Meinung: Jeder ist ein Chef-Entwickler

Tesla: Jeder ist ein Chef-Entwickler

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Produkte funktionieren ähnlich wie die Organisationen, die sie hergestellt haben, im Guten wie im Schlechten. Der folgende Artikel beschreibt eines der Geheimnisse, warum Tesla als noch neuer Herausforderer im Automobilgeschäft es geschafft hat, in fast allen Aspekten dessen, was für einen Automobilhersteller und seine Produkte wichtig ist, besser zu sein als die etablierten Unternehmen mit ihrer jahrhundertalten Erfahrung.

Es ist kein Geheimnis, im Sinne einer gut gehüteten Information, und auch nicht beabsichtigt, eines zu sein, denn selbst wenn der Gründer und CEO in einem ausgestrahlten Interview als wesentliches Unterscheidungsmerkmal darüber spricht, hört niemand wirklich zu und niemand berichtet darüber. Zuhören ist eine unterschätzte Kunst in einer Zeit, in der kurze, eingängige Nachrichten wie Bonbons konsumiert werden, ohne ihre Qualität in Frage zu stellen, solange sie nur süß genug schmecken.

Kreativität und Innovation als Wachstumstreiber

In diesem Artikel geht es um Forschung und Entwicklung, ihre Organisationen und warum das Innovationstempo eine Funktion der Beseitigung von Zwängen ist. Wenn das für Sie chaotisch klingt, dann willkommen in der Welt der Kreativität, einem der wichtigsten Wirkstoffe der Innovation, den die meisten Abteilungen der Automobilhersteller erfolgreich aus ihrem Geschäft eliminiert haben. Wenn Sie Kreativität wollen, etwas Neues entwerfen und entwickeln und die Welt verändern möchten, mit etwas, dass die Kunden lieben werden und das einen wirklichen Unterschied macht, dann sollten Sie Ihren Job nicht in einem etablierten Unternehmen der Autobranche beginnen.

Kreativität ist ein Wirkstoff, den man für eine erfolgreiche Forschung und Entwicklung benötigt, eine sensible Pflanze, die man pflegen und mit Wasser und Nahrung nahe ans Licht bringen muss damit sie gedeiht. Oft stirbt diese Pflanze bei jungen, motivierten, talentierten Ingenieuren bei ihrem ersten Job frühzeitig ab und ist zumindest bei dem ersten Arbeitgeber wenn nicht für immer verschwunden. Ein weiterer wichtiger Bestandteil und Wirkstoff ist die Fähigkeit eines Unternehmens Versuche und Ideen zu motivieren, Fehlschläge positiv zu bewerten und Versuch und Irrtum zu belohnen. Lesen Sie diesen Satz gerne noch einmal denn er klingt wie ein Widerspruch, ist es aber nicht.

Ein Mitarbeiter, der etwas ausprobierte, dass nicht funktioniert hat, hat dabei mehr gelernt als ein Mitarbeiter, der es nicht versucht hat und auf Nummer sicher, gegangen ist. Das Belohnungssystem heutiger Organisationen belohnt denjenigen, der nicht versucht hat das Unerwartete zu erreichen, stattdessen werden denjenigen bestraft die es versucht haben. Dadurch ist all das, was er gelernt hat für das Unternehmen heute und wahrscheinlich auch in Zukunft verloren. Das Ausprobieren geht dadurch mit realen Kosten für das Unternehmen einher, statt mit einem Gewinn.

Anerkennung oder Belohnung zu bekommen ist, seit die Menschheit auf der Erde wandelt, das größte Positive für ein Individuum das es erreichen kann und diese zeigt sich in verschiedenen Formen. Eine die wir heute häufig benutzen, ist Geld, aber wichtiger noch als diese ist eine Anerkennung von jemandem, der Ihnen nahe steht und wie ein Mentor von Ihnen respektiert wird.

