Flixbus-Gründer beklagt „erhebliche Hürden“ bei E-Bussen im Fernverkehr

Flixbus-Gründer beklagt „erhebliche Hürden“ bei E-Bussen im Fernverkehr

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André Schwämmlein, Gründer des Fernbusunternehmens Flixbus, erklärt in einem bei Focus erschienenen Gastbeitrag, warum das Pilotprojekt mit Elektro-Fernbussen in Deutschland nicht funktioniert hat, wie er Staus vermeiden würde, und was er sich dafür von der Politik erwartet.

Es könnte so schön sein: Auf der Straße gibt es nur noch E-Fahrzeuge, der Verkehr ist leise, überall lässt sich problemlos Strom tanken und das alles vollkommen ohne CO2-Ausstoß. Fast zu schön, um wahr zu sein – und das ist es leider auch. Denn auch wenn E-Mobilität einer der größten Hoffnungsträger in der Debatte um die Zukunft der Mobilität ist, so bleibt sie unter den aktuellen politischen und technischen Rahmenbedingungen nur eine Utopie“, leitet Schwämmlein seinen Beitrag ein.

Bei dem Praxistest mit Elektro-Fernbussen in Deutschland, den Flixbus schon wieder eingestellt hat, haben sich „im Gegensatz zu positiven Erfahrungen in Frankreich“ einige Probleme ergeben. Demnach gab es „nicht nur in der Praxis erhebliche Hürden, auch das mangelnde Interesse und die fehlende Unterstützung der Politik erschwerten das Projekt.“ Als Beispiele führt Schwämmlein unter anderem das eingeschränkte Angebot an passenden Modellen, die mangelnde Infrastruktur sowie „keinerlei Fördermöglichkeiten“ auf.

Während sich Elektromobilität im Pkw-Bereich und im öffentlichen Nahverkehr immer weiter verbreite, stelle sie „aktuell im Fernbus-Sektor keine echte Alternative dar. Die derzeit für den europäischen Markt zugelassenen Fernbusse haben zu geringe Reichweiten und viel zu lange Ladezeiten“, kritisiert der Flixbus-Gründer. Erst mit Reichweiten von mindestens 400 Kilometern bei einer Stunde Ladezeit „könnte diese Technologie effizient und flächendeckend für den Linienbetrieb genutzt werden“. Da hiesige Hersteller keine passenden Modelle im Portfolio haben, hatte Flixbus für sein Pilotprojekt auf Modelle aus China zurückgegriffen.

„Nur eine einzige öffentliche Elektroladesäule“

Speziell für Fernbusse gebe es aktuell auch „nur eine einzige öffentliche Elektroladesäule“, und Möglichkeiten zur staatlichen Förderung „existieren ausschließlich für den Personennahverkehr“, setzt Schwämmlein seine Kritik fort. Flixbus habe für keines seiner bisherigen Fernbus-Projekte staatliche Unterstützung erhalten. Aber ohne Initiativen aus Politik und Wirtschaft sei „eine dauerhafte Mobilitätswende zu E-Fernverkehr nicht denkbar.“

Doch „das eigentliche Problem des Verkehrssektors“ sei, „dass zu viele Menschen mit dem Auto unterwegs sind.“ Es löse „keine Probleme, wenn statt der Benziner- und Diesel-Pkw die elektro- oder wasserstoffbetriebenen Varianten im Stau stünden.“ Schwämmlein ist der Meinung, dass „zu viele Menschen allein in ihren Autos auf Strecken“ unterwegs seien, „die sie eigentlich mit vielen anderen Reisenden in Bus und Bahn teilen könnten“. Daher müsse die Devise lauten: „Raus aus dem Individualverkehr, rein in den gemeinsamen öffentlichen Verkehr!

