Fair Cobalt Alliance möchte Kobaltabbau sozial verantwortlicher, klimaschonender und konfliktfreier gestalten

Kobalt Fair Cobalt Alliance

Copyright Abbildung(en): Fairphone / Fair Cobalt Alliance

Kobalt ist einer der gefragtesten, aber auch polarisierendsten Rohstoffe unserer Zeit. Als ein Hauptrohstoff für Batterien gilt es als Schlüsselelement für die Energiewende, die Digitalisierung sowie die Elektromobilität. Die Gewinnung des Materials findet weltweit häufig unter prekären Bedingungen statt. Die Gründungspartner Signify, Huayou Cobalt, Impact Facility, sowie die Unternehmen Fairphone, Glencore, Responsible Cobalt Initiative (RCI), Lifesaver und das Elektroauto-Start-up Sono Motors haben deshalb gemeinsam die Fair Cobalt Alliance (FCA, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Automobilhersteller Fiat Chrysler Automobiles) ins Leben gerufen.

Die FCA Partner möchten auf die Missstände im Kobaltabbau aufmerksam machen und diesen sozial verantwortlicher, klimaschonender und konfliktfreier zu gestalten. Zudem möchte die FCA eine vermittelnde Rolle zwischen Regierungen und Zivilgesellschaft einnehmen und den Dialog fördern. Auch sollen Kontrollsysteme für den Kleinbergbau (Artisanal and Small-Scale Mining = ASM) professionalisiert und für den Kampf gegen Kinderarbeit sensibilisiert werden. Die vollständige Erreichung der Ziele, die sich die Fair Cobalt Alliance gesetzt hat, soll bis zu fünf Jahre in Anspruch nehmen, so die FCA in einer aktuellen Mitteilung. Beginnen soll die Umsetzung in Minen in Kasulu und Kamilombe in der Demokratischen Republik Kongo und anschließend auf weitere Minen übertragen werden.

Kobalt gilt als Schlüsselmaterial für die Herstellung fairer und nachhaltiger Batterien. Laut Prognosen wird die Nachfrage an dem elementaren Rohstoff noch weiter steigen, jedoch kann diese nicht durch das weltweite Vorkommen an Kobalt gedeckt werden. Das Risiko, das immer mehr informelle ASM-Minen mit schlechten Arbeitsbedingungen entstehen, um die Versorgungslücke zu füllen, steigt. ASM-Minen befinden sich in Bezug auf Arbeits- und Sicherheitsbedingungen, Schutz vor Kinderarbeit und Zugängen zu legitimen, transparenten Märkten meist weit unter den internationalen Standards.

„Die Sicherheit der Kobalt-Lieferketten ist nun wichtiger denn je, da unser Bedarf an diesem extrem wichtigen Mineral in der neuen digitalen Wirtschaft offensichtlich wird. Wenn wir Umwelt-, Sozial- oder Arbeitsprobleme in Lieferketten finden, sollten wir nicht wegsehen, wir sollten uns nicht abwenden, sondern es als unsere Pflicht sehen, Maßnahmen zu ergreifen und Verbesserungen vorzunehmen. Die Fair Cobalt Alliance ist ein mutiger Schritt genau in diese Richtung. Es gilt einen systemischen Wandel herbeizuführen, indem man mit lokalen Partnern und allen Unternehmen in der Lieferkette zusammenarbeitet, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen.“ – Dr. Assheton Stewart Carter, Geschäftsführer der Impact Facility und Fair Cobalt Alliance

Die Allianz setzt sich für kinderarbeitsfreie Kolwezi-Minen ein und möchte Kindern und Jugendlichen einen Zugang zu Bildung und Berufsausbildung ermöglichen. Desweiteren möchte die FCA in Gemeinschaftsprogramme, die auch andere nachhaltige Lebensbereiche außer den Bergbau fördern, investieren. Um das allgemeine Haushaltseinkommen der Gemeinschaft zu steigern, liegt der Fokus auf der Unterstützung der Landwirtschaft, des Unternehmertums und der Finanzkompetenz.

