E-Fahrzeuge sollen weltweit ab 2030 beliebter sein als Verbrenner

E-Fahrzeuge sollen weltweit ab 2030 beliebter sein als Verbrenner

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2030 könnten weltweit erstmals mehr Autos mit Elektroantrieben als mit klassischer Verbrenner-Technik verkauft werden, so eine aktuelle Analyse der Boston Consulting Group (BCG). Bis 2025 sollen Elektrofahrzeuge bereits ein Drittel des weltweiten Absatzes ausmachen. Die Unternehmensberatung wirft allerdings rein mit Batterie betriebene Modelle und teilelektrische Hybridfahrzeuge zusammen in einen Topf.

Mehrere Faktoren tragen zur Beschleunigung der Elektrifizierung bei, so die BCG. Zum einen staatliche Anreize, die eine wichtige Rolle bei der Senkung der Total Cost of Ownership (TCO, die Gesamtkosten über die Nutzungsdauer hinweg) für die Verbraucher spielen. Zum anderen die immer strengere Regulierung der Auspuffemissionen in einer ganzen Reihe von Märkten wie etwa der EU, die die Hersteller dazu zwingt, mehr Elektrofahrzeuge zu produzieren, um ihre Emissionsziele zu erreichen. Zum Dritten tragen stetig sinkende Batteriepreise und die damit verbundenen erweiterten Reichweiten zur steigenden Verbraucherzufriedenheit mit Elektroautos bei.

Ursächlich für die sinkenden Gesamtbetriebskosten von Elektroautos seien vor allem die Batteriepreise, die viel schneller als erwartet sinken. Nach intensiven Diskussionen mit Batterieherstellern und Experten auf der ganzen Welt – insbesondere in China und Südkorea – sowie mit Autoherstellern über ihre Erwartungen bei der Ausarbeitung ihrer Pläne für den Kauf von Batterien gehen die Analysten nun davon aus, dass die Kosten für Batteriepacks bis 2030 deutlich unter 100 US-Dollar pro Kilowattstunde fallen. Ein Großteil dieses Rückgangs soll bereits in den nächsten Jahren eintreten, wodurch die TCO-Vorteile für die Verbraucher gesteigert und die Markteinführung von Elektrofahrzeugen beschleunigt werden. Ein weiterer Rückgang der Batteriekosten von 100 US-Dollar pro kWh auf 60 US-Doller pro kWh würde den Anteil der Elektroauto bis 2030 um 3,6 Prozentpunkte erhöhen.

300 Milliarden Dollar für die Elektromobilität

Alles in allem seien die Verbraucher, die bereits Erfahrungen mit Elektroautos gesammelt haben, zufrieden und die Branche könne mit größerer Sicherheit auf eine elektrifizierte Zukunft umrüsten. Die 27 führenden Hersteller planen der Analyse nach, in den nächsten zehn Jahren mehr als 300 Milliarden US-Dollar (etwa 270 Milliarden Euro) in die weitere Produktion von E-Fahrzeugen zu investieren, und viele behaupten von sich, dies auch gewinnbringend tun zu können. Bis 2025 sollen rund 400 neue elektrifizierte Modelle auf den Markt kommen.

Unter der Annahme, dass die weltweite Entwöhnung von fossilen Brennstoffen anhält, werden Autos im Laufe der Zeit immer weniger Treibhausgase verursachen. All dies sollte geschehen, indem die Regierungen die Elektrifizierung zunächst weiterhin mit finanziellen und nichtfinanziellen Anreizen unterstützen. Bis 2023 schließlich werden allein die Marktkräfte die Verkäufe von E-Fahrzeugen ankurbeln, so die BCG-Analysten. Bis dahin erfordere die Aufrechterhaltung der Dynamik jedoch einen öffentlich-privaten Push.

Starke regionale Unterschiede

In der Analyse offenbaren sich einige regionale Unterschiede: Bis 2030 soll der Marktanteil von Fahrzeugen mit reinem Benzin- und Dieselantrieb in Europa auf 42 Prozent sinken, in Deutschland sogar auf 36 Prozent und in den nordischen Ländern auf 34 Prozent. Die USA sollen aufgrund der relativ niedrigen Benzinkosten und der Größe von US-amerikanischen Autos und SUVs der langsamste große Elektrifizierungsmarkt sein. Es werde aber in den USA weiterhin große Unterschiede zwischen Staaten wie Kalifornien geben, die emissionsfreie Standards einführen, und Texas, das nur minimale Vorschriften gibt.

Der Anteil verschiedener Typen von Fahrzeugen mit E-Motoren soll von Region zu Region unterschiedlich sein, betonen die Berater. So werde in China und Europa zum Jahr 2030 etwa jedes vierte neue Fahrzeug batterieelektrisch fahren, während der Anteil von Benzin-Autos auf rund ein Drittel sinke. In den USA dürften nach der Prognose Benziner dann noch auf einen Anteil von 47 Prozent bei Neuwagen kommen, reine Batterie-Antriebe auf gut ein Fünftel.

