Tesla oder wenn Mensch und Maschine kommunizieren

Tesla bringt Mensch und Maschine dazu, zu kommunizieren

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Die Welt diskutiert heutzutage, ob künstliche Intelligenz (KI) gut oder schlecht ist, uns helfen oder zerstören wird und ob sie jemals wirklich funktionieren kann und dabei wird übersehen, dass die falsche Frage gestellt wird. Die größte Frage der künstlichen Intelligenz ist heute nicht mehr das System selbst, sondern die größte Herausforderung ist die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine, genauer gesagt, die Systeme, die aus zwei unterschiedlichen Elementen besteht, der eine aus Kohlenstoff- und der andere aus Silizium.

Wir alle haben in unserem Leben gelernt, wie schwierig, gefährlich oder sogar tödlich die Koordination, Zusammenarbeit und Bedienung zwischen diesen beiden Systemen sein kann, der Mensch und der Maschine, und einige von uns wurden vielleicht schon einmal dadurch verletzt oder sogar noch schlimmeres, zumindest kann ich sagen, dass ich in meinem Leben durch Maschinen ob dumm oder intelligent häufiger verletzt wurde, und wenn Sie heute die Nachrichten lesen, werden Sie sicherlich viele andere Beispiele finden die dies für andere bestätigt. Interessanter Weise würde eine künstliche Intelligenz, wenn sie denn intelligent wäre, genau dasselbe über uns sagen.

Dies ist so seit, der Mensch die ersten Maschinen erfunden hat, die von einer Energieform bewegt wurden, sei es von Muskelkraft, Dampfdruck oder explosionsartig verbrennendem Öl in Motoren, und es ist wahr für die neue Ära, in die wir eintreten, in der softwaregesteuerte künstliche Intelligenzen in ersten definierten Bereichen heute schon besser abschneiden als ein Mensch es je tun wird. Dies tun sie schon heute, sei es in einem autonom fahrenden Zug, ein Flugzeug mit Autopilot oder irgendein Computerspiel, das gegen die meisten von uns, zumindest gegen mich, immer nur gewinnt.

“Die Ambition der Menschheit ist beides zu haben sowie die Leistungsfähigkeit dieser teilautonomen Systeme bis hin zu dem was man Künstliche Intelligenz nennt in Kombination mit uns Menschen wobei all dies möglichst verletzungsfrei ablaufen soll und natürlich schnell. Künstliche Intelligenz soll uns schützen, gesund und leistungsfähiger machen und unser Leben reicher, schöner und länger. KI ist die neue Verheißung des Heiligen Grals des Versprechens einfach alles haben zu können.”

Der Zweifel an dem Neuen ist ein Teil von uns

Seitdem die ersten Werkzeuge von Menschen erfunden wurden und jeden Tag danach, lernten Sie mit dieser neuen Sache besser vorsichtig umzugehen, denn sie verspricht zwar einem zu helfen, aber sie kann einen auch verletzen oder sogar töten. Es ist über Tausende von Jahren in unsere DNA eingraviert, dass neue Dinge gefährlich sind und wer das nicht als Kind lernt der lernt es später auf die harte Tour. Der Zweifel an dem Neuen ist ein Teil von uns, denn viele, die diesen nicht hatten, haben einfach nicht überlebt und konnten ihre DNA nicht reproduzieren und der nächsten Generation übergeben. Ein perfektes Beispiel dafür, wie die Natur Risiken für die Menschheit beseitigt, indem sie diejenigen vorzieht, die vorsichtig waren.

Das Neue was hier betrachtet wird ist die künstliche Intelligenz, die beispielsweise für autonomes Fahren von Fahrzeugen entwickelt wird. Durch die selektive Wahrnehmung unseres Gehirns konzentrieren wir uns typischerweise erst einmal ausschließlich auf Gefahren wie zum Beispiel dass eine Person, die in einem solchen Fahrzeug saß getötet wurde und bestätigen dadurch unsere Annahme, dass dies „Neue“ irgendwie gefährlich sein muss. Meist wurde diese Information über die Medien aufgenommen und wir können die Bilder eines brennenden Fahrzeuges beschreiben aber das sind dann auch schon alle Einzelheiten die uns dazu einfallen. Tauchen diese Meldungen häufiger auf werden sie im höheren Masse als wahr bewertet und das selbst dann, wenn vorgelegte Fakten das Gegenteil beweisen. Die Häufigkeit allein ist für unser Gehirn ausreichend um eine negative Grundeinstellung einzunehmen und das Fahrzeug oder System zu meiden.

