Elektrische Pickup-Trucks – ein Überblick!

Elektrische Pickup-Trucks - ein Überblick!

Copyright Abbildung(en): Rodrigo Garrido / Shutterstock.com

Das Pickup Segment in den USA beherrschen V6 oder V8 Benziner Fahrzeuge, trotz der Verfügbarkeit von sprit-‘ärmeren’ Dieselmotoren bei Dodge, GMC, Chevrolet und Ford. Die Einteilung der klassischen Pick-ups erfolgt in den USA in Small oder Midsize, Upper Size und Full Size. Der Umsatz im Segment Pickup-Trucks beträgt laut Statista in den USA 2020 etwa 64,5 Mrd. Euro, er wird im Jahr 2023 voraussichtlich bei 71,4 Mrd. Euro liegen. Der durchschnittliche Preis eines Pickup-Trucks liegt im Jahr 2020 umgerechnet bei knapp bei 26.200 Euro. In Australien dominieren seit ein paar Jahrzehnten die japanischen Modelle von Nissan, Mitsubishi und Toyota die Verkaufsstatistiken.

Auch in Europa dominieren bei den Verbrennern die japanischen Modelle wie Nissan Navarra oder Toyota Hilux. Erst in den letzten Jahren sind mit dem VW Amarok und dem Mercedes-Benz X-Klasse zwei deutsche Pickup-Trucks auf den Markt gekommen. Die X-Klasse wird allerdings im Laufe des Jahres 2020 wieder eingestellt. Überhaupt tummeln sich in dem kleineren Pickup Segment mit Modellen von etwa einer Tonne Nutzlast in Europa recht viele Hersteller. Hier dominiert bislang der Diesel als Antrieb, auch wenn mit dem Start der Pickups mit elektrischem Motor Bewegung in das Segment kommen dürfte.

Welche Hersteller bieten elektrische Pickup Trucks an?

Elektrisch betriebene Pickups stellen aus Sicht der amerikanischen Automobilindustrie ein höchst spannendes Marktsegment dar. Interessant ist hierbei, dass die bekannten Konzerne wie etwa Ford, General Motors und Fiat-Chrysler bislang sehr zurückhaltend mit Ankündigungen in elektrische Pickup-Trucks waren. Sie verdienen zu gut an den monströsen, in den USA meist mit Benzinmotor angetriebenen Boliden. Dennoch kommen die traditionellen Pickup Hersteller aus den USA nicht mehr an elektrischen Versionen ihrer Fahrzeuge vorbei.

Die elektrischen Pickup Trucks der traditionellen Hersteller in den USA

Bereits 2019 verkündete Ford auf der Auto Show im heimischen Detroit einen Ford F-150 Electric, die Medien in Nordamerika spekulieren auf einen Starttermin im Jahre 2021. Bei geheimen Tests in Michigan sah dieser elektrische F-150 Pickup von Ford weitgehend gleich aus wie der vorhandene Benziner, mit Ausnahme eines Platzes zum Einstecken des Ladesteckers und einer etwas höheren Fahrhöhe für die Montage der Batterien unter dem Fahrerhaus.

Auf einer Investorenkonferenz Ende des Jahres 2019 kündigte GM CEO Mary Barra einen elektrischen Pickup aus dem Hause GM für das Frühjahr 2021 an. GM spürt vor allem den Druck von Ford, seine Pickups zu elektrifizieren. Schließlich sind die Ankündigung eines eigenen elektrischen Pickups des großen Wettbewerbers und dessen Investment in das Mobility Startup Rivian Zeichen genug für GM.

Ein Pickup Startup baut seine elektrischen Fahrzeuge im ehemaligen GM Werk. Quasi eine Zwischenlösung zwischen den traditionellen Pickup Herstellern und den Startups mit ihren elektrischen Pickup Lösungen stellt Lordstown Motors aus Ohio dar. Das Unternehmen wurde vor ca. einem Jahr in Lordstown im Bundesstaat Ohio gegründet, und rüstet in einem ehemaligen GM-Werk herkömmliche Verbrenner-Pickups auf Elektro-Pickup Trucks um. Die Führungsmannschaft des Unternehmens besteht aus erfahrenen Führungskräften wie dem ehemaligen Workhorse-Gründer und CEO Steve Burns, sowie dem ehemaligen Tesla-Produktionsleiter Rich Schmidt und ehemaligen Mitarbeitern von Tesla, VW, Toyota und anderen Unternehmen aus der Automotive-Branche. Lordstown Motors hat seinen sogenannten Endurance Elektro-Pickup Mitte des Jahres 2020 vorgestellt.

