Hamburg plant skalierbares 100-MW-Wasserstoff-Projekt in Hafennähe

Hamburg plant skalierbares 100-MW-Wasserstoff-Projekt in Hafennähe

Copyright Abbildung(en): shutterstock / Lizenzfreie Stockfoto-Nummer: 731355979

Die Unternehmen Shell, Mitsubishi Heavy Industries (MHI), Vattenfall sowie die kommunale Wärme Hamburg planen, wie sie künftig gemeinsam Wasserstoff aus Wind- und Solarkraft am Kraftwerksstandort Hamburg-Moorburg erzeugen und im Umfeld nutzen können. Dazu haben die vier Unternehmen eine Absichtserklärung unterzeichnet. Neben der Errichtung eines Elektrolyseurs mit einer noch skalierbaren 100 Megawatt Leistung ist auch die künftige Entwicklung des Standorts zu einem sogenannten „Green Energy Hub“ vorgesehen.

Die Partner beabsichtigen, für das Projekt Fördermittel im Rahmen des EU-Programms „Important Projects of Common European Interest“ (IPCEI) zu beantragen. Dies soll im ersten Quartal 2021 mit Einreichung einer ersten Projektskizze erfolgen. Der Energiestandort verfügt aus Sicht der vier Partnerunternehmen über ideale Voraussetzungen für die weitere Nutzung. Er ist sowohl an das nationale 380.000 Volt Übertragungsnetz als auch an das 110.000 Volt-Netz der Stadt Hamburg angebunden. Darüber hinaus können Überseeschiffe den Standort direkt anlaufen und die Kai- und Hafenanlage als Importterminal nutzen. Die städtische Gasnetzgesellschaft will zudem binnen zehn Jahren ein Wasserstoffnetz im Hafen ausbauen und arbeitet damit schon jetzt an der nötigen Verteil-Infrastruktur.

„Die Vereinbarung ist ein wichtiger Schritt für Hamburg. Am Standort Moorburg wollen wir mit erfahrenen Partnern aus der Wirtschaft grünen Wasserstoff im großen Maßstab erzeugen und gleichzeitig dort einen Green Energy Hub für klimafreundliche Energie aufbauen. Das sind ehrgeizige Pläne, die wir jetzt mit Leben füllen müssen. Hier liegt ein großer Hebel zur Erreichung unserer Klimaziele.“ – Jens Kerstan, Aufsichtsratsvorsitzender der Wärme Hamburg GmbH sowie der Gasnetz Hamburg GmbH und Senator der Freien und Hansestadt Hamburg für Energie und Umwelt

Im Umkreis des Standorts sind zahlreiche potenzielle Abnehmer für grünen Wasserstoff angesiedelt, so dass die gesamte Wasserstoff-Wertschöpfungskette – von der Erzeugung über die Speicherung und den Transport hin zur konkreten Anwendung in den unterschiedlichen Sektoren – vor Ort abgebildet werden könne, so die Projektpartner in einer aktuellen Mitteilung. Mit diesen Voraussetzungen ist der Standort Moorburg in Hamburg und Norddeutschland optimal und kann sich zu einem potentiellen Startpunkt für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft entwickeln.

„In Hamburg gibt es keine bessere Lage für einen skalierbaren Elektrolyseur dieser Größenordnung. Über den 380 kV Anschluss und die Verbindung zu Brunsbüttel haben wir direkten Zugriff auf die Versorgung mit grünem Strom aus der Windkraft – und damit die Möglichkeit, tatsächlich grünen Wasserstoff in relevanten Mengen zu produzieren. Mit dieser Ankündigung wird ein großer Schritt hin zu einer langfristigen Dekarbonisierung des Hafens sowie einer wettbewerbsfähigen Wasserstoffwirtschaft in der Metropolregion Hamburg geleistet.“ – Michael Westhagemann, Senator der Freien und Hansestadt Hamburg für Wirtschaft und Innovation

Moorburg war viele Jahre Standort eines Gaskraftwerks der Hamburgischen Electricitäts-Werke, 2015 nahm Vattenfall hier ein Kohlekraftwerk in Betrieb. Dessen kommerzieller Betrieb wurde beendet, nachdem das Kraftwerk im Dezember 2020 einen Zuschlag in der Auktion zum bundesweiten Steinkohleausstieg erhielt. Eine Entscheidung des Übertragungsnetzbetreibers über die Systemrelevanz der Anlage wird für März 2021 erwartet. Die Stadt Hamburg und Vattenfall streben an, (Teil)-Flächen des Standorts zeitnah für das Projekt zur Erzeugung grünen Wasserstoffs und eines Green Energy Hubs freizuräumen und weiterzuentwickeln.