Unser Gehirn arbeitet nicht mit Relativität und Wahrscheinlichkeit, wenn es um eine “tödliche Bedrohung” geht, sondern nur mit der Eliminierung aller anderen Informationen um Entscheidungen schnell und einfach zu machen. Selbst wenn diese Person bei einem Herzinfarkt in einem geparkten Fahrzeug gestorben ist, wird das Auto für gefährlich erklärt und gemieden. Stellen Sie sich vor es bietet Ihnen jemand ein Auto für wenig Geld an in dem jemand verstorben ist, sie wissen aber nicht wie und jetzt stellen Sie sich vor ob sie es kaufen würden oder nicht. Die meisten Menschen werden eine Abneigung hierbei empfinden und den Kauf eher nicht tätigen.

Es ist eine seltsame Form der Verallgemeinerung und Eliminierung, die mit einer Ur-Angst kombiniert unser logisches Denken ausschaltet und unseren Kampf- und Laufinstinkt aktiviert. Aggressions- und Aktionshormone werden ausgeschüttet. Wenn du versuchst, in einer solchen Situation ruhig mit jemandem zu sprechen, fühlst du eine Menge Emotionen und der Grund dafür ist genau jene Kampf- und Laufsituation, die jedes vernünftige Gespräch unmöglich macht. Es ist ein Verhalten, das in der Vergangenheit bewiesen hat, Leben zu retten, aber in der Welt der künstlichen Intelligenz ist dieses Verhalten veraltet und gefährdet Menschenleben. Erlauben Sie mir zu erklären, warum.

Teslas “Herbeirufen” verbindet zwei Welten der augenscheinlichen Gegensätze

Seitdem die Funktion ‚Herbeirufen’ von Tesla als Funktion des Autopilot Systems freigegeben wurde, eine Anwendung, die es Ihrem Auto ermöglicht autonom also ohne Fahrer zu Ihnen oder einem Ort Ihrer Wahl auf einem Parkplatz zu fahren wird diese äußerst kontrovers diskutiert. Begeisterte Nutzer als auch Menschen, die offensichtlich Angst haben, von diesem System verletzt oder sogar getötet zu werden finden keine gemeinsame Basis für eine sachliche Bewertung und Einordnung. Es handelt sich hierbei um eine autonome Fahrsystemfunktion, die durch eine automatische Abschalteinrichtung einem sogenannten ‚Totmann-Knopf’ gesichert ist um das Fahrzeug bei Bedarf jederzeit stoppen zu können.

Aus diesem Grunde wird es von den Behörden auch nicht als autonomes Fahren bewertet denn der Fahrer der zum Beispiel am Eingang eines Supermarktes sein Fahrzeug per Handy und im strömenden Regen zu sich ruft, hat nach wie vor die volle Kontrolle und kann das Auto jederzeit stoppen. Für uns Menschen welche die Welt primär mit unseren Augen wahrnehmen ist ein Auto ohne Fahrer ein autonomes Gefährt und tatsächlich wird hier ein System eingesetzt das einem selbstständigen autonomen Fahren so nahe kommt wie kein anderes.

Nach der Freigabe des Systems wurden viele Videos in sozialen Media gepostet und wenn man sie sich genau ansieht, wird man feststellen, dass das System auf leeren oder weitgehend leeren Parkplätzen einwandfrei funktioniert, aber wenn es voller ist und Menschen herumlaufen oder in engen Situationen ein- und ausgeparkt wird, stoppt und wartet ein Tesla was für viele Zuschauer als Fehler im System bewertet wird obwohl es kein Fehler ist, sondern eine zusätzliche Sicherheit darstellt. Jeden Tag passieren auf der Welt eine große Zahl an Unfällen auf Parkplätzen jedoch sind die einzigen Unfälle die ein Tesla mit der ‚Herbeiruffunktion’ bisher jemals hatte einer bei dem ein Mensch als Fahrer in einen Tesla hineinfuhr und nicht umgekehrt. Dies schließt sogenannte Unfälle in überdachten Garagen ein die von Tesla in den Nutzungsbedingungen für das System ausgeschlossen wurden aber von den Nutzern offensichtlich missachtet. Auch diese Tatsache wird von unserem Gehirn nicht analysiert oder bewertet, sondern nur der Unfall als solches unter Beteiligung eines Autos mit einem autonomen Fahrsystem als Gefahr eingestuft.

