„In Summe wird die Komplexität eines E-Fahrzeuges anspruchsvoll bleiben“

„In Summe wird die Komplexität eines E-Fahrzeuges anspruchsvoll bleiben“

Copyright Abbildung(en): shutterstock / Lizenzfreie Stockfoto-Nummer: 431847499

Dr. Oliver Greiner von Horváth & Partners und Leiter des Competence Centers „Strategisches Management und Innovation“ sprach in einem Interview mit SpringerProfessional ausführlich über aktuelle E-Auto-Themen wie die massiv gestiegenen Zulassungszahlen, was die Elektromobilität für Autohersteller bedeutet und mit welchen Komplexitäten sie sich künftig auseinandersetzen müssen.

Der Umweltbonus habe sich zuletzt „sehr deutlich“ auf die Verkaufszahlen von E-Autos ausgewirkt, so Greiner. Mit insgesamt 395.000 Neuzulassungen im Jahr 2020 – jeweils gut zur Hälfte Elektroautos und Plug-in-Hybride – hat sich deren Anteil an den Gesamtneuzulassungen in Deutschland von drei Prozent auf 13,5 Prozent mehr als verdreifacht. Allerdings seien auch andere Faktoren für die steigende Beliebtheit verantwortlich, etwa die „höhere Modellvielfalt, zunehmende Akzeptanz der Elektrofahrzeuge und Reduzierung der Reichweitenangst“, so Greiner. Neben steuerlichen Vorteilen für Firmenwagen – Reduzierung der Bemessungsgrundlage auf 0,5 Prozent des Listenpreis – habe auch die Senkung der Mehrwertsteuer weitere Anreize für den Kauf eines Elektrofahrzeugs gegeben, so der Automobilexperte.

Dass die Elektrifizierung massiv weniger Komplexität mit sich bringe und deshalb weniger Wertschöpfung, wie viele meinen, findet Greiner nicht. Man müsse die Sache etwas differenzierter betrachten: „Bei genauerem Hinsehen gibt es viele neue Aufgaben, nicht nur beim Antrieb“, sagt er. Mit alleinigem Blick auf die klassischen Motoren scheint es tatsächlich so, dass E-Autos weniger komplex sind. „Allerdings werden Fahrzeuge neue Elemente bekommen (Entertainment, Bequemlichkeit, Sicherheitsmerkmale), welche in Summe die Komplexität eines Fahrzeuges anspruchsvoll halten werden“, wirft Greiner ein. In einer reinen E-Auto-Welt werde die Komplexität auf OEM-Seite vor allem deshalb sinken, weil mehr Komponenten als bislang „zu Kaufteilen werden und Inhouse-Fertigungen von Getrieben, Motoren usw. wegfallen“, so Greiner.

Beim Umstieg auf Elektromobilität am meisten zu kämpfen haben Autohersteller bei mehreren Aspekten: Viele OEMs haben eigene Komponenten-Fertigungen (Motor, Getriebe, etc.). „In diesen Fertigungen kommt natürlich der Switch im Antriebsstrang besonders an, da für die drei Schlüsselkomponenten Batterie, E-Maschine und Leistungselektronik die eigene Fertigungstiefe deutlich geringer ist“, erklärt Greiner. Dies führe vor allem „zu Beschäftigungsrisiken, wie beispielsweise die Daimler-Betriebsratsdiskussion um die Motorenfertigung“ zeige.

Ein weiterer Aspekt sei die Wirtschaftlichkeit: „Zum einen gehen Skaleneffekte bei den Verbrennungsmotoren und den dazugehörenden Fahrzeugen verloren – siehe die Auslastung der Werke, in denen im Schwerpunkt Verbrennerfahrzeuge gebaut werden“. Zum anderen führen die aktuell noch höheren Herstellungskosten von reinen Elektroautos – im Schnitt sind es um die 5000 Euro, je nach Batteriegröße – „zu einem Margendruck“. Immerhin können diese Mehrkosten „dank staatlicher Subventionen aktuell noch relativ gut an die Kunden weitergegeben werden“.

Quelle: Springer Professional – „In reiner Elektrifizierungswelt sinkt die Komplexität bei OEMs“

Newsletter

Erhalte jeden Montag, Mittwoch und Freitag aktuelle Themen wie „„In Summe wird die Komplexität eines E-Fahrzeuges anspruchsvoll bleiben““ sowie die neusten Informationen aus der Welt der Elektromobilität kostenfrei direkt ins eigene Postfach. Kuratiert aus einer Vielzahl von Webseiten und Blogs.
Ja, ich möchte den gratis E-Mail-Newsletter von Elektroauto-News.net abonnieren. Die Datenschutzerklärung habe ich gelesen. Die Einwilligung zum Versand des Newsletters kann jederzeit widerrufen werden. Hierzu reicht es auf den Abmeldelink zu klicken, welcher sich in jedem Newsletter befindet.

Fakten & MeinungenDiskutiere mit der E-Community

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
9 Comments
Inline Feedbacks
View all comments

Und genau hierin liegen die zukünftigen Probleme deutscher OEMs begraben.
Außerdem ist hier noch das Netz der Werkstätten zu nennen, von denen Tesla zugegebenermaßen noch einige zu wenig hat – deutsche OEMs aber deutlich zu viele!
Hier wird sich der bedarfsgerechte Zubau aber wahrscheinlich leichter gestalten, als der Abbau.

ich denke die Entwicklung ist schwer vorraus zu sehen. jeder Autobauer hat seine Chance. jedes E-Auto ist ein Gewinn für die Umwelt.

Diese News könnten dich auch interessieren:

Faraday Future präsentiert FF 91 in luxuriösem Umfeld
Polestar verringert CO2-Emissionen je Fahrzeug in 2021 um sechs Prozent
Mercedes-Benz und Sila wollen Silizium-Hochleistungszellen in der G-Klasse einbauen

Deine Anmeldung zum Newsletter:
Ein letzter Schritt fehlt noch.

Vielen Dank für deine Anmeldung zum Newsletter von Elektroauto-News. Du erhältst in Kürze eine E-Mail, in der sich ein Link zur Freischaltung deiner E-Mail-Adresse befindet. Erst durch die Bestätigung des Links dürfen wir deine E-Mail-Adresse zum Versand unseres Newsletter freischalten (Double-Opt-In).