Während der Mitarbeiter, der ein Risiko eingegangen ist, um z.B. einen technologischen Durchbruch zu erzielen, wahrscheinlich ausgelacht wird, wird der Andere, der über die Jahre hinweg kein Risiko eingegangen ist, vielleicht sogar befördert. Im Laufe der Zeit haben Sie dadurch jede Menge Vorgesetzte und Manager, die jedem aus Erfahrung beibringen, gerade nicht kreativ zu sein, keine Risiken einzugehen und dadurch haben Sie ein Verhalten in die Organisation integriert, sich nicht außerhalb Ihres Status Quo zu verbessern, was genau das Gegenteil von dem ist, was Sie benötigen um erfolgreich zu sein.

Dort zu verharren, wo man gerade ist und sich nicht zu verbessern, ist das genaue Gegenteil von dem, was man als Organisation und Mensch anstreben sollte. Nach zehn Jahren ist diese ‚Art und Weise zu arbeiten‘ oder besser gesagt ’nicht zu arbeiten‘ der Standard geworden über den nicht gesprochen wird und der nur von neu hinzukommenden Mitarbeitern noch kurzfristig in Frage gestellt wird. Nach 100 Jahren ist es umso schlimmer. Wer von Ihnen, liebe Leser, erinnert sich noch daran, dass man Ihnen gesagt hat:

„Halten Sie sich an die Regeln, machen Sie keine Vorschläge es sei denn sie werden danach gefragt, stellen Sie keine Fragen und machen Sie das was man von Ihnen verlangt und wir kommen gut miteinander aus?!“

Dies gilt insbesondere für Unternehmen mit einer strengen Hierarchie, wie z.B. in Besprechungen, in denen niemand es wagt, eine andere Meinung als der anwesende Manager zu haben. Wenn Sie eine erfolgreiche Organisation wollen, müssen Sie kontroverse Meinungen und kühne Gedanken belohnen, unabhängig davon, wohin dies später führt, und bei allen, die ‚mit dem Strom schwimmen‘, das Gegenteil tun. In Deutschland ist es leider ein Teil der Kultur in der Automobilindustrie, insbesondere bei VW und Daimler, aber auch bei BMW, Audi und sogar Porsche. Diese Kultur ist ein Problem bei der Aufgabe die Organisationen erfolgreich für die Herausforderungen rund um batterieelektrische Fahrzeuge zu gestalten.

Vergangenheit definiert die Zukunft – ein Trugschluss

Neben der Förderung von Kreativität und der Belohnung der Mitarbeiter, etwas Neues auszuprobieren und manchmal auch riskante Projekte zu ermöglichen, um etwas Große zu erreichen, ist eine dritte Zutat erforderlich, nämlich „jeden zum Chefdesigner zu machen“. Organisationen neigen dazu, wie eine Familie zu arbeiten, in der man eine natürliche Hierarchie innerhalb einer Gruppe von Menschen hat. Man wird in eine Gruppe von Menschen gesteckt, von denen einige angeblich ein stärkeres Mitspracherecht haben als andere, weil sie sich in den meisten Fällen Anerkennung für ihre Leistungen in der Vergangenheit verdient haben und es erwartet wird, dass sich das was in der Vergangenheit als erfolgreich definiert wurde auch in der Zukunft erfolgreich zeigt.

Diese Struktur funktioniert in der Regel, weil sie lange, komplexe und kostspielige Entscheidungsprozesse verkürzt, aber dies ist nur gültig in Organisationen, die mit Produkten in einem reifen Lebenszyklus arbeiten. Wenn Sie ein völlig neues Produkt suchen oder sich in einer größeren Veränderung befinden, müssen Sie eine Atmosphäre schaffen, in der jeder ein Mitspracherecht hat und eine ebenso beachtete Meinung vertritt, mit anderen Worten, jeder ist eine Art Chefingenieur. Wenn man alle Hierarchien beiseite lässt und das Beste von jedem Einzelnen bekommt, indem man ihn dazu bringt oder ihm zumindest die Fähigkeit gibt, zu glänzen und zu gewinnen, unabhängig von der Vergangenheit, belohnt man den besten Gedanken und die beste Idee und erhält das beste Resultat. Wenn man stattdessen aber an den Hierarchien festhält, verliert man weil die Referenz der ranghöchsten Person, für die er oder sie befördert wurde, ein Produkt ist, das nicht mehr das Beste ist oder sogar veraltet ist, und oft vermeiden diese Leute es, Risiken einzugehen, weil sie viel zu verlieren haben. Menschen, die viel zu verlieren haben, sind eine Gefahr für den Erfolg des Unternehmens in einer Zeit des Technologiewandels.

