Fords Elektrifizierungsstrategie – ein Ausblick

Fords Elektrifizierungsstrategie - ein Ausblick

Copyright Abbildung(en): Ford

Andy Barratt, Geschäftsführer von Ford of Britain, und Graham Hoare, Executive Director for Business Transformation, sprachen mit Business Car auf der Go Electric-Veranstaltung des Unternehmens in London und stellten Modelle vor, darunter den neuen rein elektrischen Mustang Mach-E, den Plug-in-Hybrid Kuga und den Mildhybrid Puma. Im Rahmen des Gesprächs ist man auch auf Fords allgemeine Elektrifizierungsstrategie zu sprechen gekommen. Dabei wurde klar, dass man zunächst im gehobenen Preissegment starten möchte, um damit die Basis für günstigere Modelle zu ebnen.

Ford Mustang Mach-E als Wegbereiter in die Elektromobilität

Den Anfang macht Ford mit dem Mach-E einem modernen, reinen Elektroauto für den Mainstream. Positioniert als großes, leistungsstarkes SUV. Und es findet Anklang, wie bereits Ted Cannis, Director Global Electrification bei der Ford Motor Company, zu verstehen gab. Die Reservierungen für den Mustang Mach-E seien „für mich sehr überraschend“ gewesen, so Cannis. Es gebe „sehr viele Neukunden“, die zuvor keinen Ford besessen haben. Ein deutscher Händler, mit dem er gesprochen habe, „hat zwölf Reservierungen – alle Neukunden“. Auffallend sei, dass Reservierungs-Inhaber im Schnitt „mehr als zehn Jahre jünger“ seien als die üblichen Ford-Kunden.

Der Plan scheint demnach aufzugehen. Zudem gelingt es Ford mit diesem Schachzug sich ein wenig von elektrischen Einstiegsmodellen der Konkurrenten wie Vauxhall, Peugeot und Honda abzuheben, die weitaus bescheidenere und daher billigere E-Autos auf den Markt bringen. Damit aber auch auf einen vollständig anderen Markt abzielen. Hoare gab zu verstehen, dass der Mach-E aufgrund seiner Größe, Leistung und Reichweite im Vergleich zu den Konkurrenten immer noch ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet, betonte aber auch, dass dieser ehrgeizige Einstieg in den Elektroauto-Markt der richtige Weg für Ford sei.

„Wir wollen den besten Weg für die Elektrifizierung gehen, wir wollen die großen Stärken der Elektrifizierung demonstrieren und sie aufstrebender machen, damit die Produkte, die darunter liegen werden, mit Glaubwürdigkeit beginnen, und unsere Kunden werden verstehen, was von Ford kommt. Dieses Produkt ist wirklich dazu da, um zu zeigen, wie man richtig elektrisch fährt, mit einem Produkt, das ebenfalls sehr anspruchsvoll ist, mit einer großartigen Fahrdynamik – es macht keine Kompromisse und macht keinen Kompromiss zwischen all den Dingen, die wir an einem Fahrzeug lieben, damit es elektrisch ist.“ – Graham Hoare, Executive Director for Business Transformation

VW als wichtiger Partner für E-Auto-Einstiegsmodelle

Hinsichtlich der Pläne für kleinere Elektroautos in der Zukunft verwies Hoare auf eine im vergangenen Jahr angekündigte Partnerschaft mit Volkswagen, die die E-Auto-Plattform MEB des deutschen Unternehmens nutzen soll. Das Unternehmen will ein eigenes, rein batteriebetriebenes E-Auto auf Basis des Modularen E-Antriebsbaukastens von Volkswagen entwickeln. Dieses soll ab 2023 auf die Straße kommen, wird im deutschen Ford Entwicklungszentrum Köln-Merkenich entwickelt. Ford rechnet mit mehr als 600.000 verkauften Fahrzeugen innerhalb von sechs Jahren in Europa. Darüber hinaus prüft Ford, ein zweites Modell auf MEB-Basis für den europäischen Markt anzubieten. Wie Ford-Europa-Chef Stuart Rowley dem Handelsblatt zu verstehen gab, spreche man darüber. So sei es aus wirtschaftlicher Sicht nicht sinnvoll, „nur ein einziges Auto auf MEB-Basis zu produzieren“.

Graham Hoare gab hierzu zu verstehen: „Wir können gemeinsam den Skaleneffekt auf dieser MEB-Plattform teilen, und das ist wirklich wichtig, weil der Markt im Moment sehr klein ist, und deshalb müssen wir dieses Volumen wirklich vergrößern und die Skalenvorteile nutzen. Die Zusammenarbeit mit Volkswagen wird es uns wirklich ermöglichen, dies zu tun und diese Produkte auf einem erschwinglichen Niveau auf den Markt zu bringen, aber dennoch mit allen Funktionen und Merkmalen, die Sie erwarten.“

Rivian wird ebenfalls eine entscheidende Rolle spielen

Ende April 2019 wurde bekannt, dass Ford auf die Partnerschaft mit Rivian setzt, um seine Anstrengungen zur Einführung einer Reihe von Elektroautos und Lastkraftwagen zu beschleunigen und gleichzeitig die Abläufe zu rationalisieren, die Kosten zu senken und die Rentabilität zu steigern. Gerüchte haben vermuten lassen, dass auch Fords Luxusmarke Lincoln von dieser Zusammenarbeit profitieren wird. Mittlerweile haben wir Gewissheit.

