StreetScooter stellt noch 2020 die Fertigung und Suche nach einem Käufer ein

Copyright Abbildung(en): StreetScooter // obs/Ford-Werke GmbH

Geringe Nachfrage, technische Probleme und weitere Herausforderungen lassen das Geschäft der Deutschen Post mit StreetScooter alles andere als gut aussehen, wie wir Mitte Februar erfahren haben. Ein erneuter Wechsel an der Spitze und die Suche nach einem Käufer verhießen ebenfalls nichts Gutes. Mittlerweile steht fest: Bis Ende 2020 stellt die Post die Produktion der E-Transporter der Marke “StreetScooter” ein. Auch die Suche nach einem Käufer für die Marke ist beendet.

Noch in 2020 soll die Fertigung der Elektro-Transporter komplett eingestellt werden. Wie ein Sprecher mitteilte: “Neubestellungen wird es keine mehr geben”. Die Auslieferung von bestellten Fahrzeugen werde sich voraussichtlich noch bis ins nächste Jahr hinziehen. Des Weiteren nehme man auch Abstand von der Suche eines Käufers für das Unternehmen. Wie wir berichtet hatten, müsste das Unternehmen, um langfristig und erfolgreich gegen andere Autohersteller antreten zu lassen, dreistellige Millionen-Euro-Beträge in die Entwicklung wie auch die Fertigung stecken. Ein Wagnis, welches Investoren und Firmen wohl nicht eingehen wollen. Sowie die Deutsche Post DHL Group wohl auch nicht mehr.

“Dank StreetScooter haben wir eine der größten elektrisch betriebenen Lieferflotten der Welt und bedeutende Impulse in Sachen Elektromobilität gesetzt. Wir haben immer gesagt, dass wir kein Autohersteller sein wollen. Eine weitere Skalierung ohne den richtigen Partner entspricht nicht unserer langfristigen strategischen Zielsetzung.” –  Frank Appel, CEO Deutsche Post DHL Group

Das Unternehmen teilte weiter mit, stattdessen werde die Konzerntochter zu einem reinen Betreiber der Bestandsflotte. Der Vorstand rechnet deshalb für 2020 mit einmaligen Aufwendungen von 300 bis 400 Millionen Euro. Geplant war, dass man die “führende Plattform für Energie- und Logistikdienstleistungen werden”wollte. Die Expansion nach China und USA unterstützten diese Pläne. Doch es soll wohl nicht sein.

Verkauf nach China kurzfristig geplatzt

Mit diesen neuen Erkenntnissen bekommt auch der Abgang des ehemaligen CEO Mitte Februar eine andere Bedeutung. Dies geschehe im “gegenseitigem Einvernehmen mit sofortiger Wirkung”, so die Deutsche Post zum Abgang von Jörg Sommer. Grund für den Abgang seien “unterschiedliche Auffassungen zur zukünftigen Ausrichtung des Unternehmens”. Wie Branchendienst Electrive.net erfahren haben will stand StreetScooter im Januar kurz vor dem Verkauf an den chinesischen Joint-Venture-Partner Chery.

Eine Vereinbarung, insofern sie unterzeichnet werde, sollte im März verkündet werden. Der Kaufpreis für StreetScooter hätte sich hierbei im niedrigen dreistelligen Millionen-Bereich bewegt. Die genauen Gründe für das Scheitern sind nicht bekannt. Gemeinsam mit dem chinesischen Autobauer Chery wollte man im großen Stil in China einsteigen. Neben der Fertigung ist auch der Aufbau eines Standorts für Forschung und Entwicklung in China mit den Schwerpunkten eLCV-Komponentenentwicklung, Technologie, Fahrzeugarchitektur und -design, autonome Logistik- und Energielösungen geplant. Was aus diesen Plänen wird ist unklar.

Quelle: Automobilwoche – Post stellt Streetscooter-Produktion ein // Electrive.net – Verkauf geplatzt: Post will StreetScooter-Fertigung einstellen

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13 Antworten

    1. Man hat doch Modelle für Handwerker und Kleinunternehmer angeboten, konnte aber kaum Interesse wecken. Neben 500 Stück an ein japanisches Logistik Unternehmen konnten gerademal 1500 Stück abgesetzt werden. Das Gros der Produktion, angeblich 10.000 Stück gibt an die Post selbst.