Das menschliche Gehirn arbeitet in Mustern und wenn wir in einem Auto sitzen oder zu Fuß unterwegs sind und ein anderes Auto sich uns auf einem Parkplatz nähert, unterscheiden wir nicht, ob ein Mensch oder einem System hinter dem Lenkrad sitzt denn das Wichtigste für uns ist ob es eine Gefahr darstellt und ob wir ein solches Muster erkennen können. Wir erinnern uns ob wir diese Situation bereits einmal erlebt haben und erwarten ein menschliches Verhalten egal wer das Fahrzeug steuert. De facto können wir ja gar nichts anderes tun denn es gibt keine Erfahrungen mit autonomen Fahrsystemen die wir als Vergleich heranziehen könnten.

Tatsächlich glauben die meisten, dass es nicht anders sein sollte, weil wir zu Recht erwarten müssen, dass diese Systeme wie menschliche Fahrer funktionieren, aber ich behaupte, dass wir definitiv und zwangsläufig und aus verschiedenen Gründen zwischen beidem unterscheiden müssen und zwar ganz einfach deshalb weil diese Systeme nicht mit Ihnen kommunizieren werden wie ein anderer Mensch und auf anderem Wege zu Entscheidungen kommen, Wege die aufgrund begrenzter Möglichkeiten Informationen aufzunehmen und anderer Wege diese zu verarbeiten unterschiedlich sind.

Systeme sollten wie Menschen funktionieren, aber können (noch) nicht wie Menschen kommunizieren

Es ist aktuell nur ein „Stück Software“, das Ihnen nicht in die Augen schauen kann um ihre Reaktion zu bewerten, es kann nicht mit den Händen winken oder mit Mimik und Gestik oder auf andere subtile Weise kommunizieren, an die wir gewöhnt sind und die uns meistens noch nicht einmal selbst bewusst ist. Man nehme nur die subtile Kommunikation ohne Worte zwischen einem Mann und einer Frau die wie die meisten wissen häufig und nachhaltig Verwirrung stiften. Wenn die non verbale Kommunikation zwischen zwei Menschen unterschiedlichen Geschlechts als auch gleichen Geschlechts nicht funktioniert wie kann ich dann erwarten das ein künstliches System mit einem Menschen besser kommuniziert?

Dieses E-Auto kann mit einem Menschen sprechen
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Um genau zu sein wir sollten zwar erwarten, dass diese Systeme wie die Menschen funktionieren, aber nicht wie Menschen kommunizieren. Ihre Art der Kommunikation ist deutlich begrenzt oder besser ausgedrückt, einfach anders, aber wenn sie immer noch glauben, dass Wege der Kommunikation wie bei anderen Menschen genutzt werden können dann wundern sie sich bitte nicht, wenn das System dem sie ein Handzeichen geben ganz anders handelt als sie erwarten. Das Muster, das unser Gehirn gewählt hat um mit diesem Fahrzeug zu kommunizieren ist das falsche Muster, es sei denn, sie sind selbst ein Computer.

Was von uns allen erwartet wird und erwartet werden sollte ist deshalb zu lernen, wie man mit diesen neuen Systemen umgeht. Ein Umgang zu dem sich viele Menschen gezwungen fühlen, ohne zu glauben davon zu profitieren. Wenn sie jemand bittet etwas ohne Gegenleistung zu tun wie zum Beispiel etwas zu lernen dann fühlen sich die meisten dabei nicht besonders gut und viele entwickeln sogar Wut und Aggression. Lernen ist eine Anstrengung die Energie verbraucht, also warum sollten Sie als normaler Fußgänger dieses verdammte autonome Auto das für die Reichen und Wohlhabenden entwickelt wurde anders behandeln als ein menschlicher Fahrer?

“Diese Emotionen sind es deren Ausdruck wir sehen, wenn Menschen Tesla-Fahrzeuge ohne erkennbaren Grund beschädigen. Die Fähigkeit dieser Fahrzeuge Vandalismus als Video aufzuzeichnen erzeugt Beweise als auch interessante Einblicke in die Psyche der Täter.”

