VW-Chef Diess über Elektromobilität: „Es hilft uns, dass Tesla zeigt, wie es geht“

VW-Chef Diess über Elektromobilität: „Es hilft uns, dass Tesla zeigt, wie es geht“

Copyright Abbildung(en): alexfan32 / Shutterstock.com

Herbert Diess hat einen Plan: Er will Volkswagen zum weltweit größten E-Auto-Hersteller machen. Mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) sprach der VW-Chef am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos darüber, wie das gelingen kann, welche Rolle Greta Thunberg dabei spielt und warum Tesla momentan das Maß der Dinge ist.

Davos zeigt aber abermals deutlich, dass wir die Umwelt wesentlich stärker in die Rechnung einbeziehen müssen“, sagte Diess zu Beginn des Interviews. VW habe sich mit seinem Fokus auf die Elektromobilität bereits „klar positioniert“ und arbeite „intensiv daran, dass der Konzern bis 2050 klimaneutral wird.“ Das Jahr 2020 werde für Volkswagen „extrem wichtig.“ Nach einem guten Jahr 2019, in dem der Hersteller Marktanteile gewinnen konnte, will der Konzern nun „mit vielen neuen Modellen den Durchbruch mit den Elektroautos schaffen, unsere Flottenziele für die Emissionen erreichen und dabei unsere Margen halten.“

Auf die Klima-Aktivistin Greta Thunberg und seine eigene CO2-Bilanz angesprochen sagt Diess, das Thema mache ihn „persönlich betroffen. Denn wir haben zwar vieles geplant, aber wenn man ehrlich ist, muss man zugeben: Wir sind in diesem Punkt 2019 nicht wirklich vorangekommen.“ Auch er habe mit Blick auf seine persönliche Klimabilanz „nicht das geschafft, was ich mir vorgenommen habe.“ Vor allem die vielen berufsbedingten Flüge mit dem Firmenflugzeug seien seine „große Herausforderung“. Er hatte sich eigentlich vorgenommen, seinen CO2-Fußabdruck um 20 Prozent zu verringern, „aber die habe ich bei weitem nicht erreicht. Ich nehme mir das Ziel jetzt für 2020 abermals vor.“

Diess bringt auch das Thema Kompensation im Zusammenspiel mit effektiver Vermeidung von CO2 ins Spiel. Der ID.3 sei VWs „erstes klimaneutrales Auto. Wir sparen schon viele Emissionen in der Herstellung ein und was wir nicht schaffen, das forsten wir auf und kontrollieren das auch. Einfach nur CO2-Zertifikate zu kaufen, reicht nicht aus.“ Im Jahr 2020 will der Hersteller vier Prozent elektrifizierte Fahrzeuge absetzen. Das sind in der VW-Größenordung „dann rund 400.000 bis 450.000 Autos.“

„Tesla ist der größte Herausforderer“

Im Jahr 2021 führt Deutschland einen CO2-Preis ein, um die Vermeidung des Klimagases zu fördern. Zum Start der Bepreisung sind es 25 Euro pro Tonne, danach steigt er nach und nach. Diess hält diesen Preis für „zu niedrig“ und wünscht sich „weiterhin eine höhere CO2-Steuer von der Politik.“ Als Beispiel nennt er Schweden, wo der Preis für eine Tonne oberhalb von 100 Euro liegt, „und das funktioniert gut.“

Den US-Elektroauto-Pionier Tesla nimmt der VW-Chef nicht „als unmittelbare Bedrohung“ wahr. Sondern eher als Inspiration: „Es hilft uns derzeit eher, dass Tesla zeigt, wie es geht.“ Volkswagen könne nur dann mit Tesla mithalten, „wenn wir jetzt in der Elektromobilität schnell hochfahren und die nötigen Software-Kompetenzen aufbauen.“ Aber auch Tesla werde „schnell weiter wachsen und bleibt wahrscheinlich der schärfste Herausforderer“, sagte Diess. Tesla habe den großen Vorteil, „sehr fokussiert auf ein Produkt“ zu sein, „das hochvernetzte Elektroauto“. Dazu komme „ein Team mit sehr hoher Software-Kompetenz, das unheimlich schnell und flexibel ist. Das ist ein ganz neuer Typ von Wettbewerber, der keine lange Historie hat, der aber jetzt den Maßstab setzt.“ VW müsse in den Kernbereichen von Tesla „deutlich schneller werden“, um den Anschluss nicht zu verlieren.

