Porsche-Chef Blume: „Porsche soll eine Zero-Impact-Company werden“

Copyright Abbildung(en): Porsche

Oliver Blume, Vorstandschef von Porsche, sprach in einem auf dem hauseigenen Unternehmensblog veröffentlichten Interview ausführlich darüber, was er persönlich gegen den Klimawandel unternimmt, wie der Hersteller seinen CO2-Fußabdruck eliminieren will, wie der Elektrosportwagen Taycan bei den Kunden ankommt und warum die Brennstoffzelle für Porsche keine Rolle spielt.

Die größere Aufmerksamkeit für den Klimawandel in den letzten Monaten hat dazu geführt, mein eigenes Verhalten zu überprüfen und anzupassen“, sagt der Porsche-Chef zu Beginn des Interviews. Er nutze nun zum Beispiel häufig öffentliche Verkehrsmittel, versuche auf Plastiktüten zu verzichten und bringe beim Einkaufen seine eigenen Taschen mit. „Zudem kompensiere ich CO2 bei Flügen“, so Blume. Es gebe „immer Möglichkeiten, sich zu verbessern – beim eigenen Verhalten fängt es an.“

Blume findet es positiv, dass die Klimadiskussion, etwa durch die Bewegung Fridays for Future „noch mehr an Bedeutung gewonnen hat“. Das gebe auch dem Sportwagenhersteller „immer wieder neue Impulse, die eigene Strategie zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.“ Porsche setze dabei „auf eine flexible Antriebsstrategie: emotionale Verbrenner wie den 911, starke Hybride wie beim Cayenne und Panamera und innovative E-Mobile wie den Taycan.“

Wichtig beim Wandel hin zu einer nachhaltigen Industrie findet es Blume, „die richtige Balance zu finden“. Umfassende Veränderungen können „nicht von heute auf morgen“ stattfinden, da Unternehmen Verantwortung tragen „für Mitarbeiter, Arbeitsplätze und für wirtschaftliche Erfolge, die dann wieder über Steuern zahlreiche nachhaltige Maßnahmen möglich machen.“ Er gibt zwar zu, dass der Wandel „aus ökologischer Perspektive nicht schnell genug gehen“ könne, gleichzeitig müsse man aber auch das Machbare berücksichtigen. „Wir als Industrie stehen gemeinsam in der Pflicht zu zeigen, was technologisch möglich ist und wo es Grenzen gibt.“ Das sei „wie im Sport: Wenn ich die Latte zu hoch lege, dann springt am Ende keiner mehr.“

„Der Sound hat nichts mit den Fahreigenschaften zu tun“

Um nachhaltiger zu werden, will Porsche seine Fahrzeuge künftig klimaneutral produzieren, oder wie Blume sagt: „Porsche soll eine Zero-Impact-Company werden. Also ein Unternehmen ohne ökologischen Fußabdruck“. Wichtig auf diesem Weg seien „messbare Etappenziele“, wie etwa der Einsatz von Ökostrom. Blume zufolge „nutzen seit drei Jahren alle deutschen Porsche-Betriebsstätten zu 100 Prozent Naturstrom“. In den vergangenen fünf Jahren sei es mit Maßnahmen wie diesen bereits gelungen, den CO2-Ausstoß pro Fahrzeug in der Produktion um 75 Prozent zu senken. Auch für die Zulieferer gelten demnach „klare Regeln“. Porsche habe „erste positive Schritte gesetzt. Gleichzeitig liegt noch viel Arbeit vor uns.“

Porsche hat es dabei nicht leicht, schließlich ist einer der Hauptgründe für viele Käufer der kräftige Motor der Fahrzeuge mit seinem so typischen Röhren. „In meiner Generation lieben viele den Sound. Wir haben gelernt, dass er mit Beschleunigung und Fahrdynamik gleichzusetzen ist“, erklärt Blume dieses Phänomen. In der Realität habe allerdings „der Sound nichts mit den Fahreigenschaften zu tun. Meine Kinder werden in Zukunft einen röhrenden Motor nicht mehr damit verbinden, wie leistungsstark ein Fahrzeug ist. Sie setzen eher auf ein innovatives, digitales Auto – wie den Taycan“.

„Als Porschefahrer will man Trendsetter sein“

Eben dieser Taycan, das erste Elektroauto des Sportwagenherstellers, komme bei den Porsche-Käufern gut an: „Genau dieses Auto suche ich“, sollen viele Kunden unmittelbar nach der Vorstellung des Modells mitgeteilt haben. Und mehr als 30.000 Vorbestellungen sprechen für sich. „Als Porschefahrer will man Trendsetter sein, die neuesten technologischen Möglichkeiten nutzen“, sagt Blume. „Und mit dem Taycan kann man sportlich und zugleich CO2-frei fahren, sozusagen mit gutem ökologischen Gewissen. Wir sind ein Pionier für nachhaltige Mobilität, verbinden den Sportwagen mit Nachhaltigkeit.

