Warum Laden an Laternen und Telekom-Verteilern auf sich warten lässt

Warum Laden an Laternen und Telekom-Verteilern auf sich warten lässt

Copyright Abbildung(en): Ubitricity

Es könnte so einfach sein: Man nimmt bestehende und quasi überall in Städten vorhandene Strominfrastruktur wie Straßenlaternen oder Verteilerkästen, rüstet sie mit einem weiterem Kabel und ein wenig Hardware aus, reserviert den Parkplatz davor für E-Autos und schon gibt es einen neuen Ladepunkt. Das dachten sich unter anderem Ubitricity und die Telekom, und wollten tausende dieser Ladepunkte schaffen. Leider es ist die Sache deutlich komplizierter als von den beiden Unternehmen erhofft – bedingt durch technische Hürden, Bürokratie, Platzprobleme und Eigentumsverhältnisse, wie der Berliner Tagesspiegel berichtet.

Ubitricity wollte eigentlich als Teil des Projekts „Neue Berliner Luft“ 1000 Straßenlaternen in den Stadtteilen Marzahn-Hellersdorf und Steglitz-Zehlendorf zu Ladepunkten umrüsten. Die konkrete Ausgestaltung des Vorhabens müsse nun überarbeitet werden. Die deutschen Laternenmasten seien gemäß der geltenden Normen in der „TAR Niederspannung“ zu eng, um die zusätzlich notwendige Technik aufnehmen zu können, heißt es. Prinzipiell sei die Zusatznutzung von Laternenmasten als Ladepunkte allerdings möglich. Dafür müsse die zusätzliche Technik aber außerhalb der Laternenmasten verbaut sein, wie eine Art Rucksack.

Außerdem sei die Lösung von Ubitricity nicht wie von der Stadt Berlin erwünscht diskriminierungsfrei, da Ladewillige ein intelligentes Ladekabel mitführen müssten, in denen ein geeichter Stromzähler verbaut ist. An der Laterne selbst wäre nur eine passende Steckdose angebracht. Für die Rucksack-, auch Huckepack-Lösung genannt, mit der in Berlin bereits mehr als 30 Laternen ausgestattet sind, soll es nun eine neue Ausschreibung der 1000 anvisierten neuen Ladepunkte geben, damit der Aufbau im zweiten Quartal 2021 beginnen kann.

Auch die Telekom muss sich gedulden

Schon seit gut drei Jahren will die Telekom ihre grauen Verteilerkästen zu Elektroauto-Ladepunkten upgraden. Aber mit „vorne nur einen Stöpsel dran“, wie Vorstandschef Timotheus Höttges damals erklärte, ist es eben nicht getan. Auch der allgegenwärtige Telekommunikationskonzern, der in ganz Deutschland Herr über 380.000 Verteilerkästen ist, muss sich an Standards und Gesetze halten. Und die schreiben zum Beispiel vor, dass sich bei den geplanten Umrüstungen keine Bushaltestelle in unmittelbarer Umgebung befinden darf und Parkplätze per Sondernutzungsrecht für Elektroautos reserviert werden müssen. Insgesamt seien nur etwa 12.000 der 380.000 Verteilerkästen für die Umrüstung geeignet.

Auch die jeweiligen Kommunen müsste die Telekom erst von ihrem Konzept überzeugen. Die haben allerdings wahrscheinlich ein größeres Interesse daran, ihre eigenen Stadtwerke bei der Errichtung von Ladeinfrastruktur zum Zuge kommen zu lassen, vermutet der Tagesspiegel. Ladepunkte der Telekom dürften also eher eine Seltenheit bleiben, auch wenn der Konzern mitteilt, sich weiterhin bundesweit mit vielen Kommunen in Gesprächen zu befinden, um sie von „der Idee der intelligenten Nutzung schon vorhandener Infrastruktur im begrenzten öffentlichen Raum zu überzeugen“, zitiert das Blatt eine Konzernsprecherin.