Abteilungsloses Denken als Weg zum Erfolg

Wenn man diese drei Zutaten für einen erfolgreichen F&E-Prozess hat, muss eine vierte Anforderung umgesetzt werden, nämlich keine echten Abteilung mehr zu haben. Auch diese Aussage klingt nach einer mutigen Behauptung und doch ist sie ein enorm wichtiger Faktor für Erfolg in einer technologischen Disruption.

Verschiedene Abteilungen für Subsysteme Ihres Hauptproduktes mit entsprechenden Spezialisten zu haben und sie nach dessen Spezifikationen zu befragen, mit denen Ihr neu entworfenes System arbeiten soll, wird die Fähigkeit Ihrer Gesamtorganisation einschränken, das beste Endprodukt zu entwickeln. Wenn Sie es verschiedenen Abteilungen erlauben, Spezifikationen für das zu entwickelnde Produkt zu definieren, schließen Sie per Definition Einschränkungen ein, die es gegenüber dem, was Sie mit genau denselben Ressourcen hätten entwickeln können, unterlegen macht. Die Definition von Spezifikationen ist der Weg ein Produkt zu entwickeln das seinen Möglichkeiten nicht gerecht wird bzw. weniger leistet als es leisten könnte. Eine definierte Spezifikation kann nie perfekt sein und daher per Definition reduziert oder einfach falsch.

Um Ihnen ein Beispiel zu geben: Anstatt Beschränkungen in Frage zu stellen oder diese zu eliminieren, wird der Gegenüber bei Vorlage einer Spezifikation auf die Beschränkungen hin entwerfen, anstatt diese in Frage zu stellen. Er liefert worum er gebeten wurde, aber er liefert ein schlechtes Ergebnis. Wenn Ihnen Bedingungen vorgegeben werden, sind sie garantiert bis zu einem gewissen Grad falsch, weil sie sonst perfekt wären, was allerdings nicht möglich ist. Einschränkungen zu hinterfragen ist extrem wichtig, wenn nicht sogar das Wichtigste bei der Entwicklung. Andere Abteilungen nach detaillierten Spezifikationen zu fragen, ist so wie die falsche Frage zu stellen. Alles im Leben beginnt aber mit der richtigen Frage. Meine erste Empfehlung ist daher, dem Team Zeit für die Untersuchung zu geben, ob überhaupt die richtige Frage gestellt wurde und ob dies Teil oder System überhaupt entwickelt werden sollte.

Dies ist kein Vorschlag, um Ihre F&E-Abteilung loszuwerden, sondern die Grenzen, die sie mit allen anderen Abteilungen Ihres Unternehmens hat, wie die Subsysteme Ihres Fahrzeugs mit allen anderen Systemen. Alle Beteiligten müssen im Großen und Ganzen verstehen, wie die Systeme im Produkt Ihres Fahrzeugs funktionieren, deshalb können Sie es sich nicht leisten, sie nur auf ihre Kernaufgabe und Abteilung und dessen Spezialgebiet zu beschränken. Sie vermeiden die Optimierung von Teilsystemen, indem Sie die Belohnung für die Entwicklung von Teilsystemen vermeiden. Alle Produktfehler, die Sie finden, sind ein Spiegelbild der Organisation und deren Fehler. Schnittstellen zwischen Subsystemen sind in der Regel etwas Schlechtes und sollten vermieden werden, denn wie beim Autofahren ist jede Schnittstelle, mit der man buchstäblich konfrontiert wird, eine potentielle Fehlerursache.

Empfehlung: Nichts optimieren, was gar nicht benötigt wird

Einer der größten Fehler, den clevere Ingenieure machen, ist die Optimierung einer Sache, die es gar nicht geben sollte, und Ingenieure haben die Tendenz, ihr Subsystem ‚zu Tode zu optimieren’, indem sie das Gesamtbild aus den Augen verlieren. Ein Teil oder System loszuwerden ist etwas extrem Positives, da die Einfachheit oft neue Gedanken und Ideen an die Oberfläche bringt und neue Lösungen erscheinen, über die bisher niemand jemals nachgedacht hat.

