VW-Chef Diess: Elektroautos im „Mainstream“ angekommen

VW-Chef Diess: Elektroautos im „Mainstream“ angekommen

Copyright Abbildung(en): Volkswagen AG

Volkswagen-Chef Herbert Diess hat auf dem Handelsblatt Auto-Gipfel 2020 einmal mehr die Elektrooffensive des Autokonzerns verteidigt. Der Fokus auf die Elektromobilität sei „analytisch hergeleitet“, erklärte er in einem Interview mit dem Handelsblatt. Man könne sogar schon sagen, dass Elektroautos „Mainstream“ sind, sagt er angesichts der stetig steigenden Modellvielfalt. Die Elektromobilität sei „der einzige Weg, um die Klimaziele bis 2030 zu erreichen“. VW habe „diese Entwicklung früh antizipiert“ und deshalb schon „vor fünf Jahren mit den Planungen begonnen“, etwa um eine eigene Elektroplattform zu entwickeln, den Modularen Elektro Baukasten (MEB), auf dem der neue ID.3 im Golf-Format sowie der kompakte SUV ID.4 als erste Modelle aufbauen.

Der Dieselskandal, der ebenfalls rund fünf Jahre zurückliegt, habe den Wechsel zur Elektromobilität kaum beeinflusst, sagt Diess: „Schon vor der Aufdeckung von Diesel gab es das Konzept, eine eigene Elektroplattform zu kreieren“, erklärt der VW-Chef. Die Entscheidung, „das auch wirklich zu machen“, sei dann zwar kurz nach der Aufdeckung des Dieselskandals gefallen, allerdings eher zufällig. Es sei schon damals „absehbar“ gewesen, „dass bis zu den Jahren 2020 und 2021 etwas in der Elektromobilität passieren würde“, womit für VW festgestanden habe, sich in diesem Bereich engagieren zu müssen. Der Dieselskandal habe „das Ganze dann wahrscheinlich schon noch ein wenig beschleunigt, weil wir dadurch mehr Dynamik ins Unternehmen bekommen haben“, so Diess. Gleichzeitig habe der Diesel VW aber auch „viel Kraft gekostet“, weshalb Diess meint, dass VW „mit oder ohne Diesel heute ungefähr gleich weit gekommen“ wäre.

Mit seinem schwedischen Joint-Venture-Partner Northvolt baut VW aktuell eine Fabrik in Salzgitter auf, in der VW künftig auch eigene Batteriezellen herstellen will, anstatt sie ausschließlich von Zulieferern einzukaufen. Volkswagen sei „stark engagiert bei Batterien“ und investiere kontinuierlich weiter, etwa auch in weitere Zellhersteller, wie zuletzt eine 20-prozentige Beteiligung am chinesischen Batteriehersteller Guoxuan. „Wir werden insgesamt für die Branche ein dramatisches Wachstum bei Zellkapazitäten erleben“, sagt Diess voraus. Dies sei „auch eine Chance für die großen deutschen Zulieferer, dort einzusteigen“, da das Wachstum in diesem Bereich erst jetzt so richtig beginne.

Deutschland könnte bei Zellproduktion „führende Rolle spielen“

Deutschland, in Sachen Zellproduktion ein Nachzügler, könnte „eine führende Rolle spielen, wenn wir uns denn endlich entschließen würden“, etwa weil das Land gute Voraussetzungen habe und „ein guter Forschungsstandort für Batterien“ sei: „Wir haben die Universitäten, den Maschinenbau, die Verfahrenstechnik“, sagt der VW-Chef, der „ein wenig enttäuscht“ sei, dass die deutschen Zulieferer bei der Batterietechnik so zurückhaltend sind.

Obwohl die Produktion von Batteriezellen sehr energieintensiv ist, seien Elektroautos der richtige Weg, um die Klimaziele zu erreichen, sagt Diess: Allerdings seien sie „nur dann sinnvoll eingesetzt, wenn wir dafür CO2-freien Strom verwenden“. Die Einführung von Elektroautos müsse „mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien“ einhergehen. Dann sei „das Ganze auch wirtschaftlich tragfähig, und es wird möglich, CO2 in der Mobilität zu ersetzen.“

Der größte Hebel gegen den Klimawandel“, so Diess, sei die Erzeugung der Primärenergie. „Das Schlimmste wäre es, die Braunkohleerzeugung von Strom noch über Jahrzehnte fortzusetzen“, sagt der VW-Chef. Mit Blick auf innovative Technologien wie etwa V2G sagt Diess, dass Elektroautos dazu beitragen können, den Umbau zu einer CO2-freien Stromerzeugung zu beschleunigen. „Je mehr wir an erneuerbarer Energie im Netz haben, desto wichtiger wird die Speicherung von Strom“, so Diess. Allein eine Million Elektroautos in Deutschland, intelligent mit dem Stromnetz verknüpft, „können so viel Energie speichern wie alle Pumpspeicherwerke in Europa zusammen“.

