Schlusssprint zur CO2-Ziel-Erfüllung stärkt Europas E-Automarkt massiv

Schlusssprint zur CO2-Ziel-Erfüllung stärkt Europas E-Automarkt massiv

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Erst vor kurzem konnten wir berichten, dass Europas Elektroauto-Markt an China vorbei rast – ohne Tesla-Rückenwind wohlgemerkt. Treibende Kraft hierbei sind vor allem die CO2-Flottenvorgaben für die Hersteller. Auch im letzten Quartal des Jahres wird sich daran nichts ändern. Rückblickend lässt sich für das dritte Quartal 2020 festhalten, dass Europas Elektroautomarkt (PHEV und E-Autos) erneut die Nase vorn hat in puncto Zulassungen gegenüber China. So konnte Europa 361.000 Zulassungen verzeichnen; China „nur“ 342.400 Zulassungen.

Europas Elektroautomarkt weiterhin die Nase vorn gegenüber China

Im Gesamtjahr 2020, bis Ende September, hat Europa mit 751.000 Fahrzeugen gegenüber 733.000 Fahrzeugen, welche es in China auf die Straße geschafft haben, ebenfalls die Nase vorn. Dabei dürfte der europäische Schlusssprint für 2020 erst noch bevorstehen. Denn im letzten Quartal drängen weitere E-Auto- und Plug-In-Hybrid-Modelle auf die Straße und entsprechende Anreize – Förderprogramme und Steuersubventionen – tragen ebenfalls ihren Teil dazu bei. Somit bringen die letzten drei Monate des Jahres die besten Voraussetzungen mit sich, um einen „elektrisch geladenen Sturm über Europas Elektroauto-Markt“ aufziehen zu lassen, wie Automobil-Analyst Matthias Schmidt zu verstehen gibt.

Fast jedes zehnte Fahrzeug (9,7 Prozent), welches in den ersten neun Monaten des Jahres zugelassen wurde, kam mit einem Stecker daher. Im dritten Quartal – für sich alleine betrachtet – stieg der Anteil an „Stecker-Fahrzeugen“, also PHEV oder E-Autos, gar auf 12 Prozent Anteil am Gesamtmarkt. Im September 2020 landete man bei 13 Prozent. Ein deutliches Wachstum ist somit durchaus zu erkennen. In Bezug auf eine Aufteilung des Marktes in Europa bis Ende Q3/2020 ist anzumerken, dass sich Teilzeitstromer für 46 Prozent und reine E-Autos für 54 Prozent an den „Stecker-Fahrzeug-Zulassungen“ verantwortlich zeigen.

Bedenkt man nun, dass rund 56,5 Prozent der Gesamtzulassungen (PHEV und E-Autos) in den Märkten Deutschland (204.251), Frankreich (110.984) und Großbritannien (108.888) erfolgten, wird ersichtlich, welche Bedeutung diese für die Erreichung der CO2-Flottenwerte der Hersteller haben. Daher wird derzeit auch mit einem eher leicht getrübten Blick in die Zukunft geschaut. Denn mit dem kommenden zweiten Lockdown ist damit zu rechnen, dass etwaige Produktionslinien zurückgefahren werden, die Nachfrage trotz Subventionen sinkt und der Gesamtabsatz eventuell doch nicht so stark wie erwartet im vierten Quartal 2020 durchschlägt.

Hersteller rüsten sich für CO2-Pools und sichern sich rechtzeitig zum Erreichen der CO2-Ziele ab

Daher ist es nur nachvollziehbar, dass sich die Automobilhersteller entsprechend vorbereiten und die Grundlage für CO2-Poolings legen. Mercedes-Benz hat immer mehr Modelle mit Plug-in-Hybridtechnologie im Programm und will damit eine breite Kundengruppe ansprechen. Derzeit profitieren PHEV von den sogenannten Superkredite, welche zumindest noch die nächsten Jahre greifen. Diese hatten wir im Artikel: „Analyst: VW ist auf bestem Weg die CO2-Flottenwerten einzuhalten“ bereits erläutert. Durchaus ein Vorteil für die Stuttgarter. Sollte das CO2-Ziel dennoch in nicht erreichbare Ferne verschwinden, hält sich Daimler entsprechende Optionen offen. Durch seinen chinesischen Partner Geely könnte Daimler an VolvoPolestar sowie Lynk&Co gelangen und sich von dort ein entsprechendes CO2-Polster sichern.

