Europa: Plug-In-Hybride- überholen erstmalig Elektroauto-Zulassungen

Europa: Plug-In-Hybride- überholen erstmalig Elektroauto-Zulassungen

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Matthias Schmidt, Automobil-Analyst aus Berlin, gibt uns abermals die Möglichkeit einen Blick auf die E-Auto- und Plug-In-Hybrid-Zulassungen am europäischen Markt zu werfen. Betrachtet haben wir nachfolgend den Zeitraum von Januar bis Ende Juli 2020. Dabei zeigt sich eine Verschiebung am Markt, weg von E-Auto- hin zu Plug-In-Hybrid-Zulassungen. Im Juli selbst war es den Teilzeitstromer erstmalig möglich die E-Auto-Zulassungen hinter sich zu lassen.

Betrachtet man den europäischen Elektroautomarkt (PHEV und E-Autos) in Gänze, zeigt sich, dass in den ersten sieben Monaten des Jahres 2020 insgesamt 499.532 Fahrzeuge mit Stecker zugelassen wurden. Aufgeteilt in 268.802 reine Elektroautos sowie 230.730 Plug-In-Hybride; der größte Schwung an Neuzulassungen (~ 20 Prozent) aber allein im Monat Juli 2020 stattfand. Betrachten wir den Juli im Detail, zeigt sich, dass 53.084 E-Autos sowie 57.900 Teilzeitstromer zugelassen wurden.

Mit dem mehr an PHEV-Zulassungen nähren sich zudem Stromer und Teilzeitstromer hinsichtlich der Gesamtzulassungszahlen weiter an. Ende Juni blickten wir noch auf 215.711 reine E-Auto- sowie 164.063 PHEV-Zulassungen auf Europas Elektroauto-Markt.  Bereits im Juni ging Schmidt davon aus, dass die Plug-In-Hybride im Juli die die Oberhand gewinnen. Da insbesondere Fahrer mit einem Dienstwagen von entsprechend niedrigeren Steuern gegenüber Verbrenner profitieren könnten. Des Weiteren sei für die zweite Jahreshälfte mit massivem Wachstum zu rechnen, vor allem beim Absatz von E-Autos, welche über entsprechende Leasing-Deals am Markt platziert werden sollen. Aber auch PHEVs dominieren davon. Seine Aussage hat sich relativ schnell bestätigt, wie wir an den absoluten Zahlen sehen.

Plug-In-Hybrid- und E-Auto-Zulassungen auf Herstellerseite

Nachfolgend betrachten wir, wie sich Elektroauto- und PHEV-Anteil auf Herstellerseite verhalten. Welcher Hersteller mehr auf Teilzeitstromer oder Vollstromer setzt und wie der Anteil an den Gesamtzulassungen des jeweiligen Herstellers bis Ende Juli 2020 aussehen.

An vorderster Front steht der VW-Konzern, welcher es auf 59.232 reine E-Autos sowie 41.136 PHEV im Zeitraum Januar bis Juli 2020 brachte. Sprich, die reinen Stromer überwiegen weiterhin mit gut einem Drittel der Zulassungen. An der Gesamtanzahl der Zulassungen des VW-Konzerns machen “Stecker-Fahrzeuge” 6,9 Prozent aus. Hierbei entfallen 4,1 Prozent auf E-Autos, sowie 2,8 Prozent auf 2,8 Prozent. Betrachtet man den gesamten europäischen Elektroautomarkt beansprucht der VW-Konzern 20,1 Prozent der „Stecker-Zulassungen“ für sich.

Deutlich positiver sieht es bei Renault-Nissan-Mitsubishi aus. Dort treffen 60.744 E-Autos auf 17.766 Teilzeitstromer. Fast dreieinhalb Elektroautos steht sozusagen einem Plug-In-Hybrid gegenüber. Insgesamt bringt man es auf 12,8 Prozent Anteil an den Gesamtzulassungen des eigenen Absatzes. Dies entspricht fast dem doppelten Anteil wie der des VW-Konzerns, rein prozentual betrachtet. 9,9 Prozent entfallen hierbei auf reine Stromer sowie 2,9 Prozent auf Teilzeitstromer. Dabei zeigt sich bei detaillierter Betrachtung, dass der Großteil der Plug-In-Hybrid-Zulassungen durch Mitsubishi erbracht wird. Diese steuern alleine 16.995 der insgesamt 17.766 PHEV an Zulassungen bei. An Europas E-Automarkt ist die Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz mit 15,7 Prozent Anteil vertreten.

