Beinharte Tests für neuen Ford E-Transit

Copyright Abbildung(en): Ford

Schon ein normaler Pkw hat’s oft nicht leicht. An ein Nutzfahrzeug indes sind die Ansprüche bei den Nehmerqualitäten oft um ein Vielfaches höher. Auch und gerade wenn es sich dabei um ein E-Auto handelt. So musste sich der neue vollelektrische Ford E-Transit bei Test bewähren, die harten gewerblichen Einsatz simulierten. Zehn Jahre harter Arbeitsalltag in nur zwölf Wochen. Und das bei Wind und Wetter.

Wie das Unternehmen mitteilt, wurde die Schneetauglichkeit im US-Bundestaat Michigan erprobt, während es auf dem Ford-Testgelände in Lommel (Belgien) vor allem um Härtetests auf Pisten mit Schlaglöchern, rauen Belägen oder Kopfsteinpflaster ging. Arktischer Frost, Wüstenhitze oder Höhenlagen wurden demnach im Klima-Windkanal-Testzentrum in Köln-Merkenich simuliert. Diese „Wetterfabrik“ von Ford kann eine Vielzahl von Klima-Zonen und Witterungslagen nachstellen, so dass die Ingenieure dort die volle Funktionalität von Ford-Fahrzeugen auch unter Extrembedingungen testen können. Die Markteinführung des E-Transit in Deutschland ist für das Frühjahr 2022 geplant.

Hier zeigt Ford ein kurzes Video zu den Klima- und Haltbarkeitstests, denen die unterschiedlichen Vorserien-Varianten des neuen E-Transit in Europa und Nordamerika ausgesetzt wurden:

Ford unterziehe den E-Transit diesen anspruchsvollen Tests, um sicherzustellen, dass er so langlebig ist wie seine Schwestermodelle mit Dieselantrieb, heißt es. Der kompromisslose Ansatz stelle die Auswirkungen von mehr als 240.000 Kilometern Fahrstrecke nach – das entspricht einem ganzen Jahrzehnt im harten Arbeitsalltag. Dabei werden nach Unternehmensangaben Bedingungen wie in der Sahara oder in Sibirien erzeugt. So werde der E-Transit mit 28 Strahlern zu je 4000 Watt zwei Wochen lang auf über 40 Grad Celsius aufgeheizt. Auch unter solch unerbittlichen Umständen müsse schließlich die Funktion der bordeigenen Batterie gewährleistet sein.

Der elektrische Transporter musste aber auch beweisen, dass er bei minus 35 Grad Celsius – kälter als ein typischer sibirischer Winter – zuverlässig funktioniert, ebenso auf Höhen von 2500 Metern. Dies entspricht der Großglockner-Hochalpenstraße in Österreich – eine der höchsten asphaltierten Straßen Europas. Auch Schlaglöcher und Kopfsteinpflaster gehörten zum Testprogramm, um insbesondere die Haltbarkeit des Akkupacks, des Elektromotors und der Radaufhängung zu prüfen. In Schlamm- und Salzbädern ging es vor allem um die Funktionalität und die Korrosionsbeständigkeit vieler Komponenten. Außerdem sei die Zuverlässigkeit des Elektromotors durch ununterbrochenen Betrieb über einen Zeitraum von 125 Tagen eindrucksvoll unter Beweis gestellt worden, heißt es.

Wir testen unsere Nutzfahrzeuge generell unter Bedingungen, die weit über den normalen Einsatz im Alltag unserer Kunden hinausgehen„, sagt E-Transit-Chefingenieur Andrew Mottram. „Beim vollelektrischen E-Transit machen wir da keine Ausnahme„. Erst wenn man das Auto in kontrollierter Testumgebung an seine Grenzen bringe, könne man sicher sein, dass auch der E-Transit den Kunden zuverlässig dienen werde.

