Mit dem Mercedes-Benz EQV auf der Schwäbischen Alb

Copyright Abbildung(en): Deniz Calagan | Mercedes-Benz

Ist der Mercedes-Benz Vito eTourer der Spezialist für Handwerk, Handel und Service, dann dürfte der Mercedes-Benz EQV der Spezialist für Shuttle-Services, Taxi-Unternehmen und Familien sein. Denn genau in diesem Umfeld fühlt sich die vollelektrische Großraumlimousine wohl. Davon konnte ich mich zu Beginn der Woche in Stuttgart überzeugen, als der EQV gemeinsam mit mir zu einer über 180 km langen Reise über die Schwäbische Alb angetreten ist. Und dennoch ist es so, dass die beiden Stromer mehr gemeinsam haben, als man auf den ersten Blick vermutet. Doch dazu im Verlauf des Artikels mehr.

Stuttgart - Immer wieder eine Reise (für den EQV) wert

Nach der Ankunft in Stuttgart, am dortigen Hauptbahnhof, ging es mit dem Mercedes-Benz EQC als Shuttle zur Stuttgarter Zentrale. Dort präsentierten sich die Großraum-Stromer bereits von ihrer besten Seite. Aufgereiht in Reihe und Glied warteten diese auf Journalisten, welche sich die E-Limousine etwas genauer ansehen wollten. Frischgestärkt mit einer Tasse Kaffee ging es zunächst an die theoretische Einweisung. Bevor es dann hieß einsteigen und losfahren.

Extrem viel neue Dinge, im Vergleich zum eTourer, gab es nicht zu beachten. Eher die Feinheiten, die eben den Unterschied zwischen den beiden Fahrzeugtypen machen. Alleine schon durch die Tatsache, dass der EQV mehr im Bereich der Personenbeförderung und nicht in der Beförderung von Werkzeugen, Materialien, usw… zum Einsatz kommt, lässt verstehen, warum dessen Interieur wertiger anmutet. Der EQV setzt, wie der Name bereits vermuten lässt, auf der V-Klasse von Mercedes-Benz auf. Eben nur vollelektrisch und im Jahr 2020 angekommen.

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Doch so ganz neu sind all diese Informationen gar nicht für uns. Denn der EQV von Mercedes-Benz hat schon des Öfteren seinen Teil dazu beigetragen, dass Elektroauto-News.net seinen Weg nach Stuttgart gefunden hat. Bereits ganz zu Beginn waren wir dabei, als das Concept EQV einen Ausblick auf die elektrische Großraumlimousine offenbarte, bei der Weltpremiere des EQV waren wir ebenfalls zugegen. Bei dieser Gelegenheiten haben wir uns zudem noch mit Markus Reis, Product Management Mercedes-Benz EQV, über das E-Fahrzeug unterhalten. Daher war es in der Tat nur konsequent, dass unsere erste Testfahrt ebenfalls in Stuttgart starten sollte.

Mercedes-Benz EQV: Design, technische Daten und mehr im Schnelldurchlauf

Bevor es allerdings mit dem Mercedes-Benz EQV auf die Straße ging, sollten wir das äußerst flexible Fahrzeug zunächst vorgestellt bekommen. Dies übernahm Tina Hezel, Produktmanagerin des EQV. Im Gegensatz zum eVito kommt der EQV in lediglich zwei Längen daher und nicht in drei. Für unsere Testfahrt stand uns der EQV 300 lang zur Verfügung. Dieser kam in der Farbe obsidianschwarz metallic daher, welche für einen Aufpreis von 940,00 Euro erhältlich ist.

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Zu erwähnen ist zudem noch die Tatsache, dass der EQV 300 nicht nur der dritte Elektro-Van von Mercedes-Benz ist, sondern auch das zweite Modell der EQ Familie von Mercedes-Benz. Dabei zeigt sich beim Elektro-Van das gleiche eingängige Design mit avantgardistischer, eigenständiger Ästhetik, wie man es vom EQC kennt. Im Zentrum stehen der Black Panel-Kühlergrill mit Chromlamellen sowie die klare Seitenansicht. Die Ästhetik des Exterieurs setzt sich auch im Innenraum fort.