Von Seiten PSA blickt man auf einen fast ausgewogenen Anteil an E-Autos (30.535) gegenüber Teilzeitstromer (23.462) – zumindest im Vergleich zu den ersten beiden Plätzen. Diese Zahlen führen zu einem Anteil von 6,2 Prozent Stecker-Fahrzeuge am Gesamtabsatz des Herstellers. Dieser setzt sich prozentual betrachtet aus 3,5 Prozent E-Autos sowie 2,7 Prozent PHEV zusammen. Anzumerken ist, dass vor allem Peugeot seinen Beitrag mit 18.846 E-Autos sowie 13.124 Teilzeitstromer zu den Zulassungszahlen beiträgt. Dies bringt PSA ein Anteil von 10,8 Prozent am europäischen E-Automarkt ein.

Die BMW Gruppe pendelt sich bei 12,5 Prozent “Steckeranteil” ein, wobei die meisten Stecker ihren Weg hierbei in teilelektrifizierte Stromer (38.426) und nicht in E-Autos (14.937) finden. Dies spricht natürlich auch für die jeweilige Positionierung am Markt und ist ein deutliches Zeichen dafür, wie die Hersteller ihre CO2-Vorgaben erfüllen möchten. Am europäischen Gesamtmarkt liegt man mit 10,7 Prozent-Anteil nur einen Hauch hinter PSA. Gleiches gilt für die Hyundai Gruppe – bestehend aus Hyundai und KIA – welche es auf ebenfalls 10,7 Prozent Marktanteil bringen. Bei diesen dreht sich das Ganze allerdings ein wenig. Setzt man dort eher auf Stromer (36.569) gegenüber PHEV (16.939).

Es reiht sich daraufhin Volvo Cars ein – bestehend aus Volvo und Polestar – diese zählten fast nur PHEV: 38.566 bei Volvo sowie mittlerweile 55 Zulassungen bei Polestar, welche wohl auf den Polestar 1 entfallen. Des Weiteren konnten 45 reine E-Auto-Zulassungen bei Volvo, sowie 140 bei Polestar verzeichnet werden. Jedes vierte Fahrzeug (27,2 Prozent) wurde übrigens mit einem Stecker zugelassen. Was zu einem Anteil von 7,8 Prozent am europäischen Gesamtmarkt führt.

Zu guter letzt wollen wir Daimler bei den deutschen Hersteller nicht außer acht lassen, welche in kleineren Stückzahlen eine ähnliche Aufteilung wie die BMW Gruppe zu Gunsten von PHEV (24.236) gegenüber reinen E-Autos (13.565) vorweisen. Bei einem Gesamtanteil von um die 10,2 Prozent am eigenen Absatz. Sowie 7,6 Prozent, wenn man es am europäischen Elektroautomarkt misst. Über Teslas Plug-In-Hybrid-Anteil sowie Gesamtanteil an Steckerfahrzeugen am Gesamtabsatz muss man keine Worte verlieren. Bei den Stromern brachte es der amerikanische Automobilhersteller bis Ende Juli 2020 auf 37.565 Zulassungen in Europa.

Ford fährt aktuell auch noch die reine PHEV-Schiene und bringt es dort auf 14.390 Fahrzeuge und einen Anteil am Gesamtabsatz von 2,9 Prozent. Jaguar Land Rover präsentiert sich eher ausgeglichen, wobei Jaguar für die Stromer (4.163) und Land Rover für die Teilzeitstromer (3.257) verantwortlich scheint. Gemeinsam landen die beiden Marken bei 1,5 Prozent “Steckeranteil” am Gesamt-PKW-Absatz.

