Tesla Autopilot unerwünscht in Deutschland? Welche Rolle spielen Daimler, BMW und VW?

Tesla Autopilot unerwünscht in Deutschland? Welche Rolle spielen Daimler, BMW und VW?

Copyright Abbildung(en): Aleksandra Suzi / Shutterstock.com

Mitte Juli 2020 urteilte ein deutsches Gericht, in München, dass der Begriff ‚Autopilot’ von Tesla irreführende Werbung sei. Der Richter erklärte, dass Tesla angibt, das System arbeite autonom und automatisch und der Name Autopilot sei irrführend da er etwas verspreche das er weder technisch biete noch rechtlich bieten dürfte. Zitat: „Durch die Verwendung der Terminologie Autopilot und anderer Definitionen suggeriert der Angeklagte jedoch, dass ihre Fahrzeuge in der Lage wären, völlig autonom zu fahren.“

Die Wettbewerbszentrale welche die Klage führte, ist eine Organisation mit vielen Mitgliedern, und der Antrag, Tesla zu verklagen, kam laut Medienquellen u.a. von einem der großen deutschen Automobilhersteller. Daimler, BMW und die Volkswagen-Gruppe sind Mitglieder der Wettbewerbszentrale und zahlen eine Mitgliedsgebühr die nicht öffentlich ist. Die Mietgliedergebühr ist dabei frei verhandelbar. Einen Antrag zur Klage darf nur stellen wer Mitglied ist und die verhandelbare Gebühr gezahlt hat. Die Wettbewerbszentrale selbst entscheidet gegen wen geklagt wird.

Wikipedia

Niemand hat Transparenz darüber, wer wann und was in welcher Höhe an die Wettbewerbszentrale zahlt. Dies eröffnet Unternehmen die Möglichkeit durch eine höhere Gebühr eine Klage zu fordern den es gibt kein Kontrollgremium. Wir sprechen hier von einer Struktur die Bestechung möglich macht, ja sogar wegen mangelnder Transparenz und Kontrolle die Option zu dieser bewusst oder unbewusst in Kauf nimmt. Die Wettbewerbszentrale klagt nur, wenn ein Mitglied darum bittet, was zu der merkwürdigen Situation geführt hat, dass Unternehmen, die in der Vergangenheit verklagt wurden, sich danach für eine Mitgliedschaft entschieden haben.

Im September 2020 testete die Euro NCAP, eine Organisation die nicht offiziell einer Regierung untersteht aber sehr viele europäische Regierungsbehörden als Mitglieder hat, Fahrunterstützungssysteme und stufte den Autopiloten von Tesla als unterdurchschnittlich ein. Als Hauptgrund für die niedrige Bewertung erklärten sie, Zitat: „Der Begriff Autopilot ist unangebracht, da er eine vollständige Automatisierung suggeriert“. In ihren Bewertungsrichtlinien erklären sie weiter, Zitat: „Ein guter Systemname sollte nicht irreführend sein und Assistenz enthalten, um das Systemdesign und seinen Zweck zur Unterstützung des Fahrers klar zu identifizieren. Darüber hinaus sollte der Systemname niemals das Wort „Auto“ oder einen Hinweis auf die Automatisierung enthalten“.

Tesla rangiert unter den 10 getesteten Systemen auf Platz 6. Das ist unterdurchschnittlich, obwohl der Autopilot in den beiden funktionalen Kategorien u.a. der Sicherheit unter den insgesamt 3 Testkategorien als das beste System von allen eingestuft wurde. Die Top 3 der von der EU NCAP getesteten Fahrerassistenzsysteme sind 1. Daimler, 2. BMW und 3. Audi, ein Unternehmen der Volkswagen-Gruppe.

Sind diese beiden Entscheidungen ein Zufall?

