Herausforderungen für die Nutzfahrzeugbranche durch Digitalisierung und Elektrifizierung

Herausforderungen für die Nutzfahrzeugbranche durch Digitalisierung und Elektrifizierung

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Beim Begriff Mobilität der Zukunft denken viele erstmal an den Individualverkehr, weniger an das Transportwesen. Allerdings weist genau dieser einen nicht unbeachtlichen Anteil auf, wenn es um den Ausstoß von Emissionen in der Gesamtbetrachtung geht. Die Nutzfahrzeugbranche spielt also eine entscheidende Rolle in der Dekarbonisierung des Verkehrssektors. Der E-Mobility-Lösungsanbieter has·to·be hat zu diesem Thema mit Marcel Bethscheider gesprochen, Leiter Marketing und Produktmanagement bei der Mercedes-Benz Trucks Österreich. In dem Interview ging es um Strategien und Visionen, die der Nutzfahrzeughersteller in den kommenden Jahren verfolgen wird und warum Partnerschaften innerhalb der Gesamtbranche entscheidend für den unternehmerischen Erfolg in den kommenden Jahren sind.

Die Herausforderungen für Nutzfahrzeughersteller im Rahmen der Antriebswende „sind aktuell vielfältig“, so Bethscheider zu Beginn des Interviews. Die zwei größten Schlagworte sind ihm zufolge die Digitalisierung sowie die Elektrifizierung der Antriebe. Diese stellen „die gesamte Nutzfahrzeugbranche vor immens große Herausforderungen in der Fahrzeugentwicklung“. Dabei sei der Schwerpunkt bei jedem Hersteller etwas anders ausgeprägt. „Wir bei Mercedes-Benz Trucks setzen auf den elektrischen Antrieb, also mittels Batterie, aber auch auf die Brennstoffzelle“, so Bethscheider.

Für die Antriebswende spielen „die EU-Ziele, die bereits ab dem Jahr 2025 schon erste wichtige Schritte voraussetzen, eine große Rolle“, da ein großer Anteil an Gütern über Straßen transportiert werde: „In Österreich sind das etwa zwei Drittel über Straßen, diese dann meistens mittels schwerer Nutzfahrzeuge, die natürlich Auswirkungen auf den CO2-Ausstoß haben“, so Bethscheider. Daher sei die „Dekarbonisierung der Nutzfahrzeugbranche bei gleichbleibend hoher Effizienz“ wichtig fürs Erreichen der Klimaziele.

Die Logistik- und Speditionsbranche stehe „heute noch am Startpunkt dieser Reise“, so Bethscheider. Die Frage, ob die Branche schon bereit sei für den Umstieg auf die E-Mobilität, müsse man differenziert beantworten. Er verweist auf eine Studie des österreichischen Verkehrsclubs VCÖ, wonach etwa „90 Prozent der inländischen Transporte von Österreichs Lkw kürzer sind als 150 Kilometer“. Das lasse sich „mit den angebotenen Reichweiten der Hersteller schon heute voll elektrisch abwickeln“.

Allerdings spielt der Faktor Preis in der Logistikbranche eine große Rolle, und Elektro-Lkw sind nunmal in der Anschaffung deutlich teurer als Dieselfahrzeuge. „Wir müssen in Zukunft also die „Total Costs of Ownership“ (TCO) so reduzieren, dass der Umstieg attraktiv und im besten Fall günstiger wird, als es der Dieselantrieb je war“, sagt Bethscheider. Um bei der E-Mobilität vorwärts zu kommen, seien zudem Partnerschaften zwischen den Herstellern „unerlässlich“, so der Lkw-Experte. „Jeder etablierte Hersteller hat ein gewisses Portfolio, in dem er gut ist“. Aber die Transformation zu neuen Antriebstechnologien „kostet viel Geld, verschlingt viele Ressourcen in der Fahrzeugentwicklung der Hersteller und da sind Partnerschaften ein effektiver Weg der Zielerreichung“, erklärt Bethscheider. Daimler Trucks etwa hat vor Kurzem ein Joint Venture mit Volvo gegründet, um bis zum Jahr 2025 „die Integration des Brennstoffzellenantriebs bei Lkws zu beschleunigen und auf stationäre Energiequellen zu setzen“.

Quelle: has·to·be – Pressemitteilung vom 22.06.2021

Über den Autor

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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