Mercedes-Benz C-Klasse Plug-In-Hybrid: Voll auf Hundert – ein Erfahrungsbericht

Mercedes-Benz C-Klasse Plug-In-Hybrid: Voll auf Hundert - ein Erfahrungsbericht

Copyright Abbildung(en): Wolfgang Plank

Dass ein Stern alles überstrahlt, gilt als Selbstverständlichkeit. Doch mindestens in Stuttgart-Untertürkheim sieht man diese Erkenntnis nicht bloß astronomisch. Kein Wunder also, dass sie „beim Daimler“ mit „Das Beste oder nichts“ werben. Der alte Gottlieb habe das schon gesagt, heißt es. Heutzutage nennt man diesen Anspruch gerne „Benchmark“. Und womöglich fühlt sich mancher da spontan an Benz erinnert. Maßstäbe nämlich setzen sie bei Mercedes gerne.

Bei der neuen C-Klasse ist es ihnen mal wieder gelungen. Die erfolgreichste Baureihe kommt auf mehr als zehn Millionen verkaufte Exemplare – und in fünfter Generation ist sie erstmals komplett elektrifiziert. Und doch es ist ein anderer Wert, der aufhorchen lässt: die Reichweite des neuen Plug-In-Modells, das im September in die Schaufenster kommt. Das Doppelherz, das C 300e heißen wird, kommt rein elektrisch auf 100 Kilometer und mehr. Gottlieb selig dürfte höchst zufrieden sein.

Wolfgang Plank

Bei Mercedes hält man den 4,75 Meter langen PHEV für eine Art Destillation aus „weit fahren“ und „schnell laden“. Beides steht schließlich in Sachen E-Mobilität ganz oben auf dem Wunschzettel. Für Daimler-Boss Ola Källenius war daher klar: „Wir wollten einmal mehr die Messlatte als anspruchsvollstes Angebot im Segment höherlegen.“ Und so glänzt der C 300e in der Benz-Paradedisziplin: dem großen Einstieg. Was Türen anbelangt – und Technologie. Eine Systemleistung von 312 PS haben sie dem Wagen verpasst – 204 entstammen dem Motor mit Kolben, 129 dem mit Wicklung. Verbaut ist letzterer samt Leistungselektronik in der Glocke des Neun-Stufen-Wandlers. Dort wo – kleiner dimensioniert – auch die E-Hilfe der Mild-Hybriden sitzt. Das spart Platz.

Den von innen gekühlten Akku (25,4 kWh brutto) haben die Ingenieure flach unter den Kofferraum gepackt. Der büßt zwar runde 130 Liter zum Verbrenner ein, gewinnt aber leicht im Vergleich zum Vorgänger. Und: Die ehemals lästige Stufe ist einer ebenen Ladefläche gewichen. Besonders deutlich legt das T-Modell zu, für das sich hierzulande zwei von drei Kunden entscheiden: Hinter volle Bestuhlung passen 360 Liter, bei umgeklappten Rücksitzen packt der C 300e Kombi sogar 1375 Liter weg.

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Eingefasst von edlen Sitzen thront man schick hinterm Steuer und kann den Plug-In federleicht und strichgenau um alle Radien ziehen. Jedenfalls dann, wenn man die serienmäßige Luftfederung von zart gen hart trimmt. Noch mehr Spaß hat, wer die Allrad-Lenkung ordert. Die macht die C-Klasse nicht bloß wendig im Parkhaus, sondern stabilisiert auch in schnellen Kurven. Am Ende limitieren jedenfalls eher die zusätzlichen Akku-Kilo den Bogenspaß als der gewachsene Radstand.

Artgerechte Haltung aber ist weniger die Flottfahrt als das Reisen per Strom. Bei der rein elektrisch absolvierten Testrunde schwankt die Summe aus Strecke und Restreichweite kaum. Schwäbisch genau halt – und vom Navi klug vorausberechnet und unterstützt. Für einen Kurs von 47 Kilometern schwinden im voll ausgestatteten Modell am Ende 53 Kilometer Akku-Leistung. Und das keineswegs in Schleichfahrt. Es darf sogar mal Tempo 140 sein, ohne dass es im Brennraum gewittert. Die magische „100“ scheint also durchaus realistisch. Zumindest für all jene Wagen, die nicht mit „voller Hütte“ unterwegs sind.

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So oder so: Irgendwann ist selbst mit Zurückhaltung im Fahrstil und maximaler Rekuperation der Saft alle. Laden lässt sich der C 300e serienmäßig mit 11 kW Wechselstrom oder besser noch mit 55 kW Gleichstrom. Damit ist der Akku dann auch in einer halben Stunde voll. Sehr viel länger dauert ein Sprit-Stopp samt Kaffee auch nicht wirklich.

Erholen muss man sich dabei ganz sicher nicht vom Fahren und erst recht nicht vom sechs Grad zugeneigten Cockpit mit dem neuen Hochkant-Touchscreen – womöglich aber von der schieren Menge an Technik. Der Clou der Assistenz ist das dreidimensionale Display hinter dem Lenkrad. Es projiziert schwirrende Richtungspfeile virtuell vors Auto. Das ist im Wortsinn: ganz großes Kino.