EU NCAP

Tesla wurde sowohl vom deutschen Gericht als auch von der EU NCAP beschuldigt, den Verbraucher irregeführt zu haben, indem er angab, das System fahre autonom und automatisch. Wenn wir uns die Beschreibungen der Fahrassistenzsysteme von Daimler, BMW und Audi auf ihren Webseiten ansehen, finden wir die Terminologie automatisch und autonom an vielen Stellen. Weder das Münchner Gericht noch die EU-NCAP scheinen aber ein Problem damit zu haben, den kalifornischen Hersteller Tesla aufgrund einer Terminologie zu beurteilen und zu verurteilen die sie zwar bei Tesla als Bewertungskriterium ansetzen aber nicht bei den großen deutschen Automobilherstellern.

EU NCAP

Ein Autopilot in einem Flugzeug ist ein Flugassistenzsystem, so wie der Autopilot in einem Tesla-Fahrzeug ein Fahrassistenzsystem ist, bei dem der Fahrer oder Pilot jederzeit bereit sein muss, die Führung zu übernehmen und einzugreifen. Es ist vollkommen unklar, warum das deutsche Gericht, wie auch die EU NCAP , es für eine irreführende Terminologie halten kann, wenn Tesla einen Begriff verwendet der allgemein bekannt und seit Jahrzehnten für ein vergleichbares System in einem Flugzeug im Einsatz ist. Flugzeuge die wir alle irgendwann einmal genutzt haben. Wenn also der Begriff Auto laut Gericht bedeutet, dass die Flugzeuge autonom fliegen obwohl sie nur Assistenzsysteme sind, warum ist dann der Autopilot in einem Flugzeug nicht irreführende Werbung?

Twitter / Screenshot

Auto bedeutet in dem Kontext eines Fahrassistenten nichts Anderes als dass einige Funktionen automatisiert sind, wie wir es von allen anderen Systemen kennen, die wir tagtäglich benutzen. Automatisierung bedeutet keineswegs autonomen Fähigkeiten zu haben, und Tesla hat außerdem sehr klar definiert, dass das System noch nicht autonom ist. Im Gegensatz zu der Aussage des Richters ist dem Durchschnittsmenschen in Deutschland sehr wohl bewusst, dass automatisch nicht autonom bedeutet und Auto keineswegs heißt das es von selbst also autonom fährt. Wenn das anders wäre dann müssten wir ja auch den Begriff Auto als Fahrzeugbeschreibung oder Autobahn als Schnellstraße als irreführend verbieten.

Ich hatte die Gelegenheit, den Autopiloten von Tesla sowohl in Europa als auch in den USA zu benutzen und zu testen, und habe erlebt, wie sehr das System in Europa in seinen Möglichkeiten heute schon durch die örtlichen Behörden funktional ins Negative eingeschränkt wird. Betrachtet man die volle Funktionalität die in den USA im Einsatz ist, ist es allen anderen Systemen deutlich und ohne Zweifel überlegen. Die NCAP hat dies in ihrem funktionalen Test auch bestätigt.

Euro NCAP
Euro NCAP

Wenn das stimmt, wie kann die NCAP dann ernsthaft die Punktzahl in der dritten Kategorie, in welcher der Name und die Interaktion mit dem Fahrer als Hauptthema genannt wurden, so stark reduzieren, dass die Gesamtpunktzahl des Tests bei unterdurchschnittlichen 6 von 10 Rängen liegt. Dem Leser des NCAP Tests wird dadurch auf irreführende Art und Weise suggeriert die Funktion des Systems wäre anderen Systemen unterlegen.

Das System, das in der Notfall- und Fahrhilfefunktionalität am besten funktioniert und dadurch nachweißlich durch jahrelange statistische Daten beweist, dass es Unfälle und Todesfälle um einen Faktor von fast 10 reduziert, wird unterdurchschnittlich bewertet, weil der Name nicht nach den Wünschen der NCAP ausgewählt wurde?

„Nach welchen Maßstäben wird die Sicherheit in Europa eigentlich beurteilt? Macht ein Name ein System funktional wirklich sicherer? Mir ist vollkommen egal wie ein System heißt aber mir ist überhaupt nicht egal wie gut es funktioniert!“

Europäische Verkehrs-Ministerien aus allen wichtigen EU-Ländern sind Mitglied des NCAP und akzeptieren, dass die Verbraucher auf einer Bewertung Systeme auswählen in denen die weniger gut funktionieren Fahrassistenzsystem als führend bezeichnet werden und setzten damit das Leben und die Gesundheit ihrer Bürger bewusst oder unbewusst aufs Spiel!