Im Spätsommer sollen die ersten Praxistests auf öffentlichen Straßen mit dem neuen E-Transit beginnen. Dazu werden Prototypen in gewerbliche Flotten integriert. Zum Einsatz kommen die Testfahrzeuge beispielsweise bei der Lebensmittel-Anlieferung, der Paketzustellung und bei Versorgungsunternehmen. Ziel sei die Sicherstellung der Leistungsfähigkeit in vielfältigen Anwendungsszenarien.

Der vollelektrische Antriebsstrang des E-Transit mobilisiert laut Ford eine Leistung von 198 kW (269 PS) und entwickelt ein Drehmoment von 430 Nm. Seine nutzbare Batterie-Kapazität von 67 kWh (400 Volt) verhilft dem Fahrzeug zu einer voraussichtlichen Reichweite von bis zu 350 Kilometern (WLTP). Im Februar 2021 hat Ford angekündigt, ab 2024 alle Nutzfahrzeuge in Europa entweder als vollelektrische Modellversionen oder mit Plug-In-Hybrid-Antrieb (PHEV) verfügbar zu machen. Ab 2030 sollen elektrifizierte Varianten zwei Drittel der Nutzfahrzeug-Verkaufszahlen von Ford in Europa ausmachen.

Um diesen Wandel in so kurzer Zeit stemmen zu können, investiert Ford massiv in die Elektromobilität: So sollen die Ausgaben für neue Elektroautos und für die Entwicklung von Batterien bis 2025 um mehr als ein Drittel auf über 25 Milliarden Euro gesteigert werden. Zudem sollen in den nächsten Jahren sieben Milliarden US-Dollar in die Entwicklung von autonom fahrenden Autos fließen – davon fünf Milliarden noch in diesem Jahr.

Quelle: Ford – Pressemitteilung vom 22. Juni 2021

Über den Autor

Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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Das würde einen Verbrauch von <20kwh/100km bedeuten. Leer, Bergab und mit Rückendwind vielleicht…

„[<20 kWh/100 km]. Leer, bergab und mit Rückendwind vielleicht…“

Vollbeladen, bergab und mit Rückenwind ginge aber besser! 😛

Ich freu mich schon auf den 1. E-Ford Transit als Womo- Ausbau.

Warum betont Ford das Standard-Testprogramm der Autohersteller bei neuen Fahrzeugen?

Ford will sein bisheriges Schneckentempo bei E-Fahrzeugen übertünchen, besser wäre mal zu liefern.

„Ford will sein bisheriges Schneckentempo bei E-Fahrzeugen übertünchen“

+1

Vielleicht, weil es was besonders ist dass ein BEV das durchsteht?
Mich würde mal interessieren was passiert wenn man ein BEV mit leerem Akku 2 Wochen in die Kältekammer stellt.
Der Lipo, den ich diesen Winter im Gartenhaus vergessen hatte, spricht dazu eine recht deutliche Sprache. Gesten habe ich ihn zum Recyclinghof gebracht.
Der Kunde wäre vermutlich selber Schuld, steht ja in der Anleitung dass man das nicht machen darf.

Lipo?????? Kenne ich nicht.

Ist denn Wikipedia

https://de.wikipedia.org/wiki/Lipo

schon wieder kaputt? 😛
BTW: Deine Fragezeichentaste prellt!

In der Bedienungsaleitung steht auf jeden Fall, das man das Fahrzeug nicht mit leeren Akku 2 Wochen abstellen soll. Einen Dieselmotor darf man auch nicht ohne Frostschutz 2 Wochen in die Kühlkammer stellen. Da platzt der Motor durch das gefrohrene Kühlwasser und der Kraftstoff gelliert.

Unsere Baustellenfahrzeuge fahren durchschnittlich 20 – 30 Kilometer am Tag, womit die Reichweite des E-Transit mehr als ausreichend wäre. Da reicht ein Baustromverteiler, um alle Fahrzeuge nach Feierabend zu laden.
Interessant wäre noch, wenn die Fahrzeuge eine belastbare Außensteckdose hätten. Bei der genannten Batterie-Kapazität könnte man eine kleine Schweißmaschine mit 3,5 KW satte 2 Arbeitstage betreiben und danach noch locker zum Stützpunkt zurückfahren!

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