„Grüner Wasserstoff wird zukünftig eine sehr große Rolle im Energiesystem spielen und damit auch für uns. Wir haben die Entwicklung der gesamten Wertschöpfungskette für Wasserstoff im Blick; vom Einstieg in die Stromproduktion mittels Offshore-Wind über den Ausbau der Kapazität für grüne Wasserstoffproduktion bis hin zum Vertrieb für Mobilitäts- bzw. Transportanwendungen und andere Industrien. Dafür müssen und wollen wir mit starken Partnern zusammenarbeiten. Wir halten das Projekt des Konsortiums zusammen mit der Stadt Hamburg für beispielhaft.“ – Fabian Ziegler, Vorsitzender der Geschäftsführung von Shell in Deutschland

Die vier Unternehmen können bei ihrem Vorhaben zur Bildung eines Konsortiums auch auf die Unterstützung des Hamburger Senats zählen. Die Koalitionspartner hatten sich im Koalitionsvertrag darauf verständigt, die Machbarkeit von Sektorkopplung und den Aufbau einer Wasserstofferzeugung am Standort zu prüfen und zu fördern.

„Die Gewinnung von grünem Wasserstoff aus erneuerbarem Strom ist ein Schlüssel für die Dekarbonisierung der Industrie und des Transportsektors. Vattenfall will innerhalb einer Generation ein fossilfreies Leben ermöglichen und wir werden unsere Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien weiter ausbauen. In Projekten wie diesem wollen wir zeigen, wie erneuerbarer Strom zukünftig bestmöglich zu fossilfreien, industriellen Produktionsprozessen führen kann und sich integrieren lässt. Der Standort Moorburg verfügt hier über die Infrastruktur, die für die Produktion von Wasserstoff in großem Stil aus erneuerbaren Energien wie Offshore-Wind nötig ist.“ – Christian Barthélémy, Senior Vice President und Deutschland-Chef von Vattenfall

Quelle: Shell – Pressemitteilung vom 22.01.2021

Newsletter

Erhalte jeden Montag, Mittwoch und Freitag aktuelle Themen wie „Hamburg plant skalierbares 100-MW-Wasserstoff-Projekt in Hafennähe“ sowie die neusten Informationen aus der Welt der Elektromobilität kostenfrei direkt ins eigene Postfach. Kuratiert aus einer Vielzahl von Webseiten und Blogs.
Ja, ich möchte den gratis E-Mail-Newsletter von Elektroauto-News.net abonnieren. Die Datenschutzerklärung habe ich gelesen. Die Einwilligung zum Versand des Newsletters kann jederzeit widerrufen werden. Hierzu reicht es auf den Abmeldelink zu klicken, welcher sich in jedem Newsletter befindet.

Fakten & MeinungenDiskutiere mit der E-Community

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
5 Comments
Inline Feedbacks
View all comments

Das Schlüsselwort lautet „Fördermittel“, mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Super, das macht den Druck, die EE endlich kräftig auszubauen, immer grösser.
Irgendwann ist ein älterer, dickerer Herr im Wirtschaftsministerium der letzte Streiter für Kohle.

Die städtische Gasnetzgesellschaft will zudem binnen zehn Jahren ein Wasserstoffnetz im Hafen ausbauen und arbeitet damit schon jetzt an der nötigen Verteil-Infrastruktur.

Mit diesen Voraussetzungen ist der Standort Moorburg in Hamburg und Norddeutschland optimal und kann sich zu einem potentiellen Startpunkt für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft entwickeln.

Bis das geplante Projekt steht, dürften wohl die „10 Jahre“ vergehen bis das Wasserstoffnetz steht und ob dann das Ganze noch gebraucht wird, das ist die große Frage.

Vattenfall kann Kohlekraftwerk Moorburg stilllegen.

Das Kraftwerk Moorburg ist erst seit 2015 offiziell im Betrieb, darf aber demnächst stillgelegt werden.

Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) begrüßte die Stilllegung. „Das Kraftwerk Moorburg war von Anfang an überdimensioniert, unwirtschaftlich und aus der Zeit gefallen“, sagte der Grünen-Politiker.

(Quelle: ndr.de – 01.12.2020)

Das geplante Wasserstoffprojekt könnte die 2.Moorburg-Pleite werden – Hamburg hat ja Miliarden im Überfluss.

Wenn die Verbraucher des Wasserstoffs zum Beispiel in der Schiffahrt angesiedelt sind ist das für mich die Erste sinnvolle Anwendung des Wasserstoffs als Energiespeicher, da hier die grosse Schwäche des Wasserstoffs, der Transport vermieden werden kann.

Diese News könnten dich auch interessieren:

Polestar Start 2022: Absatzrekord, anhaltendes Wachstum und Expansion
Renault Scénic Vision mit Batterie und Brennstoffzelle
Porsche 718 Cayman GT4 ePerformance deckt Potenzial des Mission R auf

Deine Anmeldung zum Newsletter:
Ein letzter Schritt fehlt noch.

Vielen Dank für deine Anmeldung zum Newsletter von Elektroauto-News. Du erhältst in Kürze eine E-Mail, in der sich ein Link zur Freischaltung deiner E-Mail-Adresse befindet. Erst durch die Bestätigung des Links dürfen wir deine E-Mail-Adresse zum Versand unseres Newsletter freischalten (Double-Opt-In).