EU NCAP

Offensichtlich ist nicht der Verbraucher derjenige, der von der NCAP -Punktzahl profitiert, sondern die hiesige Automobilindustrie, die nun behaupten kann, nach dem Test die besten Systeme zu haben, was faktisch falsch sind. Der ADAC auch Mitglied des NCAP erklärte, dass „erwartungsgemäß die teuersten Fahrassistenzsysteme der deutschen Premiumhersteller die besten sind“. Diese Aussage ist faktisch falsch, irreführend und fahrlässig.

Wer behauptet, das deutsche Fahrassistenzsystem sei das Beste, hat die Testergebnisse der NCAP nicht gelesen und macht sich schuldig für Menschen, die sich für ein minderwertiges Fahrassistenzsystem entscheiden und möglicherweise in einen Unfall verwickelt werden. Die europäischen Ministerien, die Mitglieder des NCAP sind, machen sich in ihren Ländern durch vermeidbarer Unfälle, Verletzungen und Todesfälle schuldig. Eine Namenskonvention verursacht keinen Unfall, aber ein schlecht funktionierendes Fahrassistenzsystem tut es.

Wenn wir genau untersuchen, was das Gericht entschieden hat und was die NCAP geprüft und zu welchem Schluss es gekommen ist, kann man mit Fug und Recht behaupten, dass es in diesen Fällen zu viele Merkwürdigkeiten gibt, als dass man sie alle als Zufall bezeichnen könnte.

Selbst Ferdinand Dudenhöfer, der viele Jahre mit seiner Einschätzung zum Thema Elektromobilität und Tesla vollkommen falsch lag hat inzwischen bei der Analyse harter Daten und Statistiken erkannt, dass der Autopilot von Tesla ohne Zweifel Unfälle verhindert und Leben rettet.

Twitter / Screenshot

Das vollautomatisierte Fahren berge ein „gewaltiges Potenzial, das viele Verkehrstote und Verletzte erspart“, schreibt der Branchenexperte der in seinem CAR Institut errechnet das umgerechnet auf die Europäischen Verhältnisse sogar 66% weniger Unfällen vorkommen würden. Das sind 2 von 3 Unfällen!

„Es ist überfällig das in Deutschland bei dem Thema Fahrassistenzsystem und autonomes Fahren endlich Fakten betrachtet werden denn es geht um unser aller Gesundheit und um unser aller Leben.“

Wenn die hiesigen Lobby Gruppen mit Profiten und Arbeitsplätzen argumentieren dann sollte niemand es wagen diese höher zu bewerten als unsere Gesundheit und unser Leben.


Dieser Artikel ist im Oktober 2020 auf der US Webseite www.cleantechnica.com erschienen und wurde in der heutigen deutschen Version mit aktuellen Zahlen, Inhalten und Informationen angepasst.

Über den Autor

Alex Voigt unterstützt die Bewegung der Transformation in eine nachhaltige CO2 freie Welt seit 40 Jahren. Als Diplom Ingenieur ist er fasziniert von der Fähigkeit der Menschheit durch Technology eine bessere Zukunft zu erschaffen. Mit 30 Jahren Erfahrung an den Aktienmärkten ist er ein langfristig orientierter Investor in Tesla (TSLA) als auch anderer Technologieaktien.