Wobei hier direkt anzumerken ist, dass unser Testfahrzeug über die sogenannte AVANTGARDE Line verfügt, diese schlägt zusätzlich mit 5.173,00 Euro Aufpreis zu Buche. Des Weiteren kam der Stromer mit dem EQV Design-Paket Exterieur (1.450,00 Euro) sowie dem gleichen Paket fürs Interieur (1.350,00 Euro) daher. Ein Vergleich auf Augenhöhe zur elektrischen Großraumlimousine, welche derzeit in der Basisversion ab 59.900,00 Euro (netto) auf die Straße kommt ist somit nicht ganz gegeben. Wobei sich die Basisversion rein optisch und hinsichtlich der Ausstattung ebenfalls nicht zu verstecken braucht.

Wie EQV-Produktmanagerin Hezel zu berichten wusste, kommt der Elektromotor des Stromers auf eine Spitzenleistung (Peak) von 150 kW (204 PS), eine Dauerleistung von 70 kW (95 PS) und ein maximales Drehmoment von 362 Newtonmetern. Wie man es von anderen E-Autos gewohnt ist fährt sich auch der EQV, trotz seiner massiven Erscheinung, komfortabel, leise und agil; nicht zuletzt dank des tiefen Schwerpunkts. Den Strom liefert eine wassergekühlte Lithium-Ionen-Batterie mit einer nutzbaren Kapazität von 90 kWh – verbaut sind jedoch 100 kWh. Durch die Kombination aus E-Motor und Lithium-Ionen-Akku ist es dem E-Auto möglich eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h in Serie zu erreichen. Beziehungsweise 160 km/h, wenn man diese entsprechend als Sonderausstattung freischalten lässt. Hinsichtlich der Reichweite seien 418 km nach NEFZ möglich.

Irgendwann wird selbst der größte Akku leer. So auch im Fall des EQV von Mercedes-Benz. Doch keine Sorge, dieser kann über einen wassergekühlten AC On-Board Lader (OBL) mit einer Leistung von 11 kW geladen werden. Damit ist er für das Wechselstromladen (AC) zu Hause oder an öffentlichen Ladestationen vorbereitet. Geladen wird über die CCS-Ladedose im Stoßfänger vorne links. Über diese wird auch das Laden mittels Gleichstrom (DC) möglich. Damit kann der EQV dank serienmäßiger maximaler Ladeleistung von 110 kW an einer Schnellladestation in rund 45 Minuten von 10 bis 80 Prozent aufgeladen werden.

Mercedes-Benz EQV: Dank Infotainmentsystem MBUX der beste Beifahrer, den man sich wünschen kann

Nicht nur hinsichtlich seines Designs und der technischen Daten weiß der Stromer von Mercedes-Benz zu überzeugen. Gerade die Software des Elektroautos macht den Unterschied im Alltag, wie ich bei der Testfahrt selbst erleben durfte. Denn wie Mercedes-Benz zu verstehen gibt, ist der EQV in ein elektromobiles Ökosystem eingebunden, das den Fahrer unterstützt, ohne Reichweitenangst ans Ziel zu kommen. Schlüssel hierzu sind das Infotainmentsystem MBUX und die Mercedes me App.

Deniz Calagan | Mercedes-Benz

Gesteuert wird MBUX wahlweise über das  10,25 Zoll Touchscreen in der Fahrzeugmitte, als eben auch über die entsprechende App. Hierbei lassen sich sowohl Vorklimatisierung aktivieren, die Ladeeinstellungen anpassen und die Navigation mit Electric Intelligence sowie die Mercedes me Charge-Funktionen bedienen. Zum Punkt Ladeeinstellung anpassen, dort lässt sich beispielsweise regeln wie voll der Akku geladen wird und mit wie viel Energie er an der heimischen Stromversorgung laden soll.

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Spannend und vor allem hilfreich ist aber vor allem die elektrische Intelligenz des Systems, welche beim Planen entsprechender Fahrten zum Einsatz kommt. Rein theoretisch lässt sich die Fahrt über die Mercedes me App im Vorfeld planen und dann einfach ans eigene E-Fahrzeug senden. Beim Start aktualisiert MBUX die per App ans Fahrzeug gesendete Route auf Basis zahlreicher Faktoren wie den aktuellen Verkehrs- und Wetterdaten, der Strecken-Topografie, der aktuellen Reichweite und der verfügbaren Ladestationen.

