CAM-Leiter schlägt 10.000 Euro Elektroauto-Prämie vor

Copyright Abbildung(en): shutterstock / Lizenzfreie Stockfoto-Nummer: 723043054

Professor Stefan Bratzel leitet das von ihm gegründete Center of Automotive Management (CAM) an der Fachhochschule der Wirtschaft und Handel in Bergisch Gladbach. Das CAM arbeitet als unabhängige und wissenschaftliche Einrichtung für empirische Automobil- und Mobilitätsforschung. Professor Bratzel gehört zu den renommiertesten Experten und beschreibt im Gespräch mit dem Auto-Medienportal, wie sich Industrie und Handel in der Corona-Krise behaupten können und wie er die zwischenzeitlich eingebrochenen Verkäufe nach der Krise wieder ankurbeln will.

Nach unseren Analysen wird der globale Automobilmarkt in diesem Jahr um 17 Prozent einbrechen“, sagt Bratzel. Damit sinke die Nachfrage weltweit um 15 Millionen Pkw auf 68 Millionen Einheiten. In Europa sollen die Verkäufe um 21 Prozent auf 12,5 Millionen Fahrzeuge zurückgehen. Die Entwicklung hänge „aber auch sehr stark von möglichen Fördermaßnahmen ab.“

Wie lange es dauert, bis die Automobilproduktion wieder auf Vor-Corona-Niveau steigt, sei „schwer zu sagen“. Es könnte „einige Monate und wahrscheinlich sogar länger dauern, weil die aktuelle ökonomische Entwicklung das nicht realistisch erscheinen lässt“, so Bratzel. Am CAM gehe man davon aus, „dass die Produktion Ende April, Anfang Mai wieder hochläuft. Alles andere wäre wirtschaftlich nicht länger vertretbar.“ Es würde dann noch einige Wochen dauern, bis wieder ein „normaler Rhythmus“ gefunden wurde. Wobei normal aber nicht bedeute, „dass man dann die Produktionskapazität vollständig ausschöpfen wird.“ Das wiederum hänge „natürlich, und das ist der zentrale Aspekt, auch von der Nachfrage ab.“

Und hier spiele der Handel, „der seine übervollen Lager leeren muss, eine entscheidende Rolle.“ Ob man die Autoverkäufe nach Corona angesichts der wirtschaftlichen Situation noch einmal mit einer Art Abwrackprämie ankurbeln könne sei „fraglich, aber die Autoindustrie muss man im Blick behalten.“ Eine Prämie von „drei- bis fünftausend Euro wird man wohl zur Stimulierung brauchen“, meint Bratzel. Er könnte sich aber „vorstellen, dass man die meisten Gelder in eine Aufstockung der Umweltprämie investiert, um gleichzeitig die Elektromobilität weiter zu unterstützen.“

Um die Corona-Krise für den beschleunigten Wechsel zur E-Mobilität zu nutzen, schlägt Bratzel vor, die momentan 6000 Euro Umweltprämie aufzustocken: „Vielleicht um 4000 Euro, die sich wieder Hersteller und Regierung teilen, sodass die Prämie auf 10.000 Euro wächst und viele Elektrofahrzeuge sehr günstig werden lässt. Das würde einiges bringen.“

Zulieferer „spielen eine überaus wichtige Rolle in der gesamten Wertschöpfungskette“

Während Bratzel die meisten Autohersteller wegen Corona nicht in Gefahr sieht, sehe die Situation bei den Zulieferern „schon ernster aus. Viele Unternehmen sind nicht unbedingt im Fokus der Öffentlichkeit, spielen aber eine überaus wichtige Rolle in der gesamten Wertschöpfungskette.“ Keine Sorgen müsse man sich „trotz ihrer aktuellen Liquiditätsprobleme“ um die großen Konzerne wie Bosch, Continental oder ZF machen. „Aber die kleineren mittelständischen Unternehmen werden Probleme bekommen, wenn die Hilfen der Bundesregierung nicht schnell eintreffen. Sechs bis acht Wochen ist die maximale Länge, die diese Unternehmen überbrücken können, um zu überleben“, so der CAM-Leiter.

