VDA-Präsident: Automobilindustrie braucht „eine ökonomische und ökologische Basis“

VDA: Automobilindustrie braucht vernünftige Basis
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Der Präsident des Automobilverbands VDA, Bernhard Mattes, sprach mit der Welt über die Aufarbeitung des Dieselskandals, Elektromobilität für bessere Luft in den Städten, die Chancen alternativer Verkehrskonzepte und wie die deutschen Automobilhersteller die immer schärferen CO2-Vorgaben der EU erfüllen können.

Mattes sagt, er könne in Sachen Dieselskandal „nachvollziehen, dass der ein oder andere mit der Automobilindustrie hadert“. Es sei „unbestritten“, dass der Abgasbetrug „nicht in Ordnung“ war und aufgearbeitet werden müsse. Die gesamte Branche habe durch geschönte und manipulierte Abgas- und Verbrauchswerte „an Glaubwürdigkeit und Vertrauen verloren“. Die deutsche Automobilindustrie wisse nun auch, „dass die Autos der Zukunft emissionsarm sein müssen“. Um dies zu erreichen, mache sie bereits „eine Menge“, so der VDA-Präsident.

Um aber noch mehr für den Klimaschutz zu erreichen und die Luftqualität in den Städten deutlich zu verbessern, „müssen auch andere Akteure beitragen“, gibt Mattes zu bedenken. Man sollte etwa „die Vorteile von Digitalisierung und Vernetzung besser nutzen, um in Innenstädten und auf Autobahnen durch intelligente Leitsysteme die Verkehrsströme zu verflüssigen“. Denn wer „Staus vermeidet, senkt Schadstoff- und CO2-Emissionen ganz erheblich“.

Auch bei der Elektromobilität gehe es voran: „Die deutsche Automobilindustrie investiert in den nächsten drei Jahren 40 Milliarden Euro in die Elektromobilität. Die Zahl der E-Modelle steigt von 30 auf 100“, rechnet der VDA-Präsident vor. Zudem werden Autos mit Erdgasantrieb oder Brennstoffzelle weiter entwickelt und alternative Verkehrskonzepte erforscht. Die Automobilindustrie wisse ganz genau, „dass ihr Geschäftsmodell auch in Zukunft nur funktioniert, wenn es eine ökonomische und ökologische Basis hat.“

Deutsche Hersteller wollen Elektroautos zu „einem bezahlbaren Preis anbieten“

Die deutschen Hersteller wollen mit der Elektromobilität bald „ins Volumengeschäft und Autos zu einem bezahlbaren Preis anbieten, die gleichzeitig Maßstäbe bei Qualität, Komfort und Langlebigkeit setzen“. Stromfahrzeuge „in geforderter Zahl“, etwa um die künftig immer schärferen CO2-Limits zu erreichen, könne es aber „nur dann im Markt geben, wenn eine sehr dichte europaweite Ladeinfrastruktur errichtet wird“, sagt Mattes in dem Interview. Diese müsse „Millionen Autos gleichzeitig mit Strom versorgen“ können, meint er. Bisher sehe er „das noch überhaupt nicht. Da sind jetzt die Regierungen in den EU-Mitgliedsstaaten gefordert.

Klar sei, dass die Hersteller, wenn sie wie von der EU vorgeschrieben bis 2030 den CO2-Ausstoß ihrer Neuwagenflotte um weitere 37,5 Prozent reduzieren sollen, „in Europa mehr als 40 Prozent Elektrofahrzeuge haben müssen“, sagt Mattes der Welt.

Beim Ausbau der Ladeinfrastruktur müssen aber auch die Autohersteller selbst Engagement zeigen, so der Cheflobbyist der Autoindustrie. „An vielen Stellen“ seien die Hersteller „schon sehr aktiv, beispielsweise mit Ionity, einer Tochter mehrerer deutscher Automobilunternehmen, beim Aufbau eines Schnelladenetzes entlang der Autobahnen in Europa.“ Aber es sei auch „wichtig, diese Aufgabe grundsätzlich anzugehen. Zum Beispiel müssen die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, um auch im privaten Bereich, etwa in Tiefgaragen, wesentlich mehr Lademöglichkeiten zu installieren“. Das ist wegen der bestehenden Gesetzeslage bislang oft nicht ohne weiteres möglich.

Quelle: Welt – „Tesla ist nicht die ganz große Schule“

2 Kommentare

  1. Kann man nichts dagegen einwenden….mich stört vielleicht ein bisschen, dass er wieder auf den seiner Meinung nach zu trägen Ausbau der Ladeinfrastruktur als Hemmschuh für die Ausbreitung der e-Mobilität hinweist. Allerdings stimme ich folgender Aussage zu :
    „Zum Beispiel müssen die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, um auch im privaten Bereich, etwa in Tiefgaragen, wesentlich mehr Lademöglichkeiten zu installieren“.

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