Im Gespräch mit Tobias Breyer, Swobbee über die „Tankstelle der Zukunft“

Copyright Abbildung(en): Swobbee

Tobias Breyer, COO von Swobbee, hat sich die Zeit genommen, um sich gemeinsam mit mir ein wenig über seine Vorstellung der „Tankstelle der Zukunft“ zu unterhalten. Dabei handelt es sich freilich nicht (nur) um seine persönliche Vorstellung der Tankstelle der Zukunft, sondern um die des Unternehmens, welches er vertritt. Tätig ist Herr Breyer für Swobbee, welches laut eigener Aussage die Tankstelle der boomenden Mikromobilität sei.

Hinter Swobbee verbirgt sich eine eine nachhaltige, effiziente Infrastrukturlösung für die urbane Leichtelektromobilität und ein umfassendes Battery-as-a-Service (BaaS)-System, welches vor allem von Elektrokleinfahrzeuge genutzt wird. Daher ist es klar, dass der COO von Swobbee das eigene Angebot eng verknüpft sieht mit der Weiterentwicklung der klassischen Tankstelle. Fügt sich aus meiner Sicht aber auch auch ganz schlüssig ein, wenn man sich auf die Gedankengänge von Swobbee einlässt. Scheint übrigens nicht nur mir so zu gehen, denn mit drei großen Tankstellenunternehmen habe man bereits entsprechende Pilotprojekte gestartet. Aber lies einfach selbst.


Hallo Herr Breyer, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, um mit uns das spannende Thema Tankstelle der Zukunft zu diskutieren. Können Sie kurz für alle Leserinnen und Leser, die Ihr Unternehmen nicht kennen, Swobbee vorstellen?

Gerne. Swobbee ist ein Battery-as-a-Service-Provider für elektromobile Anwendungen aus Berlin. Wir sind davon überzeugt, dass im boomenden Mikromobilitätsmarkt Tauschbatterien künftig eine entscheidende Rolle spielen. Dafür haben wir intelligente Lösungen konzipiert, die Unternehmen einen komfortablen und preisoptimierten Umstieg auf Elektrokleinfahrzeuge und andere strombasierte Anwendungen bieten. Swobbee hat die weltweit erste herstellerübergreifende Akku-Wechselstation mit intermodalem Ansatz entwickelt. Das heißt, an unseren Swobbee-Stationen können Akkus verschiedener Hersteller sowie Fahrzeugtypen gewechselt werden. Das nimmt nur wenige Sekunden in Anspruch und löst somit das Lade- und Reichweitenproblem von Elektrofahrzeugen.

Swobbee hat in jüngster Zeit mit einigen Tankstellen-Kooperationen von sich reden gemacht. Welche Rolle spielen aus Ihrer Sicht Tankstellen beim Mobilitätswandel?

Tankstellen sind etablierte Knotenpunkte der Mobilität. Hier versorgen sich die Menschen seit Jahrzehnten mit Energie und auch anderen Dingen. Ich denke, das wird auch in Zukunft so bleiben. In der nahen Zukunft werden wir eine Vielfalt der Antriebe und Energieformen in der Mobilität haben, dies wird sich im Tankstellenangebot widerspiegeln – die Betreiber werden aus eigenem Interesse auf den Wandel reagieren und ihre Angebote entsprechend erweitern.

Aus dem direkten Kontakt mit Tankstellen-Unternehmen weiß ich, dass sich die Betreiber in erster Linie der Mobilität der Menschen verpflichtet fühlen und alles dafür tun werden, um auch künftig relevante Energie-Anbieter zu sein sowie neue Kundengruppen anzusprechen. Aber auch aus elektromobiler Perspektive macht es Sinn, bestehende Infrastruktur zu nutzen: Es gibt bereits ein flächendeckendes Netz an Tankstellen-Standorten. An den meisten Stationen gibt es Platz und Anschlüsse für Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. An der Tankstelle der Zukunft werden konventionell angetriebene Fahrzeuge Treibstoff tanken, Elektroautos Strom laden, Elektrokleinfahrzeuge Akkus wechseln und vielleicht auch Micromobility-Sharingstationen betrieben werden.

Aber bisher gibt es nur wenige Tankstellen mit Lademöglichkeiten.

Das stimmt. Aber das ändert sich gerade.

Swobbee

Wie bereits angesprochen, kooperiert Swobbee bereits mit verschiedenen Tankstellen-Unternehmen. Worum geht es dabei und welche Pläne haben Sie?

