Tesla, Toyota und deutsche Hersteller trotzen rückläufigem Pkw-Markt

Tesla, Toyota und deutsche Hersteller trotzen rückläufigem Pkw-Markt

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Die deutschen Automobilhersteller zählen neben Toyota und dem Elektroauto-Hersteller Tesla in einen rückläufigen Weltgesamtmarkt zu den Absatzgewinnern im abgelaufenen Jahr 2019. Während die Verkäufe der 19 wichtigsten globalen Automobilhersteller um 3,9 Prozent auf nunmehr 78,6 Millionen Fahrzeuge sinken, konnten Volkswagen und BMW Absatzzuwächse von 1,1 bzw. 1,2 Prozent und Daimler von 0,7 Prozent erzielen. Toyota legt um 1,5 Prozent zu, während Tesla als kleinster globaler Hersteller mit einem Zuwachs von 49,7 Prozent der relative Absatzgewinner ist. Das sind die Ergebnisse des Automotive Performance Report 2020 des Center of Automotive Management, in dem regelmäßig die Markt und Finanzkennzahlen der globalen Automobilkonzerne analysiert werden.

Danach bleibt Volkswagen mit 10,7 Millionen Pkw knapp vor Toyota mit 10,6 Millionen die absatzstärkste Automobilherstellergruppe. General Motors und Hyundai (inkl. Kia) kommen mit 7,7 bzw. 7,2 Millionen Einheiten auf Rang drei und vier. Addiert man die in einer Allianz verbundenen Automobilhersteller Renault, Nissan und Mitsubishi kommen diese zusammen mit 10,2 Millionen Fahrzeugen (-1,2 Prozent) auf Rang drei.

Die Gesamtbilanz 2019 zeigt eine sehr heterogene Entwicklung, bei der einige etablierte Automobilgruppen hohe Marktrückgänge hinnehmen müssen. Zu den größten Absatzverlieren zählen vor allem die amerikanischen Hersteller Ford (-10 Prozent), FiatChrysler (-8,8 Prozent) und General Motors (-7,9 Prozent). Weit überdurchschnittlich verlieren auch die europäische PSA Gruppe (-10 Prozent) sowie die japanischen Hersteller Nissan (-8,9 Prozent) und Suzuki (-9,8 Prozent).

CAM

Dabei brechen bei einigen Herstellern die Verkäufe besonders stark im ohnehin rückläufigen chinesischen Markt ein: Bei GM sinken die Absätze dort um 550.000 Einheiten (-15 Prozent), bei Ford um 24,5 Prozent und PSA büßt gar 55,5 Prozent seiner Pkw-Verkäufe im Vergleich zu 2018 ein. PSA verkauft dort nur noch 117.000 Fahrzeuge nach 736.000 im Jahr 2015. Demgegenüber konnten die deutschen Hersteller in China in 2019 allesamt noch Zugewinne verbuchen und damit ihre Marktanteile weiter steigern.

Die weltweiten Fahrzeugzulassungen gingen in 2019 erstmals seit der Finanzkrise 2008/2009 massiv zurück, wobei bereits im Jahr 2018 die Automobilnachfrage leicht gesunken ist (-0,3 Prozent). Alleine in Deutschland hat sich die Automobilproduktion zwischen 2017 und 2019 um eine Million Pkw (-17 Prozent) reduziert, die Exporte gingen im gleichen Zeitraum sogar um 21 Prozent zurück. Neben Lokalisierungsstrategien der Hersteller liegt der wesentliche Grund für die negative Marktentwicklung vor allem an den Entwicklungstendenzen des weltweit größten Automobilmarktes China.

China war mehr als 20 Jahre lang die Wachstumslokomotive der globalen Automobilindustrie. Während im Jahr 2000 das Marktvolumen in China noch bei 0,6 Millionen Pkw lag, stieg dieses bis 2017 auf den vorläufigen Höchststand von 24,7 Millionen Pkw. Im Zuge der Handelskonflikte mit den USA und dem relativ niedrigen Wirtschaftswachstum sind im vergangenen Jahr die Neuzulassungen auf nur noch 21,5 Millionen Pkw gesunken. Bedingt durch die aktuelle Corona-Krise ist auch im laufenden Jahr mit weiteren Rückgängen zu rechnen. Bereits im Januar gingen die Neuzulassungen um mehr als 20 Prozent zurück. CAM geht derzeit für das Gesamtjahr 2020 von einem weiteren Rückgang des Gesamtmarktes in China um 5-10 Prozent aus.