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Hallo allerseits,

hier schreibt ein Fahrer von BMW X3e, BMW 530e, Tesla Model 3 (ohne Autopilot), ferner Model 3 mit Autopilot und Audi E-Tron und Mercedes GLC (jeweils nur Testfahren) mit 60.000 km/a. Kurz und knapp: die „deutschen“ Assistenzsysteme sind sehr gut, wenn es darum geht, die Geschwindigkeit einzuhalten und hinter dem Vordermann her zu fahren. Alles andere ist schlicht weg miserabel und sehr gefährlich, da die Spurhalteassistenten den Geist aufgeben ohne richtige Warnung. Der Tesla kann nicht so gleichmäßig auf fahrende oder stehende Fahrzeuge „andocken“, reagiert oft übervorsichtig und bremst bei Gegenverkehr im Ort stärker ab. Jedoch ist er wesentlich besser bei der Spurhaltung, kann auch ohne Autopilot im Ort der Straße ohne Lenkeingriff folgen (auch 90 ° Kurven!), kann in Autobahnabfahrten selbsttätig sauber herunter bremsen. Mit Autopilot kann bei eingeschaltetem Navigationssystem das Fahrzeug selbstständig von einer Autobahn auf die andere wechseln inclusive Blinker setzen, kein Lenkeingriff erforderlich, selbst beschleunigen und abbremsen.

Mit welchem System wer hier arbeitet, ist sekundär. Emotionale Kommentare über das Vertrauen in das System etc. kann man sich sparen – das Ergebnis zählt. Vielleicht kommen ja die heute im Ergebnis rückständigen Systeme irgend wann mal einen Schritt weiter und auf die Überholspur. Dann berichte ich gerne positiv.

Ein Auto, das mit mehreren Kameras die Umgebung detektiert, wird in Zukunft in der Lage sein, sich ebenso wie der beste Fahrer durch die Straßen zu bewegen. Ich meine, Tesla ist auf dem richtigen Weg. Ich kenne niemanden, der mit Lidar (am Kopf 🙂 ) ausgestattet ist. Keiner wird ernsthaft in Frage stellen, dass wir als Menschen ungeeignet sind, ein Auto zu fahren.
Level 5 mit einer Steuerung von außerhalb des PKW zu erreichen ist meiner Meinung nach schlicht unrealistisch. Maximal auf kurzen Strecken oder Loops. Weder ist es möglich ein allumfassendes Netzwerk zur Steuerung an allen Straßen aufzubauen noch die Autos auf den Straßen aufeinander abzustimmen.
Detailliertes Kartenmaterial ist schon eher eine Lösung, vielleicht auch in Verbindung mit Lidar. Was ist aber wenn die Kreuzung umgebaut wird, wie verhalte ich mich denn als Autofahrer? Ich suche mit den Augen einen Weg durch die Baustelle. Sicher ist es schwer vorstellbar das sich ein solcher „Computer“ (nach)entwickeln läßt. Ich traue Tesla das zu. Den „Drivepilot“ für die Nutzung im Stau brauche ich von Mercedes nicht, schon gar nicht mit Lidar! Den gibt es bereits bei der Konkurrenz!

An Hiker: Na dann lade ich Sie zu einer Probefahrt in meinem Tesla ein, es ist lachhaft, mir sowas zu unterstellen. Nach wie vor funktioniert die Schildererkennung im Model S nicht! Ihr Kommentar ist falsch, rufen Sie doch mal bei Tesla an ob das Model S Schilder erkennen kann, dann reden wir weiter! Vielleicht nehmen Sie dann Ihren unpassenden Kommentar zurück.
Der E-Techniker (Elektrolurch)

Na Hiker, wo bleibt ihre Antwort? Kalte Füße bekommen? Tesla arbeitet mit Kartenmaterial und dort gibt es ständig Updates aber was ist z.B. mit Baustellen bei denen die Geschwindigkeiten auf 80 begrenzt wird? Mit dem Tesla-Autopiloten würden Sie mit der eingestellten Geschwindigkeit (z.B. 130) dann alt aussehen und bei Überschreitung wird es bekanntlich teuer, wenn man geblitzt wird, mit Schildererkennung regelt das System bei vielen Autoherstellern runter oder warnt. Ich behaupte mal Sie, sind noch nie Tesla gefahren, sonst würden Sie nicht solch einen Unsinn schreiben, eine Entschuldigung wäre angebracht. Und mit VW habe ich überhaupt nichts am Hut! Also nochmal: Tesla hat z.Zt. keine Schildererkennung! Wäre nett wenn mir weitere Teslafahrer zustimmen würden. Solche Kommentare brauchen wir hier nicht!
Der E-Techniker (Elektrolurch)

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