In heutigen Organisationen verlieren Menschen, die vorschlagen, dass das von ihnen entworfene System veraltet ist, in der Regel ihren Job, entweder weil das Management zustimmt oder auch nicht. Wenn sie zustimmen, haben Sie Ihre Arbeit überflüssig gemacht und es gibt folglich keine mehr, und wenn sie nicht zustimmen, werden sie Sie wahrscheinlich entlassen, was ein großer Fehler ist, weil diese Leute extrem wertvoll sind, aber aus offensichtlichen Gründen sehr selten in heutigen Unternehmen noch zu finden. Was ich den Autoherstellern deshalb empfehle, ist, ein Team einzustellen, das dafür verantwortlich ist, Teile und Subsysteme über alle Abteilungsgrenzen hinweg loszuwerden und dafür Anerkennung zu erhalten.

Ein weiterer unterschätzter Faktor ist die Geschwindigkeit des Designs und der Entwicklung. Autofirmen haben im besten Fall einen Erfahrungshorizont der etwas mehr als 3 Jahre Zeit vom Konzept bis zur Fertigstellung eines Design- und dessen Produktionsstarts benötigt, was ein Zeitraum ist, in dem sich bereits alles einschließlich der Marktanforderungen geändert hat oder haben kann und plötzlich ist Ihr Produkt alt, bevor der erste Kunde es in seine Hände bekommt. Weniger Teile, aber die gleiche oder bessere Funktionalität, wie oben beschrieben, verkürzt Ihren F&E-Prozess erheblich und alle anderen Elemente, über die ich in diesem Artikel gesprochen habe, können für diese zeitliche Verkürzung als Ergänzung gesehen werden, um Ihren Prozess und Ihr Produkt einfacher, leichter, besser und schneller zu machen.

Wenn ein Design zu lange dauert, dann ist das Design falsch. An einem Design zu lange festzuhalten, besonders wenn es kompliziert ist, ist falsch. Wagen Sie es, es wegzuwerfen, wenn Sie erkennen das Sie Teile und Prozesse eliminieren und verlagern können. Wagen Sie es auch zu einem späteren Zeitpunkt und verlieben Sie sich nie in etwas, das nicht zu Ihrem Ziel passt, nur weil es die eine besondere Sache hat, die Ihnen so gut gefällt.

Ein Design oder Teil aufzugeben ist besonders dann schwer, wenn man viel Zeit und Geld in es investiert hat, da es als Fehlschlag angesehen wird, während es in Wirklichkeit gar kein solcher ist. Die meisten Menschen fühlen sich so sehr mit dem verbunden, in dass sie einen Teil ihres Lebens investiert haben, und dass selbst dann wenn wir nur über Wochen sprechen, dass die emotionale Barriere, es aufzugeben, enorm hoch ist. Sie werden feststellen, dass sie für etwas kämpfen, nur um den Eindruck zu erhalten, dass es richtig war die Zeit zu investieren, während es im größeren Zusammenhang, nicht richtig war. Wenn diese Menschen nicht erkennen, dass sie gerade für das kämpfen, was ihrer Meinung nach ihr eigenes Wohl ist, anstatt für das Wohl des Produkts und des Unternehmens, dann müssen Sie in Betracht ziehen, ohne sie fortzuschreiten, da sie die Fähigkeit vermissen, die grundlegende Mission Ihrer Organisation zu verstehen.

Unterscheiden zwischen E-Auto und Verbrenner

Bewegen Sie sich ohne sie voran, wie auch ohne das Teil oder System, dass Sie beschlossen haben zu eliminieren. Um Ihnen ein Beispiel für ein solches Teil zu geben, das nicht existieren sollte nenne ich den Start/Stop-Schalter in einem Elektroauto. In der Tat gibt es in einem Elektromotor nichts zu starten oder zu stoppen, weil er immer in dem Moment bereit ist, in dem Sie den elektrischen Kontakt schließen und die Elektronen anfangen zu fließen, was Sie am besten durch Drücken des Beschleunigers erreichen können. Man muss den Elektronen nicht sagen, dass sie sich in einem Strom bewegen sollen, sie tun es per Definition und sind der Strom. So zu tun, als ob man es noch tun müsste, lässt jeden der damit in Berührung kommt wie einen Idioten aussehen, man macht seine Kunden damit zum Narren und der Kunde sollte stattdessen ein König sein.