Der E-Pickup-Truck soll ab einem Preis von 52.500 US Dollar zu haben sein, eine Reichweite von über 400 km (250 Meilen) aufweisen und mit über 600 PS eine Höchstgeschwindigkeit von gut 130 km/h (80 mph) erreichen. Diese Daten weisen auf einen direkten Wettbewerb zum elektrischen Ford F-150 Pickup Truck hin. Lordstown Motors erklärte am Ende des ersten Quartals 2020, es habe 1.000 weitere Aufträge für seinen elektrischen Pickup erhalten. Der in Florida ansässige Anbieter von EV-Ladegeräten, Innervations, plant, 1.000 der Lordstown Endurance-Pickup-Trucks an Unternehmen zu vermitteln, die ihre Flotten von gas- oder dieselbetriebenen Fahrzeugen auf EVs umrüsten. Lordstown hat weitere Aufträge von Clean Fuels Ohio, einer gemeinnützigen Agentur für saubere Energie und von dem Stromversorgungsunternehmen FirstEnergy erhalten. Dieser B2B Ansatz funktioniert für Lordstown ausgesprochen gut.

Die Startup Herausforderer mit ihren elektrischen Pick-up Trucks

Es sind viele junge Fahrzeugproduzenten, die sich auf elektrische Antriebe der Pickups spezialisieren und so als Herausforderer der traditionellen Autokonzerne angetreten sind. Die folgenden Pickup Hersteller stehen inzwischen mit ihren elektrischen Pickup Fahrzeugen innerhalb der nächsten zwei Jahre vor der Markteinführung:

Atlis – bereits seit November 2016 arbeitet Atlis Motor Vehicles an einem elektrisch angetriebenen Pickup und der dazu passenden Infrastruktur. Im Dezember 2020 soll der Atlis XT Pickup Truck mit drei verschiedenen Batterieoptionen auf den Markt kommen. Die Reichweiten sollen dann 483, 644 oder 805 Kilometer betragen.

Bollinger – der amerikanische Hersteller rühmt sich mit dem Bollinger B2 einen echten ‘bad-ass pickup truck’ zu bauen, frei übersetzt steht das für ‘böse Buben’. Ein Pickup für vier Passagiere mit ungeheurer Zugkraft, gut 320 km Reichweite und einem brachial anmutenden Design. Auslieferungen sind ab 2021 geplant. Interessant ist auch die Ankündigung von Bollinger, neben dem B2 Pickup und dem B1 SUV zukünftig ein Fahrgestell für andere Anbieter zur Verfügung zu stellen. Dieses E-Fahrgestell ist die gleiche Plattform, die sich auch der B1-SUV und der B2-Pickup von Bollinger teilen. Es wird auch zukünftige Modelle und andere von Bollinger Motors entwickelte Fahrzeuge aufnehmen, sagte das Unternehmen.

Das E-Fahrgestell kann an Kundenwünsche angepasst werden und wird einen 120-kWh-Batterieblock oder einen optionalen 180-kWh-Batterieblock, Allradantrieb, Doppelmotor, Portal-Getriebenaben, hydraulische Anti-Blockier-Bremsen und die Fähigkeit zur Beförderung einer 5.000-Pfund Nutzlast umfassen. Der Schritt spiegelt einen breiteren Trend unter den Mobility Startups wider. Sie ziehen kommerzielle Anwendungen wie die Vermarktung der eigenen Plattform in Betracht, um weitere Erlösquellen in diesem kapitalintensiven Geschäft zu erschließen.

Nikola Motors – im Februar kündigte der CEO Trevor Milton einen elektrischen Pickup mit dem Namen Badger an, der sowohl mit eigener Batterie, als auch mit Wasserstoff als Energiequelle betrieben werden kann. Nikola Motors ist somit der einzige der neuen Hersteller von Pickup Trucks, der auf die Brennstoffzelle und Wasserstoff im Fahrzeug setzt. Die Kompetenz für diese Kombination mit einem Elektromotor hat sich Nikola Motors mit Hilfe seiner Forschung und Entwicklung im Lkw Bereich erarbeitet. In einem Joint Venture mit IVECO bringt das Mobility Startup einen Wasserstoff Lkw auf den Markt, der in Ulm produziert werden wird. Der Badger könnte gemeinsam mit GM den Weg auf die Straße finden.