Man habe bereits erwogen, Unternehmensteile auszugründen, um gegenüber dem E-Auto-Primus, den Diess als „größten Herausforderer“ betrachtet, Boden wett zu machen. „Für unser Elektrokonzept haben wir dann bewusst eine eigene Baureihe gegründet mit großen Freiheiten, die aber noch im Konzern geblieben ist“, was „ein guter Kompromiss zwischen Schnelligkeit und Kompetenz“ sei. „Aber das müssen wir jetzt nochmal beschleunigen. Das ist uns allen klar.“ In den nächsten drei, vier Jahren werde sich zeigen, so Diess, „wer bei den Skaleneffekten für Elektroautos die Nase vorne hat – Tesla oder wir.“

Quelle: FAZ – „Ich wünsche mir eine höhere CO2-Steuer“

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18 Antworten

  1. und warum muss man sich schon wieder messen?
    Kooperativ statt Kompetitiv würde das Klima und unsere Umwelt schneller voran bringen…

    1. Ich fürchte das nennt man Kapitalismus. Jedes Unternehmen wird immer versuchen seine Marktanteile zu erhöhen und jedes Unternehmen muss primär Geld verdienen (Tesla schafft es komischerweise auch zu überleben ohne Gewinn zu machen, wie auch immer die das anstellen). Ich finde es schonmal gut, dass sich die Konzerne überhaupt Gedanken um Klimaneutralität machen. Das war bis vor kurzen auch anders. Aber letztlich wollen Sie mit ihren Autos Geld verdienen und sind kein Wohlfahrtsverein.

  2. …. da schauen wir mal, was VW dieses Jahr hinkriegt. Hört sich ja nicht schlecht an, zumindest im Vergleich zu Audi, Mercedes und BMW. Hoffentlich kommt der ID3 bald in grossen Stückzahlen.

  3. Irgendjemand muss aber auch ein E-Auto für 10.000€ bauen. Es soll auch Menschen geben die nicht 24/7 online sein wollen, schon garnicht im Auto. Überall eine Simkarte einzubauen, wie VW das jetzt macht ist nichts Halbes und nichts Ganzes.
    Renault hat – weil sie momentan so unter Druck stehen – mit den Chinesen was im Billig-Segment in Planung, mal sehen ob der neue Chef Luca de Meo am City KZ-E festhält. (Momentan wird in Wuhan bei Dongfeng aber wohl eher nichts gebaut.)

    1. Ich glaube VW hat auch vorher so gut wie keinen Verbrenner für 10.000€ gebaut. Das haben sie Dacia & Co überlassen. VW hat mehr und mehr Premium Anspruch entwickelt.

      1. Die jetzigen Elektro-Drillinge Up/Citigo/Mii waren als Verbrenner in der Preisklasse. (Auch Skoda Rapid/Fabia und Seat Leon als Reimport.) VW könnte es passieren, dass auf der einen Seite der Premium-Markt wegbricht und auf der anderen Seite das Billig-Segment. Bisher war es einfach, dass sich die einzelnen VW Marken nicht in die Quere kommen, aber dieses ausbalancierte System ist kräftig am Wackeln. Die Start-ups konzentrieren sich im Wettbewerb jeweils auf ein Segment: Sportwagen, SUV, Pickup oder Kleinststromer. Wenn es so weitergeht, gibt es zu jedem VW-Produkt bald einen, der es besser kann.

        1. Naja, e-up! & Co kriegt man ja wenn denn dann irgendwann mal die neue Prämie kommt für um die 15.000€. Selbst e.Go musste seine Preise erhöhen, weil mit der neuen Prämie deren Marge aufgefressen werden würde. Die Batterie kostet halt nunmal was sie aktuell kostet, obwohl die Preise in den letzten 10 Jahren natürlich massiv gefallen sind. Aber es kommt halt erstmal in den teuren Fahrzeugen, weil die Margen größer sind, also Entwicklungskosten schneller wieder eingespielt sind. Davon ab kostet es Unsummen ein Automobil Start-Hp aufzubauen. Ist halt keine kleine Software Bude.
          Ich denke dass die Autohersteller auch auf die ganzen chinesischen Hersteller gucken müssen. Die brauchten sie bei den Verbrennern nie zu fürchten weil die keine Chance hatten aufzuholen. E-Autos sind einfacher zu bauen, es kommt viel auf Software und nicht Maschinenbau an und da fangen VW & Co genauso bei Null an wie die anderen auch. Deswegen hat China da ja auch gefördert ohne Ende.

          Was Herr Diess realisiert zu haben scheint, was leider wohl BMW und Daimler abgeht, ist dass die Entwicklung in der E-Mobilität rasant geht und man sich anstrengen muss Schritt zu halten, geschweige denn aufzuholen und vorne weg zu marschieren. Alleine die Frage welche Batterien vielleicht die Li-Ionen-Akkus ablösen werden, spielt eine wichtige Rolle. Da ist es aktuell ja fast eine reine Lotterie ob man aufs richtige Pferd setzt.