Rein elektrisch geht es hingegen nur noch bei SAIG / MG zu, welche 5.714 Autos in diesem Bereich zulassen konnten und es auf einem Gesamtanteil an Europas E-Automarkt von 1,1 Prozent brachten. Toyota/ Lexus, Honda sowie Fiat, Jeep und Mazda konnten ebenfalls E-Autos und PHEV am Markt absetzen, allerdings in so geringem Umfang, dass wir deren Zahlen aktuell noch nicht im Detail betrachten.

Mitsubishi, Ford und Volvo bei PHEV-Modellen ganz vorne dabei

Nicht ganz so ausführlich betrachten wir nun die PHEV-Modelle, welche für das Wachstum am europäischen Elektroautomarkt verantwortlich sind. Hier zeigt sich nach wie vor, dass der Mitsubishi Outlander mit 16.995 Einheiten sowie einem Anteil von 7,4 Prozent am Gesamtmarkt ganz klar an der Spitze steht. Übrigens seit mehreren Monaten unverändert. Darauf folgt der Kuga von Ford als Teilzeitstromer mit 5,8 Prozent Marktanteil, beziehungsweise 13.346 zugelassenen Fahrzeuge. Komplettiert wird das Trio an der Spitze durch den Volvo XC60 als PHEV mit 4,6 Prozent Anteil und 10.628 zugelassenen PHEV. Mit jeweils 4,5 Prozent Marktanteil folgen darauf der Volvo XC40 (10.371) sowie der VW Passat mit 10.628  Einheiten.

Danach taucht mit dem Volvo V/S60 (9.919) erneut ein schwedischer Teilzeitstromer auf. Danach geht es dann aber bunt gemischt weiter. Vertreten sind dann dort der Peugeot 3008 (8.798), BMW-3er Serie (8.261), die C-Klasse von Mercedes-Benz (6.706). Darauf folgt der KIA Niro als Plug-In-Hybrid mit 6.523 Zulassungen, relativ dicht darauf die E-Klasse von Mercedes-Benz mit 6.485 zugelassenen Fahrzeugen. Audi ist ebenfalls mit dem A3 PHEV (6.298) vertreten, bevor mit dem X5 abermals ein Teilzeitstromer von BMW folgt (6.236). Abgeschlossen wird die Top 15 der Plug-In-Hybrid-Zulassungen am europäischen Elektroautomarkt durch den Skoda Superb (5.953) sowie den MINI Countryman mit 5.931 Zulassungen.

Quelle: Matthias Schmidt – The European Electric Car Report West European Market Intelligence – Edition 07.2020

Über den Autor

Sebastian hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere Alternative Antriebe werden betrachtet.

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Die ganzen verbalen Bewertungen in der Zahlenfuchtelei bringen ohne relevanten Kontextbezug (sprich Modellangebot, Preispunkte, Lieferbarkeit, Marktanteile im „traditionellen“ Markt, Verteilung in den Segmenten) ziemlich wenig.

Also Peter, logisch, es kaufen z. Zt. mehr Leute Hybrid s als reine E Autos. Die `Hybridigen werden nachher voll auf E umsteigen. Als Lockvogel sind die Verbrenner – Mischlinge gar nicht so schlecht……..