Mehr als zwei Drittel des weltweiten Kobaltangebots stammen aus der Demokratischen Republik Kongo (DRK) und obwohl der Großteil aus großen Bergbaubetrieben gewonnen wird, tragen ASM–Minen einen erheblichen Teil dazu bei. Im Jahr 2019 setzten diese Minen 11 Prozent der Kobaltproduktion um, während sie auf dem Höhepunkt der Kobaltpreise im Jahr 2018 sogar 20 Prozent verzeichneten. Noch bedeutender ist, dass der Kleinbergbau eine Quelle direkter Beschäftigung für mehr als 100.000 Menschen ist, wobei die Zahl der Beschäftigten auf der Grundlage der jeweils aktuellen Marktpreise schwankt. Insbesondere jetzt, angesichts der andauernden weltweiten Pandemie. Experten schätzen, dass in der DRK rund insgesamt 1,5 bis 2 Millionen Menschen im Metall- und Edelsteinabbau tätig sind.

„Millionen von Lebensgrundlagen in der Demokratischen Republik Kongo und auf der ganzen Welt hängen von ASM ab. Die OECD ermutigt die Industrie sich durch fortschreitende Verbesserungen verantwortungsbewusst mit dem Sektor auseinanderzusetzen, anstatt ihn zu meiden – oftmals bleiben Schwierigkeiten in ASM dadurch verborgen. Wir unterstützen vollstens das Ziel der Fair Cobalt Alliance, in bessere Arbeitsbedingungen für ASM und ähnliche Projekte zu investieren, um mehr Transparenz für den Sektor zu schaffen und gleichzeitig den Marktzugang für Kleinproduzenten zu erweitern.” – Benjamin Katz, Policy Analyst bei der OECD

Die FCA wurde vom Social Business Fairphone und seinen Partnern Signify, einem weltweit führenden Unternehmen für Beleuchtung, Huayou Kobalt, ein führender Kobaltlieferant und der Impact Family gegründet, eine Organisation zur Regulierung der Lieferketten, um ASM-Gemeinschaften zu stärken und eine Differenzierung der Bergbau-Ökonomen zu ermöglichen. Die FCA integriert Kobalt aus ASM-Betrieben in der Lualaba Provinz aus der Demokratischen Republik Kongo mit globalen Lieferketten für die Automobil- und Elektroindustrie.

Zu den Gründungsmitgliedern gesellten sich auch Glencore, die nicht unumstrittene und eine der weltweit größten im Rohstoffhandel tätige Unternehmensgruppe, und die Responsible Cobalt Initiative (RCI), ein Programm, das von chinesischen Kobaltraffinerie- und Bergbauunternehmen, die im Kongo tätig sind, ins Leben gerufen wurde. Die RCI widmet sich den Risiken, denen die Minenarbeiter ausgesetzt sind. Auch der deutsche Mobilitätsanbieter Sono Motors, das aktuell ein Solar-Elektroauto entwickelt, und das Unternehmen Lifesaver, das mobile und mietbare Powerbanks anbietet, haben sich der Initiative angeschlossen.

Wissens- und Entwicklungsorganisationen, darunter das Miller Centre for Entrepreneurship, und die kongolesische Zivilgesellschaft, darunter das Centre Arrupe pour la Recherche & Formation (CARF), unterstützen die Initiative ebenfalls aktiv. Das niederländische Außenministerium und das Ministerium für Außenhandel und Entwicklungszusammenarbeit, die von der niederländischen Unternehmensagentur The Netherlands Enterprise Agency umgesetzt werden, tragen durch einen Zuschuss über mehrere Jahre zum Bündnis (FCA) bei.

