DS 9 E-Tense Plug-In-Hybrid: Frankreichs Flaggschiff

Copyright Abbildung(en): Wolfgang Plank

Es war so etwas wie ein Versprechen. Damals, im Werbe-Auftakt der neuen Marke DS. Als Wegbereiterin sah sich die noble Tochter aus dem zu dieser Zeit noch PSA-Verbund, als Schrittmacherin, Bahnbrecherin, Neuerin. Stets auf der Suche nach Höherem – niemals einfach nur der Straße folgend. Und dann überholte sie sogar die Göttin…

Üblicherweise hat derlei Hochmut Folgen – doch im speziellen Fall mussten die Franzosen heiligen Zorn nicht fürchten. Es ist schließlich ihre Göttin. „La Déesse“. Jene Ikone auf Rädern, die vor 66 Jahren die Wagen-Welt in einen Taumel versetzte und neben der gewohnte Autos plötzlich wirkten, als seien sie mindestens von gestern.

Einst als „Distinctive Series“ bei Citroën eingeführt, bringt die mittlerweile selbstständige Marke mit dem DS 9 nun das dritte eigene Modell auf den Markt. Und es kommt dem großen Vorbild am nächsten. Nicht so sehr optisch – ganz sicher aber vom Anspruch. Edles auf fünf mal zwei Meter darf man durchaus Flaggschiff nennen. Und ein kühnes Projekt. Mit gerade mal 2773 in Deutschland verkauften Autos 2020 ist der Wettbewerb mit den etablierten Premium-Herstellern ja kein leichter – auch wenn man bei DS großen Wert darauf legt, „profitabel“ zu sein.

Umgeben von allerlei Zierrat thront man. Schallgedämmt, auf Wunsch in belüfteten und massierenden Sitzen – ahnend, dass es in diesem Fall wohl „wie Göttin in Frankreich“ heißen muss. Auch in zweiter Reihe hat’s dank 2,90 Meter Radstand üppig Platz vor 510 Litern Kofferraum. Wer sich ganz vorne wähnt, sitzt ja standesgemäß gerne hinten. Und kann auch hier genießen, was DS unter Premium versteht: Nicht zuvörderst Tempo und Funktionalität, sondern gepflegtes Fortkommen mit viel Liebe zum Detail und einem Hauch französischer Finesse.

Die reicht von kunstvoll graviertem Metall über Perlenstickerei bis zu aus einem Stück aufwändig gefälteltem Leder im Uhrenband-Design. Die Häute übrigens stammen von bayerischen Kühen. Makellos, weil es hoch oben auf der Alm weder Zäune noch Stechmücken gibt. Auf den ersten Blick alles bloß Kleinigkeiten, doch wo – Corona hin oder her – das Luxus-Segment stärker wächst als der Gesamtmarkt, ist das Besondere womöglich eine kluge Strategie.

Rund um den Kommandostand indes geht Design auch mal vor Funktion. Den Startknopf vermutet man spontan nicht mittig über dem Touchscreen, und die Spiegel-Verstellung versteckt sich links unter dem Lenkrad. Dennoch haben sie bei DS ihr Versprechen gehalten. Behutsam und mit großem Respekt, heißt es, wolle man das Erbe der Göttin wahren. Das gilt für Design wie Technik. In den Scheinwerfern schwenken je drei LED-Blöcke aus ihrer Ruheposition auf Kurs – eine Hommage an das dem Lenkeinschlag folgende Fernlicht der Déesse. Kult auch die Positionsleuchten, die den seinerzeitigen Tüten-Blinkern am Dach nachempfunden sind.

Unter der Haube geht es – noch – nicht ganz so opulent zu. In der Plug-In-Version „E-Tense“ tun sich zum Marktstart Ende August ein 1,6-Liter Vierzylinder (180 PS) und ein E-Motor (110 PS) zu 225 PS Systemleistung zusammen. Die Kooperation von Kolben und Wicklung erfolgt unauffällig und ohne weiteres Zutun. Nur unter Volllast knurrt der Benziner ein wenig, entfaltet seine Kraft dank Acht-Stufen-Wandler aber schön gleichmäßig.

Klüger ist selbstverständlich die rein elektrische Fahrt. Die geht bis Tempo 135 und maximal über 48 Kilometer – allerdings nicht in Kombination. Wer mit etwas Elan unterwegs sein will, sollte beim Radius eher mit guten 30 planen. Dynamik kostet eben Distanz – alle Batteriefahrer-Weisheit. Erfreulich: Dank des serienmäßigen 7,4-kW-Bordladers ist der 12-kWh-Akku an einer Wallbox in gut anderthalb Stunden wieder voll.

Eher behutsam erfolgt die Abkehr der Marke DS von Citroën beim Fahrwerk. Dessen zweiter Name könnte „Komfort“ sein. Trotz der bis zu 20 Zoll großen Räder. Gegen Aufpreis hilft sogar eine Kamera, der Straße Ungemach zu erfassen und gezielt zu dämpfen. Wer’s nicht ganz so sänftig schätzt, sollte den Wahlschalter besser auf Stellung „Sport“ arretieren. Optional späht der DS 9 per Nachtsicht-Funktion ins Dunkel, hält Abstand, Tempo und Spur und parkt ohne jedes Zutun.

