Tesla-Chef Musk über das Model S: „Wir wollten ein Auto mit verrückten technischen Daten“

Elon Musk über das Tesla Model S
Ivan Kurmyshov / Shutterstock.com
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Anlässlich des 70-jährigen Bestehens des US-Automagazins MotorTrend haben die Redakteure eine „Ultimate Car of the Year-Story“ zusammengestellt, um das bedeutendste Fahrzeug der vergangenen 70 Jahre zu ermitteln. Die Wahl fiel auf ein Elektroauto – das Tesla Model S. Mit Tesla-Chef Elon Musk sowie dem Model-S-Designer Franz von Holzhausen sprach MotorTrend anlässlich dieser Auszeichnung ausführlich über die Bedeutung des Model S, wie schwierig es zu designen war und über die Zukunft des Automobils.

Zu Beginn des Interviews beweist Musk einmal mehr, wie süffisant er ist, und lobt nach einem großen Dankeschön an das ganze Team des Magazins das „gute Urteilsvermögen“ der MotorTrend-Redakteure bei der Auswahl des Gewinnerfahrzeugs. Musk findet es „verrückt“, dass es ziemlich genau zehn Jahre her ist, dass Tesla das Model S enthüllt hat, im März 2009. Genau dieses Fahrzeug von damals stand zum Interview vor der damaligen Tesla-Werkstatt bereit. Heute ist dort Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX beheimatet. Model-S-Designer Holzhausen sagt, es bringe „viel Emotionen zurück“ dieses Fahrzeug nach zehn Jahren nochmal zu sehen.

Musk spricht gar von „Herzschmerz“, dieses Auto nochmal vor sich stehen zu haben. Tesla habe damals alle seine Ressourcen und all sein Herzblut in das Model S gesteckt: „Die Türgriffe, die Nase, jede Kurve, jede Falte, jeder Winkel – wir haben die ganze Zeit über jedes winzige Teil nachgedacht“, sagt Musk in dem Interview. „Die allgemeine Herausforderung bestand darin, sicherzustellen, dass sieben Personen in dieses Auto passen“, fügt Holzhausen hinzu: „Wenn Sie an eine Limousine denken, in die sieben Personen passen, das verhält sich eigentlich wie Öl mit Wasser. Es vermischt sich nicht wirklich.

„Es ist schon verrückt, sieben Leute unterzubringen und trotzdem Platz für Gepäck zu haben“

Ich habe nur versucht, meine Kinder ins Auto zu bekommen“, sagt Musk, der fünf Söhne hat, Zwillinge und Drillinge. „Also dachte ich, wir müssten im Auto weiter nach hinten schauen, zwei Sitze fast in den Kofferraum, damit ich meine Kinder ins Auto bringen konnte“. Dank des fehlenden Motors vorne war dort Platz für Stauraum, Tesla-Fahrer nennen ihn Frunk. „Es ist schon verrückt, sieben Leute unterzubringen und trotzdem Platz für Gepäck zu haben“, sagt Musk über das Model S.

Wir wollten ein Auto mit verrückten technischen Daten“, sagt Musk über den Antrieb der Elektro-Limousine. „Und viele Leute aus der Branche sagten, es sei unmöglich“, sagt der Tesla-Chef über die Diskussionen damals. Holzhausen beschreibt, es habe sich so angefühlt, „als wären wir aus dem Flugzeug gesprungen und haben dann erst beschlossen herauszufinden, wie wir ein Team von Leuten dazu bringen können, den Fallschirm zu konstruieren.“

Eine große Herausforderung sei es zum Beispiel gewesen, den Akku sowie Motor, Getriebe und Umrichter elegant im Unterboden unterzubringen. „Darüber haben wir täglich gesprochen. Wie können wir noch einen Millimeter abzwacken, noch einen, und noch einen“, so Holzhausen. „Besonders in Bezug auf die Höhe haben wir uns stark den Kopf zerbrochen. Wir brauchen einen Akku, und eine Bodenwanne, und die Sitzschienen und den Teppich und dann gibt es eine ziemlich starke schützende Grundplatte auf der Unterseite. Das alles summiert sich. Und dann wollen wir auch noch gute Kopffreiheit im Auto haben. Aber wenn Sie das Auto zu hoch machen, verlieren Sie seine Schönheit. Es fängt an, komisch auszusehen, wenn eine Limousine zu hoch ist. Die Länge zur Höhe ist im Gefühl der Ästhetik enorm wichtig“, erklärt Musk.