Wut, Misstrauen und Angst wird durch Gewalt als Zeichen der Ablehnung von etwas Neuem ausgedrückt. Diese Menschen fühlen sich gezwungen, sich zu ändern, und sie glauben ihre Lebensweise wird von Tesla in Frage gestellt und zwar einfach deshalb, weil es diese Firma und vor allem ihre Produkte gibt. Die natürliche Reaktion ist zu Wünschen das alles bleibt wie es war jedoch passiert genau das Gegenteil denn Tesla hat nicht nur mehrere große Fabriken in den USA und inzwischen auch in China, sondern verkündete vor kurzem eine ebenso große Fabrik in Brandenburg zu bauen und ein Entwicklungs- und Designcenter in Berlin. All dies wird dazu führen, dass die Fahrzeuge von Tesla und deren autonome Systeme immer häufiger auf unseren Straßen zu sehen sein werden.

Die gefühlte Bedrohung rückt also näher und zeigt sich auch in verbaler Aggression wie die einer Morddrohung an einen Model 3 Besitzers in Ingolstadt, dem Hauptsitz von Audi die vor kurzem verkündet haben jeden 10. Arbeitsplatz zu streichen um Kapital für die Herausforderungen von Morgen zu erzeugen. Der Mann der dies mir persönlich mitteilte, ist eine sehr ruhige unaufgeregte Person der so viel Hass in Ingolstadt erlebt wie noch nie und all das nur deshalb weil er in der Stadt in der Audi seine Zentrale hat ein Tesla fährt und Menschen dies als Bedrohung empfinden. Die Elektromobilität ist für viele leider eine Bedrohung, statt eine Herausforderung oder Chance und deren weltweiter Erfolg wurde allein durch ein Unternehmen initiiert ohne dessen kein großer Autohersteller heute die Milliarden in diese Technologie investieren würde und dies Unternehmen ist Tesla.

Die negativen Gefühle die entstehen sind die Angst um den Arbeitsplatz aber auch zu einem großen Teil die Kommunikation zwischen dem Menschen und der Maschine die nicht so funktioniert wie zwischen einem Menschen und einem anderen Menschen.

Die “Mensch- und Maschinenproblematik” im Alltag

Kommunikation ist eine der Herausforderungen, die andere ist die Schnittstelle, mit der wir kommunizieren. Wenn wir darüber nachdenken, was Neurolink, eine der vielen Firmen, die Elon Musk gegründet hat, versucht zu erreichen dann ist dies dem Computer zu helfen besser mit dem Menschen zu kommunizieren und dem Menschen besser, schneller und effizienter mit dem Computer. Neurolink versucht dies indem eine direkte Schnittstelle zum menschlichen Gehirn entwickelt wird die ein Computerchip direkten Zugang zu den menschlichen Neuronen erlaubt.

Diejenigen die glauben, dies sei alles Science-Fiction und wird nie Realität werden sollten wissen das es seit Jahren übliche Praxis ist Menschen die zum Beispiel ein Glied des Körpers verloren haben wie eine Hand, eine künstliche Hand mit einem Computer bewegen zu lassen dessen Anweisungen direkt aus dem menschlichem Gehirn kommt. Dies ist der Beweis, dass das Konzept grundsätzlich funktioniert. Unser Gehirn kann effektiver direkt mit einem Computer kommunizieren als über unsere langsamen und ineffizienten Schnittstellen wie die Hände, Ohren und Augen und anderen Sinnen. Es ist aber auch wahr, dass die Wissenschaftler bis heute nicht wirklich verstehen, wie das alles funktioniert weil sie nicht verstehen wie unser Gehirn funktioniert und insofern ist dies kein wissenschaftlicher Erfolg, sondern nur ein Experiment das zufällig zu dem gewünschtem Ergebnis führt.

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Dies ist deshalb von Bedeutung, weil die bestehenden Ein- und Ausgabesysteme, die ein Mensch zur Verfügung hat, nicht für den digitalen Datentransfer mit einer KI optimiert wurden und unsere Fähigkeiten, Tastaturen, Touchscreens und Sprache zu nutzen in dieser Hinsicht völlig unzureichend entwickelt ist um für einen Computer auch nur annähernd ein interessantes Gespräch in einer akzeptablen Geschwindigkeit zu führen. Im Gegenteil würde sich der Computer bei diesem beisammen sein wahrlich ‚zu Tode langweilen’ wenn er denn ein solches Gefühl jemals entwickeln würde.

