CO2-Bilanz von Politiker-Dienstwagen noch schlechter als im Vorjahr

CO2-Bilanz von Politiker-Dienstwagen noch schlechter als im Vorjahr

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Nur sieben Dienstwagen halten den EU-Flottengrenzwert für CO2 im Realbetrieb ein: Der 14. Dienstwagen-Check der Deutschen Umwelthilfe (DUH) unter Spitzenpolitikerinnen und -politikern belegt einen alarmierenden Trend zu klimaschädlichen CO2-Schleudern, wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) mitteilt. Dieses Ergebnis spiegelt laut DUH die aktuelle verfehlte Klimapolitik der Bundesregierung im Verkehrsbereich. Gemessen am realen CO2-Ausstoß auf der Straße verpassen von insgesamt 235 Fahrzeugen bis auf sieben alle Dienstwagen den EU-Flottengrenzwert von 95 g CO2/km. Mit einem durchschnittlichen realen CO2-Ausstoß von 227 g/km liegen die Dienstwagen sogar noch über dem Durchschnitt des vergangenen Jahres (225 g CO2/km). Ein Grund für den gestiegenen CO2-Ausstoß ist der wachsende Anteil besonders klimaschädlicher Plug-In-Hybride von 31 Prozent im letzten Jahr auf 43 Prozent.

Der Kauf der zunehmend verbreiteten, klimaschädlichen Plug-In-Hybride wird aktuell mit Steuergeld gefördert. Diese Subventionen muss die Bundesregierung sofort beenden, so die DUH. Zudem fordert die DUH, dass grundsätzlich keine Zuschüsse für Kauf oder Leasing oder Steuervergünstigungen für dienstlich genutzte Fahrzeuge gewährt werden sollen, die die seit 2020 europaweit geltende Grenzwerte überschreiten. Die Bundesregierung muss nach Ansicht der DUH jegliche Förderung oder Begünstigung für Fahrzeuge streichen, die im realen Fahrbetrieb mehr als 95 g CO2/km ausstoßen oder einen Stromverbrauch von 18 kWh/100 km gemäß dem Prüfzyklus WLTP übersteigen.

„Unser diesjähriger Dienstwagen-Check zeigt, dass die Regierungspolitikerinnen und -politiker die verbindliche Verpflichtung, CO2 zu reduzieren, selbst nicht umsetzen. Dass es möglich ist, über die Wahl des Dienstwagens ein Zeichen zu setzen, sehen wir an den sieben rein elektrischen Dienstwagen, die den Grenzwert von 95 g CO2/km im realen Verbrauch einhalten. Glaubwürdige Klimapolitik bedeutet den sofortigen Stopp der Förderung der besonders klimaschädlichen Plug-In-Hybride. Ich fordere die Regierungspolitikerinnen und -politiker dazu auf, noch vor der Bundestagswahl auf ein Fahrzeug zu wechseln, das den EU Flottengrenzwert von 95 g CO2/km im realen Betrieb einhält.“ Barbara Metz, stellvertretende Bundesgeschäftsführerin DUH

Insgesamt wurden 240 Spitzenpolitikerinnen und -politiker auf Bundes- und Landesebene mit insgesamt 235 Dienstwagen abgefragt. Von diesen sind 47 Prozent (111 Fahrzeuge) mit Dieselantrieb, 43 Prozent (101 Fahrzeuge) mit Plug-In-Hybridantrieb und 3 Prozent (8 Fahrzeuge) mit Benzin-Motor. Auch im Jahr 2020 liegt der Anteil batterieelektrischer Dienstwagen bei nur 6 Prozent. Allerdings erhält nur die Hälfte dieser Elektro-Fahrzeuge (7 von 15) eine Grüne Karte für das Einhalten der 95 g CO2-Grenze beim deutschen Strommix. Dazu zählen die Berliner Umweltsenatorin Regine Günther mit einem Tesla Model 3 sowie der Baden-Württembergische Umweltminister Franz Untersteller mit einem Audi e-tron.

8 Politikerinnen und Politiker erhalten eine Gelbe Karte für Fahrzeuge, die bis zu 20 Prozent oberhalb des EU-Flottengrenzwerts liegen. Für alle anderen Dienstwagen vergibt die DUH insgesamt 220 Rote Karten für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, die den EU-Zielwert von 95 g CO2/km im realen Fahrbetrieb nicht einhalten. Rote Karten erhalten damit auch alle Dienstwagen mit klimaschädlichem Plug-In-Hybridantrieb.

Plug-in-Hybride nur auf dem Papier klimafreundlich

Plug-In-Hybride seien echte Spritschlucker, die nur auf dem Papier klimafreundlich aussehen, so die DUH, weil der meist kleine Elektromotor mit dem Verbrennungsmotor gleichgewichtet wird. Messungen des Emissions-Kontroll-Instituts der DUH wie auch anderer Prüfeinrichtungen zeigen, dass diese Fahrzeugklasse im realen Fahrbetrieb auf der Straße besonders hohe CO2-Emissionen verursachen. Nach aktuellen Studien werden sie als Dienstwagen im Durchschnitt zu 82 Prozent der Fahrtstrecke im ineffizienten Verbrennungsmodus gefahren.