Das habe den Vorteil, dass auf der bestehenden Infrastruktur viel mehr Menschen befördert werden könnten – „bei gleichzeitig weniger Stau.“ Nachhaltiges Reisen sei „nicht erst in zehn Jahren wichtig, sondern jetzt“, findet der Flixbus-Gründer. Schwämmlein wünscht sich deshalb Maßnahmen, welche unmittelbar Erfolg versprechen. Etwa den Umstieg aus den eigenen Autos in Busse und Bahnen zu fördern, „die mit einem Mix aus alternativen Antrieben so schnell wie möglich komplett CO2-neutral werden müssen.“

Quelle: Focus — Flixbus-Gründer erklärt: Haben E-Fernbusse getestet – und es funktioniert nicht

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19 Antworten

  1. Klar ….. kein Individualverkehr, am besten nur Öffentlicher Verkehr…… am besten mit FLIXBUS….

    Was soll man sich sonst erwarten….

    Aber mit der Infrastrukturproblematik und dem fehlenden Willen der Politik hat er absolut recht

  2. Ja E-Busse im Fernverkehr sind noch Zukunftsmusik.
    E-Busse sollten wie im Privatbereich zunächst im Nahbereich eingesetzt und perfektioniert werden. Mit diesen Erfahrungen kann man dann E-Busse für den Fernverkehr bauen. Das liegt aber noch 10 – 20 Jahre in der Ferne.

    Wenn Flixbus dennoch Innovationstreiber sein möchte sollten Sie in Hybridbusse investieren, die gibt es bereits!

    1. Leider gibt es Hybridbusse nicht beim Reisebus. Bisher gibt es nur Prototypen, leider. Ansonsten wären sie deutlich besser für den Fernverkehr geeignet als batterieelektrische Reisebusse.

  3. Das können wir Deutschen am allerbesten! Ausbremsen verhindern verweigern………
    Ich bin schon lange nicht mehr Stolz ein Deutscher zu sein…….zum kotzen

  4. Der Fokus liegt noch darauf, die Bahn zu ertüchtigen. Den einzig verbliebenen privaten Fernbusbetreiber mit erheblichen Kaufbeihilfen zu fördern, kann es nicht sein. Sollte Flixbus selbst erstmal in Schnelladepunkte und Modell-Busse investieren, oder in die Umrüstung.

  5. Es gibt vereinzelt schon verdammt gute Angebote für die Öffis, vorallem Flixbus ist da attraktiv. Aber kaum wer setzt sich längere Zeit neben fremde Personen, vorallem wenn man schon die ein oder andere schlechte Erfahrung gemacht hat.
    Weiters geht es teilweise mit Individualmobilität viel einfacher um Termine und Orte zu erreichen.
    Erst mit flächendeckendem und einfachem Carsharing wird der Wunsch zum eigenen Auto weniger, das wird aber auch 1-2 Generationen dauern.
    Flexiblere Arbeitszeiten bzw. eine bessere “Arbeitsplatzzuteilung” würden Stoßzeiten und kreuzenden Pendelverkehr abmildern.

  6. Klar das der Chef von Flixbus sich mehr Personen in öffentlichen Verkehrsmitteln wünscht. Was für eine Offenbarung…. Wird aber nicht in den nächsten 10 Jahren. Weil funktioniert nicht überall und die Leute schätzen den Komfort der indivuellen Mobilität die sie seit über 50 Jahren genießen. Auch habe ich selber kein Bock meine Zeit in Bus und Bahn zu verplempern. Ich fahre morgens gut 20km zur Arbeit in rund 20 min und abends wieder zurück. Klar könnte ich das auch mit Bus und Bahn machen, wäre aber locker 60 min für eine Strecke unterwegs (schon gemacht wenn Auto in der Werkstatt). Also 1,5 Stunden am Tag bzw. 7,5 Stunden pro Woche. Sorry, aber meine Lebenszeit ist mir dann doch zu Kostbar. Dazu kommen Sondertouren wie Kind zum Kindergarten bringen (nicht jeder hat einen Platz direkt um die Ecke, sondern der KoGa liegt auf dem Arbeitsweg), Termine, flexible Arbeitszeiten etc.