Mit einem Anteil von zusammen 50 Prozent am weltweiten Automobilmarkt spielen China und Europa eine wichtige Rolle bei der Gestaltung globaler Trends. Die kurzfristige Richtung in den USA ist unklar, etwa weil sich aktuell politische Unterschiede zwischen der derzeitigen Verwaltung und dem Bundesstaat Kalifornien herausstellen.

Der Umsatz von Elektroautos soll zwischen 2025 und 2030 jährlich um mehr als 30 Prozent steigen. Das Umsatzwachstum bei Plug-in-Hybriden werde in den meisten Märkten langsamer ausfallen als bei anderen Elektrofahrzeugen. Dennoch werden viele Hersteller eine zweigleisige Elektroauto-Plug-in-Strategie verfolgen, und einige Märkte werden weiterhin Anreize für Plug-in-Hybride schaffen, während sie ihre elektrifizierte Fahrzeuginfrastruktur ausbauen. Plug-in-Hybride sprechen Verbraucher an, die regelmäßig längere Strecken fahren, sowie Besitzer von nur einem Fahrzeug. Sie finden möglicherweise auch einen wachsenden Markt in der steigenden Anzahl von Städten, die Verbrenner in Innenstädten verbieten wollen.

Diesel verabschiedet sich langsam

Die Verkäufe von Hybridautos ohne Stecker dürften während des gesamten Jahrzehnts stetig im hohen einstelligen Bereich wachsen, so die Analyse. Viele Autohersteller werden sich in den nächsten Jahren auf den Umsatz mit Mild-Hybridautos stützen, da diese Technologie die kostengünstigste Möglichkeit bietet, die Effizienz von Verbrenner zu verbessern und die CO2-Vorschriften zu erfüllen – bis zu einem gewissen Grad zumindest. Infolgedessen wird deren Umsatz jährlich um bis zu 40 Prozent steigen. Die schnelle Fahrt wird sich jedoch bis etwa 2025 verlangsamen, da der fallende Preis für Batterien es dann den reinen Elektroautos ermöglicht, Marktanteile zu gewinnen.

Der Dieselabsatz wird in den nächsten zehn Jahren unter der Belastung durch strenge Emissions-Vorschriften und in einigen Städten durch strenge Verbote sinken, sagen die Analysten voraus. Niedrigere Kapitalinvestitionen und Plattformaktualisierungsraten der Hersteller werden dazu führen, dass sich der Rückgang des Verbrenner-Volumens bis 2030 und darüber hinaus beschleunigt. Ihr weltweiter Anteil wird von 69 Prozent im Jahr 2025 auf 48 Prozent im Jahr 2030 sinken, der Anteil von Dieselkraftstoff am Weltmarkt soll dann nur noch 4 Prozent betragen.

Die Auswirkungen auf die Klimakrise

Viele Studien haben ergeben, dass die Produktion eines Elektroautos je nach Herstellungsregion des Fahrzeugs und Batteriegröße bis zu 60 Prozent mehr CO2-Emissionen verursachen kann als die Produktion eines vergleichbaren Verbrenners. Im Betrieb sorgen Elektroautos jedoch für eine bessere Emissionsbilanz. Die Auswirkungen von Elektroautos auf die Emissionen variieren jedoch von Land zu Land erheblich, wobei der Hauptfaktor die Abhängigkeit des Landes von fossilen Brennstoffen bei der Energieerzeugung ist.

Im Betrieb wird eine durchschnittlicher Verbrenner über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg rund 120 g / km CO2 ausstoßen. Am unteren Ende des Spektrums produziert ein Elektroauto in Norwegen nur 0 g / km (unter der Annahme eines 100-prozentigen Einsatzes von erneuerbaren Energiequellen), während ein Elektroauto in China bis zu 109 g / km produziert. Ein Elektroauto in den USA emittiert beim Fahren 75 g / km.

Der Vorteil der Lebenszyklusemissionen eines Elektrofahrzeugs hängt somit vom Standort des Fahrzeugs ab, wobei der regionale Energiemix der Haupttreiber der CO2-Emissionen ist. Es hängt auch wesentlich davon ab, wo die Fahrzeugbatterie hergestellt wird und wie CO2-effizient dieser Herstellungsprozess ist. Die Analysten gehen daher davon aus, dass sich die Emissionen von Elektroautos weltweit über den gesamten Lebenszyklus mit der Entwicklung des Netzmixes verbessern werden.

Die positiven globalen Auswirkungen von Elektrofahrzeugen – insbesondere rein batteriebetriebenen Elektroautos – auf den Klimaschutz dürften in den nächsten zehn Jahren zunehmen, wenn der Anteil der aus erneuerbaren Quellen erzeugten Energie steigt. Die Regierungen haben jedoch ein großes Mitspracherecht bei der Frage, ob Elektrofahrzeuge ein wesentlicher Bestandteil der Lösung für die globale Erwärmung sein werden. In den meisten wichtigen Märkten unterstützen Anreize den Verkauf von Elektroautos. Eine ganze Reihe von Ländern versucht auch, aggressiver auf erneuerbare Energiequellen umzusteigen. Deutschland strebt bis 2030 65 Prozent erneuerbare Energien an und Spanien strebt bis 2050 100 Prozent erneuerbare Energien an. Die Ereignisse der letzten Jahre erinnern uns jedoch daran, dass die Welt politisch volatil bleibt und die heutige Politik schon morgen nicht mehr gültig sein wird.

