E-Mobilität 2020 in Polen – Ein Blick zurück

E-Mobilität 2020 in Polen - Ein Blick zurück

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Im Pandemiejahr 2020 gab es in Polen mindestens zwei positive Entwicklungen im Bereich der E-Mobilität. Gerade für die polnischen Städte, die in den Wintermonaten mit Smog und Abgasen zu kämpfen haben, ist die Zunahme der vollelektrischen Stadtbusse um das 2,5fache eine sehr gute Nachricht. Insgesamt wurden im letzten Jahr 201 dieser Busse in den Stadtverkehr integriert. Damit haben die umfangreichen Förderprogramme für die Elektrifizierung des öffentlichen Verkehrswesens große Fortschritte gemacht. In keinem anderen Bereich der E-Mobilität war das Wachstum so stark wie bei den E-Bussen.

Wichtig ist hierbei die enorme Rückwirkung auf die heimische E-Busproduktion. Hersteller, die in Polen produzieren, wie Solaris, Volvo, Autosan und Rafako, sind überdurchschnittlich stark in diesem Marktsegment vertreten. Sie werden auch zukünftig von diesem Trend profitieren können. Dies gilt insbesondere für die Ausschreibungen für den Schülerbeförderungsverkehr, wo Solaris und Rafako mit ihren speziellen Schulbus-Modellen eine gute Performance gelungen ist.

Eine interessante Entwicklung gibt es auch im Gebrauchtwagenmarkt für E-Autos in Polen. Grundsätzlich geht der Erwerb von Neuwagen mit Verbrennungsmotor durch Privatpersonen stark zurück. Aktuell liegt der Anteil der privaten Käufer von neuen Autos in Polen bei unter 30%. Dafür sind die steuerlichen und finanziellen Bedingungen bei den Leasinganbietern für Neuwagenkunden interessanter und günstiger. Die steuerlichen Vorteile für Freiberufler und Solobeschäftigte sind beim Leasing deutlich vorteilhafter als im Falle einer Investition in einen Neuwagen. Folgerichtig werden Förderprogramme für neue E-Autos mit hoher Wahrscheinlichkeit zukünftig ihren Fokus auf die Leasinganbieter und Flottenfahrzeuge richten und weniger auf private Käufer.

Währenddessen entwickeln die polnischen Verbraucher zunehmendes Interesse an elektrischen Gebrauchtwagen. Dies ist daran abzulesen, dass die polnischen Medien, die für das vergangene Jahr eine Top 5 – Liste der beliebtesten E-Autos in Polen erstellt haben, stets auf den aktuellen Preis dieser Fahrzeuge auf dem Gebrauchtwagenmarkt verweisen. So z.B. für das am häufigsten 2020 gekaufte Modell in Polen, den Nissan Leaf. Die einfache Version ist als Neuwagen für umgerechnet 27.000 Euro zu haben. Allerdings werden diese Fahrzeuge schon für unter 7.500 Euro gebraucht gehandelt. Nach wie vor sehr beliebt ist in Polen der BMW i3. Neu gehört er mit umgerechnet über 40.000 Euro zu den teureren Autos. Gebraucht kostet der Wagen laut dem Portal WP e-autokult etwa 15.000 Euro. Preislich vergleichbar mit dem Nissan Leaf ist der ebenfalls in Polen beliebte Renault ZOE.

Bei den Neuwagen hat der Citigo-e IV in Polen den vierten Platz erreicht, jedoch ist das Modell wegen seiner Aktualität noch nicht im Gebrauchtwagenmarkt vertreten. Das Tesla Model S kostet in Polen neu umgerechnet mehr als 80.000 Euro. Gebraucht bleibt der Preis für das Luxusfahrzeug mit etwa 35 – 40.000 Euro weiterhin sehr teuer.

Insgesamt hat sich im Verlauf des letzten Jahres die Anzahl der reinen E-Autos (BEV) und der Plug-In-Hybriden (PHEV) auf den polnischen Straßen verdoppelt. Allerdings bleibt die Stückzahl mit jeweils knapp über 10.000 BEVs und knapp 9.000 PHEVs immer noch sehr gering. Die Anzahl aller PKWs in Polen liegt bei rund 25 Millionen. Zufriedenstellend aus der Perspektive der E-Mobilität verläuft der Ausbau der Ladeinfrastruktur. Auch hier hat sich das Angebot gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Ende Dezember 2020 wurden 1.364 Ladesäulen gezählt, die über 2.641 Ladepunkte ermöglichen.


Aleksandra Fedorska ist polnisch-deutsche Politologin und Publizistin. Sie arbeitet als Korrespondentin für polnische und deutsche Medien in den Fachbereichen Energiepolitik und E-Mobilität. Fedorska lebt und arbeitet im schleswig-holsteinischen Jagel und in der polnischen Stadt Poznań.

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Es wird wohl so sein, dass der Smog auf den starken Einsatz von Kohle beim Heizen und der Stromerzeugung zurückzuführen ist. Überall, wo feste Brennstoffe (Kohle und alles was brennt) zum Heizen und Kochen verwendet werden, ist die Luft schwer belastet. Deshalb hört man solche Meldungen auch aus chinesischen Städten. In westlichen Großstädten passiert das eher selten.

[…] der Smog [ist] auf den starken Einsatz von Kohle beim Heizen und der Stromerzeugung zurückzuführen […]

Ja, siehe
https://de.wikipedia.org/wiki/Kohleausstieg#Polen

Leider ist unter der gegenwärtigen Regierung keine konsequente Förderung von Solar- und Windstrom erkennbar, dabei hätte Polen u.a. wg. langer Küsten gute Chancen für letzteren!

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