BMW und Helmholtz-Institut forschen für sichere Feststoffbatterien

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Copyright Abbildung(en): KIT

Feststoffbatterien können die Elektromobilität voranbringen. Im neuen anwendungsorientierten Projekt ALANO befassen sich Partner aus Industrie und Forschung unter der Koordination der BMW AG mit Lithium-Batterien der nächsten Generation: Lithiummetall als Anodenmaterial und ein fester Elektrolyt ermöglichen, bei hoher Sicherheit die Energiedichte auf Zellebene zu erhöhen und damit die Reichweite von Elektroautos zu verlängern. Das Helmholtz-Institut Ulm (HIU), das vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und der Universität Ulm gegründet wurde, ist an dem vom Bundesforschungsministerium geförderten Vorhaben beteiligt.

Leicht und leistungsstark, kostengünstig und sicher – Akkus für Elektroautos müssen verschiedene Anforderungen vereinen. Batterieforschende und Automobilhersteller setzen daher seit einiger Zeit verstärkt auf Feststoffbatterien. Bei dieser Bauform bestehen sowohl beide Elektroden als auch der Elektrolyt aus festen Materialien. Besonders der feste Elektrolyt verspricht Vorteile für die Sicherheit: Er ist schwer entflammbar und kann nicht auslaufen. Das neue Verbundvorhaben ALANO (Alternative Anodenkonzepte für sichere Feststoffbatterien) befasst sich mit Lithium-Batterien der nächsten Generation und fokussiert sich auf die Lithiummetall-Anode als zentrale Komponente. ALANO zielt darauf, die Energiedichte einer Feststoffbatterie zu erhöhen, und zwar bei hoher Sicherheit.

Höhere Energiedichte – längere Reichweite

Lithiummetall als Anodenmaterial besitzt das Potenzial, die Energiedichte auf Zellebene erheblich zu steigern und damit die Reichweite von Elektroautos deutlich zu verlängern“, erklärt Professor Stefano Passerini, Direktor des an ALANO beteiligten Helmholtz-Instituts Ulm (HIU) und Leiter der Forschungsgruppe Elektrochemie der Batterien am HIU. Im Projekt ALANO evaluieren Partner aus Forschung und Industrie unterschiedliche, auf Lithiummetall basierende innovative Anodenkonzepte für Feststoffbatterien, um die Reaktivität, Sicherheit und Leistungsfähigkeit der Anode zu optimieren und diese in einer robusten Zelleinheit mit hoher Energiedichte zu integrieren.

Entscheidend ist dabei die Kombination mit einem festen Elektrolyten. Im Gegensatz zu konventionellen Flüssigelektrolyten, die stark mit Lithiummetall reagieren, sind Festelektrolyte weniger reaktiv und eröffnen damit die Möglichkeit, kinetisch stabile Grenzflächen auszubilden. Dies wiederum verspricht weitere Vorteile: „Erstens wird die Sicherheit wesentlich verbessert, da die Zellen keine flüssigen und leicht brennbaren Bestandteile enthalten“, erläutert Dr. Dominic Bresser, Leiter der Forschungsgruppe Elektrochemische Energiespeichermaterialien am HIU. „Zweitens erhöht sich die Robustheit der Zellen, wodurch Handhabung, Kühlung und Systemintegration leichter werden.“ So lassen sich die Kosten auf Zell-, Modul- und Systemebene senken. Zugleich steigt die Lebensdauer der Zellen, was zur Nachhaltigkeit beiträgt.

Forschung und Entwicklung entlang der gesamten Wertschöpfungskette

Das Projekt ALANO soll die gesamte Wertschöpfungskette von Feststoffbatterien mit Lithiummetall als Anodenmaterial abdecken: von der Auswahl der Materialien über die Herstellung der Komponenten, die Verarbeitung zu Zellen, die Skalierung der Batterien für den Einsatz in Fahrzeugen und andere Anwendungen bis hin zum Recycling. Die Integration in die Kreislaufwirtschaft ist also ebenfalls berücksichtigt. Im Projekt ALANO arbeiten Partner aus Industrie und Forschung branchen- und disziplinübergreifend zusammen.

Koordinator des Konsortiums ist die BMW AG. Zu den weiteren Industriepartnern gehören die Applied Materials GmbH, die ARLANXEO GmbH, die DAIKIN Chemical Europe GmbH, die RENA Technologies GmbH und die VARTA Microbattery GmbH. Als Partner aus der Forschung sind neben dem HIU das Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM, das Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik IST, das Forschungszentrum Jülich (FZJ), das Batterieforschungszentrum Münster Electrochemical Energy Technology (MEET) der Universität Münster, das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und die Universität Gießen beteiligt. Als assoziierter Partner wirkt die BASF SE mit.

ALANO startete in diesem September 2021 und ist auf drei Jahre angelegt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert ALANO im Bereich „Batterie 2020 Transfer“ (Batteriematerialien für zukünftige elektromobile, stationäre und weitere industrierelevante Anwendungen).

Quelle: KIT – Pressemitteilung vom 27.09.2021

Über den Autor

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Besser spät, als nie…Gerade im Batteriesektor liegt Asien, was F&E betrifft, weit vorn. Natürlich wird auch dort massiv von staatlicher Seite gefördert und investiert. Trotzdem liegt es im ureigensten Interesse europäischer Firmen, die technische Entwicklung anzuführen. Das sollte dann aber gerade bei finanzstarken Firmen dazu genutzt werden, nicht immer erst auf staatliche Unterstützung zu warten, zumal politische Entscheidungsträger selten Visionäre sind…

Leider sind große Aktiengesellschaften diesbezüglich strukturell nicht gerade im Vorteil, wenn im Aufsichtsrat mal wieder der kleinste gemeinsame Nenner gesucht wird. Und charismatische Führungskräfte mit Weitblick sind auch eher selten. Was letztlich fehlt, ist der Mut, auch mal Risiken einzugehen und Projekte zu investieren, die erst in mehreren Jahren Gewinn versprechen.

Klingt sehr vielversprechend, aber bis wir die Dinger im Markt haben werden noch viele Jahre vergehen. Kaum vorzustellen, wenn man mit diesen Forschungsaktivitäten schon vor 3, 4 Jahren begonnen hätte und nun schon marktfähige Resultate hätte. Aber besser spät als nie.

BMW ist nicht Deutschland. Sie waren die letzten, haben noch lange an den Verbrenner, an den Hybriden, an den Wasserstoff geglaubt. VW ist das schon deutlich weiter, Mercedes hat sogar schon Feststoffbatterien im Serieneinsatz, im eCitaro. Das ist noch nicht der Durchbruch, aber in wenigen Jahren wird Europa im Zellgeschäft eine Rolle spielen.

Welche Rolle spielt BMW hier, man sagt, dass man keine eigene Fertigung aufbaut, aber forscht daran? Wie sinnvoll kann sowas sein. Am Ende kauft man dann doch das ein was am Markt verfügbar ist.

„Welche Rolle spielt BMW hier, […] keine eigene Fertigung […], aber forscht daran? Wie sinnvoll kann sowas sein [?]“

Das Zauberwort heißt:
»vom Bundesforschungsministerium gefördertes Vorhaben«

Last edited 25 Tage zuvor by Wolfbrecht Gösebert

Ich will diese Info auch hier nennen.

VW will mit seinen zukünftigen Gigifactories die Akkupreise halbieren. (Quelle: autobild.de – 10.08.2021).

Und wenn es mit Feststoffbatterien noch günstiger werden sollte, dann um so besser.

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