Seat Mii Electric ausverkauft, Hersteller baut Beatmungshilfen auf Leon-Montagelinie

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Der erste Elektro-Seat, der mit dem VW eUp! und dem Skoda Citogo-e iV baugleiche Mii Electric, ist so begehrt wie Klopapier in der Coronakrise: Er ist für das Jahr 2020 bereits ausverkauft. „Das erste vollelektrische Fahrzeug von Seat ist ein voller Erfolg und wird deshalb auch für das Jahr 2020 nicht mehr verfügbar sein. Leider kann deshalb aktuell der Mii electric nicht mehr ab Werk bestellt werden“, schreibt der spanische Hersteller auf seiner Website, verweist allerdings darauf, dass Händler noch Fahrzeuge auf Lager und im Vorlauf hätten. Wer also noch einen Mii Electric ergattern will, sollte sich sputen.

Der ab 20.650 Euro eingepreiste Mii Electric ist die günstigste Variante von Volkswagens Konzern-Trio im Segment der Einstiegsstromer. VW verlangt für den eUP! mindestens 21.975 Euro, der Skoda Citigo-e iV startet ab 20.950 Euro. Bei allen drei Modellen profitieren Käufer von der in diesem Jahr auf 6750 Euro erhöhten Kaufpreisprämie. Dank Umweltbonus ist der Mii Electric für weniger als 15.000 Euro erhältlich.

Die durchaus als Erfolgsmeldung zu wertende Nachricht kommt wenige Wochen, nachdem Seat ein Rekordjahr verkünden konnte: Im Jahr 2019 hat Seat die positive Entwicklung der vergangenen vier Jahre fortsetzen können und das beste Finanzergebnis seiner Firmengeschichte erzielt. Damit sieht sich der spanische Automobilhersteller optimal für die Herausforderungen des Jahres 2020 gerüstet. Die Seat S.A. verbuchte einen Gewinn von 346 Millionen Euro nach Steuern, das entspricht einem Plus von 17,5 Prozent im Vergleich zum Jahr 2018 (294 Millionen Euro). Der operative Gewinn stieg um 57,5 Prozent auf 352 Millionen Euro (2018: 223 Millionen Euro), der Umsatz stieg dank höherer Verkaufszahlen um 11,7 Prozent auf 11,157 Milliarden Euro (2018: 9,991 Milliarden Euro).

Im Jahr 2019 hat Seat insgesamt 1,259 Milliarden Euro in sein Investitionsprogramm gesteckt, die bislang höchste Investitionssumme der Firmengeschichte. Vor allem die Entwicklung neuer Modelle und elektrifizierter Antriebe wurde vorangetrieben. Im Vergleich zum Vorjahr steigerte Seat damit die Investitionen um drei Prozent (2018: 1,223 Milliarden Euro). 705 Millionen Euro, also 6,4 Prozent des Gesamtumsatzes, wurden in die Forschung und Entwicklung investiert, was einer Steigerung um 7,5 Prozent gegenüber 2018 (656 Millionen Euro) entspricht.

Umweltstrategie namens „Move to Zero”

Als Teil seines Engagements, den Klimawandel zu bekämpfen und den CO2-Ausstoß zu senken, hat Seat 27 Millionen Euro in nachhaltige Initiativen am Standort Martorell in Spanien investiert. Der Hersteller arbeitet an einer ambitionierten Umweltstrategie namens „Move to Zero”, die neben weiteren Maßnahmen den Ausstoß von CO2 über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg senken soll. Als wesentliches Ziel gilt dabei das Erreichen einer klimaneutralen CO2-Bilanz bis zum Jahr 2030.

Die Automobilindustrie befindet sich am Höhepunkt des größten Wandels ihrer Geschichte. Die nächsten Jahre werden entscheidend sein und bedeutende Veränderungen mit sich bringen, welche die gesamte Industrie erfassen werden. Zu den bevorstehenden Herausforderungen zählen die Entwicklung von Elektroautos, die Reduktion von Emissionen, der Mobilitätswandel, der Kampf gegen den Klimawandel sowie eine ungünstige gesamtwirtschaftliche Situation, die durch die ernstzunehmenden Auswirkungen des Coronavirus ausgelöst wurde. Das Virus zwang auch Seat dazu, einen Teil seiner Belegschaft in Kurzarbeit zu schicken.