Auch für den Handel sei Corona kritisch: Die Branche sei „von kleinen und mittelständischen Unternehmen geprägt, und da gab es schon vor Corona wirtschaftliche Probleme“. Bratzel sagt, dass es „viele nicht schaffen werden, über die Runden zu kommen. Rund ein Drittel der Betriebe befanden sich schon vor der Krise in schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen, und da wird Corona als Katalysator für eine Konzentration wirken.“

Als Profiteur könnte der Online-Handel aus der Corona-Krise gehen: „Online wird in Zukunft stärker werden, und viele Unternehmen nutzen die Krise zum Ausprobieren“, sagt Bratzel. Zwar werden Hersteller „verstärkt digitale Kanäle nutzen, um mit dem potenziellen Kunden in Kontakt zu treten“. Allerdings zeigen „alle Untersuchungen, dass man nicht auf eine Probefahrt verzichten und den Verkäufer kennen will, dem man am Ende das Geld überweist.“

Quelle: AMPNet — Mit aufgestockter Elektroprämie den Handel beleben

Newsletter abonnieren

Montag, Mittwoch und Freitag die neusten Informationen aus der Welt der Elektromobilität kostenfrei direkt ins eigene Postfach. Kuratiert aus einer Vielzahl von Webseiten und Blogs.

Dir gefällt dieser Beitrag? Teilen auf

Diese News könnten dich auch interessieren:

17 Antworten

  1. Ja absolut. Bevor man Umwelt Richtlinien aufweicht und die Klimaziele alle wieder zurück nimmt ist das der Weg.
    Die Industrie will aber etwas anderes.
    Keine Abwrackprämie, denn dann werden wieder von Altauto Besitzern nur Kleinwagen gekauft weil die nicht mehr Kohle haben.
    Davon wird die Industrie nicht fett.
    Die wollen auch keine Elektro Prämie, sondern die Streichung der Mehrwertsteuer für Neuwagen damit sich der gute Bürger einen neuen Q5 TDI oder X5 usw. kauft.
    Damit macht die Industrie richtig Geld und alle tragen Anti Corona – Anti Dieselruss Masken

    1. Wie grottenschlecht müssen Umweltrichtlinien und Klimaziele sein, dass man 10.000 € braucht, um jemanden eine Zukunftsvision zu vermitteln, die, außer purer Rohstoffverschwendung, keine ist. Nehmt das Geld lieber für sinnvolle Ziele. Unser “herausragendes Bildungssystem” wäre ein Anfang. Eventuell gelingt es dann einigen, näher an der Realität zu bleiben und seine “Bildungszeit” nicht mit Freitagsspaziergängen unter dem Deckmatel des Umweltschutzes zu verplämpern und zu verkünden, man könnte das Universum retten. Denn das wäre notwendig, da unser Planet lediglich ein Bruchteil dieses Systems ist, welches sich Galaxie nennt.

        1. Ich finde auch wir sollten das einfach den chinesischen Herstellern und Tesla überlassen.
          Wir wissen doch jetzt, das die Klopapierherstellung eine Schlüsselindustrie für Deutschland ist.

        2. …Wieso Schrott?…Erstmal fahren und dann eine Meinung bilden…Das die Verbrenner ausgedient haben, sollte wohl selbst dem letzten geistigen Dinosaurier klar geworden sein…Das Elektroauto ist, wenn vernünftig gebaut, in fast jeder Kategorie haushoch überlegen!…Und die negativen Seiten sind in absehbarer Zeit auch kein Thema mehr!
          Und nein, ich bin kein Öko, nicht mal ansatzweise, ich hänge aber nicht an veralteten Dingen und die Verbrenner sind nun mal bald Geschichte. Dampflok fährt ja auch keiner mehr!
          MfG

      1. Zu mehr als billigem Populismus reicht es nicht, was? It just so happens, dass die “Rohstoffverschwendung” bereits beim aktuellen CO2 Mix bei einem Mittelklassewagen etwa ein Drittel CO2 spart. Bei einem Kleinwagen (e-up etc) ist es ungefähr die Hälfte, vermutlich real sogar mehr, da Elektrofahrzeuge der neuesten Generation länger halten als Verbrenner, 160 tausend Kilometer Garantie auf die Batterie sind da ein ziemlich eindeutiges Signal. Und je mehr erneuerbare wir erzeugen, desto besser wird dieses Verhältnis. Die Rohstoffe können außerdem exzellent recycelt werden (haben sie übrigens schon mal von der Umweltzerstörung in Kanada aufgrund des Ölsandabbaus gehört? Da wirkt es doch recht lächerlich, wenn im Vergleich der ein oder andere Südamerikanische Salzsee in der Wüste trocken gelegt wird). Kobalt ist bereits bei der nächsten Fahrzeuggeneration nicht mehr enthalten (zugegeben, nur bei Tesla, die deutschen brauchen noch eine länger). Ab 2035, teilweise noch früher, sind in etwa 50 Prozent des Weltmarkts (Frankreich, England, Schweden, Norwegen, China, Indien und es werden noch mehr dazu kommen, das sind bereits 3 Milliarden Menschen) keine Verbrenner mehr zugelassen, nicht einmal mehr Plugin Hybride. Da sollte eigentlich jedem klar sein, dass jede Firma, die sich auf Verbrenner konzentriert, zwangsläufig den Weg von Nokia gehen wird. Selbst in den Vorstandsetagen ist das mittlerweile angekommen (bei VW vielleicht etwas drüber als bei Daimler und BMW) und erstaunlicherweise hat es die Generation FFF trotz notorischem Schulschwänzen früher verstanden als die Boomer. Wär da nicht eher mal etwas Selbstreflektion angebracht?
        Um beim Thema zu bleiben: Die höhere Elektroprämie würde trotzdem nichts bringen, da zumindest in Deutschland derzeit für fast alle Modelle die Nachfrage das Angebot übersteigt (Etron, EQC, ID.3, VW e-up, seat e-mii, selbst der mittelmäßige Opel).

