Elektrobusse in Frankfurt fahren mit Strom aus der Müllverbrennungsanlage

Frankfurt-Elektrobus-M60

Copyright Abbildung(en): FES

Der Frankfurter Stadtbusverkehr wird immer umweltfreundlicher. Mehrere Linien sind mit batterieelektrischen Bussen bereits komplett auf lokal emissionsfreien Betrieb umgestellt worden. Das Bundesumweltministerium fördert die Elektrifizierung mit mehreren Millionen Euro.

Ein großer Schritt war die Umstellung der Metrobuslinie M60 auf batterieelektrische Busse. Seit Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2020 sind die E-Busse zuverlässig, abgasfrei und leise zwischen Eschersheim und Rödelheim unterwegs, wie die Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) mitteilt. Aufgeladen werden sie im Müllheizkraftwerk (MHKW) Frankfurt am Main, das den benötigten Strom bei der Verbrennung von Hausmüll selbst produziert.

Frankfurt zeigt vorbildlich, wie in Städten aus Klimazielen greifbare Realität werden kann“, erklärt Florian Pronold, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU). „Die Stadt setzt sich seit Langem für den Klimaschutz ein, seit 2018 elektrifiziert sie konsequent ihren Busverkehr. Denn Elektrobusse sind sauberer und deutlich leiser als herkömmliche Busse. Damit sind sie gut für die Umwelt und die Lebensqualität in den Städten.“

Neben der Anschaffung von 34 der neuen Busse fördert das BMU teilweise auch die notwendige Ladeinfrastruktur. Dabei werden bei den Fahrzeugen die gegenüber einem Dieselbus entstehenden Mehrkosten mit bis zu 80 Prozent finanziert. Die Ladeinfrastruktur für die Linie M60 von Transdev wird mit bis zu 40 Prozent gefördert. Insgesamt werden für die Umstellung der Buslinien 37, M60 und 52 rund 7,81 Millionen Euro Fördergelder nach Frankfurt fließen. Die Umstellung der Linie 33 und die Ladeinfrastruktur der ICB Frankfurt wird aus Mitteln des Landes Hessen gefördert.

Durch den Einsatz von Elektrobussen auf den Frankfurter Linien werden die lokalen Emissionen des innerstädtischen Verkehrs maßgeblich verringert“, sagt Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling. Das wichtigste Ziel bleibe, den Nahverkehr noch klimafreundlicher zu machen. Traditionell wird ein Großteil des öffentlichen Nahverkehrs in Frankfurt am Main schon elektrisch abgewickelt, nämlich mit S-Bahn, U-Bahn und Straßenbahn. „Schritt für Schritt“, so der traffiQ-Aufsichtsratsvorsitzende, „elektrifizieren wir nun den Busverkehr: Bereits 2018 wurde die Linie 75 als erste hessische Buslinie komplett auf E-Busse umgestellt. Nach der Linie M60 mit 13 Bussen wurden im Frühjahr 2021 auch die Linien 33 und 37 im Gutleutviertel elektrifiziert, hier kommen elf E-Busse zum Einsatz. Die Linie 52 im Gallus folgt mit zwölf Bussen zum Ende des Jahres. Ab Sommer 2022 sollen auf der Linie M36 insgesamt 13 Brennstoffzellenbusse verkehren“, kündigt Oesterling an.

Bahn und Bus sind Beitrag zum Umweltschutz

Die Kooperation zwischen der FES und dem Busunternehmen Transdev Rhein-Main GmbH ist ein weithin sichtbares Signal für die klimafreundliche Verkehrswende. Erstmals werden in Deutschland Müllverbrennung, Energieerzeugung und batteriegestützte, emissionsfreie Mobilität zusammengedacht. Frank-furt setzt auch dank FES hier neue Standards“, sagt die Frankfurter Umweltdezernentin und FES-Aufsichtsratsvorsitzende Rosemarie Heilig. „Künftig werden vom MHKW Frankfurt aus sowohl Busse als auch Müllfahrzeuge emissionsfrei ein- und ausfahren, elektrifiziert durch die Verbrennung des Hausmülls unserer Bürgerinnen und Bürger. Ich wüsste nicht, was man mit Müll besseres machen könnte.“

Betreiber der Buslinie M60 ist das Unternehmen Transdev Rhein-Main GmbH. Geschäftsführer Heiko Schütte zeigt sich zufrieden mit Elektrobussen: „Die Erfahrung der internationalen Transdev-Gruppe hat bewiesen, dass Elektromobilität im großen Maßstab und zu wirtschaftlichen Preisen umgesetzt werden kann: Allein in Europa setzt die Transdev-Gruppe bereits mehr als 1000 Elektrobusse ein und betreibt damit die größte europäische E-Bus-Flotte“. Davon profitiert nun auch Frankfurt am Main, das mit der M60 jetzt über die erste vollumfänglich Zero-Emission-gefahrene Buslinie verfügt, die eine Laufleistung von circa einer Million Kilometer im Jahr erbringt.