„Ein Computer auf Rädern“

Auf den großen Bildschirm und die Software angesprochen sagt Musk, dass „das Grundprinzip ein Computer auf Rädern“ war. „Wenn Sie einen Laptop auf Rädern hatten, möchten Sie einen großen Bildschirm, eine Touch-Oberfläche und eine drahtlose Update-Funktion. Dann haben Sie viel Freiheit, das Auto mit Software weiter zu verbessern“, so der Tesla-Chef über das Model S, dessen Software über Over-the-Air-Aktualisierungen stets auf dem neuesten Stand gehalten werden kann. „Das Model S wird mit dem Alter immer besser, das machen nicht viele Autos“, fügt Holzhausen hinzu.

Warum es noch niemand geschafft hat, das mittlerweile zehn Jahre alte Model S in Bezug auf Reichweite und Leistung zu übertreffen, weiß Musk nicht: „Es ist überraschend für uns. Ich dachte, die Branche hätte schon lange vorher Autos gehabt, die mit dem Model S konkurrieren können“. Er habe eigentlich „damit gerechnet, dass es vielleicht drei, vier Jahre später etwas besseres als das ursprüngliche Model S geben wird“.

„Ich denke, das Beste an Tesla und den Autos, die wir herstellen, ist, dass sie nicht von einem seelenlosen Konzern entworfen wurden. Es gibt keine Finanzkalkulation oder ähnliches mit einigen Marktanalysen. Es gibt nichts davon. Natürlich müssen wir mehr Geld einbringen, als wir ausgeben. Aber am Ende des Tages wollen wir ein Auto bauen, das wir lieben, das uns ins Herz trifft und das auch Sie das fühlen lässt. Und wie viele Autos haben keine Seele. Die Hersteller bauen all diese Autos, die keine Seele oder kein Herz haben, und sie fragen sich, warum niemand etwas für sie empfindet. Warum sollten sie?“ – Elon Musk, CEO Tesla Motors

Mit Teslas Zukunft im Blick sagt Musk in dem Interview, er wolle die Produktion ausweiten und „Millionen Autos pro Jahr produzieren“. Dadurch soll es auch möglich werden, Elektroautos günstiger anzubieten. Das sei zwar eine Herausforderung, aber Musk glaubt, auf einem guten Weg zu sein. Und in einigen Jahren werde autonomes Fahren „die Automobilindustrie wirklich verändern. […] Die Zukunft wird komplett elektrisch und autonom sein. Ich meine nicht ein wenig elektrisch und ein wenig autonom, ich meine alles elektrisch und alles autonom“.

Musk warnt zum Ende des Interviews davor, sich heute noch einen Diesel oder einen Benziner zu kaufen, wenn man auf einen hohen Wiederverkaufswert setzt. „Es wird ein wenig so sein wie vor 100 Jahren, 1919. Viele Leute kauften noch Pferde, und es gab so etwas wie dieses neue radikale Ding namens Autos. Die Leute sagten: ‚Diese seltsame Automobiltechnologie, die wird sich niemals durchsetzen.‘ Ein Pferd kaufen, das war damals ein Fehler.

Holzhausen fügt hinzu, autonome Elektroautos seien „keine beängstigende, hässliche, dystopische Zukunft. Es wird eine lustige, schöne Erfahrung.“

Quelle: MotorTrend – Elon Musk reflects on significance of Tesla Model S

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