Ich nenne die aktuelle mangelnde Fähigkeit dieser beiden Systeme miteinander umzugehen die “Mensch- und Maschinenproblematik”. Am Ende des Tages ist alles was zählt, die Sprache, die Bandbreite und die Verbindung zwischen uns und dem Gerät, mit dem wir eine Aktion durchführen möchten, sein. Da sich diese Aktionen aber immer mehr in den “Händen” des künstlichen Systems bewegen, ist es umso wichtiger, dass wir die Rolle eines Vorgesetzten übernehmen können der die Fähigkeit zur effektiven Kommunikation und Kontrolle hat. Uns fehlt aber diese Fähigkeit, weil der menschliche Körper viel Zeit braucht, um sich an neue Herausforderungen anzupassen und bisher sich gerne ein paar Tausend Jahre Zeit dafür nahm aber unsere heutige Herausforderung ist brandneu und auch wenn die Plastizität unseres Gehirns eine Anpassung erlaubt und sich innerhalb unseres Lebens entwickelt, wenn wir es trainieren und ernähren, so ist es doch offensichtlich das wir Menschen nicht die Zeit haben werden uns schnell genug an die Welt der Computer so anzupassen das wir die Oberhand und Kontrolle behalten.

Ich spreche nicht davon, dass wir einen Chip in unserem Gehirn wachsen lassen, der besser mit einem externen Computer kommuniziert, sondern zum Beispiel über den Unterschied, den Sie erkennen, wie Ihre Kinder mit einem Computer umgehen im Vergleich zu sich selbst. Wir sind alle erstaunt, wie schnell und einfach Kinder in der Lage sind, Computer intuitiv zu benutzen, zu verstehen und schnell besser zu werden als wir Erwachsenen. Die meisten würden hierzu sagen: “Nun, Kinder lernen halt schneller und ich bin eben älter und das ist wahrscheinlich der Grund”. Meine Interpretation ist, dass dies zum Teil wahr ist, aber der Kernpunkt ist, dass unser Gehirn wie wir inzwischen wissen hochgradig formbar ist und sich an Aufgaben körperlich anpasst, und das bis zu dem Punkt, an dem sich gewisse Teile, die nie dazu bestimmt waren, für bestimmte Aufgaben verwendet zu werden, anpassen und diese Aufgabe übernehmen können. Sie finden sehr viele Beispiele hierfür in der Medizin wo Schädigungen unterschiedlicher Art gezeigt haben wie flexibel unser Gehirn eine Anpassung vornehmen kann.

Kindern die früh einen Computer benutzen wachsen mit einer neuen Anforderung auf und passen sich an diese an, insofern dessen ist es ein ganz gewöhnlicher Vorgang der Evolution. Da sie recht schnell dieser Aufgaben besser bewältigen als die Erwachsenen und dabei auch noch ihr Verhalten ändern entsteht ein Kontrollverlust bei den Eltern der von diesen negativ bewertet wird. Wenn Ihre Kinder einmal Kinder bekommen, werden sie bestimmte Veränderungen welche die Wissenschaft, Marker nennt in ihrem Gehirn, in ihrer DNA haben, die es ihnen leichter macht, Ihre Arbeit mit Computern und Software auf einem Niveau zu beginnen, das Sie wohl nie erreichen werden. Zugegeben all dies klingt gruselig ist aber im Grunde nichts Neues, sondern ein Prozess der die Menschheit in seiner Entwicklung zu dem heutigen Punkt geführt hat, nur es geht heute einfach schneller und es ist anzunehmen das es sich in Zukunft noch weiter beschleunigen wird.

