Tesla: Der böse Blick aufs Display und seine Folgen...

Tesla: Der böse Blick aufs Display und seine Folgen…

Copyright Abbildung(en): Lipik Stock Media / Shutterstock.com

Waren das Zeiten: Wollte man die Heizung im Auto wärmer und das Gebläse stärker haben, schob oder drehte man an Reglern, für die Lautstärke des Radios genügten ebenfalls Daumen und Zeigefinger. Heutzutage beherrschen Touchscreens das Cockpit. Das sieht aufgeräumt aus und modern obendrein – hat aber zur Folge, dass man für Kleinigkeiten gerne mal diverse Etagen unterhalb der gekachelten Oberfläche aufsuchen muss.

Im Stand mag derlei bloß lästig sein, während der Fahrt wird schnell ein Problem daraus. Und je schneller, umso gefährlicher. Wer bei Tempo 50 nur zwei Sekunden lang auf einen Bildschirm starrt, legt in der Zeit schon fast 30 Meter zurück – bei Richtgeschwindigkeit auf der Autobahn vergehen im Blindflug bereits 72 Meter. Es hat schon gute Gründe, warum das Tippen von Whatsapp-Nachrichten während der Fahrt verboten ist.

Was aber, wenn man gar nicht grob fahrlässig Kommunikation betreibt, sondern bloß sein Auto bedient? Und wenn es dabei noch nicht mal um ein paar Nuancen Komfort geht, sondern schlicht um Sicherheit? Ein Urteil zu einem Unfall vom März 2019 dürfte die Hersteller in dieser Frage gehörig aufschrecken. Erstmals hat ein Gericht die Bedienung einer ausschließlichen Fahrzeugfunktion als Verstoß angesehen.

Die Sache nahm ihren fatalen Verlauf, als der Fahrer eines Tesla versuchte, die Geschwindigkeit seines Scheibenwischers einzustellen. Sein Pech: Für das angemessene Intervall bedarf es modellbedingt der Visite in einem Untermenü – doch kaum tippte der Mann los, kam er auch schon von der Straße ab und fuhr gegen mehrere Bäume. Klarer Fall, urteilte das Amtsgericht Karlsruhe: Handy am Steuer samt Sachbeschädigung – macht 200 Euro Geldbuße, zwei Punkte und einen Monat Fahrverbot.

Das Oberlandesgericht Karlsruhe bestätigte das Urteil dieser Tage. Auch Touchscreens, heißt es dort, seien im sogenannten Handy-Paragraphen der Straßenverkehrsordnung ausdrücklich genannt. Es sei zwar nicht verboten ein sicherheitsrelevantes Teil während der Fahrt einzustellen, es komme aber sehr wohl auf die Vorgehensweise an. Heißt im Klartext: Ein kurzer Blick zum Bildschirm ist okay – sich zu lange von der Straße zu wenden eben nicht. Maßgebend sind immer die Umstände. An der roten Ampel geht mehr als auf der Autobahn.

Das Gericht kam zu der Überzeugung, die Auswahl des Wisch-Intervalls per Untermenü erfordere im Vergleich zu herkömmlichen Hebeln und Schaltern eine längere Blickzuwendung und damit zu viel Aufmerksamkeit. Ein Urteil von Gewicht. Nur wenn es die Einheitlichkeit der Rechtsprechung gefährdet sähe, könnte ein Oberlandesgericht noch den Bundesgerichtshof anrufen.

Es sollten also nicht bloß Tesla-Fahrer gewarnt sein. Und selbstverständlich geraten auch die Autobauer unter Druck. Klimaanlagen, Sitzheizungen, Navigationssysteme und diverse Assistenten können schließlich bei vielen Herstellern aktuell nur via Display eingestellt werden. Der ADAC fordert daher, alle für die Sicherheit wichtigen Funktionen wie Licht, Blinker, Scheibenwischer und Spiegelneigung müssten bedient werden können, ohne den Blick vom Verkehr zu nehmen.

Auch ein Grund, warum viele Autobauer auf akustische Steuerung setzen. Der Dialog, so die Überzeugung, verlange weniger Aufmerksamkeit als jede Art von Gefummel. Doch eine Ideallösung ist auch das nicht. Untersuchungen der Universität Utah legen dar, dass selbst Spracheingaben ablenken und in der Folge die Reaktion vermindern. Ältere Fahrer, heißt es, seien hier besonders stark herausgefordert.

Wissenschaftler raten deshalb, sich stärker an menschlichen Beifahrern zu orientieren – die in brenzligen Situationen meist die Klappe halten. Intelligente Sprachsysteme müssten erkennen, wann sie sich einschalten dürfen oder eine Rückmeldung verlangen – und wann sie den Fahrer eher verwirren. Würden etwa Sensoren und Kameras dichten Verkehr erkennen, müsse Kommunikation unterbleiben.