  2. Einen dümmeren Vorschlag gibt es wohl kaum. Im Endeffekt bezahlt die Gesellschaft diese Prämien durch Steuern und die VW Bonzen und Großaktionäre PORSCHE UND PIECH sowie das Land Niedersachsen reiben sich die Hände. Gelernt hat man offensichtlich gar nichts!

  3. Mit einer höheren Prämie helfen wir nur den Aktionären. Wir sollten nicht die Autoindustrie pampern, sondern dafür sorgen, dass die Gesellschaft die Lebensmittel- und Medikamentenproduktion wieder wertschätzt. Wie weit wir mit den jahrelangen Sparmaßnahmen gekommen sind, und welchen Nutzen uns die Geldverschwendung beim Autokauf gebracht hat spüren alle, die jetzt keine Medikamente bekommen. Und dann sind wir nicht mal dazu in der Lage unsere Erdbeeren und Spargel zu ernten.
    Das Gejammere dieser Milliardenindustrie die am Ende nur überteuerten, umweltzerstörenden Luxus verkauft geht mir echt auf den Zeiger.

  4. Selbstverständlich wird E-Mobilität in Deutschland mit vielen kleinen Tricks ausgebremst, solang dieses eben möglich ist. Unsere OEMs verkaufen Massen von Verbrenner mit geringstem Gewinn pro Einheit – nur unlogisch, wenn man witschaftlich Autos bauen könnte. Gesetzt denn Fall, dass der Coronaabsatz auf derzeitigem Niveau verharren würde, gäbe es bereits Anfang 2022 keinen deutschen Autohersteller mehr, die Kohle zur Rettung dieser Misswirtschaft könnte Deutschland, nicht mal mit EU-Subventionen aufbringen. (VW macht derzeit 2 Milliarden Miese pro Woche – nicht weniger, sondern echten Verlust). Mit der E-Mobilität ist es wie damals mit den Pferden und den Autos: es waren nicht große Hufschmiden, die erfolgreiche Autobauer wurden. Sie konnten das Volk aber relativ lange von diesem Schwachsinn “Automobil” fernhalten.

    1. … “Mit der E-Mobilität ist es wie damals mit den Pferden und den Autos: es waren nicht große Hufschmiden, die erfolgreiche Autobauer wurden. Sie konnten das Volk aber relativ lange von diesem Schwachsinn “Automobil” fernhalten.” …

      Hallo Kommentator/in Kasch,
      diese zwei Sätze von Ihnen sind super und als Zitat bergen sie viel Potential. – Ich werde sie auf jeden Fall in mein Repertoire übernehmen. – Sind Sie Urheber, oder wäre dieses Zitat jemand anderem zuzurechnen? Im letzteren Fall bitte ich um Quellenangabe.

      Elektrisierte Grüße

  5. Es soll keine Prämie für Elektroautos geben. Die Elektroautos sollen einfach billiger werden. Ich verstehe einfach nicht warum ein Elektroauto sooo teuer sein soll, obwohl es viel weniger Teile hat, als ein “normales” Auto.

  6. Ich frage mich immer wieder, warum soviele E-Auto-Hasser sich ausgerechnet auf eine solchen Website aufhalten. Deren Kommentare sind meist ziemlich dümmlich und nutzlos. Zum Thema selber habe ich die persönliche Meinung, dass man überhaupt keine staatlichen Prämien zahle sollte. Das Geld sollte man besser in den Ausbau der Ladeinfrastruktur stecken. Ebenso sollte man lieber für günstige und einheitliche Stromkosten zum Laden sorgen. Preisklarheit vor dem Laden wie bei normalen Tankstellen, usw. wären viel hilfreicher um beim Thema E-Auto vorwärts zu kommen. Die Preise der E-PKW werden sich schnell an die Preise von Verbrennern angleichen, wenn das die Hersteller nur wollen. Alles eine Frage der Stückzahlen. Argumente gegen E-Autos sind dann schnell abgeschafft.