Quelle: FCA – Pressemitteilung vom 25.08.2020

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Das ist sicher eine gute Sache, wir sollten aber auch bedenken, dass der Kobaltabbau erst ein Thema ist, seit es Diskussioen über E-Auto-Akkus gibt. Den Leuten soll wohl vermittelt werden, dass das E-Auto an den teilweise schlechten Bedingungen eine Mitschuld trägt, dass aber die Millionen Handy- und Laptopakkus offensichtlich keine Rolle spielen. Dass Kobalt auch im Verbrenner steckt, und es noch andere Materialien gibt, die große Probleme verursachen wird leider verschwiegen. So ist auch der Ölsandabbau derzeit kein Thema, man hat ja jetzt den bösen Akku als größten Umweltverschutzer entdeckt. Das ist die totale Verdummung des Volkes!

Lustig meine ich, ist die Tatsache, dass Sono sich daran beteiligt, denn Sono hat noch kein einziges Auto produziert und arbeitet seit 5 Jahren an einem Prototypen der ständig verändert wird. Außerdem wird Sono seine wenigen Akkus beim Zulieferer kaufen, der wiederum seine Zellen beim Zulieferer einkauft, der dann da wohl auch noch was zu sagen hat.

Und Übrigens: In wenigen Jahren wird Kobalt aus den Akkus komplett verschwunden sein. Wird sich dann diese „Umwelt-Fairhandels-Gemeinschaft“ auflösen? Ja und nein, man wird sie einfach vergessen und die Diskussion wird im Sande verlaufen.

Tesla benützt in seinen Zellen momentan noch 0.5% Kobalt. Tendenz geht in Richtung = ZERO. 🙂

Wer braucht denn ab 2021 noch Cobalt ? Ach ja die Verbrennerhersteller um CO2-Strafen zu reduzieren. Unsinnige veraltete Pouchzellen für Pseudo-BEVs und Plugin-Hybrid-Dreckschleudern.
Trotzdem positiv, zumal sich industrieller Abbau für die abermillionen Smartphones und sonstigen Kleingeräte immer noch nicht lohnt – Kinderarbeit ist immer noch am wirtschaftlichsten. Wie alt ist denn euer Smartphone mit dem fest verbautem Akku ?

Will Sono dort mit hohlem Magen einsteigen? Die merken gar nicht , dass Cobalt bald gar kein Thema mehr ist. Wenn sie schon mal was verdient hätten, und gescheit wären , würden sie sich Gedanken machen, wie man den Wasseraufwand beim Litziumgewinnen einschränken könnte.

Zunächst ist der Abbau von Kobalt kein weltweites Problem, auch in der DR Kongo gibt es Unterschiede. Aktuell gehen 80 % in andere Anwendungen als für die Elektromobilität. Auch in Verbrennungsmotoren gibt es geringe Mengen Kobalt, bzw. für die spanabhebende Bearbeitung für Teile von Verbrennungsmotoren werden Werkzeuge mit Kobaltanteilen verwendet. Diese gehen allerdings verloren, im Gegensatz zum Kobalt in Akkus. Wie oben schon geschrieben wird es zukünftig Akkus ohne Kobalt geben. Damit ist das Problem des präkeren Abbaus nicht gelöst. Hoffentlich bleibt die Fair Cobalt Allianz dann noch erhalten. Wer fragt nach Tantal, Cer, Germanium, Platin, Ittrium usw.? Der Abbau und Verlust von Rohstoffen ist ein grundsätzliches Problem. Die Wahrnehmung ist sehr einseitig. Es gibt kein Material das ausschließlich aus sauberem Abbau und Herrstellung kommt. Selbst für Stahl, Kupfer oder Aluminium gibt es negative Beispiele. Das heißt aber nicht, dass diese Metalle grundsätzlich problematisch sind. Der Massenanteil von Rohstoffen für Batterien liegt im Vergleich zum Gesamtverbrauch kumuliert, im Nullkomma-Bereich. Wer fragt nach den anderen 99,9 Prozent? Zum Glück bewirkt die Energie- und Mobilitätswende ein „Hallowach“!

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