Wolfgang Plank

Nicht mal mehr lenken und bremsen müsste man, weil die neue C-Klasse auf Wunsch rundum Obacht gibt, automatisch in der Spur bleibt, auf das richtige Tempo achtet, gebührend Abstand hält und – wenn sonst nichts mehr hilft – den Anker wirft. Besonders pfiffig: Der optionale Anhängerrangier-Assistent fürs T-Modell zirkelt das Gespann bis zu 90 Grad um jede Kurve.

Material und Verarbeitung sind, wie man es von Mercedes erwarten darf: edel. Zum opulenten Zierrat aus Lack, Holz oder Leder gibt’s Klima-Komfort, Duft-Erlebnis und Musik, die bis in den Sitz wummert. So muss man sich Wohl-Fahrt vorstellen. Für diverse Annehmlichkeiten lässt sich beim C 300e zum Basispreis von sicherlich gut 50.000 Euro gut und gerne noch mal ein fünfstelliger Betrag zusätzlich anlegen. Wen da das Gewissen plagt – zur Wahl stehen auch Naturfasern und für den Boden Recyclinggarn aus alten Fischernetzen.

Wolfgang Plank

Für alle, die sich auch von 100 Kilometern E-Reichweite kein bisschen locken lassen: Unter der langen Haube debütieren zum Marktstart im Juni auch Diesel (163 bis 265 PS) sowie Benziner (170 bis 258 PS). Samt und sonders unterstützt von Mild-Hybrid-Systemen, die mit 48 Volt hilfreich unter die Kolben greifen. Auch die hauseigene Attacke-Abteilung AMG hält wieder diverse Ableger bereit. Ein zweites Plug-In-Modell indes könnte das Warten lohnen. Bei identischer Elektro-Technik übernimmt dort auf Verbrenner-Seite ein sparsamer Selbstzünder mit 200 PS.

Man darf vermuten, dass auch diese Kombination Maßstäbe setzt.

Über den Autor

Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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Das mit dem PHEV und den 25kWh hört sich doch mal gut an. Damit wären (fast) alle Verkehrs-Emissionsprobleme in Stuttgart und anderen Städten gelöst. Oder vielleicht auch nicht? Immerhin hat es 24 Jahre gedauert, bis man wieder ohne Reue „Mercedes-Taxi“ fahren kann. Von blöder Häme gegen alles Hybride kann man am Markt nicht bestehen. Zu verdanken ist das aber nur den CO2-Strafzahlungen bzw. Ausgleichszahlungen an TESLA. Das fand dann selbst Zetzsche nicht lustig. Daimler-Ole hat das aber kapiert.
Gruselig sind allerdings immer noch die „neuen“ grünen Feigenblätter „Mild-Hybrid“. Nicht mal zum Kopieren von Toyota-Technik Stand 1996 hat es gereicht!!!. Im Test in Berlin bei 34Grad saufen die „milden“ das 5-8-fache an Energie eines TESLA aus 2012. Sowas gehört schlicht in die Presse (Achtung! Doppeldeutung, 1. an den Zeitungspranger 2. in die Schrottpresse)

Last edited 1 Monat zuvor by Berliner-Ansichtskarte

Material und Verarbeitung edel? Das traf vielleicht beim Vorgänger noch zu. Werfen Sie z. B. doch mal einen Blick auf die Türverkleidungen, Herr Plank! Da möchte man gar nicht wissen, wie es um die Qualität der dem Auge verborgenen Bauteile ausschaut. Eine Luftfederung gibt es auch nicht mehr, schon gar nicht sereinmäßig. Für meinen Geschmack etwas zu viel Lobhudelei.

Man weiss ja, dass Sterne nicht ewig leuchten. Und mit diesem „Auto“ ist der Mercedes-Stern quasi implodiert. Neben der Sinnlosigkeit des Hybridantriebs hat Mercedes es hier auch noch geschaft, das scheusslichste Auto des Jahres zu bauen. Aussen die absolute Langweiligkeit pur und innen – mein lieber Schwan – was haben die bloss geraucht, als dieses Design entworfen wurde. Einfach nur grauslig. Die chinesischen Aktionäre reiben sich schon die Hände.

Als C-Coupe mein Traumauto. So unterscheiden sich die Geschmäcker.

Das Pressefoto ist absolut irreführend. Die Farbe Blau wird von der weißhaarigen Zielgruppe schnöde verachtet und zu über 50 % stattdessen silber oder Bestattungswagen-grau gewählt. Und auf der Fahrt zum Friedhofsbesuch, zum Arzt oder zum Einkaufen bei ALDI brummt munter der Verbrenner. DAS ist die Realität!

Wer kauft so ein Auto? Kaum jemand.
Zielgruppe sind Dienstwagen im Leasing, die
von der Steuervergünstigung für PHEVS profitieren wollen und dafür den verminderten Kofferraum in Kauf nehmen.

wer elektrisch fahren will hat inzwischen in der Preisklasse so unglaublich bessere Optionen als ein Auto, dass ein schlechter Kompromiss ist

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