„2020 werden wir sehr hart arbeiten und uns unterschiedlich gearteten Herausforderungen stellen, mit denen sich unser Unternehmen konfrontiert sieht. Äußere Einflüsse wie die Konjunkturschwäche und die Effekte der Coronakrise verhindern zum jetzigen Zeitpunkt einen verlässlichen Ausblick auf die Weltwirtschaft und die Entwicklung von Seat im Jahr 2020. Vor diesem Hintergrund ist die Implementierung von Maßnahmen zur Sicherung der Liquidität von Seat von höchster Bedeutung, solange diese Krise anhält. Sobald sie vorbei ist, liegt unser Fokus auf der zeitnahen Wiederaufnahme unserer normalen Produktions- und Verkaufsabläufe.” — Carsten Isensee, Vorstandsvorsitzender der Seat S.A. und Vorstand für Finanzen und IT

Um für die Herausforderungen gewappnet zu sein, hat Seat im Jahr 2019 strategische Entscheidungen zu bedeutenden Projekten gefällt. Vor dem genannten Hintergrund und aufgrund der überarbeiteten Marken-, Verkaufs- und Produktionsstrategie des Volkswagen Konzerns hat der Hersteller seinen Markteintritt in China verschoben. Seat wird zudem kein Mitglied der Beteiligungsstruktur von JAC Volkswagen. Weiterhin kooperieren wird Seat jedoch in den Bereichen Design sowie Forschung und Entwicklung. Volkswagen übernimmt die Führung bei der Entwicklung des Modularen E-Baukastens (MEB) für Fahrzeuge mit rund vier Metern Gesamtlänge. Seat wird sich, gemeinsam mit anderen Konzernmarken, aktiv an dessen Entwicklung beteiligen.

Seat und seine Performance-Tochter CUPRA wollen in diesem und dem kommenden Jahr fünf Modelle mit Elektro- und Plug-in-Hybridantrieb auf den Markt bringen und damit das Angebot an elektrisch angetriebenen Fahrzeugen über den bereits verfügbaren Seat Mii electric hinaus erweitern. Im Jahr 2020 will das Unternehmen zudem sein Engagement rund um urbane Mobilität vorantreiben und zum ersten Mal in der 70-jährigen Unternehmensgeschichte einen Elektroroller sowie einen e-Kickscooter anbieten. 2019 konnte Seat bereits 11.000 Einheiten des Seat eXS KickScooter absetzen. Mit diesen Fahrzeugen und der angekündigten Produktoffensive sieht sich Seat für die Herausforderungen rund um den Wandel in der Autoindustrie gewappnet.

Beatmungshilfen von Seat offiziell freigegeben

Seat beginnt in diesen Tagen auch mit der Produktion von mechanisierten Beatmungshilfen im Werk Martorell und leistet somit einen aktiven Beitrag in der Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie. Die Beatmungshilfe, die auf der Montagelinie des Seat Leon produziert wird, wurde nun von der spanischen Zulassungsbehörde für Arzneimittel und Gesundheitsprodukte (AEMPS) für den klinischen Einsatz freigegeben. Seat peilt ein Produktionsvolumen von 300 mechanisierten Beatmungshilfen pro Tag an – es wird täglich nach Rücksprache mit den Behörden angepasst, um keine unnötigen Lagerbestände zu erzeugen.

Das Gerät mit dem Namen OxyGEN wird kostenlos zur Verfügung gestellt und wurde von der Firma Protofy.xyz unter der medizinischen Koordination von Dr. Manel Puig Domingo (Germans Trias i Pujol Institut für gesundheitswissenschaftliche Forschung), Dr. Oriol Estrada (Germans Trias i Pujol Krankenhaus) und Dr. Josep María Nicolás (Clínic Krankenhaus) entworfen. Die Zusammenarbeit zur Realisierung war in den vergangenen zwei Wochen ein Rennen gegen die Zeit. Der Industrialisierungsprozess stand unter der Leitung von Seat und wurde von weiteren Partnern unterstützt.

Die mechanisierte Beatmungshilfe, die von einem angepassten Scheibenwischermotor angetrieben wird, produziert Seat auf der Montagelinie des Seat Leon. Jedes Gerät hat mehr als 80 elektronische und mechanische Komponenten, die eine Qualitätsprüfung sowie einen Sterilisationsprozess mittels UV-Licht durchlaufen müssen.

Quelle: Seat — Pressemitteilungen vom 25.03.2020 und 06.04.2020

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3 Antworten

  1. Für mich das Tollste: 2 Wochen haben gereicht, die Produktion möglich zu machen und alle nötigen Freigaben zu erhalten! Wo war da die Bürokratie??? Sie wurde vermutlich nicht zugelassen. Die Corona-Krise machte es möglich!
    Hoffentlich wirkt so eine Erfahrung lange nach und dient allen anderen als Vorbild und Motivation, zukünftig die “Entschleunigung durch Bürokratie” zu beseitigen.

    Und sonst: Bestimmtes (?) UV-Licht und höchstwahrscheinlich auch Sonnenlicht tötet die Corona-Viren auf Oberflächen (z.B. auf Mänteln, Schuhen, Einkaufsbeuteln) – egal ob e-Auto- oder Verbrennerauto-Fahrer oder …

  2. Super positiv, die Erfolge von Seat, die werden durchstarten können. Vergesst China lieber ganz…. die habt ihr nicht nötig. So machens auch die AMI s. Baut alles vor Ort. Dies sollten sich auch die Italiener hinter die Ohren schreiben.
    Es ist anzunehmen, dass sobald wir auch bei uns 35° haben, es mit Corona rasant zurückgehen wird. So war es auch in den in den heissen Nachbarländern von China, wo es auch im Winter so heiss war. Dann gibt’s nur noch Neuansteckungen von neu Eingereisten.

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