Tankstellen gibt es in jeder Stadt, in jedem Stadtteil. Insbesondere im dichten urbanen Raum ist das ein Riesen-Standortvorteil. Wir freuen uns sehr, bereits mit drei großen Tankstellenunternehmen Pilotprojekte gestartet zu haben: mit Total, Aral/BP und Sprint. Gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern erproben wir zukunftsfähige Mobilitäts- und Logistikkonzepte für die Stadt. Diese basieren nicht nur auf Pkw oder Transportern, weshalb der Fokus bei der Debatte um die Tankstelle der Zukunft nicht nur auf Elektroauto-Ladestationen liegen sollte.

Die Mikromobilität in Form von E-Scootern oder E-Lastenrädern wird künftig maßgeblich bestimmen, wie wir uns in der Stadt fortbewegen, befördern, transportieren, liefern usw. Hier kommt Swobbee als universelle intelligente Ladelösung für alle Elektrokleinfahrzeuge ins Spiel. Bei den Pilotprojekten geht es nicht nur um die Bereitstellung von E-Fahrzeug-Akkus, sondern wir erforschen mit weiteren Partnern wie den Logistikern Hermes und DPD oder Sharingunternehmen das Potenzial von Mobility-Hubs. Die bisher gesammelten Erfahrungen und Erkenntnisse sind allesamt positiv, sodass künftig weitere Standorte mit Swobbee-Stationen ausgestattet werden. Unser Ziel ist es, dass Swobbee in Zukunft ein selbstverständlicher Bestandteil des Energie-Angebots städtischer Tankstellen ist.

Das hört sich grundsätzlich gut an. Aber was hat Logistik mit Tankstellen zu tun?

In modernen Logistikkonzepten für die Stadt eine Menge. Die bereits heute vielfach implementierte Letzte-Meile-Logistik ist ein effizienter und nachhaltiger Ansatz der innerstädtischen Belieferung. Zukunftsfähige Konzepte setzen dabei auf Elektrokleinfahrzeuge, vor allem elektrisch verstärkte Lastenräder. E-Cargobikes sind vielfach eine vollwertige Alternative zu klassischen Dieseltransportern, bzw. eigentlich eine bessere Alternative, da sie in einem intelligenten Letzte-Meile-Logistikkonzept günstiger, schneller und bedeutend umweltfreundlicher sind als Transporter. U. a. für solche E-Lastenräder ist das Swobbee Battery Swapping System gedacht, das eine zusätzliche Effizienzsteigerung bietet.

Hier kommen die Tankstellen ins Spiel, die den bereits angesprochenen unschlagbaren Standort- und Infrastruktur-Vorteil in der Stadt bieten. Logistiker und andere Transportdienstleister können sich ganz auf ihr Geschäft konzentrieren und müssen keine eigene Ladeinfrastruktur errichten und betreiben – ein intelligentes Lademanagement kann nämlich insbesondere bei größeren Flotten aufwändig und kostspielig sein. Nähert sich der Batterieladestand einem kritischen Punkt, können die Fahrerinnen und Fahrer einfach die nächstgelegene Tankstelle mit Swobbee-Station anfahren und nach dem schnellen Akku-Tausch und möglicherweise einer kleinen Erfrischung die Fahrt ohne große Unterbrechungen wieder fortsetzen. Alles, wie gewohnt. Tankstellen sind ideale Versorgungsstationen für die Innenstadtlogistik und attraktive Standorte für unser intelligentes Batteriewechselsystem.

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Da kein Tankwart zum laden benötigt wird und wohl Niemand seine HV-Batterie tauschen lassen wird, gibts nur einen sinnvollen Platz für HPC-Ladesäulen: die riesigen Parkplätze der Supermärkte, Einkaufszentren, etc. Nach Codescan der Säule kann jeder Kunde wärend seiner Einkäufe den Ladeverlauf auf seinem Smartphone kontrollieren, da hierfür keine Sim im Fahrzeug erforderlich ist. Technisch wäre laden für Jeden problemlos zu realisieren, wenns da nicht Lobbyisten gäbe, die das immer noch mit aller Macht und umeingeschränkter, politischer Unterstützung zu verhindern wissen. Da nicht mal das deutsche Schaf ewig belügbar ist, wird bis dahin unsere Verbrennerindustrie ungewollt nur Tesla weiterhin unterstützt und sich selbst entsprechend geschadet haben.

Bestimmt kommen solche Gross-Universal-Tankstellen nicht nur den Autobahnen und der Stadt entlang, nein auch auf dem Land. Weniger zum Batterietauschen, aber sicher mit Windrädern und riesigen PV Anlagen ausgerüstet, wo mit dem Reststrom im Sommer gleich H2 gespeichert wird . Der Schwerverkehr wie LKK s Traktoren und Mähdrescher werden so den Wasserstoff im Tempo abzapfen, wobei die E Autofahrer beim Laden gerade noch einen Kaffee trinken können. Solche Anlagen sind schon in Planung.
Da müsste eigentlich MB ein Licht aufgehen, da sie bereits lange Erfahrung mit dem F cell in der damaligen B klasse hatten.
Hier tut sich ein neuer Markt auf für den Schwerverkehr.

