Auto-Experte Pieper: „Technikoffenheit ist nicht mehr die beste Antwort“

Auto-Experte Pieper: "Technikoffenheit ist nicht mehr die beste Antwort"

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Trotz aktuell hoher Milliardengewinne sieht Auto-Experte Jürgen Pieper die deutschen Hersteller in Sachen Mobilitätswandel nicht optimal gerüstet. Vor allem Daimler und BMW würden in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz hinterherhinken, sagt der Analyst des Bankhauses Metzler in einem Interview mit der Badischen Zeitung.

Das Herumeiern zwischen: Ja, wir wollen klimaverträglicher werden, und: Nein, wir wollen uns einen bestimmten Weg nicht vorschreiben lassen, wirkt zu defensiv und unentschlossen„, so Pieper. Nur der VW-Konzern gehe einen klaren Weg in Richtung Klimafreundlichkeit. Die Vorbilder seien am ehesten Tesla und Volvo, die freiwillig ein Tempolimit bei 180 setzen. Solche Zeichen sollten viel stärker als bisher von den deutschen Herstellern kommen.

Gerade Tesla fahre der Konkurrenz immer noch voraus. Pieper: „Die Firma ist weltweit Marktführer für E-Autos und das Management denkt im Gegensatz zu anderen konsequent elektrisch.“ Eigene Batterien zu entwickeln und zu bauen, das betreibe kein anderer Hersteller in dieser Konsequenz. „Auch die Architektur des Autos rund um eine zentrale Software zu gestalten, macht noch – und wahrscheinlich auch noch für einige Jahre – kein anderer.

Überraschenderweise habe die Nachfrage bei E-Autos und Hybrid-Modellen in der Pandemie-Zeit voll eingesetzt, so Pieper. Und das schon, bevor die staatliche Prämie angehoben worden sei. Möglicherweise hätten Corona und Klimakrise die Sensibilität für weiche, gesundheitsbezogene und sogar existentielle Themen erhöht. „Jedenfalls befinden wir uns in der Frühphase einer echten technologischen Revolution mit bereits boomartigen Zügen.

Spätestens 2035 werde die Massenproduktion von Verbrennungsmotoren auslaufen, vermutet Pieper. Politisch würden zumindest die EU und China und die meisten westlichen Länder den Druck auf die Industrie sogar in Richtung eines eventuell früheren Ausstiegs erhöhen. Nur wegen einiger Schwellenländer werde die Produktion von Verbrennern noch aufrechterhalten. Im Gegenzug werde sich dann auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur beschleunigen. Pieper: „Der Trend hin zur E-Mobilität ist so deutlich, dass eine Investitionswelle kommen wird.“

Allerdings seien die Beharrungskräfte bei den deutschen Herstellern noch groß. Während der VW-Konzern seinen Kurs geändert habe, würden BMW und Daimler eher versuchen, auch der noch großen Fraktion der Verbrennungs-Enthusiasten nicht zu weh zu tun. Gerade diese beiden Unternehmen mit ihrer globalen Ausstrahlung könnten noch wesentlich klarere Zeichen aussenden, sagt Pieper. „Technikoffenheit ist nicht mehr die gescheiteste Antwort auf die aktuellen Herausforderungen.“

Auf Sicht von 10 bis 20 Jahren werden nach Piepers Ansicht Stellen abgebaut. E-Autos seien einfach weniger komplex und erforderten auch geringeren Wartungsaufwand. Ein Ausgleich könnte sein, dass die Industrie mehr Aktivitäten als bisher an sich zieht. Dies zeige das Vordringen in die Batteriefertigung und oder der Aufbau eigener Ladenetze. „Beim Verbrennungsmotor hatte im Gegensatz dazu kein Autohersteller versucht, ein eigenes Tankstellennetz aufzubauen.“

Quelle: Badische Zeitung – „Frühphase einer technologischen Revolution“

Über den Autor

Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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Schön, daß diese Erkenntnis auch zunehmend in „Mainstream Media“ anzukommen scheint.

Dass das Management einer Firma, die nie etwas anderes als elektrische Fahrzeuge gebaut hat, ‚konsequent elektrisch‘ denkt, dürft ja wohl klar sein und ist keine besondere Auszeichnung.
Da bei uns seit 1992 eine Wärmepumpenheizung läuft, habe ich auch ‚konsequent elektrisch‘ und nie an Heizöl gedacht.
Hingegen ist die Eigenproduktion von Batterien bei Tesla nach wie vor ein Mythos, ein von Tesla sehr sorgfältig gepflegter Mythos. Bis jetzt hat’s eben gerade nicht geklappt.

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