Elektro-Lkw Mercedes-Benz eActros erstmals im Realbetrieb

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Copyright Abbildung(en): Mercedes-Benz

Kurz vor dem Anlauf der Serienproduktion des batterieelektrischen Lkw Mercedes eActros am 7. Oktober 2021 gingen vier seriennahe Fahrzeuge in den Realbetrieb. Drei Fahrzeuge sind nun im Pendelverkehr für das im Nordschwarzwald ansässige Unternehmen Logistik Schmitt und für die Lebensmittellogistiker Simon Loos in den Niederlanden sowie Tevex Logistics in Nordrhein-Westfalen im Einsatz. Ein weiterer eActros in der Konfiguration als Abfallsammelfahrzeug ist für Remondis vorgesehen, ein führendes Unternehmen für Recycling, Wasserwirtschaft sowie kommunale und industrielle Dienstleistungen. Bei den E-Lkw handelt es sich um Fahrzeuge, die im Rahmen von Testdurchläufen der Produktion aufgebaut wurden.

eActros bei Logistik Schmitt: flexibel und mobil im Dauereinsatz

Ein früher Prototyp des batterieelektrischen eActros hat sich bereits seit Juli 2019 bei uns im intensiven Praxistest bewährt. Insgesamt hat das Fahrzeug bislang rund 70.000 Kilometer zuverlässig bei Wind und Wetter zurückgelegt und knapp 7000 Touren absolviert“, sagt Rainer Schmitt, geschäftsführender Gesellschafter von Logistik Schmitt. Nun wird der Prototyp von einem seriennahen eActros abgelöst.

Das neue Fahrzeug fährt weiterhin täglich im Dreischicht-Betrieb zwischen Rastatt und Gaggenau. Auf den Fahrten nach Rastatt transportiert der eActros Getriebegehäuse, nach Gaggenau befördert er Achskomponenten. Die insgesamt zurückgelegten Kilometer belaufen sich auf bis zu 300 km pro Tag. Teil des mehrjährigen Tests des schweren E-Lkw im Murgtal bei Rastatt und Gaggenau ist ein für einen späteren Zeitpunkt vorgesehener Konzeptvergleich mit dem Oberleitungsprojekt „eWayBW“ – Daimler Truck plant selbst keine Oberleitungs-Lkw.

Lokal CO2-neutraler Transport bei Simon Loos in den Niederlanden

Simon Loos, ein führendes Unternehmen für Logistikdienstleistungen mit Sitz in den Niederlanden, setzt einen mit Kühlkoffer ausgestatteten eActros für die Supermarktkette Albert Heijn ein. Die Tagestour des eActros beginnt in einem Verteilzentrum in Delfgauw in der Provinz Südholland. Von dort aus versorgt der E-Lkw Supermarktfilialen in verschiedenen Städten der Region, darunter Rotterdam, Den Haag und Delft, mit frischen, temperaturgeführten Lebensmitteln. Der eActros fährt sieben Tage die Woche und legt täglich rund 300 km lokal CO2-neutral zurück. Die Batterien werden über Nacht im Verteilzentrum in Delfgauw geladen, wo Albert Heijn einen innovativen Neubau mit mehreren Schnellladestationen fertigstellt hat.

Elektro-Lkw-Mercedes-eActros-Kühlkoffer
Mercedes-Benz

Wir sammeln in unserem Fuhrpark bereits seit 2014 Erfahrungen in Sachen alternativer Antriebe. Im vergangenen Jahr hatten wir einen erfolgreichen Praxistest mit dem eActros-Prototyp in der Supermarktlogistik bei Albert Heijn. Wir sind stolz darauf auch den neuen, seriennahen eActros zu testen“, sagt Wim Roks, Flottenmanager bei Simon Loos. Der Tagesbetrieb werde von der Flexibilität stark profitieren, die dank der höheren Reichweite des seriennahen eActros möglich sei. „Wir sind gespannt, ob das Aufladen zwischen den Fahrten überhaupt noch notwendig sein wird, auch wenn die Schnellladekapazität auf unserem Depot vorhanden ist“.

Tevex Logistics: Nachhaltiger Lebensmitteltransport

Bei Tevex Logistics in Rheda-Wiedenbrück soll der neue eActros als 27-Tonner im Mehrschichtbetrieb zum Einsatz kommen. Die Logistiktochter der Tönnies Unternehmensgruppe wird die eigenen Lebensmittel täglich an verschiedene Kunden im erweiterten Nahverkehrsbereich ausliefern. In Summe rechnet das Unternehmen so mit bis zu 600 Kilometern Fahrtstrecke pro Tag. Geladen wird der E-Lkw an einer Ladesäule auf dem heimischen Werksgelände in Ostwestfalen.

