Uniper strebt klimaneutrale Stromerzeugung und mehr als 1300 mobile Schnellladesäulen an

Copyright Abbildung(en): Uniper

Uniper, das drittgrößte börsennotierte Energieunternehmen in Deutschland und einer der Vorreiter beim Einsatz der Power-to-Gas-Technologie zur Herstellung von grünem Gas, hat im Rahmen seiner Bilanzpressekonferenz für das Geschäftsjahr 2019 bekanntgeben, sein europäisches Strom-Erzeugungsportfolio bis zum Jahr 2035 klimaneutral aufstellen zu wollen. Die Ankündigung ist Teil einer grundlegenden strategischen Neuausrichtung, bei der eine sichere und gleichzeitig klimafreundlichere Energieversorgung im Fokus steht.

Hierfür will Uniper die CO2-Emissionen des eigenen Portfolios schrittweise reduzieren. Gleichzeitig plant das Unternehmen, auch seinen Kunden zunehmend klimafreundliche Energielösungen und -produkte anzubieten. Uniper ist Betreiber moderner und flexibler Energieerzeugungsanlagen, eines großen Gasgeschäfts und der entsprechenden Infrastruktur. Das Unternehmen ist in einer idealen Position, um die Energiewende zu beschleunigen und zu gestalten, heißt es in einer aktuellen Mitteilung.

„Bis zum Jahr 2040 wird der weltweite Energiebedarf signifikant steigen. Gleichzeitig müssen die CO2-Emissionen dauerhaft reduziert und die Energieversorgung klimafreundlich gestaltet werden. Uniper ist mit einem einzigartigen Portfolio Teil der Lösung für diese globale Herausforderung. Unser Wandel hin zu einem klimafreundlicheren Unternehmen ist in vollem Gange. Wir haben die strategischen Weichen gestellt, um die Dekarbonisierung erheblich zu beschleunigen. Da der Weg in eine emissionsfreie Zukunft auch der notwendigen finanziellen Mittel bedarf, werden wir verstärkt in neue, attraktive Geschäftsfelder investieren.“ — Andreas Schierenbeck, Uniper-Vorstandsvorsitzender

Uniper will bis zum Jahr 2022 etwa 1,2 Milliarden Euro in Projekte investieren, die den Übergang in eine CO2-reduzierte Energiewelt beschleunigen. Neue Investitionskriterien sehen zudem vor, dass alle Investitionsvorhaben künftig neben betriebswirtschaftlichen Kriterien auch auf die Dekarbonisierungsziele des Unternehmens einzahlen müssen.

Mit dem Ende Januar 2020 veröffentlichten Plan, seine Kohleverstromung in Deutschland zu beenden, hat Uniper den Wandel hin zu einem klimafreundlicheren Energieversorger eingeleitet. Folglich ist es der nächste wichtige Meilenstein, die CO2-Emissionen im Segment Europäische Erzeugung von heute 22 Millionen Tonnen auf netto Null im Jahr 2035 voranzutreiben. Bereits heute produziert Uniper mit seinen Wasser- und Kernkraftwerken in Deutschland und Schweden rund 24 Terrawatt-Stunden CO2-freien Strom. Das entspricht rund 40 Prozent der gesamten Stromproduktion Unipers in Europa. Das Unternehmen plant, den Anteil an CO2- freier Stromproduktion in den kommenden Jahren deutlich zu erhöhen – beispielsweise über langfristige Stromabnahmeverträge für Wind- und Solarstrom, so genannte Power Purchase Agreements.

Weil Gas sowohl für die Dekarbonisierung als auch für die Energiesicherheit eine Schlüsselrolle spielen kann, soll es einen zentralen Schwerpunkt der künftigen Uniper-Strategie bilden. Uniper plant deshalb, sein breit aufgestelltes Gasgeschäft weiter auszubauen und es ebenfalls sukzessive zu dekarbonisieren. Sowohl an den eigenen Standorten als auch auf Kundenseite treibt das Unternehmen die Umstellung auf gasbasierte Systeme voran, zum Beispiel in Gelsenkirchen-Scholven.

Da die europäische Gasförderung rückläufig ist und die Nachfrage steigt, wird der Importbedarf zunehmen. Als einer der größten Gasimporteure und Gasspeicherbetreiber in Europa wird Uniper gleichzeitig auch künftig dazu beitragen, die Versorgungssicherheit mit Gas und LNG in Europa sicherzustellen. Uniper engagiert sich sowohl im Bereich Pipelinegas wie beim Projekt Nord Stream 2 als auch für den Ausbau von LNG-Infrastruktur zum Beispiel in Wilhelmshaven.