Lernprozesse funktionieren beim Menschen nur mit Erfahrungswerten welche als die Daten der Computer bezeichnet werden können. Ohne Erfahrungen gibt es keinen Lernprozess und ohne Daten lernt kein Computer ein Fahrzeug besser, sicherer und zuverlässiger autonom zu fahren. Versucht ein Mensch heute ein autonom fahrendes Fahrzeug in seinem Verhalten zu verstehen ist er u.a. auch deshalb unterlegen, weil er all die Daten die das Fahrzeug für Entscheidungen nutzt und verarbeitet gar nicht so schnell aufnehmen kann und die Evolution dem Menschen deshalb Abkürzungen gegeben hat die es ihm erlauben auf bewährte Verhaltensmuster zurückzugreifen um eine Verkehrssituation zu bewältigen. Da beide also auf vollkommen unterschiedlichen Wegen zu Entscheidungen kommen ist es für den Menschen quasi unmöglich den Entscheidungsweg des Computers nachzuverfolgen es sei denn er hätte die Möglichkeit große Datenmengen in sehr kurzer Zeit aufzunehmen und zu verarbeiten. Neurolink versucht dies möglich zu machen um zwei Welten zu vereinen. Ob dies gelingt und was das Resultat sein wird ist noch ungewiss.

Lernen geht nach gelernten Prozessen
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Aktuell versucht also ein Mensch auf vollkommen anderem Weg den Lösungs- und Entscheidungsweg eines Computers für eine Verkehrssituation zu bewerten und es ist nicht überraschend das er dabei zu anderen Resultaten kommt. Ein interessantes Beispiel in diesem Zusammenhang ist wenn ein Mensch versucht, ein Fahrzeug zu fahren oder zu überwachen, das ein teilautonomes System wie den Tesla-Autopiloten hat. In fast allen Fällen, in denen der Mensch sich beschwert, dass das System nicht so funktioniert hat, wie er es sich vorgestellt hat, war es nicht die Maschine, die nicht funktioniert hat, sondern der Mensch hat das System missverstanden und eine Erwartung entwickelt die ihm zu einem Eingreifen gedrängt haben ohne das ihm die Daten und Informationen vorlagen welche der Computer hat. Die typische Beschwerde ist dann meist das der Autopilot einen Unfall verursacht hätte wenn er, der Mensch nicht rechtzeitig eingegriffen hätte. Diese Schlussfolgerung ist deshalb schlicht falsch, weil die Fakten und Daten von Tesla nachweisen das es im Durchschnitt ca. 9 mal weniger Unfälle gibt wenn ein Fahrer den Autopilot benutzt im Vergleich zu einem menschlichen Fahrer einer anderen Marke aber auch bei einem Vergleich mit einem Tesla sind die Daten eindeutig.

Unfälle geschehen, wenn Menschen autonome oder teilautonome Systeme umgehen

Als Menschen haben wir eine starke Abneigung dagegen Statistiken über Unfallhäufigkeiten von Computern zu glauben und das obwohl seit Jahrzehnten Flugzeuge und Züge nachgewiesen haben, dass sie deutlich bessere Ergebnisse und wenige Unfälle haben als der Mensch. In unserer Vorstellung sitzt dort immer noch ein Mensch im Cockpit oder Führerhaus und es fällt uns nicht einmal auf das die Unternehmen es vermeiden öffentlich zu zeigen das diese Systeme zum großen Teil ohne den Menschen funktionieren. Der Grund dafür ist die irrationale Angst des Menschen vor teil- oder vollautonomen Systemen. Ohne Ausnahme sind alle schwerwiegenden Unfälle mit Zügen und Flugzeugen in den letzten Jahren immer dann passiert, wenn der Mensch versuchte die autonomen oder teilautonomen Systeme zu umgehen. Wir Menschen sind es nicht gewohnt und wollen tatsächlich entgegen unseren Aussagen nicht, dass bei komplexen Aufgaben ein Computer bessere Ergebnisse erzeugt als der Mensch.

Die aktuelle Diskussion über autonome Fahrzeuge erinnert mich daran was passierte als die Schriften von Darwin nachwiesen, dass die Natur auf der Erde sich konstant anpasst und verändert, der Mensch von dem Affen abstammt und Gott nicht mehr derjenige war der den Menschen aus einem Stück Lehm geformt hat. Der Aufschrei war groß und es dauerte sehr lange bis die Öffentlichkeit anfing diese eindeutigen Tatsachen zu akzeptieren und große Teile der Weltbevölkerung tun es bis heute nicht.

“Die Überlegenheit des Menschen in Frage zu stellen erzeugt eine Urangst der nur schwer argumentativ und mit Fakten zu begegnen ist. Es ist der Bruch eines Tabus.”