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Doch damit ist noch nicht Schluss, so wird vom System die bestmögliche Route mit möglichst wenigen Ladestopps und kurzen Ladezeiten gewählt. MBUX kalkuliert hierbei bereits die voraussichtliche Ladedauer mit ein, wobei Schnellladestationen vorgezogen werden und die Batterie in Vorbereitung auf den Ladevorgang vorkonditioniert wird. Während der Fahrt wird die verbleibende Reichweite stets in Echtzeit aktualisiert. Zudem reagiert das System unmittelbar auf Veränderungen der Fahrweise, welche entsprechenden Einfluss auf die Reichweite und damit den Bedarf zum Laden hat.

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Unterwegs auf der Schwäbischen Alb mit dem Mercedes-Benz EQV

Kommen wir nun Mal weg von den reinen Fakten, hin zu den subjektiven Eindrücken aus einer gut dreieinhalb stündigen, 186 Kilometer langen Testfahrt rund um Stuttgart und über die Schwäbische Alb. Wie bereits beim eVito Tourer gilt, PKW sprechen mich mehr an, da ich doch einen gewissen Respekt vor Fahrzeugen der Größe eines EQV mit mir bringen. Wobei dies Mercedes-Benz durchaus so angenehm wie möglich gestaltet. Der Stromer kann zwischen vier Fahrmodi wählen, welche über Taster in der Mittelkonsole ausgewählt werden können. Man hat hierbei die Wahl zwischen:

  • C – oder auch Comfort: Hier nimmt der Fahrer keine Abstriche hin und verfügt über komplette Leistung. Auch in puncto Klimaanlage und Verbraucher im Fahrzeuginnenraum.
  • E – oder auch Eco: Verbraucher und Leistung werden leicht ausgebremst. Aus persönlicher Erfahrung der gelungene Kompromiss für alltägliche Fahrten in der Stadt. Als Fahrer kann man auf 100 kW Leistung (150 kW mit Kickdown) bei maximal 293 Nm Drehmoment zurückgreifen.
  • E+ – oder auch Eco+: Verbraucher und Leistung werden stärker ausgebremst. In Verbindung mit der höchsten Rekuperationsstufe (D–) kommt der eVito Tourer gefühlt nur schwer voran. Hier gilt es entweder das System die Rekuperationsleistung regeln zu lassen oder eine nicht zu starke Rekuperationsstufe über die Pedals am Lenkrad auszuwählen. Die Leistung beträgt 80 kW (150 kW im Kickdown) bei einem maximalen Drehmoment von 293 Nm.

Eben diese Fahrmodi kennt man so bereits vom eVito Tourer. Zusätzlich besitzt der Mercedes-Benz EQV allerdings noch den sogenannten S-Fahrmodus, welcher natürlich für den Sport-Modus steht. Beim Programm S liegt der Schwerpunkt auf bestem Ansprechverhalten für sportliche Fahrperformance. Dies führt zu 150 kW Leistung bei maximal 362 Nm Drehmoment kombiniert mit einer steilen Gaspedalkennlinie sowie einer hohen Heiz- und Klimaleistung. Ausgewählt werden die unterschiedlichen Fahrmodi über einen Drehschalter in der Mittelkonsole, im Tacho des Fahrers und im Touchscreen der Mittelkonsole wird dann angezeigt, welcher Fahrmodi aktuell ausgewählt wurde.

Meine über 186 km lange Testfahrt habe ich im Comfort-Modus bestritten. Zu Beginn habe ich kurz durch die verschiedenen Fahrmodi geschaltet, wollte dann aber bewusst so fahren, wie ich es wohl auch im Alltag machen würde. Gleiches gilt für die Rekuperation. Die Energierückgewinnung im Schub- und Bremsbetrieb (Rekuperation) sorgt für ein optimiertes und effizientes Fahren. Die Intensität der Rekuperation kann individuell über Schaltwippen hinter dem Lenkrad eingestellt werden. Fünf Rekuperationsstufen stehen zur Auswahl. Diese haben wir in diesem Artikel ausführlich betrachtet.