Auch an der Nachhaltigkeit seiner dann doch recht durstigen Verbrenner arbeitet Porsche Blume zufolge. Dabei sei die Strategie, CO2 zunächst wo möglich zu vermeiden, in den anderen Fällen zu reduzieren und erst an dritter Stelle zu kompensieren. Zum Beispiel gebe es neuerdings ein Programm mit dem Namen Porsche Impact, „bei dem unsere Kunden den ökologischen Fußabdruck ihres Autos neutralisieren können.“

Außer auf Elektroautos setze Porsche perspektivisch auch auf synthetische Kraftstoffe, „weil wir hier zukünftig Möglichkeiten auch für alle Bestandsfahrzeuge sehen“. Allerdings seien E-Fuels momentan noch zu teuer in der Herstellung. Eine Brennstoffzelle als Antrieb in einem Sportwagen sieht Blume nicht, sie sei eher für schwere Fahrzeuge geeignet. Entscheidend für die Zukunft im Fahrzeugbau es, „die richtige Antriebsart für den richtigen Anwendungsfall zu entwickeln.“

Quelle: Porsche — „Eine sehr deutsche Diskussion“

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11 Antworten

  1. Es amüsiert mich immer wieder zu lesen wie sich plötzlich alle Konzerne Sommers wie Winters 100% Ökostrom aus dem Netz saugen. Die Anhänger der Grünen fürs traute Heim sowieso. Dem Fußvolk bleibt dann nur noch der schmutzige Strom, den kann man dann auch getrost abschalten.Halleluja, wenigstens sind vor Gott und dem Netz alle Menschen gleich…

      1. Was will uns “Wännä” mit seinem Kommentar sagen?
        Das er Ahnung hat? Das er über den Dingen steht? … Sonst noch was?
        Ich weiß es nicht!
        Die Antwort von Herrn Eberle mag leicht lässig sein. Aber ich frage mich auch, wo die einen plötzlich all den Ökostrom hernehmen und welchen Strom dann die anderen haben (dürfen/können/müssen) …
        Fakt ist: Der Anteil des Ökostroms hat sich stark erhöht in den letzten Jahren, aber die möglichst schnelle weitere Erhöhung dieses Anteils wird politisch “irgendwie” behindert. DORT muss unbedingt etwas verbessert werden – damit Porsche und alle anderen Ökostrom möglichst ohne Ende verwenden können…

  2. Warten ob den Worten auch Taten folgen…..klingt erst mal gut aber das umzusetzten erfordert sehr viel wille zur Investition. Große Investitionen die keinem Aktionär schmecken weil sie sich nicht so schnell gegenrechnen lassen. Auch üppige rendite gehören dann der Vergangenheit an.
    Genau das trau ich keinem deutschen Autobauer zu.

  3. Starke Aussage: “Um nachhaltiger zu werden, will Porsche seine Fahrzeuge künftig klimaneutral produzieren, oder wie Blume sagt: „Porsche soll eine Zero-Impact-Company werden. Also ein Unternehmen ohne ökologischen Fußabdruck. Auch für die Zulieferer gelten demnach „klare Regeln“.
    Diese werfen noch ein paar Fragen über die Nachhaltigkeit: Wird den Fußabdruck von den Mitarbeitern auch miteinberechnet? Werden die Fahrzeuge nur an ausgesuchten (klimaneutralen) Kunden verkauft? Oder ist alles wie bisher der Verursacher d.h. Kunde zahlt die Ökorechnung.

    1. 1.: Nein, werden sie nicht. 2.: Auch nein.
      Der Kunde und Arbeitnehmer steht in Eigenverantwortung! Es wäre ein leichtes, diese Bürde seinem Arbeitgeber aufzulegen und falls man als Autokunde einen mehrseitigen Fragebogen bestehen müsste, um ein Auto dort kaufen zu dürfen… Ich schreibe nicht weiter. Allein der Gedanke ist so unsinnig und hat so wenig mit den Aussagen des Porsche Vorstandschef im Artikel zu tun, da lohnt sich die Mühe nicht.

  4. Um den Porsche Taican noch interessanter zu machen, muss seine Reichweite verdoppelt werden. Der Preis darf niedriger sein, als bisher. Ansonsten gehört der Markt für immer Tesla. MFG Seru

    1. Der Tesla Markt ist ein ganz anderer. Das Model S spielt in den Verkäufen keine Rolle mehr und kann als Fußnote abgehakt werden. Der Taycan hat keine Konkurrenz im Hause Tesla – das Model S ist nicht vergleichbar. Ja, der Massenmarkt gehört (noch) Tesla. Porsche hat den Taycan da jedoch gar nicht positioniert. Er ist in dem E-Sportwagensegment noch einzigartig und wird seine Kunden finden. Ungeachtet des Preises und der maximalen Reichweite.

  5. Hallo Porsche, last euren Worten Taten folgen. Rund um eure Fabriken Windräder bauen wo es sinnvoll ist und alle Gebäudedächer mit PV zu pflastern. Das wäre mal ein toller Anfang. Nicht nur reden!!!!!!!!!!!

  6. Zwei Dinge sollte man als Unbeteiligter noch wissen:

    1) Stromintensive Industrie lässt sich von der EEG Umlage befreien.

    2) Die Industrie kann an der Strombörse für Centbeträge (und teilweise sogar Bruchteile von Cents) Ökostrom kaufen. Der ist so billig, weil die ganze Zeit hochsubventionierter, von der GroKo geschützter Kohlestrom ins Netz gepumpt wird und der Strom dann irgendwie verbraucht werden muss.

    Aber solange der normale Verbraucher an hohe Festpreise gebunden ist und die EEG Umlage sogar für selbst erzeugten und gespeicherten Strom zahlen muss, kann das System nicht zusammenbrechen. Nochmal Glück gehabt.

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