Was der Kampf gegen die Klimakrise kosten wird

Was der Kampf gegen die Klimakrise kosten wird

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Erfolge kommen selten ohne Anstrengung. Da das Thema Klimawandel immer dringlicher wird, muss die Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit umgebaut werden. Wie hoch werden die damit verbunden Kosten sein? Der Allianz Global ESG Report macht einige Vorhersagen.

Seit 1889 steht der Eiffelturm – von den Franzosen liebevoll La tour Eiffel genannt – als die Identität von Paris. Das 324 Meter hohe Denkmal erinnert an den hundertsten Jahrestag der Französischen Revolution. Auch das moderne Paris hat eine Revolution zu bieten. Vor vier Jahren kamen hier Regierungen von 196 Ländern zusammen, um eine konsolidierte Antwort auf die Bedrohung durch den Klimawandel zu finden. Das Pariser Abkommen mag seinen Namen von der beeindruckenden Stadt entlehnt haben, aber es ist von seiner Natur her global.

Langfristiges Ziel des Abkommens ist es, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen auf deutlich unter 2°C über dem vorindustriellen Niveau zu halten und zu versuchen, den Anstieg auf 1,5°C zu begrenzen.

Aber selbst die mit den besten Absichten bisher eingeleiteten Maßnahmen scheinen nicht ausreichend zu sein, um dieses Ziel zu erreichen. Zu Recht wird das Problem des Klimawandels als immer dringlicher angesehen, in der Öffentlichkeit setzt es sich langsam durch, den Begriff Klimakrise zu verwenden, um die Dringlichkeit des Problems besser zu verdeutlichen. Regierungen arbeiten auf breiter Front an Maßnahmen zur Reduzierung der Emissionen. Die Europäische Kommission beispielsweise denkt darüber nach, die nationalen Emissionsminderungsziele von 40 Prozent im Jahr 2020 auf 50 bis 55 Prozent bis 2030 zu erhöhen.

An einer Transformation der Wirtschaft geht angesichts der Probleme kein Weg vorbei, um unseren Planeten zu retten. Aber wie hoch werden die Kosten dieser Transformation sein? Laut den Ökonomen der Allianz etwa 2,5 Billionen Dollar (2,25 Billionen Euro) in den kommenden zehn Jahren.

Es ist nicht überraschend, dass jede Branche zu der Transformation zu einem nachhaltigen Wirtschaftssystem beitragen muss. Einige Branchen sind jedoch stärker betroffen als andere. Ein kurzer Blick auf die am stärksten betroffenen Branchen.

Energie

Die Energiewirtschaft steht schon seit längerem im Auge des Klimasturms. Zu Recht. Nach Angaben der Environmental Protection Agency ist die Verbrennung von Kohle, Erdgas und Öl zur Erzeugung von Strom und Wärme für ein Viertel der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Die Kosten der grünen Transformation? 900 Milliarden Dollar, etwa 811 Milliarden Euro. Von brennstoffspezifischen Zielen über Energieeffizienzstandards bis hin zu Strafen, Steuern und Abgaben wird sich für diese Energiebranche in Zukunft viel ändern.

Der Sektor der erneuerbaren Energien wird jedoch ein Nutznießer des Übergangs sein. Die EU strebt einen Anteil der erneuerbaren Energien am Energieverbrauch von 20 Prozent im nächsten Jahr, 32 Prozent bis 2030 und 50 Prozent bis 2050 an. China möchte bis 2030 einen Anteil von 20 Prozent und Indien von 40 Prozent erreichen.

Obwohl sich die Vereinigten Staaten aus dem Pariser Abkommen zurückgezogen haben, kämpfen die US-Bundesstaaten weiter. Kalifornien strebt einen Anteil von 50 Prozent erneuerbare Energien bis 2025 und 60 Prozent bis 2050 an, während New York 70 Prozent bis 2030 erreichen will.

Metalle und Bergbau

Als energieintensive Industrie wird auf die Stahlindustrie eine Rechnung von 300 Milliarden Dollar (270 Milliarden Euro) zukommen, um umweltfreundlich zu werden. Auch der Bergbau steht unter dem Druck, Umweltauflagen zu erfüllen. Auf der anderen Seite ist aber eine höhere Nachfrage nach Performance-Metallen, insbesondere aus dem Bereich der erneuerbaren Energien, zu erwarten.