Jeder muss sich bereitmachen

Die beschleunigte Einführung von Elektrofahrzeugen hat erhebliche Auswirkungen auf alle Akteure, einschließlich Hersteller, Zulieferer und Regierungen (national, regional und lokal), ganz zu schweigen von unserem Planeten. Hersteller und Zulieferer müssen erheblich in neue Technologien und Fähigkeiten investieren und ihre bestehenden Geschäftsmodelle neu erfinden. Regierungen und Aufsichtsbehörden, insbesondere auf lokaler Ebene, müssen bewerten, wie die Elektrifizierung von Fahrzeugen den Verkehr für ihre Bürger und Unternehmen verändert und wie sie die Entwicklung der Technologie durch geeignete Richtlinien und Vorschriften beeinflussen können.

Die Hersteller stehen sogar vor einem Doppelschlag: Sie müssen stark in neue Bereiche investieren, während sich ihre traditionellen Umsätze verlangsamen und ihre Margen unter Druck geraten. Zu langsam handelnde Hersteller und Zulieferer sind möglicherweise von schnell wachsenden Geschäftsmodellen ausgeschlossen, wenn sie nicht die erforderlichen Investitionen in Technologien und Fähigkeiten tätigen, die ihnen die Teilnahme daran ermöglichen. Sie können sich zudem in einigen Märkten mit erheblichen Strafen konfrontiert sehen.

Der Investitionsbedarf beschränkt sich nicht nur auf Hersteller oder die Industrie. Die Stromversorger werden mit zunehmender Nachfrage nach Strom für Elektroautos einer zusätzlichen Belastung ihrer Infrastruktur ausgesetzt sein. Die Kosten für die Aufrüstung des Stromnetzes (und die Frage, wer die Kosten trägt) müssen berücksichtigt werden. Es besteht auch ein Bedarf – und erneut eine Frage, wer bezahlt – an Investitionen in die Ladeinfrastruktur. Drei Lademodi sind beliebt: Laden zu Hause (Umfragen zeigen, dass mehr als zwei Drittel der Ladevorgänge in den USA und in den meisten anderen Ländern zu Hause stattfinden), öffentliches Laden mit mäßiger Geschwindigkeit und flottes Schnellladen auf Autobahnen (erforderlich, um eine vollständige Einführung zu fördern).

Quelle: BCG — Who Will Drive Electric Cars to the Tipping Point?

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5 Antworten

  1. Habe was sehr Ähnliches grad in einer anderen Branche erlebt. Es dauert vermutlich noch max 3 Jahr bis mehr E-Autos als Benziner oder Diesel verkauft werden. All die Manager der “alten Hersteller” (bis vielleicht auf den Diess) haben keinen PLan und unterschätzen die Kunden. Die werden nämlich keine neuen Verbrenner mehr kaufen, sondern die alten Kisten ein, zwei oder drei Jahre länger als bisher im Schnitt fahren und dann auf ein E-Auto wechseln… 2024 wird es soweit sein.

    1. Genau das wird passieren, wer jetzt noch einen nagelneuen Verbrenner bestellt, – dem ist nicht mehr zu helfen. Der kann ja dann mal versuchen auf dem Gebrauchtwagenmarkt seinen “Stinker” später wieder zu verkaufen. Ich glaube im Jahr 2021 zahlt man für ein E-Auto genauso viel wie für einen Verbrenner. Wenn unsere Regierung wie in Norwegen die Mehrwertsteuer streichen würde hätten wir jetzt schon paradiesische Verhältnisse was den Preis angeht. Mit anderen Worten ein Fahrzeug mit einem VK von 50.000,- brutto kostet dann 42.017,-. Die Lösung wäre besser weil die Umweltprämie vorher drauf gehauen wird, d.h. bei demnächst 6.000,- zahlt der Hersteller 3.000,- zurück, das lassen sich die Hersteller doch nicht klauen !!! Die anderen 3.000,- kommen über unverständlich auszufüllende Formulare vom Staat zurück. Allerdings muß man zugeben immer geht das natürlich nicht, wo sollen die Gelder herkommen die dem Staat dadurch entgehen. In Norwegen fallen jetzt schon einige Vergünstigungen wie kostenlose Fähren / Parken etc. weg.
      Der E-Techniker

    1. Macht z.B. Tesla Werbung in der Zeitschrift ? Natürlich wird dieses Verbrenner-Magazin das E-Auto schlecht reden.
      Was war heute zu hören ? Der neue VW Golf hat bei den Abgaswerten schon wieder geschummelt, willkommen bei den deutschen Automobiltechnikern. Ich könnte kotzen.
      Der E-Techniker

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