Für das Unternehmen Tevex Logistics, der Logistik-Tochter der Tönnies Unternehmensgruppe, ist das Modellprojekt mit dem eActros von Mercedes-Benz Trucks der nächste Schritt in seiner Nachhaltigkeitsstrategie ‚t30‘. Unser Ziel ist es, das nachhaltigste Lebensmittelunternehmen im Markt zu sein“, sagt Tevex Geschäftsführer Dirk Mutlak. „Dabei spielt die Logistik eine wesentliche Rolle, um den CO2-Fußabdruck unserer Produkte zu verringern.“

eActros als Abfallsammelfahrzeug bei Remondis

Ein weiterer eActros befindet sich bereits in der Konfiguration und wird zukünftig von Remondis als Abfallsammelfahrzeug eingesetzt. Der Entsorger plant den eActros im Innenstadtbereich von Köln für die Abfallentsorgung bei Gewerbekunden einzusetzen. Zusätzlich ist ein Testlauf in der kommunalen Haus-zu-Haus-Sammlung geplant.

Quelle: Daimler – Pressemitteilung vom 01.10.2021

Über den Autor

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Der Anfang wird schleppend sein. Aber in ein paar Jahren wird es sich kein großer Spieler mehr leisten können, den Transport in Diesel LKW durchzuführen. Weil es der Kunde erwartet. Weil die Kinder der Kunden fragen.

Absolut.

Es ist für mich unverständlich dass die Hersteller Ihr Sortiment nicht so aufgestellt haben dass der Kunde sich entscheiden könnte.

Auch unverständlich dass die Kunden die einfache Mathematik nicht beherrschen , denn sonst würden Sie erkennen dass ein ein elektrisch betriebener LKW im Vergleich zum mit fossilen Brennstoffen betriebener LKW um ein vielfaches Effektiver ist…

es bleibt spannend

Und was machen wir jetzt wegen der sogennanten energiekrise ?
Strom ist bei unseren nachbarn in Deutschland ,mangelware , also was nutzt mir ein LKW auf strom wen dieser defizitär ist? Wollen uns die LKW granden und Grüne „scheinheilige“ jetzt für blöd halten ?

„Und was machen wir jetzt wegen der sogennanten Energiekrise?

-1

Schon mal daran gedacht, dass allein für jew. 7–8 Liter Diesel/Benzin, die nicht gefördert und rafffiniert, verteilt und verbrannt werden (also einfach als Öl im Boden verbleiben können!), soviel Strom gespart wird, dass davon ein kleinerer Pkw >100 km weit fahren kann?

Last edited 14 Tage zuvor by Wolfbrecht Gösebert

Ganz einfach: Mehr grünen Strom produzieren. Viel mehr. Es gibt sowieso keine andere Lösung für die Dekarbonisierung der Wirtschaft.
Und mit viel mehr sind nicht 40 oder 70 Prozent gemeint, sondern 400 bis 500 Prozent. So viel mehr grünen Strom wird ein typisches westliches Land produzieren müssen, um Industrie, Wärme und Mobiliät CO2-frei mit Energie zu versorgen.
Da darf man dann auch noch einmal die Frage stellen, ob ein Industrieland nicht auch einen Teil der grünen Energie andernorts produzieren lassen könnte. Z.B. PV-Energie in Nordafrika, wo das gleiche PV-Modul zweimal so viel Energie produziert wie in Deutschland. Puristen sagen da noch nein, Korea, Singapur und andere Länder sind da realistischer und haben schon Verträge mit vorteilhaft gelegenen Staaten (z.B. Australien, Chile oder eben Nordafrika).
Und – bevor der immergleiche Einwand kommt – nein, es ist kein grösseres Problem, riesige Energiemengen von Nordafrika nach Europa zu transportieren, sei es als Strom, sei es als Wasserstoff über die schon existierenden und leicht umgebauten Gas-Pipelines. Will heissen, kein grosses Problem im Vergleich zu den Problemen, die wir mit der Energiewende sowieso haben.

Natürlich ist die Herausforderung nur über eine um ein vielfaches gesteigerte EE-Produktion lösbar.
Es ist aber ein viel kleineres Problem, den Strom hierzulande zu erzeugen. Denn das geht viel schneller – Time to market zählt. Für die 10-50 Milliarden Euro, die so ein transkontinentaler Hochspannungs-Gleichstromkorridor kosten würde, könnte man in einem Bruchteil der Zeit große Teile unserer Stromversorgung dekarbonisieren und dezentralisieren und gleichzeitig Speicherlösungen implementieren, die man unabhängig von der Herkunft des Stromes benötigt.

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