Womöglich war die Zeit schlichter Schalter doch nicht so schlecht…

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Das ist FUD&FAKE! Wer intellektuell keine Sprachbedienung beherrscht, sollte nur noch Fahrrad fahren.

Jeder der ein Kraftfahrzeug, auch in Deutschland, führt muss sich vergewissern, dass er das Fahrzeug physisch und seiner geistigen Verfassung entsprechend, zu jeder Zeit sicher führen kann.

https://www.gesetze-im-internet.de/stvg/__2.html
Straßenverkehrsgesetz (StVG)
§ 2 Fahrerlaubnis und Führerschein Abs. 2

Wer das nicht kann oder überfordert ist, gehört zum Schutz aller nicht in ein KFZ, dazu gehört auch die Bedienung eines modernen KFZ.
Nur weil einige nicht mit modernen Fahrzeugen umgehen können, brauchen wir nicht wieder Schieberegler und Drehknöpfe im Auto.
Im Übrigen bin ich auch keine 20 mehr und komme bestens klar!

My 2 Cents

„Womöglich war die Zeit schlichter Schalter doch nicht so schlecht…“
Na ja, alles klar, wenn man sieht, welche Ambitionen der Autor pflegt:
(aus dem Impressum):
Wolfgang Plank (Redakteur)
Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

2 Wochen später wird diese Geschichte voller Unwahrheiten in der Bedienung der Teslas (Untermenüs für Scheibenwischereinstellung) hier noch mal aufgewärmt.
Gratuliere und frohe Rallies!

Wie kann das denn sein? 90% aller männlichen Autofahrer fahren doch besser als der Durchschnitt.

Der Tesla-„Fall“ wäre überhaupt nicht notwendig gewesen. Die Wischerfunktion am Lenkradschalter des Tesla, tippen am Schalter und dann wird einmal gewischt, hätte jedes Scheibenwischer“problem“ lösen können! Deshalb war auch das Urteil des Gerichtes goldrichtig ! Wer sich
beim Fahren von Untermenüs auf dem Touchscreen ablenken lässt, macht einen groben Fehler als Fahrer!!

Unabhängig davon ist die REINE Bedienung eines Fahrzeugs nur über Bildschirme diskussionswürdig. Ein schönes Beispiel dafür sind die Lüftungsdüsen beim Porsche Taycan. Da lässt sich die Richtung nur über den Touchscreen ändern, die intuitive direkte Bedienung direkt am Lüftungsgitter ist einfacher und schneller. Wie immer, es gibt beim Mensch-Maschine interphase nicht entweder oder, sondern eben meistens eine optimale Lösung die mal so mal anders ist. Die Beliebtheit der Touchscreens bei den Herstellern lässt sich vor allem dadurch erklären, dass damit ordentliche Kosteneinsparungen zu erzielen sind. Die beste Lösung kostet eben etwas mehr Geld und lässt sich im Falle von blind bedienbaren Schaltern auch noch als rückständig bei der smartphone-generation vermarkten.

BMW hat mit seinen frei belegbaren Tasten und dem Dreh/Drücksteller auf der Mittelkonsole eine fast optimale Lösung ( wie ich finde ), die uns hoffentlich auch in Zukunft trotz Sparzwang erhalten bleibt.

Mich würde einmal interessieren, ob Tesla nicht irgendwie auslesen kann, ob und Fall ja welche Funktionen wirklich unmittelbar vor dem Unfall auf dem Touchscreen eingegeben wurden?
Vielleicht hat der Unglücksrabe ja auch sein Handy benutzt (Facebook, WhatsApp etc)
Vielleicht kommt in diesem Fall ja auch noch Licht ins Dunkel –
Wenn ich mit einem ungewohnten Auto fahre, überfordert auch ein knopfgesteuertes Fahrzeug bei vielen Funktionen den Fahrer bei höheren Geschwindigkeiten.
Also – Augen auf beim Auto fahren (auf die Straße!)

Dachte das Thema wäre schon durch?! Der Gerichtsspruch hat doch bloß festgestellt, dass sich der Fahrer unnötig lange ablenken ließ. Hätte mit Knöpfen genau so gut passieren können (und passierte schon oft genug), wenn man sich nicht auskennt, wie man am Lenkstock nun den Intervall von Auto auf Manuell stellt.
Untermenü ist bei Tesla nicht nötig und somit auch kein Problem, das wurde indirekt vom Gericht bestätigt. Weiters gäbe es auch eine Sprachsteuerung.
Aber vielleicht muss der Bildschirm wirklich teilweise gesperrt werden, da es einige scheinbar nicht raffen.

