Reifenexperte: “E-Autos sind im Bereich Reifen nicht besonders anspruchsvoll”

Reifen-Experte äußert sich zu Reifen für E-Autos

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Nokian Tyres, Entwickler und Produzent von Premium-Reifen, hat sich Elektroautos genauer angesehen und räumt nun mit Vorurteilen gegenüber den darauf verwendeten Reifen auf. “Eine allgemeine Wahrnehmung unter Autofahrern ist, dass sich Reifen von Elektrofahrzeugen zu schnell abnutzen – doch das Gegenteil ist der Fall”, so Nokian Tyres. Vielmehr kommt man zu dem Entschluss, dass sich Reifen von Elektrofahrzeugen meist langsamer abnutzen als solche, die auf Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren montiert sind.

E-Auto-Reifen: Sicherheit, Rollwiderstand und Geräuscharmut

Es steht allerdings fest, dass E-Autos über eine hohe Leistungsabgabe verfügen und mehr wiegen als klassische Verbrenner. Daher ist es nachvollziehbar, dass Reifen für Elektrofahrzeuge über spezielle Eigenschaften verfügen müssen. Dabei seien die relevantesten Kriterien bei emissionslosen Fahrzeugen: Sicherheit, geringer Rollwiderstand und Geräuscharmut. Wobei das Hauptaugenmerk auf dem Sicherheitsfaktor liegen sollte. Ein geringer Rollwiderstand hingegen verlängert die Reichweite des Fahrzeugs. Elektrofahrzeuge sind leise, wodurch ein niedriger Geräuschpegel der Reifen einen wesentlichen Komfortaspekt darstellt.

“Wenn Autofahrer viel im Winter und noch dazu auf schlecht-gewarteten Straßen unterwegs sind, empfehlen wir den Kauf eines expliziten Winterreifensatzes. Diese Investition in die Fahrsicherheit ist es absolut wert. Das Profil traditioneller Allwetterreifen dagegen begünstigt Reifencharakteristika, welche im Sommer benötigt werden.” – Mikko Liukkula, Entwicklungsmanager bei Nokian Tyres

Michelin schlägt in eine ähnliche Kerbe und gab bereits in einem früheren Artikel zu verstehen: “Technisch gesehen, liegt die Herausforderung auch bei Reifen für Elektrofahrzeuge bei der Geräuschentwicklung, der Reichweite, dem Drehmoment und dem Gewicht des Fahrzeugs.” Vonseiten des Reifenherstellers konzentriert man sich hauptsächlich auf das verwendete Material, welches für die Laufflächen verwendet wird, da dies den größten Einfluss auf den Rollwiderstand ausübt.

Reifen für E-Autos anspruchsloser als bisher angenommen

Continental-Chef Degenhart stellte 2016 die Aussage in den Raum, dass die Reifen bei E-Fahrzeugen schneller verschleißen. Begründet ist dies dadurch, dass das Drehmoment der E-Motoren viel höher ist als beim Verbrenner, so Degenhart. Entwicklungsmanager Mikko Liukkula von Nokian Tyres möchte allerdings bekräftigen, dass eine allgemeine Wahrnehmung in Bezug auf Elektrofahrzeug-Reifen nicht zutreffend ist. Auch wenn Elektrofahrzeuge über eine hohe Leistung und ein hohes Drehmoment verfügen, sind sie im Bereich Reifen nicht besonders anspruchsvoll – eher im Gegenteil.