  1. Eine traurige Entwicklung aber auch eine schlagender Beweis dafür, dass ein Elektro-Fzg eben nicht so einfach zusammenzudengeln ist wie sich das viele Laien und Startups denken. Jetzt kriegen auch die Hoffnungen auf den Sion und die Zukunft des e.go einen herben Dämpfer. Parallel dazu kommen die Dinos am Markt mit ihren Fahrzeugen inzwischen in Bewegung.

    Es bleibt spannend.

  2. Diese Entscheidung ist viel zu früh gefallen. Jetzt werden die Chinesen z.B.Maxus EV80) mittelfristig das Segment übernehmen. Schade. Unsere örtliche Großbäckerei beliefert ihre Filialen mit dem StreetScooter. Und das bisher offenbar ohne Probleme.

    @Egon Meier: Die Technik gibt es von der Stange und es muss nichts “gedengelt” werden.

    Es ist eher das allgemeine Problem in den Köpfen, was in D den Hochlauf von E Fahrzeugen bremst.

  3. Ja schade 🙁 Wenn ich sowas lesen muss, würde ich gerne die Produktion und die Bücher sehen um mir selbst ein Bild machen zu können, warum sowas nicht funktioniert.

  4. Wofür braucht es 300 bis 400 Mio. Euro, um eine “Bestandsflotte” (wieviel Fahrzeuge? –> wieviel Euro pro Fahrzeug) am Laufen zu halten?
    Die Fahrzeuge müssten ja schon bezahlt und die Infrastruktur schon vorhanden sein und Wartungskosten bei e-Fzg. sollen ja gering sein …

  5. Als die Post alle etablierten Transporter Hersteller fragte, ob sie ihnen solch ein Elektro Fahrzeug anbieten und liefern können – da haben alle abgewunken und gelacht. TDI forever, der Goldesel sollte weiter rußen. Dann wurde von engagierten und mutigen Leuten dieses Start Up Fahrzeug gebaut und war plötzlich im Trend. Tja und da mussten die Hersteller die früher gelacht haben plötzlich umdenken, der Goldesel stirbt und jetzt drängen sie mit Macht ins Elektro Geschäft. Da werden dann alle Lobbyisten aktiviert und die Politiker Telefone laufen heiß. Der lästige Konkurrent wird rausgedrängt und schon bald wird man VW usw. Elektro Transporter fahren bei der Post.

  6. Tja, ein Bisschen Recht hat der Meier. Ganz so einfach ist es wirklich nicht ein E Auto zu bauen. Alleine der Akku und das dazugehörige BMS mit den neuen E Motoren abzustimmen kann nicht bei einem Schuhmacher in Auftrag gegeben werden. Betr. Dinos, aber in Zwickau bewegt sich halt auch erst wenig um strassentauglich fertig zu werden, wa.

    1. Wer 20 Jahre techn. Entwicklung auf dem Software Sektor verschläft bzw. durch Betrug versucht um Innovation herum zu kommen … Der tut sich jetzt natürlich schwer. VW versucht es wenigstens, Ford Europa z. B. hat ja gar nichts zu bieten. Nur ein einziges e-auto (1!) und das ist Made in USA. So ist Ford Europa der nächste Fusionskandidat oder geht in ein paar Jahren in Insolvenz.

  7. Avanti dilettanti. Es gab eine Reihe technischer Probleme. Viele davon von Zulieferern verursacht, wie fehlerhafte Batterien oder Cadmium-belastete Ladegeräte. Das alles ist aber normal und betrifft jeden Hersteller. Das wesentliche Moment für das Scheitern liegt also woanders. Ich zitiere:
    /* Das Fahrzeug sei technisch sehr simpel gehalten, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. „Die Reichweite ist überschaubar, und die Herstellung in der Manufakturarbeit dürfte sehr teuer sein.“ Der Professor verwies auf die aus seiner Sicht insgesamt niedrigen Zulassungszahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA). „Das ist nach meiner Einschätzung alles andere als eine Erfolgsgeschichte für die Post.“ Man brauche hohe Stückzahlen und eine stabile Nachfrage. „Eigengeschäfte wie die jetzt mitgeteilten 10.000 Fahrzeuge sind ebenfalls nicht unbedingt ein Ausweis für hohe Profitabilität.“ */

  8. War vorauszusehen. Spartanisch ausgestattet und zum Preis von 2 VW caddys. Welcher Handwerker macht das? Das Auto war leider nur was für Firmen die auf Öko machen wollten. Ich bezweifel das sich das auto jemals gerechnet hätte. Und jetzt drängen die Großen Firmen mit besser ausgestatteten und billigeren Autos auf den Markt. Siehe E.go , der neue up und zoe werden im leider den Rest geben….

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