Allerdings hat Pariser Chic immer auch seinen Preis. Der reine Verbrenner mit ebenfalls 225 PS startet bei 47.500 Euro, der E-Tense bei 52.810 Euro. Wem an mehr Fahrspaß und Sportlichkeit liegt, dem sei ein wenig Geduld empfohlen. Ende des Jahres kommt nicht bloß ein 250 PS starker DS 9 mit größerer Batterie und mehr Reichweite, sondern vor allem ein 360 PS starkes Allrad-Modell. Tiefergelegt, mit Bremsen aus dem Rennsport – aber eben auch mit Doppelherz.

Dafür ruft DS dann zwar mindestens 64.250 Euro auf – doch selbst in der Top-Ausstattung für 67.000 Euro ist das Gefährt noch voll förderfähig. Und: Man muss sich nicht sorgen, an jeder zweiten Kreuzung dem „Spirit of Avantgarde“ zu begegnen…

Über den Autor

Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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Fake-Stromer, der Einunddrölfzigtausendste … schadet weit mehr als er der Umwelt nützt und für so einen Mist wird immer noch ein dicker Zuschuss aus »unseren« Steuergeldern bezahlt und im laufenden Betrieb „legalisierte Steuerhinterziehung“ betrieben 🙁

Naja als Dienstwagen würde ich ihn fahren. Vor 2 Jahren habe ich mir einen 18-Hunderter Hybrid als Jahreswagen zu gelegt, da es mein Letzter werden sollte (bin 70 Jahre). Meine Frau fand in ganz toll, da er für den Beifahrer/in viel Spielerei auf dem Display zu bieten hatte. Ich selbst hatte mir ausgerechnet wieviel Km ich fahren muß um den Mehrpreis des Hybrid-model wieder rein zu holen. Es müssten über 500000 km sein beim damaligen Benzinpreis. Ich glaube nicht, dass das Fahrzeug solange durchhält. Gut ich habe es geschafft mit 2,7 l auf 100km zu fahren, dies hat aber nichts mit Autofahren zu tun. Sicher hat meine Frau heimlich die Seitentür geöffnet und mit dem rechten Bein mitgeschoben. Gut mit wenig Beschleunigung, komme ich auf 4,2 l/100 km aber selbst dies ist nicht einfach (bei Autobahnfahrt mit Tempomat auf 110 km/h gestellt, sind es 4,7 l/100km). Wenn man Benzin sparen will, sollte man Strecken aussuchen die stark staugehaftet sind. Cool ist bei meinem Hybrid, dass er beim Starten 99,9l/100km anzeigt, man hat schon gleich bei Fahrtbeginn ordentlich zu tun um auf unter 5l pro 100 km zu kommen. Hurra, für das viele Geld, welches ich mehr ausgegeben habe, kann ich mich Umweltpionier nennen….oder vielleicht auch nicht, wenn man es richtig analisieren würde …
Beim Plug-In-Hybrid sehe ich das Problem, dass man nach dem Erreichen der Reichweite des Akku, den schweren Akku weiter mit rumschleppt und somit die eventuelle Einsparung an Energie durch das höhere Gewicht(Akku) wieder wegmacht. ´Einsparung´ ist sicher auch nicht korrekt, da man den Akku zu Hause mit Strom aufladen muss. Wie groß die Differenz zwischen geladenen KWh und Benzinkosten bei Verbrennerbetrieb für die maximale Fahrstrecke im E-Betrieb ist, wäre mal interessan. Da man beim reinem E-fahren etwa 30% weniger Energiekosten für Fortbewegung benötigt, als mit benzinbetriebenen Autos gleicher Baugröße.
Ich würde fast behaupten, dass da mein ´normal Hybrit´ besser abschneidet und verweise auf meine ersten beiden Abschnitte.
Warum Regierungen so etwas finanziel fördert, ist für mich nicht nachvollziehbar.

Last edited 30 Tage zuvor by J.Kessler

Oh, Mon Dieu, Mon Dieu, que (pas)belle catastrophe!
Wahrscheinlich drehen sich die wahren DS-Schöpfer im Grabe um…

„Oh, Mon Dieu, Mon Dieu, que (pas)belle catastrophe!“

Auch wenn Frz. nun so gar nicht nicht meins ist … Du meintest ja eigentlich:
Oh, ma déesse, ma déesse, quel (in)beau désastre! 😛

Mais non, ich wusste schon was ich dachte… lassen wir die fémmes aus dem Spiel, d’accord? 😉

Tja, was soll ich sagen 😉 für mich bleibt sie La Déesse (Die Göttin) und das, was da im Artikel als „Flaggschiff“ gezeigt wird, ein [zensiert]!

Last edited 29 Tage zuvor by Wolfbrecht Gösebert

Innen und aussen nicht ganz optimal gelungen. Von Citrön hätte ich sowas nicht erwartet.

+1, …keine Ikone mehr…
Was bleibt übrig? Ein Einheitsbrei…Schade…

Last edited 30 Tage zuvor by Tom62

Tja, würde ich heute auch nicht mehr kaufen. Jetzt die PV Anlage aufs Dach bauen und noch ein gutes halbes Jahr auf den neuen Nissan Ariya ( ein echter Japaner) warten. wer ihn noch europäischer will, dann den ein wenig ähnlichen vollelektrischen Renault Megane.

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