Bereits Anfang des Monats konnten wir berichten, dass MG Motors, welches zu Chinas SAIC Motors gehört, für den Zeitraum 2020 bis 2022 dem CO2-Pool des Volkswagen-Konzerns in der EU sowie der Marke SAIC Motors Europe BV beigetreten ist.  Mit der eigenen Marke MG Motors unterstützt man Kooperationspartner VW beim Erreichen der CO2-Emissionsziele in Europa. Parallel dazu arbeite man daran die CO2-Ziele aus eigener Kraft zu erreichen. Laut Thomas Ulbrich, Mitglied des Markenvorstands Volkswagen für das Vorstandsressort „E-Mobilität“, fahren derzeit täglich rund 600 MEB-Stromer vom Band. Ende des Jahres will man bei 800 E-Autos angelangt sein, für das erste Halbjahr 2021 sollen dann 1.500 MEB-Einheiten pro Tag gefertigt werden. Ende Oktober konnten wir berichten, dass diese Taktik aufzugehen scheint. Denn der Hoffnungsträger VW ID.3 blickt zu diesem Zeitpunkt auf 38.000 Bestellungen & 14.000 Auslieferungen.

Nach dem der Plug-In-Hybrid Ford Kuga einen Lieferstopp, aufgrund von Batterieproblemen einlegen musste, scheint man bei Ford nicht mehr ganz so zuversichtlich zu sein, was das Erreichen der CO2-Flottenwerte für 2020 betrifft. Aus diesem Grund habe man sich entschlossen, um hohen Geldstrafen zu entgehen, an den Erfolgen von Volvo Cars teilzuhaben. Bedingt durch den Lieferstopp sei man gezwungen über 400 Millionen Dollar im Zusammenhang mit der Kuga-Garantie, dem CO2-Pooling und anderen Ausgaben zurückzulegen. Eine Tatsache, welche Volvo Cars erfreut. Da diese nun wahrscheinlich einen großen Nutzen daraus ziehen, Ford bei der Einhaltung der Vorschriften zu helfen, um kostspielige Geldstrafen zu vermeiden. Genügend CO2-Budget scheint vorhanden, da man in den ersten neun Monaten des Jahres den höchsten PHEV-Mix aller Hersteller erreicht habe, welcher bei gut 30 Prozent, gemessen an den eigenen Gesamtzulassungen liegt.

Interessant ist sicherlich auch die Tatsache, dass die VDA-Daten für August offenbarten, dass der Gesamtanteil der deutschen monatlichen Produktion von Personenkraftwagen, die auf „Stecker-Fahrzeuge“ entfielen angestiegen ist. So war ungefähr jedes fünfte Fahrzeug (17,4 Prozent) ein Elektroauto oder Plug-In-Hybrid, welches vom Band lief. In Summe wurden somit 204.251 elektrifizierte Fahrzeuge gefertigt. Wohlgemerkt bis Ende September 2020. Im Gesamtjahr 2019 lag man bei 194.000 Fahrzeugen.

CO2-Flottenwerte in Deutschland sinken weiter

Die durchschnittlichen CO2-Emissionen der deutschen Flotte lagen bei nur 134,3g/km (WLTP) im September. Ein neues Rekordtief seit dem der WLTP-Zyklus eingeführt wurde. Zum Vergleich: Die jüngsten Daten für Großbritannien verzeichneten einen leichten niedrigerer 136 g/km WLTP-Level im Juni (neueste Daten) laut deren Regierungsdaten. Es wird erwartet, dass beide Märkte weiterhin in den kommenden Monaten erhebliche Rückgänge verzeichnen. Insbesondere in Deutschland sei Ende des vierten Quartals mit einem großen Rückgang zu rechnen.

Quelle: Matthias Schmidt – The European Electric Car Report West European Market Intelligence – Edition 09.2020

Über den Autor

Sebastian hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere Alternative Antriebe werden betrachtet.

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Tja, hoffentlich wird jetzt das eingesparte Geld, beim zu „Hausebleiben„ durch Covit, richtig in umweltfreundliche Autos investiert. Zumindest bei denen wo der Job noch sicher ist.

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