Stärken des Lastenrads zählt. Anderseits punktet gewerbliche Fahrradnutzung auch bei den sogenannten weichen Faktoren wie etwa Firmenimage, Mitarbeitergesundheit und Spaßfaktor. Zehn der insgesamt elf abgefragten Treiber-Faktoren behielten auch nach dem Langzeittest ihre hohe Wirkstärke. Dies war für viele der Projektteilnehmenden Beweis genug, die Lastenradnutzung im eigenen Betrieb dauerhaft zu verstetigen.

Quellen: DLR – Pressemitteilung vom 19.10.2021

Über den Autor

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Sicherlich sinnvoller darüber zu diskutieren als über 0-100 in unter 3 Sekunden.

Lastenräder sind die SUV der Fahrräder. Leider sind sie praktisch immer in privater Hand und stellen unseren öffentlichen und privaten Raum voll. In den Innenhöfen Berliner Wohnblocks kumuliert der Wahnsinn schon. Wenn sie mal fahren, sind sie schwer zu passieren. Das Verhältnis von realistisch genutzter Verkehrsfläche zu effektiver Nutzlast ist ungünstig. Gibt nur wenige kompakte Entwürfe. Sollte man für privat nicht fördern.

Dir ist schon klar, dass dieses Problem beim PKW weitaus größer ist?? Also so rein von der Stellfläche

Schlimmer geht immer. Gibt ja Milliardäre mit ner 150m Yacht.

Wenn auf der Abstellfläche in Innenhöfen ein Lastenrad den Platz von fünf normalen Rädern einnimmt, hat man ein Thema. In Berlin und Potsdam sind schon harte Verbotsregelungen zum Abstellen von Lastenrädern auf dem Gehweg in Kraft. Außerdem sprach ich auch von Verkehrsfläche. In einer Stadtstraße mit 1m Abstand zum Straßenrand und 1,50m Mindestüberholabstand verbraucht das fahrende Lastenrad also 3,30m Breite und 2,80 m Länge plus Mindestabstand hinten von ca. 8 m plus sich meist vergrößernder Abstand vorne durch die niedrige Geschwindigkeit.

Da braucht so ein Lastenrad schnell mehr Verkehrsraum als ein Auto.

Hier mal Infos zu normalen Fahrrädern.

Was ist beim Planen eines Fahrradabstellplatzes zu beachten?

Ein durchschnittliches Fahrrad … ca. 60 bis 70 cm Breite, 1,90 bis 2,00 m Länge

(Quelle: ziegler-metall.de)

Zum Vergleich hier 2 Lastenfahrrädern.

Babboe Curve, dreirädriges Lastenrad, Länge 217 cm, Breite 88 cm

Babboe City, zweirädriges Lastenrad, Länge 255 cm, Breite 65 cm

Wer an einem normalen Fahrrad nicht vorbei kommt, der kommt auch an den beiden Lastenrädern nicht vorbei, falls sie auf die Strasse müssen, weil es keinen Radweg gibt.

Ah, der Theoretiker. Radständer funktionieren so, dass das einzige breite Teil, der Lenker, versetzt ist. Daher ist die Stellbreite 35 cm. Findest du bestimmt im Netz. Und Räder über 2m Länge passen nicht in sehr viele Abstellplätze. Zum Beispiel nicht in die Radkäfige, die viele Vermieter gekauft haben. Die Ordnungsämter hier nehmen bei Lastenrädern übrigens grundsätzlich eine Behinderung der Fußgänger an, wenn das Rad auf dem Bürgersteig parkt. Finde ich korrekt. Ist auch so.

Zum überholen, kann ich dir aus der Praxis sagen, Lastenräder meiden Radwege, weil die miese Federung und die Breite sowie der katastrophale Wendekreis sie auf den schmalen Wegen schwer manövrierbar machen. Das ist der Punkt. Normale Radfahrer nutzen die Radwege deutlich öfter.

Die Hersteller von Fahrradboxen/-garagen müssen etwa 70 cm in der Länge und auch in der Höhe anbauen, damit in Zukunft überdachte 4-Rad-Pedels darin Platz finden.

Schade, dass die Bio-Hybrid GmbH aufgelöst wurde, deren überdachtes 4-Rad-Pedelec wäre ein guter Autoersatz (2 Sitze oder 1 Sitz plus Transportbox) in einer fahrradfreundlichen Stadt, vielleicht findet sich ja noch ein Investor und baut es.

Die (Lärm-) Verschmutzung der Ballungsräume durch PKW hat ein Ausmaß angenommen, dass später Generationen nur noch kopfschüttelnd und schaudernd als Rückständigkeit im Geschichtsunterricht lernen werden.

Das nennt man lineare Argumentation. Alles was für ein Lastenfahrrad spricht, lässt du einfach weg.

Früher lies man beim Verkehr das Pferd einfach weg und nutzt eben das Fahrrad. Bald werden wieder Pferde vors Lastenrad gespannt, weil der Mensch zu schwack ist, Ein Pferde leistet, je nach „Modell“ > 22 Pferdestärken kurzzeitig. Ein BEV leisten kurzzeitig auch bis zu 600 KW. Dann ist der Akku leer.
Wie man sieht, es führt kein Weg am Pferd vorbei Das wusste schon der Deutsche Kaiser. Sein Argument war schlüßig. Wenn nicht so hätte es das BEV erfinden lassen.
Wer braucht schon 500 Kg Akku um 1.42 Personen zu transportieren? Sieht das ein Pferd, so kann es nur den Kopf schütteln. 1 PS genügt sogar 4 Personen zu befördern und zusätzlich noch 2 Lastenräder.