Im aktuellen Fall habe ich dem EQV überlassen wie stark oder schwach er in den jeweiligen Situationen rekuperiert. Denn, in der Stufe „D Auto“ passt der Stromer die Stärke der Rekuperation dynamisch und vorausschauend, basierend auf Daten der Sicherheitsassistenten, der Kamera und der Navigation, zwischen 0 und -2 m/s² an. Während der Testfahrt hat sich dies in der Tat nie falsch angefühlt. Weder zu stark noch zu schwach rekuperiert. Was einfach daran liegt, dass das System auf eine Vielzahl mehr an Daten zurückgreifen kann, welches aufzeigt was in der Situation richtig ist, als es ein Mensch wohl je könnte. Zudem ist es natürlich äußerst entspannend sich nur auf das Fahren zu konzentrieren und sich keine Gedanken zum Rekuperieren zu machen.

"Großraumlimousinen von Mercedes-Benz erfüllen höchste Ansprüche an Funktionalität und Variabilität. Auch der EQV macht hier keine Kompromisse. Er bietet souveräne Fahrleistungen, dynamische Elektro-Ästhetik, intuitive Bedienung und ein großzügiges Raumangebot – und das alles lokal emissionsfrei. Er liefert also alle marken- und segmenttypischen Qualitäten, die unsere Kunden erwarten, ob als Familienbegleiter oder Shuttle-Fahrzeug mit Lounge-Charakter."

Marcus Breitschwerdt, Leiter Mercedes-Benz Vans

Generell war es so, dass Mercedes-Benz bei der Zusammenstellung der Tour darauf geachtet hat, dass von Schnellstraße über Landstraße bis hin zum gemütlichen Fahren im Stuttgarter Stadtverkehr (40 km/h) alles mit dabei war. Im Rahmen der Testfahrt bin ich hierbei stets nach der angegeben Höchstgeschwindigkeit gefahren, um den Stromer unter möglichst realistischen Verhältnissen zu testen.

Deniz Calagan | Mercedes-Benz

Am Ende konnte ich hierdurch auf einen Durchschnittsverbrauch von 24,9 kWh/100 km gelangen, bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 48 km/h. Dabei hat sich der Verbrauch laut Anzeige im MBUX Infotainmentsystem zu 87 Prozent auf das eigentliche Fahren, zu 6 Prozent auf Heizen und Kühlen sowie zu sieben Prozent auf Sonstige Verbraucher aufgeteilt. Durch kluges Rekuperieren des Systems sind bis zu 47,2 km Reichweite zurückgewonnen worden. Wohlgemerkt nur durch die Stufe „D Auto“ ohne aktives Eingreifen meinerseits. Durchaus sehr positiv wie ich finde, da ich einen höheren Energieverbrauch erwartet hätte. 

Deniz Calagan | Mercedes-Benz

Alles in allem konnte ich am Ende der Testfahrt für mich festhalten, dass lautloses, lokal emissionsfreies Gleiten im Alltag mit einem Fahrzeug solch einer Größe noch befriedigender ist, als mit einem entsprechenden E-Kleinwagen. Auch erschließt sich mir der Einsatz im Shuttle-Bereich, denn gerade durch sein hochwertiges Auftreten braucht sich der Mercedes-Benz EQV hier nicht zu verstecken. Aber auch für Familien ist der EQV allemal geeignet, nicht zuletzt wegen der hohen Variabilität hinsichtlich der Bestuhlung im Innenraum. Dennoch sollte man hier nicht den Preis außer acht lassen. Ab 59.900,00 Euro (netto) geht es los. Nach oben hin ist damit noch lange nicht Schluss. Unser Testwagen kam auf 83.506,00 Euro Listenpreis (netto). Durfte hierbei allerdings auch auf eine Vielzahl von Upgrades und Annehmlichkeiten zurückgreifen.

Mercedes-Benz hat zu einem ersten Kennenlernen des EQV nach Stuttgart eingeladen und hierfür die Reisekosten übernommen. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf meine hier geschriebene ehrliche Meinung.

Über den Autor

Sebastian hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere Alternative Antriebe werden betrachtet.

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