Oder es kaufen derzeit mehr Leute Hybrid, weil Elektro schlechtes Angabeot und schlechte Lieferzeiten hat. Es gibt vom Golf 3 (!) verschiedene Hybridvarianten, dazu kommt z.B. der Passat GTE. Der eGolf ist aber nicht mehr bestellbar, der ID3 wird noch nicht geliefert. Ich zitiere mal „Deutlich positiver sieht es bei Renault-Nissan-Mitsubishi aus.“… das ist nicht „positiver“, sondern eine Folge der Schwäche des Verbrenner-Angebots und weil die in ihrem Bereich mit der Zoe derzeit noch konkurrenzlos lieferfähig sind und weil sie (noch) kaum Hybride anbieten. Deren Angebot abseits der Zoe ist so schlecht, dass es denen ohne Zoe an den Kragen gehen würde. Gegenbeispiel: Wie viele Elektromodelle bieten Ford, Toyota, Daimler oder BMW an und wie viele Hybride? Oder Fiat?
Was nicht angeboten wird, kann nicht verkauft werden. Insofern ist die Verschiebung der Anteile einfach die Folge des Angebots und hat wenig mit einer „freien“ Entscheidung der Kundschaft zu tun. Freie Entscheidungen sind grundsätzlich nur dann möglich, wenn alle Optionen auch realisierbar sind. Das ist aber bei Elektroautos gar nicht gegeben, weil die Lieferbarkeit und die Modelpalette minimal ist. Wie verteilen sich denn die Segmente (Kleinwagen, Mittelklasse etc). im Verbrennermarkt? Und welche äquivalenten Angebote gibt es in den jeweiligen Segmenten im Elektrobereich und was gibt es im Hybridbereich? In der zahlenstarken Kleinwagenklasse gibt es die VAG-Drillinge, die nicht lieferbar sind. Und ’nen absurd bepreisten Smart. Der tritt dann gegen europaweit massenhaft verkaufte Fiat Panda (auch als Mildhybrid) und co an.
Es kann nur das verkauft (und angemeldet) werden, was kauf- und lieferbar ist. Und genau da stehen die Hybriden deutlich besser da, als die reinen Elektrischen. Deswegen ist dieses ganze Zahlengeschwurbel ohne Einordnung in den Marktkontext vergeudete Zeit für den Autor und für den Leser. Und sowas finde ich persönlich nervig, zumal es (leider) hier schon häufiger stattfand. Ne stumpfe Grafik oder Tabelle hätte den gleichen Informationsgehalt und wäre übersichtlicher. Und weil ich den Blog hier supporten will, versuche ich auf diese Mängel hinzuweisen, damit der Blog besser werden kann.

Völlig richtig Peter 1+
Den meisten Herstellern ist nicht daran gelegen e-Autos in großen Stückzahlen zu verkaufen daher wird nur das Angeboten was unbedingt nötig ist um die CO2 Flottengrenzwerte ohne Strafzahlungen einhalten zu können. Mit den Verbrennern ist einfach noch zuviel Geld verdient.
Hier wäre die Politik gefragt. 50% Strafsteuer auf jeden neuverkauften reinen Verbrenner und 35% bei Plug-Ins. Dann wären die Preise auf e-Auto Niveau.
Die Hersteller würden dann entsprechend anbieten, der Kunde hätte mehr Auswahl bei ähnlichen Preisen und würde sich au vielen Gründen viel häufiger für die reinen e-Varianten entscheiden und die Statistik würde sich entsprechend zugunsten dieser verändern.

Sind sie eben nicht! Das einzige was damit erreicht wird ist, dass weiterhin Verbrenner verkauft werden. An Käufer die den Schummeleien der Verbrennerhersteller glauben und daraus schliessen etwas gutes für die Umwelt zu tun. Ich bin selber vor über 10 Jahren darauf hereingefallen. Hybrid ist ein ganz perfider Schachzug den Käufern eine angeblich saubere fortschrittliche Technologie aufzuschwatzen. Mit dem scheinheiligen Argument das beste aus zwei Welten zu erhalten. Dabei geht es nur darum dem Verbrenner ein grünes Mäntelchen zu verpassen. Das schlimmste daran ist: das wird auch noch subventioniert! Ein BEV ist heute alternativlos das einzige das unsere Umwelt entlasten kann und es gibt gar nichts was ein PEHV besser kann. Ausser weiterhin unnötig giftige Abgase zu produzieren.

Sicherlich erwartet man das in den News auch was steht. Und was dort steht, sollte „reißerisch „ sein, damit man es liest. Falsch ist der Zahlenkram nicht. Die Schlussfolgerungen hingen vielschichtig. Wer auf dem Automarkt ein e- oder Stecker- Auto sucht, wird beim Stecker vielseitiger mit kurzen Lieferzeiten fündig. Den gibt es schon seit ca 12 Jahren. Den einfachen Hybrid noch länger. Wen wundert es da, dass das Angebot zwischen Elektroautos und Plug in Hybriden zum Nachteil der neueren Elektroautos ausfällt. Aber es könnten natürlich auch andere Gründe geben ….

Ja. Hartwig, aber es werden immer weniger……………..

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