Last edited 1 Monat zuvor by Helmuth Meixner

Das mit dem Deutschen Kaiser und dem Pferd ist bekannt. Aber ansonsten werde ich aus Ihrem Post nicht ganz schlau. Hab’s auch unter „ironisch“ versucht.

Wieder ein typischer Meixner-Mischmasch oder wie soll ich das Geschriebene verstehen?

1 PS (0,735 kW) als BEV würde auch für 4 Personen und Gepäck genügen – windschnittig mit Leichtlaufreifen wären auf der Ebene durchaus 40 km/h drin. Mit Gangschaltung und geringer Geschwindigkeit käme man auch steile Straßen hoch. Bei 35 km pro Tag im Durchschnitt würde auch ein kleiner Akku reichen. Dafür braucht man keinen Heu-und-Hafer-Verbrenner.

Aber es können auch einige PS mehr sein, z.B. für 4 Personen

Technische Daten (Herstellerangaben) —— Dacia Spring Electric

Motor/Antrieb: Elektromotor mit 33 kW/44 PS, 125 Nm Drehmoment, Frontantrieb

Fahrleistungen: 19,1 auf 100 km/h, 125 km/h Spitze

Batterienennkapazität: 27,4 kWh

Reichweite (WLTP): 230 km

Maße: L 3,73 / B 1,62 / H 1,49 m

Kofferraum: 270 – 1100 l

Garantie auf Akku: 8 Jahre / 120.000 km

Preis: ab 20.490 €

Preis mit Elektrobonus: ab 10.920 €

(Quelle: adac.de – 14.04.2021)

Und das dürfte auf 15 Jahre gesehen günstiger sein als ein Pferd inkl. aller Kosten und da ist die Kutsche noch nicht einmal dabei.

Nachdenken? Wie wärs damit?
Das Pferd kann nach 15 Jahren verspeist werden. Der Akku ist wertloser Schrott. Dann braucht man nur 2 passende Pferde und die produzieren dann KOSTENLOS neu Pferdchen. Das ist ein entscheidender Vorteil gegenüber DAS AUTO. Die kostenlose Reproduktion! Es gibt Pferdchen die konnten für Abermillionen verkauft werden. Das hat Tesla nie geschafft. Die Kutsche war nicht mal im Preis enthalten. Möchte sehen wie ein BEV nach 15 Jahren aussieht!

Last edited 1 Monat zuvor by Helmuth Meixner

Ich halte Lastenräder als Auto-Ersatz für Privatpersonen für maßlos überschätzt: Wer im Umland oder sogar richtig auf dem Land wohnt, dem fehlt die Reichweite. Wer in der Stadt wohnt kann sie besser nutzen,aber weiss später nicht wohin mit den Monstern – keine Garagen, zu schwer und unhandlich zum durchs Treppenhaus tragen, zu teuer um sie vor der Tür stehen zu lassen. M.E. sind hier klassische Anhänger fürs Fahrrad die sinnvollere Alternative.

Im Gewerblichen Bereich oder auch Leih-Lastenräder kann ich sie mir hingegen gut vorstellen.

Solch eine Testaktion sollte wiederholt werden! Gerade solche Aktionen müssten viel öfter angeboten werden, weil sie auch nicht gleich von Betrieben und Kommunen auf Anhieb wahrgenommen werden. Viele Landkreise und Verbandsgemeinden verschlafen solche Aktion nämlich regelmäßig, weil sie einfach keine Kenntnis davon haben.

So Aktionen sind doch längst nicht mehr neu. Diverse Pakatdienste sind doch längst dabei.

Wer Langzeittests von Lebewesen die Lasten bewegen haben will, der sollte sich in Amerika informieren. Bei den Amish-People. Die sagten, wir brauchen das Pferd. Nur Esel hocken im E-Mobil oder auf einem Drahtesel und treten selbst. Ob die Amishe Recht hatten oder nicht. Was definitiv stimmt, Pferde sind hoch intelligent. Kein Pferde hätte je ein Mobil gebrauchgt, welche IMMER ENERGIE aus einen Braunkohle und Atomkraftwerk baucht, welche Energie verschleudert, nur damit man einen Akku laden kann. Was brauchen alle diese Generatoren dann, wenn gerade NIEMAND ein BEV fährt, sondern diese Kisten nur sinnfrei herum stehen? Wie viel CO2 wird produziert, weil es diese Karren überhaupt gibt? Werden diese stehenden Akkus mit Strafsteuern belegt wenn sie gar nicht fahren? Die Hybriden stellt man wenigstens ab, bevor sie Strom verschleudern und dabei auch die Welt mit CO2 beheizen. Hätte ein Esel so etwas erfunden? Und auch noch dafür Strom bezahlt?
Wer rechnet nun den Gesamtwirkungsgrad dieser Planetenheizung? Es wird doch Fachidioten gegeben die die Zeit dazu haben?
https://www.t-online.de/auto/recht-und-verkehr/id_91073550/tesla-ruft-12-000-autos-zurueck-das-ist-der-grund.html. Wie viele Pferde und Esel wurden in ihrer Geschichte wegen Dachschäden zurück gerufen? Keines der Lasttiere. Dafür gibt es Prädatoren zum fachgemäßen Recycling. Für Akkus sind solche nicht vorgesehen! Die hat dieser Homo sapien entwickelt, damit das E-Mobil in die Werkstatt muss. Und – Radlfahrer werden auch in der Politik gebraucht, die ohne kaum noch funktioniert. Die fahren kaum, aber kriechen viel.

Last edited 1 Monat zuvor by Helmuth Meixner

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