Quelle: Tagesspiegel – Wenn die Straßenlaterne nicht zum Laden taugt

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Wer keinen Willen hat, bringt auch nichts zu Stande………….

Das größte Hemmnis ist: Der Verkauf von Ladestrom stellt kein wirtschaftlich attraktives Geschäftsmodell dar, da Investitionen und laufende Kosten für Instandhaltung und Abrechnung hoch sind, während gleichzeitig keine hohe Zahlungsbereitschaft für hohe Strompreise der Nutzer besteht. Die Bereitstellung öffentlich zugänglicher Ladepunkte in Städten ist daher Aufgabe der öffentlichen Hand. Diese hat es in der Hand, entsprechende Gesetze, städtebauliche Vorgaben und Nutzungsrechte für Parkplätze anzupassen.

Das größte Hindernis ist die Bürokratie und mögliche entgehende Gewinne wenn ein anderer schneller ist 🙁

Macht wenigsten bitte mal einen Piloten, wo man das mal testen kann.

Im Ruhrgebiet laufen Tests mit Laternen die viel mehr können.
https://www.essen.de/meldungen/pressemeldung_1359252.de.html

Man sieht, wo ein Wille da ein Weg 😉 1+

Und immer wieder Audi Schleichwerbung…Warum schmückt man sich gerne mit Betrügern

… geht eher um die Ladesäule und hat nichts mit Schleichwerbung zu tun.

Wie so viele Ideen aus der Aufbruchphase der E-Mobilität in den frühen 10er Jahren, war auch diese Idee zum Scheitern verurteilt. Man muss dazu wissen, dass die Stadtverwaltungen kein Interesse an Lösungen haben, die nicht von den etablierten Lieferanten stammen. Dazu gehören in der ersten Linie die Hersteller der Parksäulen. Dazu kommt, dass die geeichten Stromzähler in den Lichtmasten nicht untergebracht werden konnten, also wegen Schutz gegen Diebstahl in das Fahrzeug hätten verlegt werden müssen. Das wiederum hätte ein kompliziertes Abrechnungverfahren zur Folge gehabt. Ganz zu schweigen von dem Umstand, dass die Strassenbeleuchtung in der Regel blockweise ein oder ausgeschaltet wird, also tagsüber in der Regel stromlos ist.
Auch die Erkenntnis, dass sich ein Ladepunkt nur durch sehr hohe Auslastung rund um die Uhr in annehmbarer Zeit amortisieren lässt, hätte man durch schlichtes Nachrechnen sehr schnell haben können. Bei der Aufstellung von Ladesäulen ging es lange nur um das Image der Stadtverwaltungen und der lokalen Stromversorger. Es wird Zeit, dass wir aus der Kinderstube heraus kommen

Dies muss gar nicht unbedingt an Laternenstangen gemacht werden. Alle Tankstellen sollen erwachen ein 2. Standbein aufzustellen. Sobald eine intakte Ladeinfrastruktur mal vorhanden ist , kann mit dem Tend zu grösseren Akkus abgebrochen werden. 40-60 KWh genügen dann für alle E Autos.

1+ 🙂
aber das würde bedeuten, die Tankstellenbetreiber müssten mit hohen finanzellen Mitteln für viele Jahre in Vorleistung gehen.
Da permanent auch noch von der Wasserzukunft und den sauberen e-Fuels geredet wird, geht dieses Risiko natürlich niemand ein – verständlicher Weise 🙁

Auch diese guten Ideen werden Politik und die legacy Energiekonzerne mit ihrer Lobbyarbeit verhindern oder so lange verzögern, bis sie ihre umständlichen und teuren Ladenetze aufgebaut haben.

Hoffentlich warten diese nicht zulange auf bessere Zeiten. Sonst ist dann der Zug abgefahren………Hatten wir das nicht gerade?

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