Greenpeace fordert von Ampel-Koalition „Bonus-Malus-System“ im Verkehr

Greenpeace fordert von Ampel-Koalition „Bonus-Malus-System“ im Verkehr

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Die Umweltorganisation Greenpeace verlangt von der sich abzeichnenden Ampel-Koalition nicht weniger als eine neue Steuerpolitik, um im Autoverkehr die Klimabilanz nachweislich zu verbessern. Hierfür könne man auf eine nach CO2-Ausstoß gestaffelte Zulassungssteuer und ein grundlegender Umbau der Regeln für Dienstwagen setzen, wie ein am Freitag veröffentlichtes Papier aufzeigt.

Als notwendig erachte Greenpeace dies, da viel aufzuholen ist. „Der Verkehr etwa ist in den vergangenen drei Jahrzehnten beim Klimaschutz keinen Meter vorangekommen. Jetzt müssen die Emissionen umso schneller runter. Bis 2030 sollen sie sich laut Klimaschutzgesetz nahezu halbieren“, so die Umweltorganisation weiter. Bei den eingebrachten Vorschlägen findet der Verweis auf europäische Nachbarländer statt. „Etwa nach Dänemark, wo besonders für große, verbrauchsintensive Autos eine empfindliche einmalige Neuzulassungssteuer fällig wird. Oder in die Niederlande, wo die Dienstwagenbesteuerung eine klare ökologische Lenkungswirkung entfaltet.“ Befürwortet wird diese Art der Steuer übrigens durch die Mehrheit der Bürger, wie eine  repräsentative Umfrage, durch YouGov im Auftrag von Greenpeace, aufzuzeigen vermag.

Greenpeace schlägt die Einführung einer CO2-orientierten Steuer für neu zugelassene Pkw vor. Dabei versteht sich diese aus deren Sicht als zusätzliches Lenkungsinstrument oder als Bestandteil der geltenden Kfz-Steuer. Besteuert werden sollten Fahrzeuge einmalig bei der Erstzulassung gemäß ihrem CO2-Ausstoß pro Kilometer. Lokal emissionsfreie Fahrzeuge wie Elektroautos wären davon befreit, sparsame Fahrzeuge würden gering besteuert und besonders klimaschädliche Fahrzeuge stark besteuert. Hierdurch erziele man beim Kauf eines solchen Fahrzeugs deutlich stärkere Lenkungswirkung in Richtung umweltfreundlicher Fahrzeuge. Somit könne die Verteuerung für schwere und große Verbrenner  den Umstieg auf weniger klimaschädliche Autos dann zusammen mit der Kaufprämie für E-Autos beschleunigen.

„Einkommensschwache Haushalte kaufen weit häufiger Gebraucht- als Neuwagen. Eine progressive Neuzulassungssteuer lässt den Absatz von E-Autos rasch steigen, sodass diese in den Folgejahren schneller und in größerer Zahl in den Gebrauchtwagenmarkt kommen.“ – Greenpeace

Des Weiteren regt die Umweltorganisation an, dass die Dienstwagenbesteuerung in Deutschland überdacht wird. Über 60 Prozent der Neuwagen werden in Deutschland gewerblich zugelassen, viele davon werden als individuelle Dienstwagen auch für private Fahrten genutzt, so die Erkenntnis von Greenpeace. Aus dem hohen Anteil von gewerblichen Fahrzeugen an den Neuzulassungen hat die Dienstwagenbesteuerung einen hohen Einfluss auf die Zusammensetzung und CO2-Intensität der Neuwagenflotte. Denn bedingt durch eine meist geringe Haltedauer bestimmen Dienstwagen erheblich das Angebot auf dem Gebrauchtwagenmarkt.

„In Großbritannien und den Niederlanden wird die Besteuerung privat genutzter Dienstwagen viel stärker gemäß des CO2-Ausstoßes gestaffelt. So muss bei batterieelektrischen Fahrzeugen in UK nur rund 1 Prozent des Listenpreises als geldwerter Vorteil versteuert werden, für Autos mit Verbrennungsmotoren dagegen pro Jahr 16 bis 37 Prozent.“ Deutliche Unterschiede, welche somit ebenfalls eine entsprechende Lenkungswirkung besitzen. Blickt man auf Deutschland, zeigt sich, dass der Unterschied zwischen den Antriebsarten als auch der Steuersatz für Verbrenner deutlich geringer (12 Prozent für Verbrenner, 4 Prozent bei E-Autos) abweicht.