Erschreckend ist, dass alle Bundesministerinnen und -minister den EU-Flottengrenzwert nicht annähernd einhalten können. Dadurch verschärft sich das Schaufahren gegen den Klimaschutz nochmals selbst fünf Jahre nach dem Pariser Klimaschutzabkommen.

Unglaubliche 286 g CO2/km im realen Betrieb und damit eine dreifache Überschreitung des EU-Flottengrenzwerts für CO2 emittiert als Schlusslicht im Bundeskabinett der Audi A8 von Bundesministerin für Familien, Senioren, Frauen und Jugend Franziska Giffey. Aber auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze wird ihrer Vorbildfunktion im Kabinett nicht gerecht und heizt die Klimakrise mit ihrem BMW 745e an, der einen realen CO2-Ausstoß von 242 g/km auf die Straße bringt. Verkehrsminister Andreas Scheuer übersteigt mit einem realen Ausstoß von 258 g CO2/km den gültigen EU-Flottengrenzwert um mehr als das 2,7-fache.

Sowohl der am wenigsten das Klima belastende als auch der schlimmste Dienstwagen aller untersuchten Bundes- und Landespolitiker findet sich im Fuhrpark des Berliner Senats. Umweltsenatorin Regine Günther belegt den Spitzenplatz im Gesamtranking mit einem Tesla Model 3, während der Regierende Bürgermeister Michael Müller wie im Vorjahr mit 408 g/km realen CO2-Ausstoß negativer Spitzenreiter der Abfrage ist. Den geringsten Klimagasausstoß im Vergleich der Bundesländer hat die Dienstwagenflotte der Bremer Landesregierung. Schlusslicht unter den Bundesländern bildet weiterhin das schwarz-grün regierte Hessen. Es verschlechtert sich in diesem Jahr von durchschnittlich 255 g CO2/km auf 257 g CO2/km realen CO2-Ausstoß. Auch bei den Landesregierungen steigen die Gesamt-Emissionen der Fahrzeugflotten im Vergleich zum Vorjahr sogar an, anstatt zu fallen. Auch die grün-schwarze Landesregierung von Baden-Württemberg fällt bis auf die Verkehrs- und Umweltminister mit ihren Dienstwagen durch und landet im Ländervergleich nur auf Platz 12.

„Dass die Fahrzeuge der Bundesministerinnen und -minister sowie der Landesregierungen im Vergleich zum Vorjahr durchschnittlich sogar mehr CO2 ausstoßen, ist ein Armutszeugnis für deren Glaubwürdigkeit. Der Trend zum Plug-In-Hybrid fördert ineffiziente und klimaschädliche Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor und keine Elektroautos. Längst ist bekannt, dass sich die Automobilwirtschaft einem grundlegenden Wandel unterziehen und sich vom Verbrenner verabschieden muss. Dem müssen auch Spitzenpolitiker Rechnung tragen und die notwendige Transformation unterstützen, anstatt diese noch länger hinauszuzögern.“ – Dorothee Saar, Leiterin Verkehr und Luftreinhaltung der DUH

Die verfehlte Verkehrspolitik der Bundesregierung lässt sich auch an der Modellpolitik der deutschen Autohersteller ablesen. Anstatt sich auf bezahlbare Elektroautos zu fokussieren, kündigen Hersteller wie VW die Ausweitung Plug-In-Hybridmodelle an: Bis zum Jahr 2025 will der Konzern mehr als 30 weitere Modelle auf den Markt bringen und damit die bereits steigenden Verkaufszahlen noch weiter erhöhen

Quelle: DUH – Pressemitteilung vom 11.11.2020

Über den Autor

Michael ist freier Autor und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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ist jetzt nicht wirklich überraschend…

aber doch schon irgendwie entäuschend

Das liegt aber auch daran,dass viele Minister mehr als 400-800 km täglich gefahren werden,um die Termine zu erfüllen! Und zeitgleich sind viele Fahrer noch Verbrennerbefürworter,da sie ansonsten ihre Gewohnheiten ändern müssen.Und dann kommt noch dazu,dass es gerade an vielen Ministerie,Staatskanzleien,Kreishäusern und anderen öffentlichen Gebäuden einfach keine gute oder gar keine Ladeinfrastruktur gibt!
Ich bin selbst Fahrer und kenne die Szene!

Dann muss doch aber das Ministerium eine Vorgabe machen, oder nicht.
Ich denke das Problem ist einerseits die Ladeinfrastruktur und anderseits die fehlende Innovation der deutschen Hersteller (wobei das sich wohl gerade, nach nur 8 Jahren langsam ändert). Ansonsten würde jeder Tesla natürlich diese Voraussetzungen inkl. Ladeinfrastruktur erfüllen. Ich denke das wäre doch mal ein „Wink mit dem Zaunpfahl“ an unsere Deutschen Hersteller, wenn die Minister mit einem Tesla vorfahren, aber das scheint mir undenkbar bei der aktuellen Verquickung von Politik und deutscher Autolobby. Schade, dass wäre doch mal ein Signal.