  7. Würde der Bonusanteil der Hersteller erhöht, würden auch sofort die Listenpreise um diesen Betrag steigen. Der Herstelleranteil wird dann auf der Rechnung zwar wieder abgezogen, E-Autos erscheinen dadurch aber trotzdem überdurchschnittlich teuer gegenüber Verbrennern. Wenn die Regierung einen Bonus dazugeben will, können die das gerne machen, aber bitte ohne die Hersteller da mit reinzuziehen.

    Mit der CO2 Strafe der EU ist ein Bonus eigentlich auch nicht mehr nötig. Die Hersteller verdienen beim E-Auto nicht am Preis, sondern am Strafe verhindern.

  8. Also kaufmännisch muss man das Produkt dann um 5000,- vorher erhöhen, sonst macht man doch Miese oder kann ich nicht rechnen? Und das ist das Dilemma, da gebe ich hier einigen recht. Nur Norwegen war schlauer und hat die Mehrwertsteuer erlassen, so sind die E-Auto sogar etwas günstiger als die Verbrenner, und auf einige Leute sollte man am besten gar nicht mehr reagieren, denen ist die dreckige Luft und zu viel CO2 ins Gehirn gekommen. Die sollen uns mal Ihren Haushalt zeigen, – keine batterieunterstützte Fernbedienung / Handy / Notebook / Zahnbürste / Akkuschrauber ….. also alles mit Verbrenner betrieben, ich lach mich schlapp.

    Der E-Techniker (E-Smart für die Stadt, Tesla Model S für die Strecke)

  9. Ein schneller und effektiver Weg weg von den Fossilen geht nur über Steuern. CO2 ist schlecht und wir wollen die Individualmobilität CO2frei, dann runter mit dem CO2-Flotten-Werten und rauf mit den Strafzahlungen für die Hersteller – schnell und drastisch.
    Dann gibt es für Produzenten nur die Möglichkeit mehr Geld für die Verbrenner zu verlangen oder mehr elektro-Autos zu verkaufen.
    Sie können dann auch keine überhöhten Preise für e-Autos mehr verlangen, weil die Verbrenner dann noch teurer sein müssten um die Strafzahlungen irgendwie wieder rein zu bekommen. Es würde sich alles von selbst einregeln OHNE dass der Staat da Geld ausgeben müsste. Im Gegenteil es käme Geld durch die Strafen in die Staatskasse.
    Vielleicht würden dann in Summe in Deutschland oder Europa weniger Autos verkauft werden aber auch das wäre zumindest für das Klima ein Vorteil. Bestimmt finden die Autohersteller dann aber Möglichkeiten günstiger produzieren und anbieten zu können, um Ihre Profite zu machen, denn von ein paar überteuerten Luxuskarossen für Megareiche kann kein Hersteller auf Dauer überleben geschweige denn reich werden – und das ist es was letztlich alle antreibt. Geld zu verdienen und reich zu werden egal auf welche Art und bei vielen sogar egal auf wesen Kosten. Die Politik hat die Aufgabe dafür zu sorgen, dass dies sozialverträglich stattfindet und auch wenn es uns, von Corona im Moment mal abgesehen, so gut geht wie noch nie, hat man den Eindruck die Politik würde eher dafür sorgen, dass das Geldverdienen für wenige funktioniert und alle anderen Bedürfnisse diesem untergeordnet sind.
    Die Lobbyisten tragen da einen großen Teil dazu bei.
    Ist vielleicht etwas überspitz geschrieben aber bestimmt nicht an den Haaren herbei gezogen.

  10. Das dieTraditionellen Hersteller ein riesen Problem haben ist klar.
    E-Autos halten einfach länger. Das heisst man kann weniger davon verkaufen, sobald der Markt gesättigt ist.
    Bei den geringen Margen von Mercedes, BMW und Co. können diese Firmen nicht überleben.

    Deshalb hat Tesla auch von vorneherein den Anteil der Markenhändler am Gewinn auf Null gedrückt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Deine Anmeldung zum Newsletter:
Ein letzter Schritt fehlt noch.

Vielen Dank für deine Anmeldung zum Newsletter von Elektroauto-News. Du erhältst in Kürze eine E-Mail, in der sich ein Link zur Freischaltung deiner E-Mail-Adresse befindet. Erst durch die Bestätigung des Links dürfen wir deine E-Mail-Adresse zum Versand unseres Newsletter freischalten (Double-Opt-In).