Gestatten Sie mir, Ihnen ein einfaches Beispiel zu geben, um zu veranschaulichen, was ich damit meine. Vor einigen Tagen bin ich mit meinem Model 3 unter Nutzung des Autopilot gefahren oder besser gesagt, ich bin nicht gefahren, stand aber stattdessen im Stau und das Auto hat sich nicht bewegt. Es war auf einer deutschen Autobahn und ich wartete bis es weitergeht. Plötzlich zeigte mir das Display meines Autos eine Kollisionswarnung an, ein visueller rot blinkender Alarm auf dem Display als auch ein lautes Audiosignal, das mich darüber informiert, dass ich kurz davor bin, mit etwas zu kollidieren. Sitzt man in einem stehenden Auto mit anderen Autos vor und hinter einem und auch auf der linken Seite standen Fahrzeuge dann fragt man sich, woher die Kollision bitte kommen soll, vielleicht von oben?

Meine erste Reaktion war also, und ich glaube, die meisten hätten den gleichen Gedanken, dass dies ein Systemfehler sein muss. In der Sekunde dieses Gedankens fuhr ein Motorrad an meinem Auto auf der rechten Seite vorbei, indem es den engen verfügbaren Raum zwischen den Autoschlangen nutzte und in Schlangenlinien durch die enge Gasse fuhr. Das autonome System von Tesla war in der Lage ca. 3 Sekunden zuvor zu erkennen, dass sich dieses Fahrzeug auf Kollisionskurs mit meinem Auto befand und gab mir zurecht eine Kollisionswarnung, auch dann wenn es keine Kollision gab da der Motorradfahrer ja nur die Gasse nutze um den Stau hinter sich zu lassen. Der Autopilot hatte mit seiner Warnung also Recht, und ich lag falsch. Etwas Vergleichbares habe ich sehr häufig in anderen Verkehrssituationen erlebt und bin wenn ich mich an die Nutzungsanweisungen des Systems halte nicht ein einziges Mal in eine gefährliche Situation gelangt. Ganz im Gegenteil habe ich viele Situationen erlebt in denen ich falsch lag und der Autopilot richtig und mich deshalb vor einer Gefahr geschützt hat. Viele greifen in gewissen Fahrsituationen in das System ein und behaupten der Autopilot hätte einen Unfall verursacht wenn sie nicht eingegriffen hätten aber ich kann aus meiner Erfahrung sagen und ich fahre wenn ich auf der Autobahn bin durchschnittliche  97 – 99% mit dem Autopilot und das auch durch Baustellen, dass diese Annahme nicht durch die Realität bestätigt wird.

In allen Situationen, in denen ich mich erinnere zu glauben, dass der Autopilot versagt hatte wurde ich kurz danach eines Besseren belehrt und war trotzdem nicht in der Lage, das gleiche Ergebnis aus den verfügbaren Informationen, die ich zum Zeitpunkt des Vorfalls hatte zu ermitteln. Dies auch deshalb, weil der Autopilot auf Informationen zugreifen kann die ich als Mensch nicht habe wie zum Beispiel die Fähigkeit durch Sensoren das zweite und sogar dritte Fahrzeug vor mir nicht nur zu erkennen, sondern auch in seinem Fahrverhalten auf potentielle Gefährdungen einzuschätzen und entsprechend reagieren zu können. Wenn der Mensch mit Ultraschall von der Natur ausgerüstet worden wäre hätte wir eine andere Situation aber wir sind und werden keine Fledermäuse werden und das ist gut so.

Dies ist der Moment, in dem wir als Menschen akzeptieren müssen, dass KI-Systeme wie der Autopilot von Tesla auf unseren Straßen besser funktionieren als wir und sehr vorsichtig sein sollten eine Entscheidung des Systems als Fehler zu bewerten nur weil wir mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu anderen Ergebnissen kommen. Genau das geschieht aber jeden Tag und jede Minute in den sozialen Medien wenn Menschen auf der Straße über die autonomen Fahrsysteme sprechen und in der öffentlichen Wahrnehmung. Die Menschen glauben zu wissen, was sie nicht wissen, und beurteilen es auf der Grundlage unserer begrenzten Fähigkeit zu bewerten und zu beurteilen so wie damals 99% aller Menschen die Ergebnisse von Darwins Forschungen sahen diese als entweder falsch, Gotteslästerung oder beides zusammen bewerteten.