Sehr tendenziöser Artikel. Ich halte den hohen Anteil an Plugin Hybriden für ein gutes Signal.

Wasser predigen und selber Wein trinken – das alte Spiel der Politiker und das nicht nur beim Umweltschutz.

Zumindest bei den Bundesministern bin ich mir nicht so sicher ob es dort alternativen gibt. Dies sind ja durchaus Personen die vermutlich eine recht hohe Schutzklasse haben und man kann annehmen das die Fahrzeuge durchgängig gepanzert sein dürften

Insofern die angesprochenen Fahrzeuge hauptsächlich für Langstrecken verwendet werden und ggf. auch noch verstärkt/gepanzert sind, muss man von höheren Werten ausgehen. Inwieweit Elektrofahrzeuge derzeit dafür eine Alternative darstellen, kann ich nicht beurteilen.

Wenn sich aber der CO2-Ausstoß über die Jahre noch vergrößert, dann läuft aber definitiv etwas falsch. Da ist das Verhalten der Politiker tatsächlich enttäuschend und ich finde es gut, dass dieses öffentlich kritisiert wird.

Die steuerliche Förderung von Fahrzeugen, welche den Klimaschutzzielen nicht entsprechen, sollte unbedingt abgeschafft werden; auch bei e-Autos mit hohem Verbrauch! Damit sind derartige Fahrzeuge nicht verboten, aber es werden auch keine Kaufanreize dafür gegeben … und für wirklich fortschrittliche Fahrzeuge ist mehr Förderung möglich. Ich hoffe, die DUH kann sich mit diesen Forderungen Gehör verschaffen.

Ich persönlich fahre einen Niro PHEV und habe seit dem Kauf Anfang Juli ca. 30 € für Sprit ausgegeben; dabei ist mein Tank z. Zt. noch zu ca. 95 % gefüllt. Von den bisher gefahrenen 2.300 km habe ich somit die meisten rein elektrisch zurückgelegt. Grund hierfür ist u. U.: Ich kann meinen Plug-In am heimischen Stromnetz per Schnarchladung laden. Das können aber viele nicht – vielleicht mangelt es am Stromanschluss, vielleicht aber auch an der Zeit zwischen zwei Terminen.

Ich unterstelle Politikern, die einen PHEV fahren, dass sie gerne Ressourcen sparten. Doch zwischen zwei wichtigen Terminen noch mal schnell den PHEV per Schnarchladung zu laden, ist kompliziert bis unmöglich. Es könnte sich daher positiv auf die Benutzung des E-Antriebs beim Plug-In auswirken, wenn dieser schneller lüde.

Ein schnellerer Ladevorgang hätte zwei positive Auswirkungen:

  1. Politiker könnten endlich mit gutem Beispiel vorangehen und nicht nur als Maulhelden fungieren und
  2. als PHEV-Fahrer müsste ich nicht Ladesäulen blockieren, weil mein Plug-In nur in Zeitlupe laden kann.

Wie soll die eMobilität in Gange kommen, wenn selbst die Politik nicht an Umweltschutz glaubt und diesen lebt und unterstützt? Ist es wirklich zuviel verlangt als gutes Beispiel voran zu gehen, und auf Prestige und Statussymbole zu verzichten? Selbst Papst Franziskus verzichtet bewusst auf Fahrzeuge, welche Maßlosigkeit und Umweltzerstörung repräsentieren, setzt in seinem neuen Papamobil sogar auf Wasserstoff von Toyota.In Brandenburg haben sich die Minister und Politiker vorsätzlich gegen Tesla-Dienstfahrzeuge ausgesprochen, weil man mit diesen Fahrzeugen sich nur innerstädtisch bewegen kann.Gehts noch, wie weltfremd sind die? Liegt wohl an Potsdam, wo es fast keine Ladestationen gibt. Politiker fangt an nachzudenken und haltet bittet die EU-Vorgaben ein. Wenn es von deutschen Herstellern kein passendes Angebot an zeitgerechten Fahrzeugen gibt, dann ist es deren Problem. Die haben die Entwicklung seit über zwei Jahrzehnten auf Kosten der Umwelt ausgesessen.

Die 0,01 € pro Politiker können wir gerade noch bezahlen im Jahr.
Solange ich beim BEV spare gegenüber allen Verbrennern können die wegen mir fahren was Sie wollen. Nur dürfen Sie dann nicht mir vorschreiben was geht!

Dass zumindest die Spitzenpolitiker keinen BEV derzeit fahren, ist leicht erklärbar:
(1) Die Fahrzeuge dort sind hochgradig gepanzert, ich gehe mal davon aus, dass die hierfür spezialisierten Betriebe bisher -noch- keine BEV entsprechend nachrüsten. Klar, kann noch werden.
(2) Plus eben das Reichweitenthema: Wenn z. B. AKKs Chauffeur (und Fahrzeugkolonne) zwischen Saarland und Berlin unterwegs sind, werden zwei angemessene Ladepausen „letzter Wille“ sein (Zeit, Sicherheit..).

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