  4. Richtig solange die eigene Marge vor Umweltziele und Innovation gestellt wird und neue funktionierende Entwicklungen nur als Konkurrenz und nicht wie jetzt geäußert auch als Ideenschmiede mit Flexibilität mit dem Ohr am Markt gesehen wird, entwickelt jeder für sich mit größeren Kosten. Wie lange hat Tesla sich anhören müssen nicht profitabel zu sei? Er hat seinen Gewinn sofort in neue Produktionsstätten und neue Entwicklungen gesteckt und ist nicht umsonst als Visionär der Elektromobilität bekannt. Wenn man am neuen Elektromarkt Fuß fassen will sollte man miteinander und nicht gegeneinander arbeiten. Was ist denn mit dem teuren viel gelobten ID 3 produziert und auf Halde liegend, da nicht bedacht wurde das die neue Technik auch ausgereifte und verlässliche Software benötigt.

    1. Tesla hatte nie einen operativen Gewinn, den es irgendwo reinstecken konnte. Die leben von immer neuem frischen Geld, das wer auch immer reinsteckt. Wahrscheinlich ist das dennoch (zumindest für Tesla) der richtige Weg.

  5. Ich war letzten zur Abholung meines E-Golfs in der Autostadt und haben den guten Kundenberater mal auf die Softwareprobleme angesprochen. Was mich beruhigt hat war, dass die eigentlich Fahrzeugsteuerung fertig und funktionstüchtig ist. Das Problem ist wohl die Integration dieser ganzen Online- und Cloud-Services oder was auch immer da an Vernetzung geplant ist. Das mit dem VW System zusammen zubringen scheint dann doch etwas komplizierter zu sein. Tesla hat ja denke ich quasi alles von Anfang an zusammen entwickelt. VW muss das jetzt in ein bestehenden IT-System einbauen.

    Finanziell ist Tesla bestimmt eine große Besonderheit und ohne Elon Musk mit seinen immer neuen Visionen wenn es nicht läuft wären die mit ziemlicher Sicherheit schon Pleite und von der Bildfläche verschwunden. So richtig verstehen, wie die das machen tut ja auch keiner ;-). Die gehen sind in den letzten Jahren öfter extrem große Risiken eingegangen und es stand ja nun auch mehrmals auf Messers Schneide. Die Eier hat verständlicherweise nicht jede Firma. Ich vermute die Deutsche Mentalität ist da im Unternehmertum etwas “bodenständiger” und weniger riskofreudig wie die Amerikaner.

    1. Eigentlich ist es ja nichts als normal, wenn eine neue Firma in den ersten Jahren allen Gewinn wieder in die Entwicklung reinvestiert. Besonders in einem so kompetitiven Markt wie dem Automobilmarkt.

  6. Wenn Hr. Diess sagt “… wir haben zwar vieles geplant, aber wenn man ehrlich ist, muss man zugeben: Wir sind in diesem Punkt 2019 nicht wirklich vorangekommen.“ Auch er habe mit Blick auf seine persönliche Klimabilanz „nicht das geschafft, was ich mir vorgenommen habe.“… möchte ich mal darauf hinweisen, das VW neben dem vollelektrischen ID.3 viele neue Modelle mit konventionellem Verbrennungsmotor auf dem Markt bringt. Darunter auch solche mit extrem hohem CO2 Ausstoß, wie z. B. dem T-Roc R mit 176g CO2/km. Aber der ID.3 kompensiert das dann ja. Hr. Diess fährt nicht die ehrliche Schiene, allerhöchstens die “Kommerzielle”, um jeden Preis!

  7. Also Hut ab Herr Diess, endlich sagt einer mal öffentlich das auch er nicht gerade CO2-neutral lebt. Einsicht ist schonmal der richtige Weg. Es scheint mir sowieso der einzige deutsche Manager zu sein, der es schaffen kann und er hat völlig recht, Tesla ist das Maß der Dinge. Ob ich mir je ein Auto von diesen Schummlern kaufen werde glaube ich nicht mehr. Wir haben unseren letzten Verbrenner (Audi) im Oktober mit viel Wertverlust verkauft, nun fahren wir nur noch rein elektrisch und es funktioniert.
    Der E-Techniker

  8. ja aber natürlich hat tesla gewinn gemacht. aber die ladestruktur kostete Geld.was soll dort 100 t euro kosten? wenn die batterie mal weg ist.nachdem euro 6 nichts taugt, kommen sprüche man könne die verbrenner noch viel viel sauberer machen. aber das koste Geld.na also schon vom schiff aus ohne zu kalkulieren sieht man, dass ein Verbrennermotor künftig 3x so teuer wird in der Produktion wie ein E Motor. Folglich erwarten wir schlagartige Aenderung der Verkaufspreise an der Front zu Gunsten der Elektroautos. ( Ich fahre seit 8 Jahren elektrisch)

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