Ein Startknopf in einem Verbrenner stattdessen hat eine sinnvolle Funktion, denn ein Verbrenner Motor muss zuerst ein Treibstoff-Gas-Gemisch verbrennen und explodieren um damit die Zylinder durch den Druckunterschied den Antriebsstrang bewegen zu lassen, während ein Elektroauto nichts davon tun muss oder hat. Es gibt keine vernünftige Erklärung dafür, warum in meinem Heimatland Deutschland BMW, Daimler, Audi oder Porsche, um nur einige zu nennen, einen Knopf in ein Auto eingebaut haben, der eigentlich nichts anderes tut, als dem Kunden vorzumachen er würde etwas tun.

Das ist ein Betrug am Kunden, es erhöht die Kosten, die Komplexität, das Ausfallrisiko und vor allem kann es dazu führen, dass der Kunde glaubt, dass Sie als Autohersteller nicht verstehen, was zum Teufel Sie eigentlich tun. Der einzige Grund, warum ich mir vorstellen kann, einen Elektroauto-Start-/Stop-Knopf zu entwickeln, ist die Erwartung, dass Ihre eigenen Kunden Narren sind, die ohne ein Relikt aus den alten Tagen, als sie noch einen Verbrenner fuhren, nicht leben können. Es ist eine Verschwendung von Ressourcen auf direkte und indirekte Art und Weise. Und wenn es eine Sache gibt, die sich die Welt gerade heute nicht leisten kann, dann ist es die Verschwendung von Ressourcen.

Tesla Cybertruck – ein E-Auto, dass die Branche wachrüttelt

Neben Teilen und Systemen ohne die man gut leben kann, gibt es auch Teile und Systeme ohne die man nicht gut leben kann, wenn man sie nicht erfunden und konstruiert hat. Das sind die für die leidenschaftliche Ingenieure ihre ganze Energie aufwenden sollten. Einer dieser einzigartigen Gegenstände, die Tesla in letzter Zeit herausgebracht hat, ist der CyberTruck und das unabhängig davon, ob man das Design leiden mag oder auch nicht.

Während aktuell wirklich jeder über das ungewöhnliche Design und sein Aussehen spricht, einige hassen es, andere lieben es, möchte ich beleuchten, warum Tesla in der Lage ist, Fahrzeuge zu entwickeln, das kein anderer Autohersteller, selbst wenn er es wollte, liefern könnte, und warum die Organisation eines Unternehmens ein Design an sich ist, das seine Produkte bestimmt.

Dies mag wie eine kühne Aussage klingen, da am Ende des Tages nur ein Auto ist das Sie fahren können, aber wenn Sie eines selbst fahren werden sie feststellen es ist mehr als nur ein gewöhnliches Fahrzeug. Deshalb ist die Frage, wie es sich zu dieser Form und in diese Funktion entwickelt hat, eine berechtigte Frage.

Jedes Modell, das Tesla jemals entwickelt hat, ist ein Unikat, aber der CyberTruck ist eine echte Weiterentwicklung dessen, er ist ein einzigartiges Fahrzeug eines das noch nie jemand entwickelt hat. Warum? Nun, niemand hätte jemals über ein Fahrzeug nachgedacht, das ein sogenanntes Exoskelett hat, eine Struktur, welche die Kräfte der Bewegung aufnimmt und weiterleitet und auf diese Weise gleichzeitig deren Außenhaut ist, im Gegensatz zu einem Rahmen mit einer Karosserie bei der die Kraft vom Rahmen absorbiert wird. Das mag wie ein kleines Detail klingen, hat aber schwerwiegende Folgen und wurde so noch nie gebaut und erdacht. Stellen Sie sich den deutschen Ingenieur vor der dies vorschlägt und sie können sicher sein er wird für dieses, im Hause verlacht statt gelobt.