Automotive

Die Straße ist bereits holprig, der Automobilindustrie stehen aber noch weitere Schlaglöcher bevor. Obwohl die Maßnahmen zur Erhöhung der Treibstoffeffizienz sich positiv auf die Reduzierung der Emissionen auswirken, wird der Umbau der Fahrzeugflotten nicht schmerzfrei sein. Maßnahmen wie Anreize für „grüne“ Autos, eingeschränkter Zugang für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren in einigen städtischen Gebieten und Änderungen der Steuern auf Diesel- und Benzin-Kraftstoff könnten die Nachfrage dämpfen, während sich Vorschriften zur Emissionsminderung sowie verbesserte Prüfverfahren und Transparenz auf das Angebot auswirken könnten.

Europa hat die Führung übernommen mit Maßnahmen zur Begrenzung der Kohlendioxidemissionen, verbindlichen Verkaufszielen für emissionsfreie und emissionsarme Fahrzeuge, neuen Testverfahren sowie der Berichterstattung über gemessene und deklarierte Kohlendioxidwerte und Kraftstoffverbräuche durch die Autohersteller.

Für neue Pkw ist das Ziel, die durchschnittlichen Emissionen bis 2025 um 15 Prozent und bis 2030 um 37,5 Prozent zu senken, zusätzlich zum 20-prozentigen Reduktionsziel bis 2021. Die Einhaltung der Vorschriften könnte die durchschnittlichen Kosten für Autos bis Ende 2020 um 7 Prozent und bis 2025 um 15 Prozent erhöhen.

Auch die Nichteinhaltung der Vorschriften wird teuer werden. Ausgehend von den Daten für Neuzulassungen und Emissionen im Jahr 2018 werden die Kosten des Nichttätigwerdens für die wichtigsten globalen Automobilhersteller auf dem europäischen Markt auf insgesamt 30 Milliarden Euro (27 Milliarden Euro) geschätzt.

Fluggesellschaften

Wenn Ihr Unternehmen nicht bereits gegen unnötige Geschäftsreisen vorgegangen ist, wird es das bald tun. Und die Luftfahrtindustrie wird den Druck spüren. In Europa wird über höhere Steuern und Abgaben auf den Flugverkehr nachgedacht und der Bahnverkehr soll intensiviert werden.

Um nachhaltiger zu werden, hat die Branche vor drei Jahren das Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation (CORSIA) verabschiedet. Im Rahmen von CORSIA strebt der weltweite Luftverkehr ab 2020 ein CO2-neutrales Wachstum an, was bedeutet, dass zwischen 2020 und 2035 rund 2,5 Milliarden Tonnen Kohlendioxidemissionen ausgeglichen werden sollen. Dies wird die Industrie zwischen 16 und 42 Milliarden Dollar (14,5 bis 38 Milliarden Euro)kosten.

Schifffahrt

Die Gewässer werden auch hier unruhig. Ab 2020 werden für Schiffe strengere Schwefelgrenzwerte gelten. Um die Anforderungen zu erfüllen, können die Reeder entweder auf teure schwefelarme Brennstoffe umsteigen oder Abgasreiniger installieren. Wenn sich alle derzeit in Betrieb befindlichen kommerziellen Schiffe für Abgasreiniger entscheiden, könnten sich die Kosten auf 700 Millionen Dollar (631 Millionen Euro) belaufen. Laut der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) hat der Sektor bereits 4 Milliarden Dollar (3,6 Milliarden Euro) für die Nachrüstung bis Mitte 2009 ausgegeben.

Nach den neuen IMO-Regeln muss die Industrie ihre Emissionen bis 2050 halbieren. Es werden Geschwindigkeitsbegrenzungen vorgeschlagen, die auch die Kosten durch eine geringere Auslastung und einen höheren Bedarf an Betriebskapital erhöhen könnten.