Es ist ein Tabu den Menschen im Bereich Entscheidungsfindung in komplexen Situation und unklarer Informationslage als jemanden zu bezeichnen der nicht die am weitesten entwickelte Art auf der Erde ist und dennoch ist es eine Realität die wir in vielen einfacheren gut beschreibbaren Aufgaben, in denen Computer deutlich besser sind als wir bereits akzeptiert haben. Seien es komplexe mathematische Berechnungen, Wettervorhersagen oder Videospiele die wir gerne und zu Recht als isolierte Bereiche sehen die unseren Kontrollverlust nicht aufzeigen, aber wenn es um komplexe Herausforderungen geht wie das Fahren eines Fahrzeugs auf unseren Straßen, halten wir uns trotz gegenläufiger Datenlage für überlegen. Es ist auffallend mit wie viel Emotionen und wie wenig Fakten diese angebliche Überlegenheit verteidigt wird.

Tesla zeigt Mensch und Maschine Hand in Hand
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Ein vollkommen autonom fahrendes Auto auf dem Level 5, bei dem man im Fahrzeug schlafen oder ein Buch lesen darf, etwas, das es noch nicht gibt und viele sagen es wird es auch nie geben, ist für uns als würde ein Computer aus seiner Metallbox schlüpfen und beschließen die Welt als unabhängiges Bewusstsein zu entdecken. Unabhängig im Sinne von selbstständig, autonom und ohne externe Kontrolle ganz so wie wir es aus diversen Science-Fiction Filmen gelernt habe die fast immer negativ enden. Das ist gruselig, seltsam, verwirrend und überhaupt nicht das, was die Menschen hören wollen, weil sie das Gefühl haben nichts dagegen tun zu können und Ängste und Emotionen beginnen uns als Folge zu beherrschen. Es bricht ein Tabu und das ist ein Grund für viele, wütend, aggressiv, negativ und gegen alles zu sein was damit verbunden ist denn es geht für sie um die Vorherrschaft auf Erden.

Ich erwarte aus diesem Grund viele unvorhergesehene Verhaltensweisen und Reaktionen von Menschen die mit einer zunehmenden Anzahl neuer Anwendungsfälle für die künstliche Intelligenz und von selbstlernen Algorithmen in den nächsten Monaten und Jahren konfrontiert werden. Autonome Fahrzeuge sind nur einer dieser Anwendungsfälle.

Es ist an der Zeit das der Mensch damit beginnt zu verstehen das die Frage nicht ist ob diese Systeme ihn bedrohen oder nicht, sondern das er lernen muss sie besser zu verstehen um die Ängste die auf natürliche Weise mit dieser neuen Technologie verbunden sind abzulegen und einen konstruktiven Umgang mit ihnen zu beginnen.

“Das wahre Problem ist nicht die Künstliche Intelligenz, die sich mit uns beschäftigt, sondern der Mensch, also wir, der sich mit der Künstlichen Intelligenz beschäftigt.”

 


Dieser Artikel ist im November 2019 auf der US Webseite www.cleantechnica.com erschienen und wurde in der heutigen deutschen Version mit aktuellen Zahlen, Inhalten und Informationen angepasst.

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Eine Antwort

  1. Die Grundaussage des Artikels (leider wegen Satzbau und Grammatik – Kommas- sehr schwer zu lesen!) kann ich nachvollziehen und stimme ihr zu. Die ausgereifte KI hat für eine Anwendung umfassendere Informationen, kann diese besser verarbeiten und ist daher leistungsfähiger als der Mensch.
    Im Beitrag wird aber “nur” von der KI “als Freund und Helfer” ausgegangen – hier als Autopilot. Leider ist die Realität heute und in Zukunft eine andere. Denken wir an Computerviren und Manipulationen durch automatische Systeme (z.B. bei Wahlen, Werbung, Likes, …). KI wird auch geschaffen und missbraucht werden von Geschäftemachern, Kriminellen, Geheimdiensten, …
    Es ist für den Einzelnen – weil ihm die Daten fehlen – aber nicht mehr nachvollziehbar, wo die KI ihm hilft und wo ihm damit geschadet werden soll. Klar, meine ich damit nicht den Autopilot im Auto: Aber, ein unbesorgtes, vertrauendes Einlassen auf KI (… zukünftig Chip im Kopf) erscheint mir daher sehr naiv!

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