Deutschlandnetz verzeichnet 400 Bewerbungen für 23 Ausschreibungslose

Deutschlandnetz verzeichnet 400 Bewerbungen für 23 Ausschreibungslose

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Für die 23 Regionallose des Deutschlandnetzes, dem insgesamt 1000 Standorte umfassenden Schnellladevorhaben des Bundes, sind bei der Vergabestelle des Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gut 400 Teilnahmeanträge eingegangen. Jedes der Lose treffe auf eine zweistellige Anzahl von Interessenten, so die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur in einem aktuellen Posting auf LinkedIn. Diese Nachfrage und Dynamik soll nun genutzt werden, um das jeweils wirtschaftlichste und nutzerfreundlichste Angebot zu identifizieren.

In der ersten Ausschreibungsrunde, den Regionallosen, bewerben sich die Interessenten für die Errichtung und den Betrieb von öffentlich zugänglicher HPC-Schnellladeinfrastruktur abseits der Bundesautobahnen im urbanen, suburbanen und ländlichen Raum. In einer zweiten, getrennten Runde sollen auch an gut 200 bundeseigenen Rastanlagen und Parkplätzen weitere Ladeparks entstehen. Insgesamt nimmt der Bund für das Vorhaben gut 1,9 Milliarden Euro in die Hand.

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur vergibt die Aufträge zur Errichtung und zum Betrieb von HPC-Schnellladepunkten. Die Auftragsvergabe im Rahmen der Ausschreibung mit den 23 Regionallosen betrifft insgesamt gut 900 HPC-Standorte mit jeweils mehreren Ladeeinrichtungen, deren Ladepunkte zur Abgabe einer Maximalleistung von mind. 300 kW geeignet sind und die unter Berücksichtigung mehrerer gleichzeitiger Ladevorgänge eine Ladeleistung von mind. 200 kW gewährleisten müssen. Zudem

Für jedes Regionallos hat das BMVI mit Unterstützung der Nationalen Leitstelle für Ladeinfrastruktur bei der NOW GmbH Suchräume definiert, in denen die obsiegenden Bieter die HPC-Standorte mit einer definierten Anzahl an Ladepunkten errichten müssen. Die Aufgabe, geeignete Standorte in den definierten Suchräumen zu finden, obliegt den obsiegenden Bietern.

Vor einigen Wochen hatten mehrere Infrastrukturbetreiber Kritik an dem Vorhaben geübt: Die geplante Strompreis-Obergrenze von 44 Cent sowie die 100-Prozent-Finanzierung der neuen Anlagen sollen die bestehende Ladeinfrastruktur für Elektroautos bedrohen. „Durch die Deutschlandnetz-Ausschreibung auf Grundlage des Schnellladegesetzes sehen wir den bereits heute gut entwickelten Lademarkt massiv durch den Staat gestört“, heißt es in dem Papier, wie das Fachportal Edison aus den dreiseitigen Schreiben zitiert. Die vollständige Übernahme der Bau- und Betriebskosten während der ersten acht Jahre sei eine „wettbewerbsschädigende Überförderung, die weit über eine zu deckende Finanzierungslücke hinausgehe“ und somit nicht mit den neuen Richtlinien der Europäischen Union vereinbar sei.

Besonders erregten sich die Gemüter am Maximalpreis, der an Ladesäulen des Deutschlandnetzes verlangt werden darf: 44 Cent. Das ist deutlich weniger als das, was Emobilisten an bereits bestehenden Schnellladern wie von Ionity oder Fastned bezahlen. Dort werden je Kilowattstunde bis zu 79 Cent fällig.

Im dem Papier heißt es, der Maximalpreis führe zu einem „staatlichen Verdrängungswettbewerb unter Einsatz von Steuermitteln“. Die Kritiker befürchten, dass ihre teureren, da nicht im selben Umfang geförderten Ladestationen „durch mangelnde Nutzung aus dem Markt gedrängt“ werden könnten. Erste „Bremswirkungen“ seien bereits eingetreten, da bestehende Investitionspläne überdacht oder hintangestellt worden seien.

Inwiefern sich die Kritiker an der Ausschreibung des Deutschlandnetzes beteiligt haben, ist leider nicht bekannt. Aufgrund der regen Teilnahme darf aber davon ausgegangen werden, dass sich keiner diese Chance entgehen lassen möchte.