Agrifood

Die Lebensmittelindustrie sieht sich zunehmend einer Überprüfung ihrer Nachhaltigkeit gegenüber. Nur wenige wissen, dass die Industrie für ein Fünftel der weltweiten Emissionen verantwortlich ist, vor allem wegen ihres Viehzuchtsektors. Die Industrie muss möglicherweise ihre Prozesse optimieren, um die neuen politischen Vorgaben zum Schutz der Wälder und Rohstoffproduktion zu erfüllen.
Chemikalien

Sieben Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen gehen auf die chemische Industrie zurück. Ungeachtet technologischer Verbesserungen könnten die direkten Emissionen bis 2050 um 36 Prozent steigen, so der EU Science Hub. Allein der Emissionshandel könnte die Branche 484 Milliarden Dollar kosten, 436 Milliarden Euro.

Verschärfte Normen für Industrieemissionen stehen vor der Tür. Schätzungen gehen von einem jährlichen Investitionsbedarf des Sektors zur Erreichung der Klimaneutralität von 13 bis 19 Milliarden Dollar (12 bis 17 Milliarden Euro) aus. Allerdings könnten diese Investitionen letztendlich zu Einsparungen bei den Betriebskosten führen.

Zellstoff und Papier

Auf Wiedersehen, Weihnachtskarten. Hallo, digitale Grüße. Zellstoff und Papier sind für 2 Prozent der weltweiten direkten industriellen Emissionen verantwortlich, wobei die Industrie sehr energieintensiv ist. Daher müssen beide Aspekte, Energieverbrauch und Rohstoffverbrauch, berücksichtigt werden.

In Europa könnten auf den Sektor bei einem Anstieg der CO2 Preise Kosten in Höhe von 400 Millionen Dollar (361 Millionen Euro) zukommen. Er muss die Emissionen bis 2050 um 75 Prozent reduzieren. Die Kosten für Zertifizierung und Rohstoffe könnten ebenfalls steigen, wenn die forstwirtschaftlichen Vorschriften strenger werden.

Diese Liste ist nicht erschöpfend – Das Spektrum der Branchen reicht von langlebigen Konsumgütern über den Einzelhandel bis hin zu Technologie. Sie alle werden zu einer nachhaltigen Welt beitragen müssen. Eine detaillierte Übersicht über die Auswirkungen des Klimawandels auf verschiedene Branchen finden Sie im Allianz Research Global ESG Report (Englisch).

Quelle: Allianz — Pressemitteilung vom 19.12.2019

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5 Antworten

  1. Zum Einen sind das weltweite Kosten, zum Anderen sagen die Zahlen wenig, wenn man sie nicht in den Kontext der üblichen und normalen (weltweit aufsummierten) Investitionen setzt. Dann wird es gar nicht so viel mehr sein. Allein die 20 größten Industrienationen hatten 2018 in Summe ein BIP von ca. 70 Billionen USD (Quelle: statista, 1 Billionen = 1.000 Milliarden). Das sind (ohne Wachstum) in 10 Jahren 700 Billionen USD. Da sind 2,5 Billionen USD nicht mal 0,3% davon. 0,3% klingt natürlich nicht so brachial wie 2,5 Billionen, wäre aber in dem Fall das Gleiche.

    Und Wolfram hat natürlich auch absolut Recht.

  2. Die Wirtschaft allein kann es nicht richten. Die Verbraucher müssen in ihrem Konsum-Verhalten ebenfalls ökologischer werden!
    Bewusst KEINE “Wegwerfprodukte” kaufen und bei defekten Produkten zuerst prüfen, ob eine Reparatur möglich (und natürlich zweckmäßig) ist.

    Die üppige Ressourcen-Verschwendung bei der Werbung (Energie, bei Werbespots in Filmen im Fernsehen; Papier bei Printmedien) – damit will ich nichts gegen eine gute Produktinformation sagen – sollte und könnte ebenfalls eingebremst bzw. unterbunden werden.

    Beim Reisen: Neuerdings werden sehr viele Fernreisen als Kurzreisen – 7 bis 12 Tage – angeboten. Wäre gut – und auch entspannter für den Reisenden – wenn die Leute länger und dafür nicht so häufig in die Ferne reisen würden.

