Hamburg plant skalierbares 100-MW-Wasserstoff-Projekt in Hafennähe

Hamburg plant skalierbares 100-MW-Wasserstoff-Projekt in Hafennähe

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Die Unternehmen Shell, Mitsubishi Heavy Industries (MHI), Vattenfall sowie die kommunale Wärme Hamburg planen, wie sie künftig gemeinsam Wasserstoff aus Wind- und Solarkraft am Kraftwerksstandort Hamburg-Moorburg erzeugen und im Umfeld nutzen können. Dazu haben die vier Unternehmen eine Absichtserklärung unterzeichnet. Neben der Errichtung eines Elektrolyseurs mit einer noch skalierbaren 100 Megawatt Leistung ist auch die künftige Entwicklung des Standorts zu einem sogenannten „Green Energy Hub“ vorgesehen.

Die Partner beabsichtigen, für das Projekt Fördermittel im Rahmen des EU-Programms „Important Projects of Common European Interest“ (IPCEI) zu beantragen. Dies soll im ersten Quartal 2021 mit Einreichung einer ersten Projektskizze erfolgen. Der Energiestandort verfügt aus Sicht der vier Partnerunternehmen über ideale Voraussetzungen für die weitere Nutzung. Er ist sowohl an das nationale 380.000 Volt Übertragungsnetz als auch an das 110.000 Volt-Netz der Stadt Hamburg angebunden. Darüber hinaus können Überseeschiffe den Standort direkt anlaufen und die Kai- und Hafenanlage als Importterminal nutzen. Die städtische Gasnetzgesellschaft will zudem binnen zehn Jahren ein Wasserstoffnetz im Hafen ausbauen und arbeitet damit schon jetzt an der nötigen Verteil-Infrastruktur.

„Die Vereinbarung ist ein wichtiger Schritt für Hamburg. Am Standort Moorburg wollen wir mit erfahrenen Partnern aus der Wirtschaft grünen Wasserstoff im großen Maßstab erzeugen und gleichzeitig dort einen Green Energy Hub für klimafreundliche Energie aufbauen. Das sind ehrgeizige Pläne, die wir jetzt mit Leben füllen müssen. Hier liegt ein großer Hebel zur Erreichung unserer Klimaziele.“ – Jens Kerstan, Aufsichtsratsvorsitzender der Wärme Hamburg GmbH sowie der Gasnetz Hamburg GmbH und Senator der Freien und Hansestadt Hamburg für Energie und Umwelt

Im Umkreis des Standorts sind zahlreiche potenzielle Abnehmer für grünen Wasserstoff angesiedelt, so dass die gesamte Wasserstoff-Wertschöpfungskette – von der Erzeugung über die Speicherung und den Transport hin zur konkreten Anwendung in den unterschiedlichen Sektoren – vor Ort abgebildet werden könne, so die Projektpartner in einer aktuellen Mitteilung. Mit diesen Voraussetzungen ist der Standort Moorburg in Hamburg und Norddeutschland optimal und kann sich zu einem potentiellen Startpunkt für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft entwickeln.

„In Hamburg gibt es keine bessere Lage für einen skalierbaren Elektrolyseur dieser Größenordnung. Über den 380 kV Anschluss und die Verbindung zu Brunsbüttel haben wir direkten Zugriff auf die Versorgung mit grünem Strom aus der Windkraft – und damit die Möglichkeit, tatsächlich grünen Wasserstoff in relevanten Mengen zu produzieren. Mit dieser Ankündigung wird ein großer Schritt hin zu einer langfristigen Dekarbonisierung des Hafens sowie einer wettbewerbsfähigen Wasserstoffwirtschaft in der Metropolregion Hamburg geleistet.“ – Michael Westhagemann, Senator der Freien und Hansestadt Hamburg für Wirtschaft und Innovation

Moorburg war viele Jahre Standort eines Gaskraftwerks der Hamburgischen Electricitäts-Werke, 2015 nahm Vattenfall hier ein Kohlekraftwerk in Betrieb. Dessen kommerzieller Betrieb wurde beendet, nachdem das Kraftwerk im Dezember 2020 einen Zuschlag in der Auktion zum bundesweiten Steinkohleausstieg erhielt. Eine Entscheidung des Übertragungsnetzbetreibers über die Systemrelevanz der Anlage wird für März 2021 erwartet. Die Stadt Hamburg und Vattenfall streben an, (Teil)-Flächen des Standorts zeitnah für das Projekt zur Erzeugung grünen Wasserstoffs und eines Green Energy Hubs freizuräumen und weiterzuentwickeln.