    1. Ich kann deine Überlegungen nachvollziehen. Sie beziehen sich aber eindeutig nicht auf eine deutsche Großstadt. Wenn du hier 20 km zurücklegen willst im Berufsverkehr morgen und dann nochmals abends, bist du locker 2-3 Stunden am Tag mit dem Auto unterwegs. Mit der Bahn dann vielleicht nur 1,5 Stunden am Tag.
      Folglich ist der öffentliche Nahverkehrs (derzeit) leider nur in Ballungsgebieten eine gute Alternative, da er dort echte Zeit spart und man dafür die Komforteinbußen gerne in Kauf nimmt.

      1. So ungefähr wollte ich das sagen. Man muss das differenziert sehen. In der Großstadt ja. Wollte die Politik das ankurbeln müsste sie fast nur die Nutzung durch kostenlose Tickets ankurbeln.
        Im ländlichen Raum oder Kleinstädten aber keine Option. Dort sind die Menschen auf ihre Autos angewiesen, sonst kommen die nämlich nirgendwo hin.

  7. Für Fernbusse bietet sich die Technologie des Batteriewechsels an.
    Voraussetzung sind entsprechende konstruktive Batteriefixierumgen und natürlich vorgehaltene einheitliche Ersatznatterien

  8. In Deutschland wird nicht komplex gedacht, jeder wurschtelt vor sich hin. Beim Lkw probiert man Oberleitung das wäre ideal für Busse zum während der Fahrt nach zu laden, so könnte auf der Fahrt nachgeladen werden und In der Stadt Batterieelektrisch. Fernbusse fahren getaktet und somit planbar.

      1. Warum Nonsens? Die Oberleitung muss ja nicht durchgängig sein, etappenweise und vor allem bergauf würde reichen. Dazu noch über den LKW-Parkplätzen und Zack…. fertig.
        Ja, da muss ne Menge Stahldraht zwischen Stahlpfosten gehängt werden. So wie bei der Bahn. Am Anfang sicherlich kein Spaß, aber die Anzahl der LKW erlaubt eine extreme Skalierung des Modells. Und nochmal: mit ner 100 kWh Batterie an Bord kann der Abstand zwischen den Ladestrecken schon locker 20 km sein…

  9. Das Projekt ist doch die Verweigerung der Realitäten und von Anfang an zum scheitern verurteilt.
    Im Fernverkehr für den Transport-Bereich wird es bis auf weiters keine sinnvollen geeigneten BEVs geben.
    Nach allem, was man aus heutiger Sicht dazu sagen kann, ist das eindeutig das Feld des E-Antriebes mit Brennstoffzelle.

    Aber Herr André Schwämmlein könnte sich ja als sehr großer Unternehmer in diesem Bereich einem Projekt anschließen oder selbst eines ankurbeln!
    Immer die anderen….?!

    1. Jap für LKW und Fernbusse macht Wasserstoff Sinn. Batterie muss viel zo groß und Ladeleistungen ebenfalls riesig sein. Bei Autos reden wir schon von 100-250kW bei 100kWh Batterien. Für einen Bus oder LKW vom vielfachen.

        1. Tesla verspricht immer vieles und Elon Musk hat viele Visionen. Aber die Physik kann auch er nicht austricksen. Cw-Wert hin oder her, der LKW oder Bus hat eine riesige Stirnfläche. Dazu eine riesige Masse. Sagen wir mal 30t und mehr die bewegt werden muss. Und da kostet die Energie die es kostet und die ist ein vielfaches dessen eines Autos. Heißt wir reden über min. 500kWh Akku (2,5t?), wenn das man für 500km reicht (eher wohl nicht). Wenn ich so eine riesige Batterie habe, brauche ich auch richtig hohe Ladeleistungen (1000kW und mehr), weil im Lastenverkehr ist Zeit= Geld, also wird das nichts mit 2 Stunden laden oder so. Selbst wenn der Akku groß genug wäre um den Tag durchzufahren, muss ich die Energie nachts in der Standzeit wieder reinprügeln (min. 50-100kW Ladeleistung) . Und dann guckt man nochmal auf die Rastplätze was da so an LKWs steht und man sieht, dass das nichts wird.

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