Zumindest haben sie etwas Vergleichbares nicht in einem fahrenden Fahrzeug auf unseren Straßen erlebt, vielleicht aber in unserer Natur. Man findet viele davon, Millionen und Milliarden in unser Umgebung und sie funktionieren auch seit Millionen von Jahren einwandfrei und erfolgreich. In einem ersten Gedanken ist vielleicht die Schildkröte ein beeindruckendes Beispiel, aber die meisten Menschen wissen nicht, dass alle Insekten auf der Erde ein Exoskelett haben. Die meisten werden zustimmen, dass sie sich als äußerst erfolgreich erwiesen haben, indem sie in ihrem Segment fast alles beherrschen.

Da das Nachahmen von Strukturen aus der Natur, um z.B. Gebäude stabiler, energieeffizienter oder materialsparender zu gestalten, ohne Kompromisse bei Stabilität und Sicherheit zu machen, heute ganz normal und mit oft überraschend schönen Gestaltungsergebnissen akzeptiert ist, hat es seinen Weg bisher nicht in die Köpfe der Ingenieure und Konstrukteure im Fahrzeugbau gefunden. Warum? Sie finden meine Antwort hierzu in den vorherigen Absätzen.

In der Natur diktiert die Funktion das Design, während es über Millionen von Jahren auf seine Funktionalität getestet wird, bis es das ist, was wir wahrscheinlich als perfekt bezeichnen würden, und obwohl die Natur noch immer auf dem Weg ist, alles zu verändern um das Perfekte noch perfekter für die neuen Herausforderungen zu machen, denen es sich stellt betrachten wir die Entwicklung der Karosserie eines Fahrzeuges als vor ca. 100 Jahren als abgeschlossen. Tesla stattdessen hat dies nicht getan und dafür gibt es gute Gründe.

Design sollte sich nach der Funktion richten, nicht die Funktion nach dem Design

In der Welt der Menschheit wurde das Design von Fahrzeugen von Designern in einem abgetrennten Bereich weit weg und nicht oft in Kontakt mit Ingenieuren oder sogar der F&E-Abteilung gemacht, weil ihre Ziele durch das definiert wurden, was als gutes Aussehen bzw. vermarktbar angesehen wird, innerhalb von den Parametern, die das Designteam erhalten hat, sowie vielleicht einigen wenigen kleinen funktionellen Details wie Windwiderstand, Produktionskosten und anderen. Aber das war’s dann auch schon, und daneben haben Marketing und Vertrieb und damit oft auch die Geschäftsführer an der Entwicklung eines Fahrzeugs mitgewirkt, fast so, als ob es keinen Einfluss auf die Funktionalität hätte. Mit anderen Worten, die Abteilung, die das Design macht, hat nicht viel mit der Abteilung zu tun das die Funktionalität umsetzt und das macht nun wirklich keinen Sinn.

In der Natur würde jedes Tier, das so gebaut worden wäre, keinen einzigen Tag überleben, oder um es direkt zu sagen, die Konstruktion von Fahrzeugen auf unseren Straßen ist extrem schlecht. Wenn Sie mir das nicht glauben dann sehen Sie sich einen Film in Zeitlupe an in dem zwei Insekten im Flug bei hoher Geschwindigkeit miteinander kollidieren ohne einen sichtbaren inneren oder äußeren Schaden dabei zu erleiden und vergleichen Sie dies mit dem Aufprall zweier Autos und Sie wissen was ich damit ausdrücken möchte.

Ständige Verbesserung ist ein Konzept in der Natur, das unbestreitbar erfolgreich ist und wenn das wahr ist, warum brauchen dann die deutschen Automobilhersteller mindestens 3 Jahre, um ein Fahrzeug zu konstruieren und zu entwickeln, dass nach der Auslieferung produziert, weitere 7 Jahre ohne wesentliche Änderungen an Kunden weitergegeben wird. Für mindestens 10 Jahre bleibt es also auf seinem Entwicklungsstand stehen und dann fragen Sie sich, warum so viele Rückrufaktionen stattfinden.

Mit anderen Worten, wir haben also ein Jahrzehnt ohne Veränderungen. Diese Zeitspanne funktioniert in der Automobilindustrie, wenn man keinen Herausforderer hat, aber wir alle wissen, dass sich die Fahrzeuge von Tesla sowohl bei Over-The-Air-Updates als auch bei Hardwareänderungen buchstäblich über Nacht kontinuierlich verbessern. Das passiert so häufig das es fast schon störend ist aber es ist notwendig. Aus diesem Grund haben die etablierten Hersteller einen Herausforderer und der Kunde eine Option!