Grünes Gas wird immer wichtiger

Sowohl in der Energieerzeugung als auch im Energiehandel plant Uniper konventionelles Gas schrittweise durch grünes Gas oder grünen Wasserstoff zu ersetzen. Uniper ist Vorreiter beim Einsatz der Power-to-Gas-Technologie, die grünen Wasserstoff möglich macht, und hat frühzeitig entsprechende Projekte initiiert. Die erste Power-to-Gas Anlage hat das Unternehmen bereits im Jahr 2013 in Falkenhagen errichtet, gefolgt von einer weiteren im Jahr 2015 in Hamburg. Die Anlage in Falkenhagen hat Uniper im Jahr 2018 durch eine Methanisierungsanlage ergänzt.

Außerdem treibt Uniper mit verschiedenen Reallaborprojekten sektorübergreifende Industrieprojekte gemeinsam mit Raffinerien und der Automobilindustrie voran, die den Einstieg in die Wasserstoffproduktion zu Marktbedingungen zeitnah ermöglichen könnten. „Die Technologien sind da – was fehlt, sind die Profitabilität und der richtige regulatorische Rahmen. Neben Technologieoffenheit wird ein holistischer, gesamteuropäischer Ansatz benötigt, der eine Wasserstoffindustrie fördert, die gedeihen und in Europa bleiben kann. Uniper will das aktiv mitgestalten und das Schlüsselthema Wasserstoff gemeinsam mit Vertretern aus Industrie, Wissenschaft und Politik vorantreiben“, kündigte Schierenbeck an.

1300 mobile Schnelllader geplant

Uniper steigt auch ins E-Mobility-Geschäft mit mobilen Schnellladesäulen für Elektroautos mit einer Ladeleistung von bis zu 150 kW ein, wie die Projektverantwortlichen Jose Abel Cabezas Jimenez und Christian Folke in einem Interview mit dem Fachportal Energate Messenger verraten haben. Die mobilen Strom-Tankstellen, jeweils etwa so groß wie eine Telefonzelle, sollen europaweit in weniger als 24 Stunden aufgebaut werden können.

Ihr Vorteil ist, dass sie dank integrierten Batteriespeichern auch ohne Netzanschluss funktionieren. Vor der Auslieferung werden sie an zentralen Netzknotenpunkten mit Ökostrom aufgeladen. „Damit bieten wir beispielsweise für Innenstädte eine sehr gute Option, ohne Risiko in die Elektromobilität einzusteigen“, sagt Jimenez. Auch andere Anwendungsfälle seien denkbar, da das System „adaptierbar, skalierbar und flexibel“ sei. Als Zielgruppe habe Uniper unter anderem Tankstellen, Supermarkt- oder Restaurantketten sowie Stadtwerke vor Augen. Auch größere Veranstaltungen wie Konzerten oder Festivals seien mögliche Einsatzorte, dort kämen derzeit häufig Dieselgeneratoren zum Einsatz.

Der Einstiegspreis für die Miete soll pro Ladestation bei um die 50 Euro pro Tag liegen. Weitere Einnahmequellen könnten über die Vermietung von Werbeflächen an den Säulen sowie die Vermarktung am Regelenergiemarkt geschaffen werden, während die Stromspeicher an den zentralen Netzknotenpunkten angeschlossen sind. Mittelfristig sehe das Unternehmen in Deutschland „mehr als 1300 mobile Schnellladesäulen bis Ende 2024“ vor, sagte Jimenez. Sie sollen vor allem in Ballungsräumen wie Berlin, München oder dem Ruhrgebiet stehen.

Quelle: Uniper — Pressemitteilung vom 10.03.2020 // Ecomento — Uniper will 1300+ mobile Schnellader in Deutschland aufstellen

Über den Autor

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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GREENWASHING ALARM! Uniper betreibt hauptsächlich Kohle- und Gaskraftwerke, evtl. ein paar alte abgeschriebene Wasserkraftwerke.
Jetzt wollen die ihr Image aufmöbeln. Wenn ich bei Uniper Strom tanken soll dann fahre ich vermutlich umweltfreundlicher mit Schweröl.
Elektro macht nur dann Sinn wenn auch wirklich in Erneuerbare Energien investiert wird. Und nicht nur drüber geredet!

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