Streit um Elektroautos: VW, Daimler und BMW planen Aussprache

VW, Daimler und BMW planen Aussprache
shutterstock / Lizenzfreie Stockfotonummer: 548871208

Im Grundsatzstreit der deutschen Autoindustrie über die Förderung der Mobilität der Zukunft und neue Milliardenhilfen für Elektroautos planen die Konzerne nach Informationen der Süddeutschen Zeitung ein Krisentreffen. Die Chefs von VW, Herbert Diess, BMW, Harald Krüger, und Daimler, Dieter Zetsche, wollten sich nach Branchenangaben an diesem Mittwoch aussprechen. Die Konzerne wollten dabei ausloten, ob sich nach dem zuletzt so hart wie öffentlich ausgetragenen Streit doch noch eine gemeinsame Linie beim Umbau der Mobilität finden lasse, hieß es weiter.

Eine Vorentscheidung könnte dabei auch zur Frage fallen, ob VW Teil des Lobbyverbands VDA bleibt. Auch VDA-Präsident Bernhard Mattes soll an dem Gespräch teilnehmen. Bei VW gab es zuletzt Überlegungen, aus dem Verband auszutreten, weil sich der Konzern nicht mehr gut vertreten fühlte. Die Liste an Kritikpunkten, die man bei Volkswagen erstellt hat, ist der Welt am Sonntag zufolge lang. Vor allem müsse der Verband von der Strategie der „Technologieoffenheit“ abrücken und dafür sorgen, dass alle Kräfte ausschließlich auf die Durchsetzung des Batterieautos konzentriert würden. Entwicklung und Förderung von Fahrzeugen mit Brennstoffzellen, Gasantrieben oder anderen umweltfreundlicheren Varianten müssten eingestellt werden. Das überfordere die Branche, sagt VW-Chef Herbert Diess.

Gegen das Auto werde in Deutschland derzeit „ein Kulturkampf geführt“, heißt es bei VW. Dem müsse der Verband „entschlossener entgegentreten und sich klarer positionieren“. Der VDA müsse sich zudem dafür einsetzen, dass Industrie und Politik einen „echten Masterplan Elektromobilität“ entwerfen, dass ein „Strukturfonds“ eingerichtet werde, der Brüche und den Technologiewandel in der Branche abfedere. Batterieautos sollten geringer besteuert werden, um die Absatzzahlen zu steigern, besonders günstige Elektroautos sollten als „Einstiegsmobilität“ vom Staat gefördert werden.

All diese Punkte würden vom VDA nicht mit der nötigen Energie verfolgt, kritisiert man bei VW. Der VDA weist die Kritik zurück. „Dass es in einem so großen Verband nicht immer ohne Reibung geht, war in der Vergangenheit so und wird auch in Zukunft sicherlich immer wieder so sein“, heißt es gegenüber der Welt am Sonntag. Der Fokus liege durchaus auf der Elektrifizierung der Autos. „Aber andere Antriebs- und Kraftstoffalternativen bleiben im Blickfeld.“

VW fordert höhere Förderung für günstige Elektroautos

VW hatte in den vergangenen Tagen die deutsche Elektroauto-Förderung stark kritisiert. Alle bisherigen Pläne zur Verkaufsförderung sowie zum Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos reichten nicht aus, heißt es in einem Volkswagen-Strategiepapier. Darin spricht sich Volkswagen für eine Verlängerung der Elektroauto-Kaufprämie bis mindestens 2025 aus, mit einer höheren Förderung besonders für Geringverdiener und Kleingewerbe. Staatliche Zuschüsse für Plug-in-Hybride sollten zugunsten reiner Batterieautos sinken.

Volkswagen schlägt in dem Strategiepapier vor, die Höhe von 4000 Euro bis 2022 beizubehalten und zwischen 2023 und 2025 auf 2000 Euro zu senken. Für Hybride sollten nur noch 1500 Euro statt bisher 3000 Euro gezahlt werden. Darüber hinaus sprach sich Volkswagen für einen Mobilitätsfonds Elektromobilität aus. Dieser solle für Fahrzeuge unter 20.000 Euro den Ladestrom finanzieren. Alternativ sei denkbar, vor allem kleinere Autos unter vier Metern Länge und ab einer Reichweite von 200 Kilometern zu fördern. Ab 4,65 Metern soll es demnach deutlich weniger Geld geben.

Eine Umsetzung dieses Programms läuft klar auf Wettbewerbsverzerrung hinaus“, sagte ein BMW-Manager der Welt. „Das ist nichts anderes als eine Subventionierung von Elektroautos des VW-Konzerns“, heißt es demnach bei BMW. „Denn wir im Premiumsegment werden kaum Batterieautos zu einem Preis von unter 20.000 Euro anbieten können und sollen deshalb keine Förderung bekommen.

Die Regierungsfraktionen des Bundestags sind in der Frage gespalten. Die verkehrspolitische Sprecherin der Union, Daniela Ludwig, sprach sich gegen den Vorstoß von VW aus. „Wir wissen derzeit noch nicht, welche alternative Antriebsart auf lange Sicht am erfolgreichsten und effizientesten sein wird“, sagte Ludwig der SZ. Daher sei es wichtig, sich nicht einseitig auf die Elektromobilität zu konzentrieren. Man setze „auf einen Mix aus Elektromobilität, Brennstoffzelle, Wasserstoff und Flüssiggas“. Beifall kam dagegen von der SPD. „Es ist gut, dass sich mit Volkswagen ein Hersteller mit Weltrang so eindeutig positioniert“, sagt Fraktionsvize Sören Bartol. „So viel Klarheit würde ich mir auch vom Verband der Automobilindustrie wünschen. Da fehlt die eindeutige Linie.“

„Lassen Sie uns den anstehenden Wandel gemeinsam angehen.“

VW-Chef Herbert Diess hat die deutschen Autobauer trotz aller Verstimmungen noch vor dem Treffen dazu aufgerufen, bei der Umstellung auf umweltfreundliche Antriebsarten die Kräfte zu bündeln. „Denn es geht darum, einen umfassenden Systemwechsel in der Automobilindustrie unseres Landes zu gestalten“, sagte Diess gegenüber der Welt. „Lassen Sie uns daher aufhören zu kritisieren und zu diskutieren. Lassen Sie uns den anstehenden Wandel gemeinsam angehen.

Um den CO2-Fußabdruck der Flotte zu senken und die strengen EU-Vorgaben zu erfüllen, spiele der Elektroantrieb eine absolute Schlüsselrolle. „Er ist auf absehbare Zeit die beste und effizienteste Möglichkeit für weniger CO2 im Straßenverkehr“, sagte Diess weiter. Ihm gehe es darum, die individuelle Mobilität auch in Zukunft für viele Menschen zu erhalten und im Volumensegment bezahlbar zu machen. „Wir wollen den Freiraum erhalten, sich bewegen zu können, wann man will und wohin man will – jederzeit.

Quellen: Süddeutsche Zeitung – Vorabmeldung vom 18.03.2019 // Die Zeit – VW knöpft sich E-Auto-Förderung vor // Welt am Sonntag – Vorabmeldung vom 15.03.2019 // Die Welt – Vorabmeldung vom 17.03.2019

2 Kommentare

  1. Für mich sieht das allerdings auch so aus, als wolle VW den politischen Wind für einen Wettberwerbsvorteil nutzen. Wahrscheinlich hätten sie es wohl gerne, dass auch Mercedes und BMW die MEB-Plattform von VW nutzen. Etwas dreist, und dann gleichzeitig andere Alternativen verhindern, um möglichst lange und viel davon zu profitieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.