“Reifen eines modernen Elektrofahrzeugs nutzen sich wesentlich langsamer ab als bei einem Fahrzeug mit traditionellem Verbrennungsmotor. Das liegt in der guten Traktionskontrolle begründet. Die Fahrassistenzsysteme reduzieren Schlupf dank der schnellen Leistungsanpassung des Elektromotors. Diese Systematik reagiert viel schneller als bei Verbrennern, bei denen sie auf dem Bremsvorgang und dem Begrenzen der Motorendrehzahl basiert.” – Mikko Liukkula, Entwicklungsmanager von Nokian Tyres

Liukkula führt zudem auf, dass ihn eine Fahrt über 12.000 Kilometer mit seinem Tesla im vergangenen Winter ihn weniger als einen Millimeter Profiltiefe an den Winterreifen gekostet habe. Bei dein hauseigenen Reifentests greift das Unternehmen auf unterschiedliche Elektrofahrzeuge zurück, wodurch ein umfangreicher Erfahrungsschatz in Hinblick auf die Reifeneignung für unterschiedliche Fahrzeugtypen aufgebaut wird. Die Reifen werden zum Beispiel auch auf elektrischen Taxis getestet.

Martin Dražik, Produktmanager bei Nokian Tyres CE, weist darauf hin, im Winter besonders auf die Abnutzung des Reifens sowie den Reifenluftdruck zu achten. Derartige Kontrollen wirken sich positiv auf die Lebensdauer der Reifen aus. Zudem gibt er einen besonderen Tipp mit auf den Weg: “Eine gute Faustregel hierfür ist: Reifen ab einem Profiltiefenunterschied von mehr als zwei Millimetern rotieren. Einmal pro Wintersaison sollte in der Regel ausreichend sein.”

Auf folgende Punkte ist bei der Reifenwahl für Elektrofahrzeuge zu achten:

  • Fahrsicherheit: Am wichtigsten ist die Berücksichtigung der jeweiligen Fahrbedingungen – danach sollten Reifen ausgewählt werden.
  • Niedriger Rollwiderstand: Je niedriger der Rollwiderstand, desto mehr Reichweite.
  • Geräuscharmut: Die Wahl geräuscharmer Reifen für leise Elektrofahrzeuge verbessert den Fahrkomfort.
  • Winterreifen oder Allwetterreifen: Winterreifen bieten herausragenden Grip bei winterlichen Bedingungen.

Quelle: Nokian Tyres – Per Mail

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3 Antworten

  1. Zum Thema Geräuscharmut:
    Von mehreren Reifenherstellern wurde eine stark geräuschreduzierende Schaumgummieinlage entwickelt. Leider sind mit dieser ausgerüstete Reifen nur in ganz wenigen exklusiven Reifendimensionen erhältlich. Und das auch nur bei wenigen Autoherstellern ab Werk. Anrufe bei den Reifenherstellern ergaben die Aussagen, dass man an einer “flächendeckenden Lösung” ebenso wenig interessiert sei, wie an einer Nachrüstlösung, bei der ein solcher Kautschukring von jedem Reifenhändler eingeklebt werden kann. Weshalb dann die Entwicklung eines solchen Systems?
    Offensichtlich ist die technisch mögliche Geräuschreduzierung bei den e-Fahrern nicht bekannt und somit die Nachfrage nach solchen Produkten nicht vorhanden.

  2. Moin. Warum sollten Reifen für e-Autis anspruchslos sein. Keineswegs! Die Fzg. leisten mehr. Mehr Gewicht, gleiche Geschwindigkeit, höhere Beschleunigung! Die Reifenhersteller sind Arschlö…..! Es ist z. Z. ungemein aufwendig Reifen leiser zu machen. Bei 69 db ist Schluß. Wenn wir aber so weiter machen, brauche ich für mein 3000cm-Mobil nur noch einen SR – Reifen. Der reicht bei der derzeitigen Politik ab 2022!

  3. Und das nächste Vorurteil löst sich ins Nichts auf!

    Sowieso kommen wohl schon 2022 die Reifen aus dem 3D-Drucker auf den Markt und wenige Jahre später die Möglichkeit individuelle Mischungen aufzudrucken.

    Siehe Michelin.

    Auch andere Hersteller sind eifrig dran und die ersten Gespräche mit Erstausrüstern laufen schon.

    Ziel ist, der biologisch abbaubare Reifen, der nie wieder gewechselt werden muss. Und der kommt.

    Ein weiteres disruptives Produkt ohne Erdöl!!!

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