Lordstown Motors trotz zig zehntausender Vorbestellungen in der Krise

Copyright Abbildung(en): Lordstown Motors

Ab September sollte die Produktion des Lordstown Endurance-Pickup-Trucks beginnen. Von dort ab war geplant, dass bis Jahresende 2.200 E-Pickups in Lordstown, Ohio vom Band laufen. Doch es scheint als habe man die Kosten überschätzt. Was sich nun auf die Produktion und Start der Serien-Stromer massiv auswirkt. Der Kampf ums Überleben habe begonnen, wie aus dem verspätet eingereichten Quartalsbericht Lordstown Motors hervorgeht.

Das Start-up Lordstown Motors ist teilweise aus Workhorse hervorgegangen, welches an einem eigenen Plug-in-Hybrid-Pickup-Truck gearbeitet hat. Ersteres plant, die E-Auto-Technologien des letzteren zu nutzen, um seinen eigenen vollelektrischen Pickup-Truck im Werk Lordstown zu bauen. Anzumerken ist hierbei, dass der Endurance vor allem für gewerbliche Einsätze gedacht ist. Derzeit scheint es so, als ob der Fortbestand der Firma davon abhängt, ob sie die Entwicklung des elektrischen Fahrzeugs abgeschlossen sowie, eine Straßenzulassung dafür erwirkt werden kann.

„Die Firma glaubt, dass ihre gegenwärtigen Geldmittel nicht ausreichen, um die Produktion in Stückzahlen und den Marktauftritt solcher Fahrzeuge zu finanzieren. Diese Bedingungen regen substanzielle Zweifel an unserem (Fortbestand) für wenigstens ein Jahr“, steht in dem Quartalsbericht. Um dem möglichen Ende entgegenzuwirken sucht das Unternehmen auf verschiedenen Wegen – durch Kredite, Ausgabe von Aktien oder Anleihen, strategische Partnerschaften oder Subventionen – nach Geld. Positiv wirkt sich hierbei sicherlich die Tatsache, dass das Unternehmen Unzulänglichkeiten bei Buchhaltung und Controlling eingestehen musste, nicht aus.

Wobei anzumerken ist, dass diese Unzulänglichkeiten keine fundamentalen Unterschiede machen. Denn die Tatsache, dass Lordstown Motors keinen Umsatz macht, aber höhere Kosten als erwartet hat führt an sich nur dazu, dass die derzeitigen 630 Millionen US-Dollar Geldreserven bis Jahresende wohl auf nur noch 50 bis 75 Millionen Dollar sinken werden. Hinzu kommt ein Rechtsstreit mit Mitbewerber Karma, wegen angeblich illegalem Abwerben von Mitarbeitern, Aneignung von Geschäftsgeheimnissen, Hacking, Vertragsbruch und Betrug.

Gleichzeitig fühlen sich mehrere Lordstown-Investoren übervorteilt. Sie haben insgesamt vier Sammelklagen gegen die Firma beantragt. Diese meint, dass die Klagen inkorrekten Behauptungen enthalten. Ebenso finden Untersuchungen der Kapitalmarktaufsicht SEC statt. Diese untersuchen, ob Lordstown Motors bei Angaben über Vorbestellungen für die elektrischen Pickups geschummelt hat, und ob beim Börsengang alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

Zur bisherigen Historie: Ende Juni 2020 konnte Lordstown Motors einen funktionsfähigen Prototyp seines Endurance-Pickup-Trucks vorstellen, der mit 4 In-Wheel-Motoren ausgestattet ist. Bei Lordstown steht bereits fest, dass die Radnabenmotoren für den Lordstown Endurance Elektro-Pickup-Truck zum Einsatz kommen. Diesen wird der Hersteller in seinem riesigen Werk in Lordstown, Ohio, produzieren – ebenso die In-Wheel-Motoren. Über 40.000 Vorbestellungen lagen Ende September bereits vor. Gerade einmal zwei Monate später habe man die 50.000er-Grenze geknackt. Die Frage die derzeit offen bleibt, ist die ob Lordstown Motors jemals diese 50.000 Pickups fertigen wird.

Quelle: heise online – Elektrische Pickups: Lordstown Motors in der Krise

Über den Autor

Sebastian hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere Alternative Antriebe werden betrachtet.

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Die neuen Firmen haben es nicht leicht bei den Elektroautos. Denn es sind zu 90% normale Autos und da reden wir von klassischem Automobilbau. Der ist kapitalintensiv und muss von Profis in ihrem traditionellem Feld betrieben werden. Tesla hat das zuerst gemerkt, kam von der Produktionshölle in die Auslieferungshölle, um schließlich nach der Service- und Rückrufhölle in der Nachfragehölle zu enden.

Elektrische Pickups für Nordamerika zu bauen, scheint eine gute Idee zu sein. Die haben aber alle. Leider gibt es Marktführer Ford mit einem mehr als überzeugenden Entwurf, dann gibt es das gut finanzierte Rivian mit dem Alleinstellungsmerkmal tank turn und GM hat ebenfalls starke Pfeile im Köcher. Da wird es nächstes Jahr kaum eine Nische für neue Anbieter geben.

Dasselbe gibt es in Europa mit e.Go, Sion, Microlino und wie sie alle heißen. Sie kriegen kein Bein auf die Erde.

Last edited 8 Tage zuvor by David

+1
Ergänzend dazu: die Strahlkraft von bekannten Marken sollte man nicht unterschätzen.

Sicher hätten Sie vor einigen Jahren mit irgendwelchen vergleichbaren Argumenten das schnelle Ende von Tesla vorher gesagt

Es ist immer schwer, als Startup zu bestehen. Aber es macht den Erfolg einer Marktwirtschaft aus, dass es dennoch immer wieder mutige, kreative und kluge Köpfe gibt, die das Risko wagen. Der ein oder andere wird Erfolg haben.
und wer das sein wird wissen Sie am aller wenigsten 😉

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