Microlino vs Karolino – Streit um die Elektro-Isetta mit dem gewissen Charme

Microlino vs Karolino - aktueller Stand
Micro Mobility
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Im März 2017 war der Microlino erstmals ein Thema auf unserem Portal. Seitdem hat sich viel getan.  Zuletzt musste man die Auslieferung verschieben, da es zum Streit mit Auftragsfertiger Klaus Dieter Frers und dessen Unternehmen Artega kam. Im Gespräch mit Merlin Ouboter, CMO der Microlino AG, habe ich versucht ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen.

Zurück auf Anfang – ein wenig Grundwissen vorab

Die Schweizer Familie Ouboter, bekannt für Tret- und Kickroller unter dem Namen Micro, arbeitet bereits seit 2015 an einer rein elektrischen Version der Knutschkugel Isetta. Geplant war, dass das italienische Unternehmen TMI den Microlino bauen sollte, diese übergaben das Geschäft im Herbst 2018 an Klaus Dieter Frers und dessen Unternehmen Artega.

Seitdem sollte es aufwärtsgehen. Tut es aber nicht. Zunächst musste die Familie Ouboter seine Interessenten nochmals über eine Verzögerung unterrichten: Auftragsfertiger TMI liefere nicht die gewünschte Qualität. Frers wiederum kündigte kurz darauf an, selbst einen ganz ähnlichen Elektro-Kleinstwagen bauen zu wollen mit ganz ähnlichem Namen: Karolino. Der zudem noch “in mehr als 150 technischen Punkten” besser sei als der Microlino.

Nachfrage nach dem Microlino ungebremst; trotz unbestimmter Lieferverzögerung

Trotz all dieser Herausforderungen kann der Microlino seit Anfang Juni konfiguriert werden. Und das Interesse scheint nach wie vor nicht zu bremsen. So gab Merlin Ouboter, CMO der Microlino AG, zu verstehen, dass man bis jetzt sehr gute Rückmeldungen erhalten habe. “Von den Kunden die bereits zur Konfiguration freigeschaltet wurden, haben bereits über 5000 ihren Microlino konfiguriert”, so Ouboter weiter.

Rund 45% der Konfigurationen seien Exemplare der Pioneer Series Microlinos – limitierte Erstauflage des E-Autos. Ouboter selbst war vor allem überrascht davon, “dass mehr Kunden die grössere Batterie gewählt haben anstelle der Kleinen.” 

Den Angaben des Konfigurators im Juni 2019 zufolge wird der Microlino noch in diesem Jahr ausgeliefert. Wann genau, lässt sich allerdings nicht sagen. Das Unternehmen äußerte sich hierzu wie folgt:

“Dazu können wir leider noch keine genaueren Angaben machen, da sich Artega weiterhin weigert unsere bestellten Fahrzeuge zu liefern. Wir haben aber verschiedene Alternativen für die Produktion, die wir als Plan B vorbereitet haben.” – Merlin Ouboter, CMO der Microlino AG

Merlin Ouboter gibt zudem glaubhaft zu verstehen, dass das “Ziel ist und bleibt den Microlino so schnell wie möglich auf den Markt zu bringen, das schulden wir uns und unseren Kunden! Davon lassen wir uns auch nach so einem Rückschlag nicht davon abhalten.”

Mit dem erwähnten Rückschlag spricht der CMO der Microlino AG den andauernden Disput mit Auftragsfertiger Klaus Dieter Frers und dessen Unternehmen Artega an.

Microlino: Rechtliche Schritte sollen Frers und Artega das Handwerk legen

Laut Merlin Ouboter wird sich der Disput mit Auftragsfertiger Klaus Dieter Frers nicht legen. “Fakt ist, dass er aktiv gegen unseren Kooperationsvertrag verstößt indem er im Alleingang das Kopie Produkt Karolino auf den Markt bringen will”, so Ouboter weiter. “Deswegen haben wir auch rechtliche Schritte in Angriff genommen, um ihn dabei zu stoppen und wir sind zuversichtlich, das wir da bald einen Entscheid haben werden.”

Er wird noch ein wenig konkreter und nimmt Stellung zu den “mehr als 150 technischen Punkten” in denen die Kopie besser sein soll als das Original:

“Außer großen Versprechen haben wir noch nichts von seinen Verbesserungen gesehen. Laut seinen eigenen Aussagen hat Artega den Karolino in 150 Punkten verbessert. Dabei sind die meisten Änderungen deckungsgleich mit unseren Änderungswünschen, die rein technischer Natur sind und für den Kunden komplett irrelevant sind.” – Merlin Ouboter, CMO der Microlino AG

Eine weitergedachte Kopie, wie von Frers und seinem Unternehmen Artega beworben, ist der Karolino demnach nicht. “Der Karolino ist keine weitergedachte Kopie, sondern basiert zu 99.9% auf dem Microlino. Ironischerweise handelt es sich bei diesen Fahrzeugen noch um Microlinos die von Tazzari gebaut wurden und nur gewisse kosmetische Änderungen bei Artega vorgenommen wurden”, so Ouboter.

Microlino kann auf seine Anhänger zählen!

Als Elektroauto kommt der Retro-Stromer im Look der Fünfziger Jahre hoffentlich bald auf die Straße. Ob Karolino oder Microlino sich durchsetzen, wird sich zeigen. “Das muss schlussendlich der Kunde entscheiden! Fakt ist der Microlino ist das Original und das zählt bei unseren Fans und Kunden sehr viel, die uns über die Jahre unterstützt und begleitet haben”, so zumindest die Meinung des CMO der Microlino AG.

Abschließend gibt Merlin Ouboter folgendes zum Besten. Was die Stellung des Unternehmens auf ganzer Linie zu unterstreichen weiß:

“Wir erhalten sehr viele ermunternde Mails nicht aufzugeben, aber auch Empören über die Dreistigkeit eines solchen Ideenklau. Klar ist für alle die Situation frustrierend, aber gleichzeitig wollen wir unseren Fans und Kunden zeigen, dass wir mit Hochdruck daran arbeiten den Microlino auf die Straße zu bringen.” – Merlin Ouboter, CMO der Microlino AG

3 Kommentare

  1. Ich habe meinen Microlino schon konfiguriert mit grösserer Batterie.
    Ich habe bereits ein Plug-In Elektroauto, mein Dach mit Solarzellen gedeckt und eine Batterie in der Waschküche und kann warten.
    Niemand wird ein Plagiat kaufen, wenn er das Original kaufen kann.
    Frers hat schon einmal bewiesen, dass er “Elektroauto nicht kann”, nun möchte er anderen eine geniale Idee stehlen. Schamgefühl kennt er nicht. Karolino wird ein weiteres Puzzleiteil zu seinen bisherigen misslungenen Unternehmungen sein. Wer andern eine Grube gräbt fällt selbst hinein.

  2. @Strauss
    Was sollen sie tun, wenn sie nicht um die Früchte ihrer Arbeit betrogen werden wollen?
    Siehst Du da irgendeine Alternative?

    @Sebastian
    Schön, dass Du mal nachgefragt hast.
    Leider gibts wohl kaum erhellendes, seit den letzten Infos scheint die Lage eher festgefahren.
    Bei einem avisierten Ausstoss von 8000 Stk/Jahr müssten sie eigentlich sofort beginnen um ihre Timeline für die 45% Pioniere halten zu können, Ich fürchte, das ist weder mit Frers, noch mit Plan B (wie auch immer der aussieht) realistisch.
    Möglicherweise kannst Du ja Frers für ein Interview oder eine Stellungnahme gewinnen um Licht ins Dunkel zu bringen.

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