„Westliche Automobilhersteller haben seit der Jahrtausendwende massiv vom Marktwachstum in China profitiert und hohe Marktanteile und Gewinne erzielt. General Motors und Volkswagen realisieren in 2019 40,1 bzw. 39,5 Prozent ihres weltweiten Absatzes in China. Bei BMW und Daimler liegt der chinesische Absatzanteil bei 29 bzw. 26 Prozent. Diese hohe Marktrelevanz ist jedoch janusköpfig: Sie führt im Falle von Marktturbulenzen zu einer hohen Verwundbarkeit der Unternehmen.“ — Stefan Bratzel, Studienleiter am CAM

Angesichts von Markturbulenzen in China und einer sich transformierenden Automobilindustrie sei auch im Jahr 2020 mit einem sinkenden globalen Absatzvolumen zu rechnen. Neben dem vorläufigen Wegfall des Wachstumsmarktes China befinden sich die weiteren wichtigen Marktregionen USA und Europa bereits auf einem hohen Neuzulassungsplateau und zeigen Sättigungstendenzen. Hinzu kommt, dass die CO2-Regulations- und Förderregime in der EU zwar zu einer signifikanten Steigerung der Elektrofahrzeugzulassungen im laufenden Jahr führen werden. Gleichzeitig wird jedoch der europäische Fahrzeugmarkt aufgrund von Marktunsicherheiten leicht unter dem hohen Niveau des Vorjahrs liegen. Insgesamt erwartet das CAM für den globalen Pkw-Markt einen Rückgang um 5 Prozent in 2020.

„Die globale Automobilindustrie steht vor dem Hintergrund der großen Transformationsthemen Elektromobilität, Connectivity, Autonomes Fahren und Mobility Services vor einer Zeitenwende, die in den nächsten fünf bis zehn Jahren von einer großen Konsolidierungswelle begleitet sein wird. Nur wenige Automobilhersteller können die notwendigen Investitionen in neue Technologien und Geschäftsfelder noch alleine stemmen. Dabei verstärkt die aktuelle konjunkturelle Schwäche in wichtigen Marktregionen den Kostendruck und den Konsolidierungstrend. Dabei gibt jedoch kein ‚Survival of the Fattest‘. Absatzgröße allein wird das Überleben nicht sichern. Vielmehr müssen die für die Zukunftsfelder relevanten Kernkompetenzen Batterie, Software und Big Data konsequent entwickelt und in neue Geschäftsmodelle übersetzt werden.“ — Stefan Bratzel, Studienleiter am CAM

Quelle: CAM — Pressemitteilung vom 17.02.2020

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6 Antworten

  1. Dann brauchen sich ja einige Hersteller wenig Gedanken um C02-Strafen zu machen. Wer nix verkauft kann auch nicht bestraft werden
    *Ironie aus*

    Es bestätigt meine Vermutung, dass zum Beispiel FCA/PSA gerade eine Fusion der Einäugigen machen .. nur ob sie danach besser sehen können ist die große Frage. Der fehlende Absatz (trotz Kampfpreisen) reißt die Gewinne runter und verhindert Investitionen in neue Technologien.
    Wie lange halten die das durch?
    Wann muss sich Ford irgendwo anlehnen? Haben die überhaupt noch eine Entwicklungsabteilung nachdem sie jahrelang bei jedem Modellwechsel nur Blech umgedengelt haben?

  2. künftig wird das Produkt über sein oder nicht sein entscheiden. da sehe ich grosse Problem bei gm, der immer noch weltweit sein händlernetz strafft. und was macht psa.? die mit hilfe der italo-amis ihr glück im grösseren Kundenkreis suchen.

  3. Ich denke VW hat dazu gelernt und im Rahmen der E-Mobilität vieles richtig gemacht bzw. die Weichen Richtung Zukunft gestellt. Es gibt außer Tesla keinen Hersteller der derart massiv in die Entwicklung und Fertigung von BEV investiert.

  4. Schön, wenn in dem schrumpfenden Totalmarkt, der Verkauf von e-Autos (auch absolut) wächst ! wenn nicht jetzt alle Automobilhersteller aufwachen….
    Frage: warum sind in dem Diagramm keine chinesischen Hersteller zu sehen ?

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