Quelle: Nationale Leitstelle für Ladeinfrastruktur – LinkedIn / Edison – Lade-Anbieter rebellieren gegen Deutschlandnetz

Über den Autor

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Ich denke, die Reaktion der relevanten Unternehmen ist dreiteilig:

  1. Politischen und öffentlichen Einfluss nehmen, um Änderungen an den Plänen zu erwirken
  2. Sich bewerben, um keine Chancen zu verspielen
  3. Den Klageweg beschreiten, um Änderungen an den Plänen zu erwirken

Insofern kann man aus der hohen Beteiligung überhaupt nichts ableiten. Besonders nichts zur Akzeptanz der bisherigen Ausschreibung.

Und die Bewerbungszahlen sagen gar nichts: Wenn sich alle bekannten Player um jeden Standort bewerben (alles andere wäre töricht, denn man kriegt sowieso nur eine begrenzte Anzahl) und zusätzlich noch ein paar Regionalversorger … dann ist das nicht viel. Eine Reihe von Minderleistern und Traumtänzern fallen sowieso i.d.R. nach der ersten Durchsicht weg ..

das sieht alles nicht gut aus. Der Ausbau läuft sowieso massiv und es gibt über einen Investitionskostenzuschuss hinaus – keinerlei Grund für solch einen verzerrenden staatlichen Eingriff.

Was sind „Minderleister“ und „Traumtänzer“? Mit solch pauschalen, jedoch undefinierten Angriffen tragen Sie zur Spaltung der Gesellschaft bei. Oder geht es Ihnen nur um rituelle Selbstbe …. stätigung?

Nun,

viertens, man könnte sich als Whistle-Blower bewerbenm natürlich nur, wenn man sonst nichts Besseres zu tun hat – In Amerika:

https://www.manager-magazin.de/unternehmen/autoindustrie/hyundai-und-kia-kim-gwang-ho-erhaelt-die-hoechste-whistleblower-praemie-der-autobranche-a-d5426807-b52a-4958-973c-ff145266077f?xing_share=news

Ich sehe es auch so. Es geht doch immer und Geld und Einfluss. Die Firmen, die am meisten“Luft“ haben klagen und blockieren die anderen auf Teufel komm raus. Zum Schluss bleiben immer die selben übrig und teilen sich den Markt und damit die Preise.
Eines der besten Beispiele dafür ist doch Tank und Rast, die die absolute Macht an den Raststätten haben, zu Lasten anderer kleiner Anbieter. Siehe den Machtkampf mit einer kleinen Raststätte in Thüringen, die im wahrsten Sinne des Wortes ausgesperrt wurde und dass sich noch rechtlich Sanktioniert. Es sind eben nicht alle vor Gericht gleich, wer das Geld und damit die besseren Anwälte hat, gewinnt.

Genau richtig die Ausschreibung. Die Preise sollte dann nach und nach gesenkt werden . 44 ct/kWh kann nur der Anfang sein. Wir sollten innerhalb on 5 Jahren deutlich unter 30 ct/kWh kommen.
Die Absenkung der Strompreise an den Ladesäulen kann ähnlich wie bei der Reduzierung der Einspeisevergütung für die Regenerativen nach dem EEG erfolgen. Ziel muss es sein unter 20 ct/kWh zu kommen, dann fährt keiner mehr einen Verbrenner.

Sehe ich genauso.
Die Abzockerei an den Ladesäulen muss aufhören, da sind derartige Auflagen leider notwendig!

Auch ich finde die Begrenzungen der AbgabeAbgabepreise für einen schnellen Umstieg auf E-Mobilität völlig in Ordnung.
Allerdings glaube ich nicht daran, dass der Abgabepreis sich dort jemals auf dem Niveau des Haushaltstarifes (also 30ct/kWh), geschweige denn auf den genannten 20ct/kWh einpendeln wird, denn schließlich müssen ja die Investitionen in Grundflächen, Ladesäulen und doch irgendwo notwendiges Personal, wie auch Verschleiß irgendwoher bezahlt werden.
Und wenn am Ende nicht etwas Gewinn abgeworfen wird, droht irgendwann die Insolvenz.

… eine Begrenzung des Abgabepreises ist unbedingt erforderlich. 79 cent bringen die E-Autos in die Nähe der Verbrenner Betriebskosten. Tesla nimmt im Moment ca. 40 cent, ohne Kostenübernahme durch den Staat. Und die Lade-Infrastruktur zu annehmbaren Preisen ist ein wesentliches Argument, um Kunden vom E-Auto zu überzeugen.
hh

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