„Grüner Wasserstoff wird zukünftig eine sehr große Rolle im Energiesystem spielen und damit auch für uns. Wir haben die Entwicklung der gesamten Wertschöpfungskette für Wasserstoff im Blick; vom Einstieg in die Stromproduktion mittels Offshore-Wind über den Ausbau der Kapazität für grüne Wasserstoffproduktion bis hin zum Vertrieb für Mobilitäts- bzw. Transportanwendungen und andere Industrien. Dafür müssen und wollen wir mit starken Partnern zusammenarbeiten. Wir halten das Projekt des Konsortiums zusammen mit der Stadt Hamburg für beispielhaft.“ – Fabian Ziegler, Vorsitzender der Geschäftsführung von Shell in Deutschland

Die vier Unternehmen können bei ihrem Vorhaben zur Bildung eines Konsortiums auch auf die Unterstützung des Hamburger Senats zählen. Die Koalitionspartner hatten sich im Koalitionsvertrag darauf verständigt, die Machbarkeit von Sektorkopplung und den Aufbau einer Wasserstofferzeugung am Standort zu prüfen und zu fördern.

„Die Gewinnung von grünem Wasserstoff aus erneuerbarem Strom ist ein Schlüssel für die Dekarbonisierung der Industrie und des Transportsektors. Vattenfall will innerhalb einer Generation ein fossilfreies Leben ermöglichen und wir werden unsere Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien weiter ausbauen. In Projekten wie diesem wollen wir zeigen, wie erneuerbarer Strom zukünftig bestmöglich zu fossilfreien, industriellen Produktionsprozessen führen kann und sich integrieren lässt. Der Standort Moorburg verfügt hier über die Infrastruktur, die für die Produktion von Wasserstoff in großem Stil aus erneuerbaren Energien wie Offshore-Wind nötig ist.“ – Christian Barthélémy, Senior Vice President und Deutschland-Chef von Vattenfall

Quelle: Shell – Pressemitteilung vom 22.01.2021

Über den Autor

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Das Schlüsselwort lautet „Fördermittel“, mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Super, das macht den Druck, die EE endlich kräftig auszubauen, immer grösser.
Irgendwann ist ein älterer, dickerer Herr im Wirtschaftsministerium der letzte Streiter für Kohle.

Die städtische Gasnetzgesellschaft will zudem binnen zehn Jahren ein Wasserstoffnetz im Hafen ausbauen und arbeitet damit schon jetzt an der nötigen Verteil-Infrastruktur.

Mit diesen Voraussetzungen ist der Standort Moorburg in Hamburg und Norddeutschland optimal und kann sich zu einem potentiellen Startpunkt für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft entwickeln.

Bis das geplante Projekt steht, dürften wohl die „10 Jahre“ vergehen bis das Wasserstoffnetz steht und ob dann das Ganze noch gebraucht wird, das ist die große Frage.

Vattenfall kann Kohlekraftwerk Moorburg stilllegen.

Das Kraftwerk Moorburg ist erst seit 2015 offiziell im Betrieb, darf aber demnächst stillgelegt werden.

Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) begrüßte die Stilllegung. „Das Kraftwerk Moorburg war von Anfang an überdimensioniert, unwirtschaftlich und aus der Zeit gefallen“, sagte der Grünen-Politiker.

(Quelle: ndr.de – 01.12.2020)

Das geplante Wasserstoffprojekt könnte die 2.Moorburg-Pleite werden – Hamburg hat ja Miliarden im Überfluss.

Wenn die Verbraucher des Wasserstoffs zum Beispiel in der Schiffahrt angesiedelt sind ist das für mich die Erste sinnvolle Anwendung des Wasserstoffs als Energiespeicher, da hier die grosse Schwäche des Wasserstoffs, der Transport vermieden werden kann.

Also vor 100 Jahren fuhren viele Schiffe regenerativ mit Windkraft. Vielleicht sollte man noch mal darüber nachdenken, ob man nicht zumindest Hybrid-Schiffe bauen sollte. Meinetwegen auch Wasserstoff/Wind.

Ein Problem wird nur die Energiemenge sein, die so ein Kahn braucht. Ein 12.000TEU Frachter benötigt ca. 300Tonnen Schweröl am Tag. Bei einem Heizwert von 11kWh pro kg. Wasserstoff hat 33kWh/kg. Nehmen wir auch noch einen etwas besseren Wirkungsgrad, dann sind wir bei geschätzten 80 Tonnen Wasserstoff pro Tag. Der Elektrolyseur, der gerade in Leuna gebaut wird hat 24MW und produziert 3.200t im Jahr. D.h. dieser 100MW Elektrolyseur wird also ca. 13.000Tonnen Wasserstoff pro Jahr herstellen oder 35 Tonnen pro Tag. Also muss dieser Elektrolyseur über 2 Tage laufen um die Energie für ein Schiff für einen Tag zur Verfügung stellen zu können. Nur damit wir eine Vorstellung von den Dimensionen zu haben. Es kann sein, dass meine Annahme zur Effizienz zu pessimistisch war. Aber selbst, wenn wir bei 1-1,5 Tagen landen klingt das wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Um die Schifffahrt zu versorgen werden wir mehrere GW brauchen. So eine Anlage läuft auch nicht aus Überschussstrom. Die will durchlaufen. Sonst rechnet sie sich nicht, bzw. der Wasserstoff wird teurer. Es kommen also neue Grundlastverbraucher hinzu.

Farnsworth

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