Rivian – das amerikanische Mobility Startup Rivian hat ein paar echte Schwergewichte in seiner Investorengruppe zu verzeichnen. Im vergangenen Dezember schloss Rivian eine Finanzierungsrunde über 1,3 Milliarden US Dollar, unter den Investoren sind Amazon, Ford Motor Company und von BlackRock verwaltete Fonds. Der vollelektrische Rivian Pickup Truck RT1 EV befindet sich nach Auskunft des Konstruktionsteams auf der Zielgeraden. Zunächst plante Rivian seinen elektrischen Pickup noch in 2020 auf den Markt zu bringen. Doch Corona machte Rivian einen Strich durch die Planung. Rivian verschiebt also die Produktion seiner ersten Elektrofahrzeuge ins Jahr 2021. Das EV-Startup hat alle seine Anlagen inmitten von COVID-19 geschlossen. Derzeit ist man dabei, seine Produktionsstätte in Normal, Illinois, umzurüsten, die zuvor ein Mitsubishi-Werk war. In einer E-Mail informierte Rivian jetzt seine Kunden, es sei wahrscheinlich, dass die Werksschließungen zu einem gewissen Grad an Lieferverzögerungen führen würden.

Tesla – Ende 2019 präsentierte Elon Musk einen elektrischen Pickup, den Tesla Cybertruck, der aufgrund seines futuristischen Designs weltweit für Aufsehen sorgte, innerhalb von Tagen waren mehrere Hundertausend Exemplare dieses Cybertrucks vorbestellt.

Elektrische Pickup Trucks kaufen

Natürlich ist es an dieser Stelle noch zu früh, die einzelnen Pickup Trucks untereinander zu vergleichen, zumal die meisten Modelle noch weit entfernt von einer Serienreife sind. Dennoch haben wir uns einmal an einen Vergleich der Kaufpreise der elektrischen Pickup-Trucks gewagt. Hier kommt es jedoch auch darauf an, ob die Pickup Hersteller die Fahrzeuge über den hauseigenen Händlerkanal, oder direkt verkaufen. Atlis und Tesla verkaufen zum Beispiel direkt und ohne Zwischenhandel.

Die Preise der elektrischen Pickup-Trucks basieren auf den Angaben der Hersteller, den in den amerikanischen Medien genannten Vorhersagen und sind jeweils in US Dollar angegeben:

  • Atlis XT – ab 45.000 $
  • Bollinger B2 – ab 125.000 $
  • Ford F-150 Electric – unter 100.000 $
  • Lordstown Motors Endurance – ab 52.500 $
  • Nikola Motors Badger – noch nicht bekannt
  • Rivian RT1 EV – ab 70.000 $
  • Tesla Cybertruck – ab 39.990 $

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Toller Artikel !
Danke

@Autor

Könnten Sie bitte nochmal die Zahlen bzgl. der Umsätze prüfen? Die Angaben von 64,5 bzw. 71,4 „Millionen“ (!) halte ich für fehlerhaft, vermute das sollten Milliarden sein.

Mit besten Grüßen

Danke für den Hinweis. Haben es angepasst.

Nicht noch mehr Stadtpanzer – Nobel-Kleinlastwagen, die meist leer durch die Gegend fahren.

Leute, die täglich Sachen transportieren müssen, nehmen einen Pritschenwagen mit 3 Klappwänden, der ist viel praktischer. Den Pickup fährt vielleicht der Chef – als Statussymbol und „ich könnte laden, wenn ich wollte“.

Richtig, Daniel, in meinen Augen ist diese Fahrzeugkategorie schon als Verbrenner der absolute, sorry, Schwachsinn. Als EV topt es das ganze noch. Tonnenschwer, riesiger Akku und ein cw-Wert wie ein Scheunentor, das ganze nur um einen EGO zu transportieren. Ganz ehrlich, was die Pickups für die USA sind, sind die SUVs für Deutschland. Genau der gleiche, wieder sorry, da sich bestimmt einige auf den Schlips getreten fühlen, Schwachsinn!

Der Badger von Nikola ist gestrichen. Alle anderen Pickups fahren noch nicht auf der Strasse.

Aber viele sind schon sehr weit. Der von Ford wird kommen, der Hummer wurde vorgestellt, Rivian wurde auch schon vorgestellt und Tesla baut auch eine Fabrik.
Schade das VW da nicht mitmacht.

Der Hummer fehlt noch.

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