Das batterieelektrische Fahrzeug von Lincoln wird auf der flexiblen Skateboard-Plattform von Rivian gebaut. Dieses völlig neue Fahrzeug ist auch Teil der zuvor angekündigten Investition von Ford in Höhe von mehr als 11,5 Milliarden Dollar in die Elektrifizierungzu der der Mustang Mach-E und eine vollelektrische Version des meistverkauften F-150 Pickup gehören.

Mildhybride, Hybride und Plug-In-Hybride als weiterer Pfeiler der Elektrifizierung

Abseits der reinen Elektroautos teilt sich der Elektrifizierungsansatz von Ford in milde Hybride mit den kleineren Fahrzeugen Fiesta, Focus und Puma, konventionelle Hybride mit dem großen Familienauto Mondeo und dem Galaxy und S-Max sowie den Plug-in-Hybrid mit dem neuen Kuga auf, der auch mit den beiden anderen Hybridantrieben erhältlich sein wird. Das bedeutet, dass die meistverkauften Modelle von Ford in Großbritannien, der Fiesta und der Focus, die am wenigsten drastischen Ansätze zur Elektrifizierung verfolgen werden.

Fords britischer Geschäftsführer Barratt gab allerdings gegenüber BusinessCar auch zu verstehen, dass dies nicht bedeutet, dass man nicht an einer reinen E- oder PHEV-Version des Fiesta und Focus arbeite. Und es bedeutet auch nicht, dass man eine solche Option nicht berücksichtigt habe. „Aber die Priorität für uns ist die Demokratisierung der Elektrifizierung, und das heißt, dass wir dorthin gehen, wo das Volumen ist“, so Barratt.

Für eine Hybridisierung des Galaxy und S-Max spricht, dass man immer noch eine gute Nachfrage nach diesen Fahrzeugen sieht. „Die Märkte haben sich verändert, und die vorherrschende Kundennachfrage liegt im Bereich der SUVs, aber wir haben immer noch eine gute, solide Nachfrage auf dem europäischen und dem Exportmarkt, und deshalb haben wir uns entschieden, weiter in diese Produkte mit der Kaskade der Hybridantriebe zu investieren“, so der britische Geschäftsführer von Ford.

Quelle: BusinessCar – Ford on its electrification strategy

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Alles gut und schön mit e Autos, aber es fehlt an Reichweite, was die Akkus kosten und ob nicht auch Brennstoff und pflughybrid sinnvoll wäre!

Ich kann mir vorstellen, dass das heutige Vorpreschen in die Lithium Akku Technologie nur dazu dient, der Brennstoffzelle eine Brücke zu bauen. Der Elektro Antrieb ist dann nach Jahren verifiziert. Nur die Energiequelle muss ersetzt werden.
Ich kenne Lithium-Batterie betriebene Fahrzeuge die nicht nur einmal pro Tag an der Steckdose hängen. Wenn man von 1000 Ladezyklen Lebensdauer der Batterien ausgeht, müsste die Batterie nach 3-4 Jahren ersetzt werden . Wer soll das Bezahlen ? Die Hybrid Technologie bringt zwar eine Batterie Kosteneinsparung, aber die Bauteil-Komplexität, damit der Fahrzeug Anschaffungspreis und die Wartungskosten für zwei Antriebssysteme ist sicher höher .

@ Karlheinz
1. Die Zyklenzahl bezieht sich auf vollständige Ladevorgänge, ein Teilladen zählt auch nur anteilsweise.
2. Selbst Kleinfahrzeuge haben heute rund 200 km Reichweite. Lädt man jeden Tag, so käme man auf 73.000 km im Jahr. Kaum jemand fährt so viel (und schon gar nicht im Kleinwagen).
3. Die kalendarische Lebensdauer der Batterie beträgt rund 10 Jahre (was bei den Autobauer mit einem Autoleben gleichgesetzt wird). Danach muss man mit einem Akkudefekt rechnen. Entsprechend beträgt die Garantie heute bei den meisten Herstellern 8 Jahre oder 160.000 km.
4. Ich kann Sie aber beruhigen, bezahlen müssen Sie den neuen Akku nicht, weil es diesen veralteten Zellentyp in 10 Jahren überhaupt nicht mehr geben wird. Ein Upgrade ist auch unbezahlbar, also heißt es dann ADIEU!

Aber in der Tat kann ein Akkudefekt schon früher auftreten. Bei meiner Zero S war nach 3,5 Jahren der Akku hin (weil 2 Module einen Kurzschluss hatten). Ersatzakku Fehlanzeige (zu alt, Zelltyp nicht mehr hergestellt). Aber selbst wenn es einen Akku gegeben hätte, der läge bei 80% des Neufahrzeugs.

Tja, der liebe Akku da gibt s immer noch Verbesserungspotential. Die 600 000 Stück von Ford sind da aber sehr hochtrabend………..

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