„Hyundai Driving Experience“: E-Auto im Grenzbereich

"Hyundai Driving Experience“: Grenz-Erfahrung mit der E-Mobilität

Copyright Abbildung(en): Hyundai

Es gibt nur wenige Urlauber, die mit der Tour in die Ferien keinen Grusel verbinden. Die Straßen voll, die Zeit knapp – und nur Genervte am Steuer. Bei sengender Hitze sitzen sie in vollgestopften Kombis, ziehen schlecht austarierte Wohnwagen oder lichthupen sich spurspringend durch die blecherne Kolonne. Und so entscheiden in Urlaubsreisetagen mehr noch als sonst Winzigkeiten über sichere Ankunft oder Totalschaden. Ein kleiner Schlenker, ein Tick zu viel Tempo, ein Moment der Unaufmerksamkeit – oder das Manöver eines anderen, mit dem man nicht rechnen konnte.

Dabei ließen sich viele Situationen meistern. Wenn man geübt wäre darin. Im richtigen Bremsen, im exakten Lenken, im klugen Reagieren. Wenn man Routine hätte im Erspüren dessen, was das Auto kann, was man selbst – und was eben nicht.

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Genau dafür lassen sich Streifzüge buchen. Geführte Ausflüge ins Niemandsland der Physik. Sogar mit einem Elektroauto. Als „Hyundai Driving Experience“ bietet die ehemalige „Academy“ jede Menge Trips in Sachen Fahr-Erfahrung. Für Anfänger und Geübte, Alltag und Rundenzeit. Auf dem Nürburgring oder am Bilster Berg kann man rasanten Reiz erleben – aber auch, was man gerne verdrängt: Dass schon ein bisschen zu schnell sehr viel zu schnell sein kann. Und dass Naturgesetze auch für elektronische Helfer gelten. Egal, ob der Motor mit Kolben arbeitet oder mit Wicklung.

Vor der ersten Ausfahrt steht ein wenig Theorie, die kein bisschen grau ist. Warum ein Auto wie reagiert, wie man sich die Physik zum Freund macht, ab wann Haftungsfragen mit Nein beantwortet werden – und warum Gas geben sehr oft sehr viel besser ist als Bremsen.

Das Adrenalin kommt tröpfchenweise. Mit dem sportlichen Hyundai i30N vertraut machen oder mit dem vollelektrischen Hyundai Kona: Sitzposition finden, ein bisschen warmfahren. Dann Slalom im Hütchenwald. Schneller, noch schneller – dann kullern die ersten Pylonen. So ist das mit dem Grip. Je mehr der Reifen in Längsrichtung leisten muss, desto weniger stemmt er beim Lenkeinschlag. Pfeifen, rutschen, irgendwann ist dann Ende.

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Doch man täuscht sich auch allzu leicht. Moderne Gummis verkraften viel – und moderne Autos noch viel mehr. Anfahrt auf ein Hindernis mit Tempo 100. Im allerletzten Moment das Notmanöver: Haken links, Haken rechts, Schlagbremsung. Für die Elektronik kein wirkliches Problem. Für manche Fahrer schon. Es ist wie auf der Straße. Den ersten Schlenker schaffen die meisten im Reflex, das blitzschnelle Gegenlenken schon nicht mehr. Von den Fehlversuchen zeugen dann schwarze Spuren, die sich erst ineinander winden und abrupt im Bankett enden oder an der Leitplanke.

Natürlich spielt eine gewaltige Rolle, womit man unterwegs ist. Und unterschiedlicher könnten die beiden Autos kaum sein. Hier der flache Flottflitzer mit 275 PS, dort gehobene E-Power mit 204 PS. Der Kona schiebt blitzschnell an und überrascht dank Boden-Batterie mit tiefem Schwerpunkt und einer für SUV-Verhältnisse erfreulich geringen Wankneigung. Doch gegenüber dem agilen i30 N kämpft er eben auch mit 300 zusätzlichen Kilos und schmaleren Reifen ohne spezielle Sport-Mischung.

Heißt auf der Strecke: Was der Kona am Start und bei Zwischenspurts gewinnt, büßt er in Kurven ein – und früher bremsen muss man auch. Da mag die Kraft noch so spontan einsetzen – Masse schiebt eben. Doch Rundenzeiten sind auch nicht die Kernkompetenz des Kona-e. Und für eine Grenz-Erfahrung schlägt er sich mehr als wacker.

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Die Truppe wechselt zur Agenten-Wende: Vollgas im Rückwärtsgang, Kupplung, voller Lenkeinschlag, in den zweiten Gang reißen und am Ende der 180-Grad-Drehung Gas geben. Sieht bei den Instruktoren so leicht aus wie im Film – erfordert aber ein Höchstmaß an Koordination. Selbst wenn die Strecke bewässert ist. Übt man im Alltag ja auch viel zu selten…

Auch mit einem Handicap lernt man umzugehen. Peripher erfassen wir 175 Grad – nehmen also mit Gesicht nach vorne noch unsere seitlich ausgestreckten Arme wahr, richtig scharf indes sehen wir gerade mal in einem Bereich von einem Grad. Und in der Regel fahren wir genau dahin – leider auch Richtung Gefahr, weil der Furchtsamen Blick genau dahin geht.

Zu lernen gibt es viel. Sehr viel sogar. Dass es einen gewaltigen Unterschied macht, an welcher Achse die Räder treiben. Dass ein drängendes Heck nicht das Ende ist, sondern erst der Anfang. Und dass man selten bloß hilfloser Passagier ist. Schließlich sind da noch Pedale, Lenkrad – und eben das Auge für die kluge Richtung.

Dass feige sei, wer bremst, und ähnliche Sprüche hört man nicht. Noch nicht mal bei den Kursen, in denen hohe Fahrkunst das Thema ist. Wäre auch ziemlicher Quatsch. Denn wer nicht bremst, war vor der Kurve womöglich nicht schnell genug. Eher stimmt da schon, dass länger schnell ist, wer später bremst. Und ja: Augen auf bei der Linien-Wahl. Nichts kostet so viel kostbare Zeit wie der unperfekte Weg. Das ist mit Strom nicht anders als mit Sprit. Die Musterlösung kann man sehen, wenn Profis mit dem 680 PS starken Veloster ETCR über die Piste surren – dem Hyundai für die elektrische Rennsport-Meisterschaft.

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Das ist so beeindruckend wie deprimierend. Jahre an Lenkrad-Erfahrung kann man in zwei Tagen Hyundai Driving Experience nur ein ganz klein wenig aufholen. Leider. Immerhin haben sich am Ende eines Kurses diverse Reifen aufgerieben für die Erkenntnis, dass auch mit Übung zwar nicht alles geht – aber verdammt viel. Wenn man nur weiß, wie. Alles zu Lehrgängen, Terminen und Preisen auf dieser Webseite von Hyundai.

Über den Autor

Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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