Es wird ja nicht gerne laut gesagt: Viele Fahrzeugnutzer sind mit Bedieneinheiten á la Tesla, ID.3 und andere nicht einverstanden und werden sich das beim Autokauf entsprechend gut überlegen und sich möglicherweise für andere Hersteller und Modelle entscheiden.
Ein Auto ist nun mal kein Smartphone.

Scheibenwischer haben Regensensor und Autointervall, da muss nix bei der Fahrt eingestellt werden.

Das kann gar nicht sein!
Da ist IMMER was anderes Schuld.

…das liegt halt in der menschlichen Art.
Fehler zugeben ist eine der schwersten Dinge überhaupt.

Gewiss, diesen Gedanken begleitet mich „seitdem der Fall bekannt wurde“ schon die ganze Zeit. Wie Sie geschrieben haben „Fehler zugeben ist eine der schwersten Dinge überhaupt“, damit haben Sie absolut Recht. (Weil ein Egoist glaubt der eigenen Lüge mehr, als der Wahrheit glaubt, wird diese Lüge ihm zum Verhängnis werden!)

Erst mal eine halbwegs vollständige Liste der Bedienungsmethoden des Scheibenwischers in einem Tesla-Auto:

1. Vollautomatik – Der Fahrer muss gar nichts tun, außer einmalig den Scheibenwischer auf „Auto“ zu stellen. Die Automatik funktioniert gut—bin z.B. gestern bei fast ununterbrochenem Regen eine Langstrecke gefahren und musste den Scheibenwischer trotz ständig schwankender Regenstärke nicht ein einziges Mal bedienen. (Eigentlich bin auch nicht ich gefahren, sondern der Autopilot. Im Nachhinein hätte ich stundenlang am Scheibenwischer-Menü herumfummeln können, ohne dass ein Unfall passiert wäre.)

2. Sprachsteuerung – Die Kurzkommandos sind z.B. „Scheibenwischer Stufe 4“, „Scheibenwischer 4“, „Scheibenwischer aus“ oder „Scheibenwischer auto“.

3. Ein Druck auf den Blinkerhebel löst einen sofortigen Wischvorgang aus. Dazu braucht man nicht hinzuschauen.

4. Menü – Die Bezeichnung Untermenü ist zwar formal korrekt, aber trotzdem irreführend. Mit einem Finger-Tap auf das Scheibenwischersymbol links auf dem Bildschirm öffnet sich dieses „Untermenü“, und man kann mit einem zweiten Tap eine der 5 Stufen wählen.

Es ist sowieso in Mode gekommen, bei jedem Unfall erst einmal das Auto zu beschuldigen. „Der Autopilot war’s.“ „Die umständliche Bedienung war’s.“ Daher bin ich bei solchen Beschuldigungen misstrauisch. Auch in diesem Falle halte ich es für möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich, dass der Fahrer auch nur Ausflüchte gesucht hat, um nicht die volle Schuld übernehmen zu müssen. Darauf hat sich der Richter zwar vernünftigerweise nicht eingelassen, aber die Presse stürzt sich sowieso auf jeden Unfall, bei dem sie „Tesla“ dazuschreiben kann, und formuliert die Tatsachen so, dass jeder Diesel-Fahrer herauslesen kann, dass er alles richtig macht, und dass Elektroautos, besonders von Tesla, Teufelszeug sind.

Jedenfalls würde ich jedem Fahrer eines modernen Autos sehr empfehlen, sein Auto zu kennen und die Bedienungsanleitung zu lesen.

Immer wieder interessant, dass Menschen sich auch von schlichten, längst erwiesenen Fakten nicht von Ihrer Meinung abbringen lassen.
Wir bedienen alle ständig in unseren Häusern und Autos jede Art von Schaltern intuitiv und völlig automatisch, ohne dabei noch bewusst denken zu müssen. Das geht auf einem Bildschirm schlicht und einfach nicht ohne hinzusehen. Nun können wir lange diskutieren wie viel mehr es ablenkt aber dass es mehr ablenkt, kann doch niemand ernsthaft bestreiten. Vor Jahrzehnten (Mann bin ich alt geworden), konnte ich meinen Ford Sierra XR4i inklusive des Radios völlig blind bedienen, ALLES! Die Coolnes war aber lange vor dem Touchscreen wichtiger als Sicherheit mit Autoradios und Fahrzeugsteuereungen bei denen alle Knöpfe einen geschlossene Fläche bildeten. Und nun soll die Lösung eine Sprachsteuerung sein? Wir können alle an uns selbst beobachten, daß ein Gespräch uns schon ziemlich stark ablenken kann. Ein Gespräch mit einen Gegenüber das etwas doof ist und öfter mal was falsch versteht, was ja beim Computer der Fall ist, umso mehr.

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