Die Buslinien 33 und 37 betreibt das städtische Unternehmen In-der-City Bus GmbH (ICB). Es kann auf die Erfahrung mit der Elektrifizierung der Linie 75 im Dezember 2018 zurückgreifen. Seither werden auf dieser innerstädtischen Linie jährlich etwa 200 Tonnen Kohlendioxid (CO2) und 640 kg Stickoxid (NOx) weniger an die Umwelt abgegeben. „Einsatzstabilität und laufleistungsabhängige Betriebskosten der Batteriebusse überzeugen. Insgesamt überwiegen die Vorteile den Nachteil der höheren Investitionskosten bei weitem“, resümiert ICB-Geschäftsführer Christian Schaefer die Erfahrungen mit den Elektrobussen im Fahrbetrieb.

Jetzt werden erstmals Erfahrungen mit elektrischen Gelenkbussen gesammelt. „Die ICB hat in den letzten Jahren die interne Expertise zur Bewältigung des Technologiewechsels von Diesel auf lokal emissionsfreie, geräuscharme und mit Strom und ab 2022 auch mit Wasserstoff betriebene E-Busse aufgebaut. Der Elektromotor ist der Antrieb der Zukunft„, so Christian Schaefer.

Umweltfreundliches Paket: Müllentsorgung, Stromerzeugung, Nahverkehr

Den für den Betrieb der Busse auf der Metrobuslinie M60 nötigen Strom stellt die FES Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH auf ihrer Betriebsstätte in Heddernheim bereit. Fünf Ladesäulen mit je zwei Ladeanschlüssen wurden installiert, um die 13 E-Busse zu laden. Da die Busse über den Tag verteilt eingesetzt werden, stehen immer genug Stationen zur Verfügung. Ein Ladevorgang an den bis zu 150 kW starken Ladepunkten dauert maximal dreieinhalb Stunden.

Im Laufe des Jahres 2021 soll die Ladeinfrastruktur um vier weitere Ladesäulen ergänzt werden. FES-Geschäftsführer Dirk Remmert: „Abfallverbrennungsanlagen werden in der Öffentlichkeit oft nicht als das angesehen, was sie sind: Machtvolle Energie- und Wärmeerzeuger, die nicht nur unsere Wohnungen im Winter warmhalten, sondern mit denen die Lösung von Zukunftsfragen in unseren Städten plötzlich in greifbare Nähe rückt.

In der Anlage können pro Jahr bis zu 525.000 Tonnen Abfall verwertet werden. Aus einer Tonne Müll wiederum können 400 kWh Strom erzeugt werden. Mehr als genug, um damit auch Elektrobusse mit ausreichend Energie zu versorgen.

Quelle: FES – Pressemitteilung vom 01.03.2021

Über den Autor

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Diesen Ansatz finde ich auch ok. Energie aus Abfall, sodass dieser nochmal sinnvoll genutzt wird und zum Beispiel nicht in der Umwelt bzw. in den Ozeanen landet. Die Müllverbrennungsanlagen dürften mit ihren einsetzbaren Brennstoffen ziemlich flexibel sein. Hoffentlich werden die bei der Verbrennung erzeugten Schadstoffe so gut es nur geht herausgefiltert und ich hoffe, es führt trotzdem nicht zu einer zusätzlichen Müllproduktion wegen weiter zunehmenden Verpackungsmaterialien etc. Am Besten wird auch da trotzdem in Recycling- und Mehrwegkreisläufen gedacht.. noch sauberer können die E-Busse ja dennoch betrieben werden, wenn sie durch den Ökostromanteil geladen werden oder in der Zukunft vielleicht auch integrierte Solarzellen auf die Dächflächen der Busse kommen.

Last edited 3 Monate zuvor by Leser

Oder wenn auch Frankfurt irgendwann aus dem Märchenschlaf aufwacht und mal drüber nachdenkt in echte Erneuerbare zu investieren bzw. Dachflächen für PV freizugeben. Hier passiert so gut wir gar nichts. Eine echt negative Vorzeigestadt. Eigentlich müsste es einem ja peinlich sein wenn man nix besseres wie eine Müllverbrennungsanlage zu bieten hat.

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