„Greenpeace fordert daher für Deutschland, dass Dienstwagen künftig einem  privaten Pkw steuerlich gleichgestellt werden. Die private Nutzung des Dienstwagens würde dadurch an Attraktivität verlieren. Die Übernahme von Tankkosten sollte als geldwerter Vorteil besteuert werden. Darüber hinaus sollte eine verstärkte CO2-Komponente in die Besteuerung integriert werden, um einen Anreiz zum Kauf emissionsarmer Antriebe zu geben.“ – Greenpeace

Aus Sicht der Umweltorganisation besitzt die Ampel-Koalition zwei Hebel, welche man nutzen könne, um den Absatz von E-Autos und Verbrenner entsprechend zu lenken. Denn durch die Regulierung über die beiden Stellhebel wird ein „Bonus-Malus-System“ geschaffen, welches umweltfreundliche E-Fahrzeuge bevorzugt und den Einsatz von Verbrenner bestraft.

Quelle: Greenpeace – Pressemitteilung

Über den Autor

Sebastian hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere Alternative Antriebe werden betrachtet.

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Die Diskussion hat ich mit einem Handwerker, der bei mir vor 4 Tagen gearbeitet hat. Er gerät immer stärker unter Druck, da Betriebe, aus 100 Km Entfernung günstigere Angebote abgeben, als er es kann. Weil die auf dem Land geringere Basiskosten haben und die Fahrtkosten ja absetzten können. Dann kommt der Betrieb, welcher einen Baum zurück schneiden soll, halt aus 90 Km Entfernung von der niederländischen Grenze. Absoluter Unsinn. Die Politik muss aufhören, an jeder „Milchkanne“ gleiche Lebensbedingungen herstellen zu wollen. Das feuert nur die Umwelt Zerstörung an.

Es ist doch nur fair, wenn Betriebe betrieblich bedingte Kosten absetzen können. Städter haben schon alle möglichen Vorteile aus einer besseren Infrastruktur. Da ist es fair, dass die Lebenshaltung dort auch teurer ist. Wenn immer mehr Menschen und Betriebe in die Stadt gehen, erhöht das nur den Druck auf die Preise dort und lässt die Infrastruktur auf dem Lande eingehen. Wenn der Handwerker nicht wettbewerbsfähig ist, kann er doch auch aufs Land gehen, muss ja nicht in der teuren Stadt sein.

Und das ist ja genau der Unsinn, der unseren dekadenten Lebensstil ausmacht. Die Firma aus Hamburg hat einen Auftrag im Ruhrgebiet und die aus dem Ruhrgebiet einen in Hamburg. Die Niedersächsische Milch steht im Kühlregal neben der Bayrischen. In Niedersachsen und Bayern wohlgemerkt.

Sinnloses hin und hergefahre von Personal und Material ohne Mehrwert. Die Zerstörung der Umwelt ist einfach zu billig.

Farnsworth

Um darum braucht man auf dem Land natürlich an jeder Milchkanne eine Ladesäule und tausende vom Kilomtern Kupferkabel um den Kohle- und Atomstrom dorthin zu leiten. Die Zerstörung der Umwelt ist hoch subventioniert und genau deshalb für manchen BEV-Fans gar so billig. Schade nur, wie wenig Leute davon überhaupt eine Ahnung haben. Die merken gar nicht, wer sie versorgt. Immer noch Erdöl. Ändern aber müsste man können und wollen. Das aber ist längst unfinanzierbar weil das ohne Geld verdienen zu können NIEMAND macht. Gar niemand!

Es gibt Firmen die sitzen in Bayern und können Autos bauen. Andere kaufen E-Mobile in Amerika. Es gibt Transporteure die brauchen UNMENGEN an ERDÖL, damit es auf beiden Seiten des Großen Teichs E-Mobile geben kann. Sie haben Recht, “ Die Zerstörung der Umwelt ist einfach zu billig.! Danke! Wie sagen früher die GRÜNEN! Das Benzin muss 5 DM/l kosten. Energie ist viel zu billig. und was steht hier? > Energiewende und Strompreise Strom für Elektroautos wird unbezahlbar: 69 Cent und mehr“
und wo ist die Quelle? Hier: https://www.agrarheute.com/management/finanzen/strom-fuer-elektroautos-unbezahlbar-69-cent-mehr-587729?utm_campaign=ah-mo-fr-nl&utm_source=ah-nl&utm_medium=newsletter-link&utm_term=2021-11-24

Vlt. kommt das davon, dass der meiste Strom über große Strecken transpotiert wird und es keine H2-Speicher gibt? Vlt. davon, dass die Kraftwerke rund um die Uhr laufen müssen. Wegen einige BEV-Fans? Wer weiß das schon?

„Weil die auf dem Land geringere Basiskosten haben und die Fahrtkosten ja absetzten können.“
Das muss man nicht verstehen, oder? Dann hat ja im Umkehrschluss der Handwerker aus der Stadt höhere Basiskosten, die er absetzen kann. Es spielt doch absolut keine Rolle wo die Kosten für den Betrieb anfallen.