Kompakteinheiten Brennstoffzelle mit Gastank , einem kleinen Akku, sowie E Motoren so im 500 PS -Bereich.

Tja da sind sie wieder, die feuchten Träume der Deutschen. Alleine schon unser EEG verhindert grundlegend solche Gedankenspiele – und ein bestehendes Gesetz kann in einer Groko nicht eliminiert werden, sondern wird grundsätzlich verschlimmbessert. Technisch gibt es bezüglich Mobilität keinerlei Alternative zum reinen Batteriefahrzeug, weder heute, noch in Zukunft. Aber jetzt ist ja bald Weihnachten – vielleicht hilft ein Brief ans Christkind.

Da bist Du leider noch auf dem Mond Kasch. Wir zeigen Dir bald wo und wie dies so mit H2 für den Schwerverkehr geht. Die Schiffe wirst du aber an diesen Tankstellen vermissen.
Weisst Du es gibt nicht nur E Autos die Energie brauchen.Für grosse Verbraucher bräuchte es da zu schwere Akkus, die man gar nicht mitnehmen kann. Schicke du einen Wunschzettel ans Christkind um Erhalt einer technischen Aufklärung zum CO2 ärmeren Antrieb des Schwerverkehrs.

Die ersten 17 Model Y Prototypen mit präzisem Aludruckgußrohbau und versteifend eingebetteten 4680-Zellen in Grünheide kann man fast schon von besagtem Mond aus sehen. Viel spektulärer wird aber der 40-Tonner Semi mit ähnlicher Technik aus Austin. Ohne zeitraubendes tanken scharren die großen Speditionen schon mit den Füßen – Guten Morgen !

Auch bei den grossen PKWs von Tesla, wird die Batterietechnik zum Antrieb zumindest kurzfristig dominant bleiben. LKW s könnten schwerere Akkus vertragen. Was aber wiederum die Ladezeit verlängert. Die Test s mit noch höheren KW s beim Laden hinein zu fahren, sind bezüglich nachteiligem Einfluss auf deren Haltbarkeit noch nicht langzeitbestätigt, in diesem Leistungsbereich. Da es auch künftig in modernen Tankstellen noch Diesel gibt, kann auch im Hybridverfahren Sprit gespart werden.
Bei Traktoren und Mähdreschern hat man aus Bodendrucks- und Konstruktionsgründen gar keine Möglichkeit grössere Batterien zu verbauen. Da gehts wie bis jetzt ersichtlich, eher zum Wasserstoff als zum Methan. Falls sich das Letztere als Abfallprodukt in aus der Landwirtschaft durchsetzen würde , könnte es in solch neuen Tankstellen auch angeboten werden.

Vor allem Schiffe wollen im grossen Bereich der Hafeneinfahrt, sich elektrisch bewegen. Der Rest möglichst mit H2 oder Diesel und gar kein Schweröl mehr.
Um auch noch die Luftfahrt erwähnt zu haben, obwohl die wie auch die Schiffe die Tankstellen kaum belasten, heute fliegt man rein elektrisch auf Haweii bereits von Insel zu Insel. Braucht aber in der Regel aus Sicherheitsgründen vorerst noch zwei verschiedene Antriebquellen. Hybrid.

Also lieber Strauß, ich war 35 Jahre lang erfolgreich als freiberuflicher Konstrukteur an jeder Ecke von Serienfarlhrzeugen, Rennfahrzeugen und Prototypen tätig. Erste Erfahrungen mit der Brennstoffzelle am Rande und gasbetriebenen Verbrennern im Detail sammelte ich bereits vor 20 Jahren. Seit zwei Jahren fahr ich ein Elektroauto. Was hast du beruflich so getrieben – mal ehrlich !

Ich fahre seit 10 Jahren nun das 3. Elektroauto und bin Maschinentechniker. Besitze selber auch einen Landwirtschaftsbetrieb mit Fotovoltaikanlage auf dem Dach. Du kannst davon ausgehen, dass da ein Bisschen Erfahrung besteht, auch im Schwerverkehr mit LKW s, eigenen Traktoren und Mähdreschern. Möchtest Du noch Zeugniskopien von meiner langen Tätigkeit während über 20 Jahren mit Dauer-Festanstellung im Angestelltenverhältnis in zwei verschiedenen der grössten Maschinen-Weltkonzernen?

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