    Für jede Firma, die sich der nötigen Wandlung versucht zu entziehen, ist das wirtschaftliche Überleben sehr fraglich. Andere Firmen, die sich auf die neuen Erfordernisse einstellen, werden die “alten” verdrängen. Das gilt nicht nur jetzt für das Klimaproblem: Vor 25 Jahren hat sich kaum einer vorstellen können, dass die Digitalfotografie die Farbfilme und Analogkameras praktisch vollständig verdrängen würden und vor 40 Jahren sahen alle in der “Compact Disc” das perfekte Medium – um nur mal zwei Beispiele zu bringen.
    Dennoch sehe ich in diesem Sektor eine große Verantwortung der Politik, diesen Wandlungsprozess zu steuern – mit Steuern auf unökologische Produkte und Verfahren, sowie Gesetzen. Manche muss man eben zu seinem Glück zwingen.

    1. @Siegfried: Ich kann Dir zu 100% zustimmen aber Selbstverantwortung und Einschränkung ist so gar nicht das was die Leute können oder wollen. Vor 1 oder 2 Wochen gab es im TV Befragungen am Flughafen zum Thema Nachhaltigkeit und weniger Fliegen. Den Antworten konnte man unisono entnehmen, dass das zwar alle gut finden aber jeder seinen individuellen Grund fand warum gerade er jetzt schon fliegen muss.
      Bei den Nahrungsmittel ist es da ähnlich auch wenn allen das Tierwohl wichtig ist, kaufen viele das Fleisch im Sonderangebot vom Discounter oder die Produkte mit Palmöl aus den Plantagen auf brandgerodetem Urwald in Brasilien.
      Beim Autofahren verhält es sich nicht anders. Im Moment gibt noch zu viele günstigere Alternativen zur e-Mobilität und jeder findet seinen persönlichen Grund warum gerade er jetzt nicht umsteigen kann oder will – ob Wahr oder nicht spielt dabei keine Rolle – wir finden das zur Genüge hier in den Kommentaren.
      Die Liste kann man endlos so fortsetzten.
      Dann kommt auch meist das Argument “sollen erstmal die Anderen” oder besser noch “… die Chinesen”.
      Natürlich könnte, ja müsste die Politik – und ich würde das sehr begrüßen – mehr und härtere Gesetze verabschieden, aber das ist halt nicht populär und die Parteien befürchten – wahrscheinlich sogar zurecht – dann nicht mehr gewählt zu werden und wer gibt schon gerne Macht oder eine sichere Position auf. Ein Tempolimit auf den Autobahnen würde niemanden schaden aber die Politik sträubt sich mit Händen und Füßen dagegen obwohl eine Mehrheit in der Befragten dies unterstütz oder es Ihnen egal ist.
      Man kann schon sehen, dass die meisten einen Wandel wollen egal ob in der Politik, Wirtschaft oder der Bevölkerung aber die Umsetzung dauert zu lange. Frau Merkel hat vor kurzem zu einem Thema gesagt. Sinngemäß: “das ist das was politisch möglich ist”. Nur die Natur richtet sich nicht danach was politisch möglich ist. Sie reagiert auf Veränderungen – und niemand kann behaupten wir hätten die Erde in den letzten 150 Jahren nicht signifikant verändert.
      Das Problem ist, dass die Auswirkungen erst in 20, 30 oder 50 Jahren richtig spürbar sein werden und das ist ein Zeitraum, der für ein Menschenleben von Natur aus schwer zu begreifen ist. Wie sonst erklärt man es, dass ein Raucher obwohl er es weiß dass das seinem Körper schadet nicht aufhört zu rauchen. Selbst wenn er merkt, dass ihm schneller als anderen die Luft wegbleibt bei Anstrengung und er nach etlichen Jahren Konsums zu husten beginnt, glaubt er noch, dass Ihm das Rauchen nicht schadet.
      Mit dem Klimawandel ist es noch viel abstrakter und die Maßnahmen die zu ergreifen wären sind für jeden persönlich noch viel einschneidender als nur “zum Rauchen aufzuhören”.
      Wie soll es uns da gelingen einen schnellen für die Erde und uns notwendigen Wandel herbeizuführen.

  3. ++1 die Situation sehr gut beschrieben ! … aber wie kann man trotzdem etwas erreichen ? (…. vielleicht : jeder der seine Heizung um ein paar Grad senkt, etwas weniger mit dem Auto fährt, auf e-auto umsteigt, leistet einen kleinen aber wichtigen Beitrag…. und unabhängig davon was die Politiker machen, oder was “die anderen” machen)

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