Politik funktioniert scheinbar einfach: Stadt gegen Land, Privatfahrer gegen Dienstwagenfahrer, Hausbesitzer gegen Mieter, …
„Der Intelligente sucht eine Lösung, der Dumme einen Schuldigen“

Ich zahle für die Privatnutzung meines Dienstwagens ca. 300 Euro Steuern pro Monat in den Staatshaushalt. Mein Arbeitgeber nochmal ca. 60 Euro Umsatzsteuer aus der Privatnutzung des Dienstwagens. Klar, kann man abschaffen und dann? Fahren wir alle mit alten Gebrauchtwagen durch die Gegend, weil 60% der Neuwagen vom Markt verschwinden und die 360 Euro fehlen auch noch jeden Monat in der Staatskasse.

Nun, wie ist es denn so auf den Land? Für eine ganz normale Familie welche z.B. 2 Kinder hat, die dort aufwachsen müssen, zur Kita gebracht werden müssen, dann in die Schule und später zur Arbeit? Was braucht man denn dort an Verkehrsmitteln? Nun, jede Münze hat 2 Seiten und die sollte manbeide kennen. Dann wüssten einige Leute von dem was sie schreiben. Während in der Großstadt Autos längst eine Last sind, so sind sie auf dem Land einfach NOTWENDIG. In den städtischen Trabanten (in SPECKGÜRTEL) oft eher ein teueres Hobby, schon dann, wenn dort die öffentliche Infrastruktur schon so existiert, dass man auch auf Autos verzeichten könnte, Bei der 4-Köpfigen Familie auf den Land brauchen bald die Familien 3-4 Autos. 2 für die erwachsenen Kinder und ein oder zwei weitere Autos für die Eltern. Letztere sind dringend notwendige Verkehrsmittel und sparen Vater Staats den irren Aufwand eine Verkehrsinfrastruktur ausbauen und instandhalten zu müssen. In den Städten baut man diese gerade UM. Da dort die meisten Wähler wohnen gibt es moemntan groteske Vorgänge. Die E-Kisten für die Stadt werden immer größer und stärker. Man könnte meinen dort wären Wettbewerbe für Geländesport. Liest man die aktuellen E-Autoangebote könnte man meinen man investiert für ein Safari-Rallye oder möchte Paris-Dakar gewinnen. Ausgerechnet mit Akkuautos? Ein besonderes Klientel bricht daradezu in Begeisterung aus und schreibt von Umweltschutz! Irgebdwie ist etwas gründlich durch den Wind gegangen. Mami bringt mit E-Boliden die Kids zu Erziehung und Ausbildung auf verstopften, ausgebauten Strassen und was passiert gerade bei VW?
https://www.manager-magazin.de/lifestyle/heiner-thorborg-warum-vw-chef-herbert-diess-gehen-muss-a-7b465912-1ab3-4972-b1ed-2b5cbd33576d?xing_share=news#ref=rss
Hat das auch mit obiger Thematik zu tun? Sind viele BEV-Boliden doch nicht gerade das „Gelbe vom Ei“? Vor allem dort, woher die Rohstoffe und Transporte konnen und wo dieser Grünstrom noch sehr lange warten muss? Blöd für Jene, die in rieisgen Zonen nur auf dem Land wohnen und diese Umwelt immer noch mit Diesel schützen müssen. Damit einige Leute mit Umweltschutz ANGEBEN können. Ginge es um Umwelt wirklich gäbe es viel sinnlose Autos gar nicht. Umwelt braucht keine ENERGIEVERNICHTUNG, sondern EINSPARUNG von ENERGIE. Das hat auch mit Steuersparmodelle nix zu tun.

aktuell ist eher das Problem, überhaupt einen Handwerker bzw qualifizierte Arbeitskräfte zu finden.

Und da hilft Flexibilität & Mobilität ganz maßgeblich für die Wirtschaftskraft eine Landes.
ich habe hohen Respekt vor Menschen, die bereit sind auch lange Wege auf sich zu nehmen anstatt sich arbeitslos zu melden.

die damit einhergehende Umweltverschmutzung muss aber adäquat eingepreist werden – darauf zielt insb die CO2 steuer

Die Menschen vom Lande müssen nun oft hohe Treibstoffkosten bezahlen, damit die Städter NOCH einen Handwerker bekommen. Wo ist die Stromquelle? Hier: https://www.agrarheute.com/management/finanzen/strom-fuer-elektroautos-unbezahlbar-69-cent-mehr-587729?utm_campaign=ah-mo-fr-nl&utm_source=ah-nl&utm_medium=newsletter-link&utm_term=2021-11-24

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