Sevi: Polnischer Elektro-Lieferwagen mit deutscher Beteiligung

Sevi: Polnischer Elektro-Lieferwagen mit deutscher Beteiligung

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Nach dem polnischen E-Auto Izera rückt die heimische Elektroautoindustrie immer stärker in den Fokus Polens. Die Förderung von Projekten, die zum Bau von elektrischen Fahrzeugen in Polen führen soll, wird abermals ausgeweitet. In der Vergangenheit haben Projekte, wie der Triggo und Sokół 4×4, von ebensolchen Programmen profitieren können. Das Nationale Zentrum für Forschung und Entwicklung (NCBiR) hat jetzt umgerechnet knapp 12 Millionen Euro bereitgestellt, um die Entwicklung eines elektrischen Lieferwagens (E-Vans) mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen zu fördern.

Der geförderte E-Van muss entsprechend der Vergaberichtlinien nicht zwangsläufig einen Batterieantrieb haben. Brennstoffzellen sind ausdrücklich erwünscht. Das Ladegewicht soll bei 1.000 kg liegen. Die Reichweite wurde bei Batteriefahrzeugen auf einen Mindestwert von 250 Kilometern veranschlagt. Bei den Brennstoffzellen müssen es mindestens 400 Kilometer sein. Das Fahrzeug muss unter anderem eine hohe Zuverlässigkeit aufweisen, einen funktionellen und ergonomischen Innenbereich, ein ansprechendes Design und mit einer universellen Plattform ausgestattet sein, die für verschiedene Modelle verwendet werden kann.

Die Aktivitäten des NCBiR bedeuten zwar für die polnischen Hersteller eine erhebliche Unterstützung, führen jedoch gleichzeitig dazu, dass Projekte, die auch ohne diese Unterstützung entstehen, eine geringere Aufmerksamkeit erhalten und im Schatten der Wettbewerbsgewinner stehen. So ergeht es z.B. dem N.TRUCK. Der elektrische Lieferwagen der Marke Melex wird voraussichtlich Anfang 2021 in die Serienproduktion gehen. Der N.TRUCK kann laut Herstellerangaben Lasten von bis zu zwei Tonnen transportieren. Sein Handicap ist aber die geringe Reichweite von lediglich 150 Kilometern. In derselben Kategorie findet sich auch der „ELVI“ von Ursus wieder. Obwohl es sich um ein Projekt eines namhaften und großen polnischen Herstellers handelt, ist seine Präsenz in den polnischen Medien marginal.

Für die aktuelle Förderung durch das NCBiR haben sich in der ersten Runde 10 Firmen qualifizieren können. Unter ihnen sind der E-Busbauer Rafako, und die Innovation AG, die den Sokół 4×4 baut. In die nächste und letzte Förderstufe hat es aber das polnisch-deutsche Projekt „Sevi“ geschafft. Die höchste Punktzahl erhielt das Konsortium mit deutscher Beteiligung, bestehend aus Veramo Lab und der Eurabus GmbH. Veramo Lab ist ein prominent besetztes Unternehmen aus Elbląg. Die Führung der Firma obliegt dem ehemaligen Chef des Mineralölriesen Lotos, Marcin Jastrzębski. Nach Bekanntgabe der Ergebnisse der letzten Wettbewerbsrunde lobte der bekannte polnische Manager vor allem seinen Mitarbeiterstab und die gute Zusammenarbeit mit der deutschen Eurabus GmbH.

„Unsere Mitarbeiter verfügen über langjährige Erfahrung bei der Entwicklung von Autos, arbeiteten unter anderem für VW, Mercedes oder Jaguar. Ziel des Projekts ist natürlich die schnelle Aufnahme der E-Vanproduktion. Im Laufe eines Jahres wollen wir die notwendige Produktionskapazität in Polen erreichen, und dann werden wir uns auf die Markteinführung vorbereiten. Die Erfahrung unseres Konsortiums Eurabus ist hier unbezahlbar.“

Veramo hat bisher vor allem Erfahrungen als Zulieferer für E-Busse gesammelt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass der deutsche Partner aus ebendieser Branche kommt. Das Berliner Unternehmen zeichnet sich durch sein internationales Profil aus. Eurabus ist in Polen gerade bei der Vergabe von Entwicklungs- und Forschungsgeldern kein Unbekannter. Letztes Jahr hat sich das Unternehmen ebenfalls zusammen mit Veramo und der Münchener Fuemfe GmbH  beim NCBiR um die Förderung für die Entwicklung von elektrischen Stadtbussen beworben.


Aleksandra Fedorska ist polnisch-deutsche Politologin und Publizistin. Sie arbeitet als Korrespondentin für polnische und deutsche Medien in den Fachbereichen Energiepolitik und E-Mobilität. Fedorska lebt und arbeitet im schleswig-holsteinischen Jagel und in der polnischen Stadt Poznań.

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Weitere 12 Mio für einen Pseudonachbau des Tesla-Semi verpulvert – wieviel deutsche Steuergelder können wohl noch verbrannt werden ?
Wenn jetzt tatsächlich noch Tesla-Berlin erfolgreich boykotiert werden kann, dann wars das bis in ca. 10 Jahren mit europäischem Fahrzeugbau.

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