Tesla „eine wichtige Benchmark“ für Volkswagen

Auf Tesla angesprochen sagt der VW-Chef, dass der Branchenprimus aus den USA ein Wettbewerber sei, „der vieles anders macht und damit zu anderen Lösungen kommt, die mitunter recht innovativ sind“. Tesla komme „viel stärker aus der Software- und Tech-Kultur der US-Westküste“, was diese Unterschiede zum Teil erkläre. Außerdem gebe es „den Chef Elon Musk, der das Unternehmen sehr stark vorantreibt“. Tesla sei „eine wichtige Benchmark“ für Volkswagen und Diess findet es „gut, dass es dieses Unternehmen gibt.“ Er sei auch „begeistert darüber, dass Tesla mit einem Werk nach Deutschland kommt“. Das gebe VW „die Chance, an diesem Ökosystem zu partizipieren“ und sich „daran zu messen, was da am Stadtrand von Berlin entsteht.“

Bis etwa 2023, 2024 will Volkswagen bei der Fahrzeug-Software soweit aufgeholt haben, um sie so einzusetzen, „wie Tesla das schon heute macht“. So „weitreichend“, wie Tesla Software im Fahrzeug einsetzt, „ist das schon eine neue Art, mit dem Auto umzugehen. Das Auto sammelt permanent Daten, um die Fahrfunktionen kontinuierlich zu verändern“, erklärt Diess. Die Software-Probleme beim ID.3 haben den VW-Chef „nicht überrascht“, sagt er: „Wir kommen aus einer Welt, in der wir die Software früher in kleinen Rechnern von den Zulieferern gekauft haben. Wir kommen jetzt in eine Situation, in der wir größere Rechner selbst programmieren müssen“, sagt er. Das sei „eine Innovation“ und „ein großer Schritt für die Wolfsburger Mannschaft“. Diess verspricht, dass VW mit „jedem weiteren Modell besser“ werde.

Quelle: Handelsblatt – VW-Chef Diess: „2023 und 2024 wollen wir die Software einsetzen wie Tesla“

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Tolle Aussagen und richtiger Weg mit MEB und ID.3. Andererseits, wenn die Zulassungszahlen der Verbrenner im VW-Konzern betrachtet werden, welche mutmaßlich zwischen 90 bis 95 % liegen für Fahrzeuge, welche ihren Qualm noch in 10 Jahren und viel länger in jede Ecke blasen, dann muss noch einiges mehr in Überzeugungsarbeit investiert werden. Es reicht nicht nur tolle Worte und ein paar Konzepte auf den Markt zu werfen, sondern da muss mehr Philosophie dahinter sein. Autokonzerne die der Meinung sind erst dann reagieren zu müssen, wenn der Kunde den Umweltschutz wünscht, sind in der New-Autogeneration wie ein Paket Stützstrümpfe für Teenager.
Persönlich finde ich das Konzept MEB und ID.3 wirklich zukunftsweisend, bloß VW steht bei mir für biedere Antriebstechnik, welche zwar fette TDI´s mit Qualmwolke auf den Markt werfen können, aber außer perfekten Spaltmaßen kaum für einen Hype sorgen. Die letzten zwei Jahrzehnte gab es bei VW kein Fahrzeug mehr, welches technisch und umwelttechnisch UpToDate war. Kein Hybrid, kein Plug und nur spaßlose untermotorisierte E-Fahrzeuge.

Der ID3 ist doch der absolute Witz. Bei einer Probefahrt hat mal fast garnichts funktioniert.
Weder Navi noch Radio,Tempomat und ganz zu schweigen vom koppeln des Handys.
Hier wird ständig ein Auto gelobt, dass definitiv noch nicht Marktreif ist.
Ebenso eine absolute Frechheit, dass mit großen Akku Paket nur 4 Personen befördert werden dürfen.
Findet das Herr Diess auch so toll?
Tesla lacht sich schlapp über die deutsche Ingenieurskunst.
VW bitte setzten, 6!!
Die Karren werden doch gerade nur gekauft, weil es eine hohe Förderung gibt. Bestimmt nicht aus Überzeugung.

VW hat alles richtig gemacht. Andererseits war es so erstaunlich nicht, dass das mal kommt: 2013 hatte die Bundesregierung verkündet, dass bis 2020 1 Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren sollen. Dem waren Gespräche mit Zusagen der deutschen Automobilindustrie vorausgegangen, die zu Autos wie dem e-Golf, dem e-up, den BMW i3 und der Mercedes B-Klasse Electric geführt haben. Alle vier waren gute Autos, die zu wenig Akkukapazität hatten. Preisbedingt, nicht technologiebedingt. Der Mercedes hatte ja komplette Tesla-Technik inklusive Rundzellen wie das Model S. Die kWh Akkapazität war schlicht zu teuer.

Was Diess verschweigt oder nicht wahrhaben will, ist der Einfluss des Dieselskandals auf die EU Gesetzgebung. Letzlich wurde Amtsträgern und Behörden Beihilfe in dem Skandal vorgeworfen, indem man Aufsichtspflichten nicht erfüllt hat und der deutschen Autoindustrie mehr als wohlwollend begegnet ist. Nach dem Dieselskandal wurden entsprechend die Zügel deutlich angezogen, was sich in der Höhe der CO2 Strafsteuer, aber auch den Vorgesprächen zur Abgasnorm EU7 zeigte. Nachdem klar war, dass es künftig nicht mehr so einfach sein wird, Verbrenner normgerecht auszurüsten und durstige Motoren sehr viel Geld kosten werden, war der Schritt, konsequent auf Elektromobilität zu setzen, fast zwangslogisch.

Vor allen Dingen hatte VW aus seiner Erfahrung mit e-up und e-Golf gelernt, ein Elektroauto ist keine Raketentechnik, keine Disruption – es ist klassischer Automobilbau. Der e-up ist ja immer noch der effizienteste Elektro Pkw insgesamt. D.h., die Elektrotechnik hat man im Gegensatz zu Renault/Smart im Griff. Akkus selbst sind klassischer Einkauf und damit hat man Erfahrung: Z.B. sichert man seine Verhandlungsposition dadurch, dass man in kleinem Stil selber Zellen baut und eine Beteiligung an einem Zellhersteller hat. Ansonsten ist ein Elektroauto weniger komplex als ein Verbrenner, durch die geringeren Geräusche und Vibrationen hört man allerdings Flöhe husten, kommt es also mehr auf Detailqualität an. Das können die Erben von Fugen-Ferdl.

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