Alles ändert sich wenn man eine andere, bessere Option hat!

Wie können Sie als deutscher Autohersteller glauben, dass Sie mit einem Fahrzeug konkurrieren können, das sich ständig verändert und besser wird, während Ihres mindestens 10 Jahre lang, was wahrscheinlich 10% Ihrer Existenz als Unternehmen ausmacht, es nicht tut?

Es ist an der Zeit, die Ursache zu verstehen, warum die Elektroautos, die heute auf den Markt kommen, fast alles schlechter machen, was ein Tesla anbietet.

Es ist an der Zeit, schnelle Antworten auf Fragen zu vermeiden.

Es ist an der Zeit, die richtigen Fragen zu stellen.

Es ist Zeit!


Dieser Artikel ist im Dezember 2019 auf der US Webseite www.cleantechnica.com erschienen und wurde in der heutigen deutschen Version mit aktuellen Zahlen, Inhalten und Informationen angepasst.

Über den Autor

Alex Voigt unterstützt die Bewegung der Transformation in eine nachhaltige CO2 freie Welt seit 40 Jahren. Als Diplom Ingenieur ist er fasziniert von der Fähigkeit der Menschheit durch Technology eine bessere Zukunft zu erschaffen. Mit 30 Jahren Erfahrung an den Aktienmärkten ist er ein langfristig orientierter Investor in Tesla (TSLA) als auch anderer Technologieaktien.

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Das gipfelt darin daß ein Zündschlüssel ins Schloß stecken muß und ihn genau so weit drehen muß bis der Anlasser betätigt wird. Also genau dieses wippen ganz am Ende des Drehvorgangs. Absoluter Humbug!
Ich dachte mich laust der Affe als ich das erste Mal in einen EGolf gestiegen bin.
So viel zu Verständnis der deutschen Autobauer. Es wird wohl der Konkurrenz bedürfe das ein Elektrofahrzeug auch als solches angeboten wird.

Toller Artikel, vielen Dank für die Übersetzung! Augenscheinlich treffen viele Aussagen nicht nur auf die Autoindustrie zu.
Generell fehlt in den Chefetage das quer denken, auf einem weissen Blatt Papier anfangen. Das ist teuer, und das Ergebnis ungewiss.
In einer von Aktionären getrieben Wirtschaft sind etwaige Rückschäge nicht gewünscht.
Statt dessen wird immer weiter auf bereits bestehenden Konzepten aufgebaut um dann erneut ’nur‘ ein – meist kleines – Update in der nächsten Version zu erhalten. Mit allen Unzulänglichkeiten, die schon am Anfang nicht optimal waren.
Bei Tesla ist das Segen und Fluch gleichzeitig. Die ‚Rollin‘ Updates‘ sorgen zwar immer für eine parmanente Weiterentwicklung, verunsichern aber die Kunden, da schon die nächste Seriennummer das bessere Auto ist. Solange man die Software updaten kann kein Problem.
Geht es jedoch um Hardware, so gehe ich davon aus, das der Wertverfall beim veräussern eines Fahrzeugs immens sein wird.

Aber, dass ist an sich alternativ los und wir müssen froh sein, das Tesla die renommierten Autobauer vor sich hertreibt. Mal sehen, ob es nicht doch ein paar junge wilde in unseren Breitengraden gibt, die es dann doch mal schaffen sich aus den Dogmen zu befreien.

Wir müssen doch auch an die ganzen Arbeitsplätze in der Startknopfindustrie denken!

Was wäre aus Deutschland geworden, wenn nach der Entwicklung des PCs und Druckers die ganzen Arbeitsplätze für SchreibmaschinenbedienerInnen weggefallen wären?

Um ein unbeabsichtigtes Beschleunigen des Fahrzeugs abzuwürgen, ist in den USA ein Stopknopf vorgeschrieben.
Bei Tesla gibt es diese Möglichkeit im Untermenü:
Fahrzeug“ > „Sicherheit“ > Ausschalten.
Vielleicht wurde der Stopknopf bei Tesla einfach vergessen?

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